
Kautschuk. Verarbeitung. Inneres einer Kautschukfabrik. Walzen und Zurechtschneiden des Kautschuks, Java-B. Ca. 1928-1932. Schwarz-weiss Dia 8,5 x 10 cm (Dia 249: Ka 112).
Albert Frey-Wyssling (1900-1988) war seit 1938 Professor für allgemeine Botanik an der ETH Zürich und amtierte von 1957-1961 als deren Rektor. Von 1928 bis 1932 arbeitete er als Pflanzenphysiologe an der holländischen Kautschuk-Versuchsanstalt in Medan/Sumatra, die bestrebt war, mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden die Ertragskraft von Kautschuk zu steigern. Frey-Wyssling untersuchte die physiologischen Vorgänge, die sich beim Zapfen in der Rinde des Kautschukbaumes abspielen. Eine seiner Entdeckungen ist in der Fachliteratur als “Frey-Wyssling complex” bekannt. Frey-Wyssling wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten über den Feinbau von Zellwänden noch vor der Einführung der Elektronenmikroskopie 1938 auf den Lehrstuhl für “Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie” an der ETH Zürich berufen.
Seine umfangreiche Diasammlung befindet sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek, sein wissenschaftlicher Nachlass bei den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.

Titelkupfer
Der deutsche Theologe und Botaniker Christian Konrad Sprengel (1750-1816) begründete mit ”Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen” einen Zweig der biologischen Wissenschaften, der erst Jahrzehnte später seinen heutigen Namen “Blütenökologie” erhielt.
Sprengel beschäftigte sich auf Anraten seines Arztes mit Botanik und erforschte von 1787 bis 1792 die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Insekten. Insbesondere ging er der Frage nach, wie der Bau, die Farbgebung, und spezifische Farbzeichnungen von Blumen die verschiedenen Insekten anlocken, um die Bestäubung zu ermöglichen. Der deutsche Botaniker Gerhard Wagenitz fasst die Grundaussage des Buches so zusammen: “Blüten sind zum überwiegenden Teil auf ihre Bestäuber angewiesen, und die Eigentümlichkeiten ihres Baues lassen sich als Anpassungen verstehen, die die Bestäubung sicherstellen. Dabei wird die Selbstbestäubung weitgehend vermieden.”
Der Gedanke der Beförderung der Fremdbefruchtung war wohl das, was Charles Darwin knapp 50 Jahre später an dem Buch von Sprengel beeindruckte. Darwin selbst sah die sexuelle Fortpflanzung als Quelle der Variabilität und publizierte 1862 sein blütenökologisches Hauptwerk On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilised by insects, and on the good effects of intercrossing. “Intercrossing” übersetzt als “Befruchtung durch eine andere Art” impliziert hier bereits auch den Begriff der “Koevolution”, die wechselseitige Anpassung von Pflanze und Tier.
Links:
Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bibliothekskatalog NEBIS
Das Titelkupfer in E-Pics Alte Drucke
Ein deutscher Imker hat das Buch als Faksimile erworben und eingescannt. Er stellt es online als PDF (20 MB) zur Verfügung.
Literatur:
Gerhard Wagenitz: Sprengels „Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“ aus dem Jahre 1793 und seine Wirkung. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: 2, Mathematisch-Physikalische Klasse; 1993, 1. Göttingen 1993.

Skizze aus Albert Frey-Wyssling, Tropische und subtropische Kulturpflanzen I, Vorlesungsnotizen, Sommersemester 1942 (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1368:28)
Albert Frey-Wyssling (1900-1988), Botanikprofessor an der ETH Zürich, schätzte den schnellwüchsigen Tabak als Versuchspflanze für seine Forschungen, nicht aber die gesundheitlichen Gefahren des Genussmittels. In seiner Vorlesung über Tropische und subtropische Kulturpflanzen in den 1940er Jahren schildert er drastisch die Auswirkungen der Tabakgifte auf den menschlichen Organismus. Erst darauf präsentiert er die neusten Erkenntnisse über die Bildung des Nikotins in der Pflanze. Die Forschung hatte nämlich das Übel soeben buchstäblich an der Wurzel gepackt. In seinen autobiographischen Erinnerungen schreibt er später darüber: “Wenn man […] Tomatenschösslinge auf Tabakwurzeln pfropft, entstehen nikotinhaltige Tomaten; umgekehrt bleiben die Blätter von auf Tomatenwurzeln gepfropften Tabakpflanzen nikotinfrei.” Weder staatliche Stellen, noch die Lebensmittel- oder Tabakindustrie scheinen während der Kriegszeit und lange danach Interesse an diesem Befund gehabt zu haben. Jedenfalls erwähnt Frey-Wyssling keinerlei Reaktionen aus diesen Kreisen.
Links:
Die erwähnten Vorlesungsnotizen stammen aus dem Nachlass Frey-Wyssling in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.
Erwähnte Literatur: Albert Frey-Wyssling, Lehre und Forschung. Autobiographische Erinnerungen, 1984.

Oswald Heers Zeichnung verschiedener Typen von Ahornsamen (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 204:188)
Oswald Heer (1809-1883) studierte zuerst Theologie, widmete sich aber anschliessend den Naturwissenschaften und gilt heute als einer der Begründer der Paläontologie und der Archäo- bzw. Paläobotanik. An der ETH, wie auch an der Universität Zürich wirkte er als Professor für Botanik. Zu seinen wichtigsten Werken gehört unter anderen die Flora tertiaria Helvetiae. In ihr beschrieb er 720 bis dahin unbekannte fossile Pflanzen auf schweizerischem Gebiet. Damit war der Grundstein für seinen guten internationalen Ruf als Paläobotaniker gelegt.
Von den fossilen Pflanzen zeichnete Heer sehr viele selbst und wurde erst in der Endphase von einem wissenschaftlichen Zeichner unterstützt. Heer arbeitete sehr genau und selbstkritisch und war immer offen gegenüber begründeter Kritik. Einen grossen Teil der Zeichnungen zur Flora tertiaria Helvetiae finden sich in den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH Bibliothek.
In seinem Werk beschrieb Heer unter anderem insgesamt 35 Ahornarten (vgl. Abb. oben). Da ein Bestimmungswerk noch fehlte, versuchte Heer möglichst viele Typen herauszuarbeiten und präsentierte – dem Zeitgeist entsprechend – eine artenreiche Flora.
Aus heutiger Sicht sind natürlich einige seiner Erkenntnisse (z.B. der Artenreichtum beim Ahorn) überholt, dies schmälert seine Leistung aber in keiner Weise (nach wie vor findet seine Arbeit Eingang in die heutige Forschung).
Links:
Die Originalzeichnungen zur Flora tertiaria Helvetia befinden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH Bibliothek Zürich.
Die Flora tertiaria Helvetia kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.
Das Nachlassverzeichnis von Oswald Heer kann online eingesehen werden.
Ein Portrait des Monats von Oswald Heer findet sich auf der Homepage der ETH Bibliothek Zürich.