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11.11.2011

Der Schuss aus dem Chemiegebäude – Mysteriöser Kriminalfall am Eidgenössischen Polytechnikum

 

 

Brief von Rudolf Wolf an Hermann Bleuler, Sternwarte Zürich, 12. Oktober 1891

(ETH-Bibliothek, Archive, SR3 1891, Nr. 470)

Als Professor Rudolf Wolf am zweiten Oktoberwochenende 1891 an die Sempersche Sternwarte heimkehrte, wo er ab 1864 zunächst mit Mutter und Schwester in der direktorialen Dienstwohnung im gesamten ersten Obergeschoss des Hauptbaus residiert hatte und seit dem Tod der Schwester vor zehn Jahren alleine hauste, erwartete ihn im Wohnzimmer eine üble Überraschung. Nachdem er sich wieder gefasst, die Situation analysiert, das weitere Vorgehen überdacht hatte, griff er zur Feder und schrieb an Hermann Bleuler, Präsident des Schweizerischen Schulrates:

Hochgeehrter Herr Präsident. 

So eben nach Zürich zurückgekehrt, erfahre ich dass letzten Freitag auf Samstag in ein Fenster meines Wohnzimmers geschossen wurde. Das Vorfenster zeigt ein kleines, das innere Fenster ein grosses Loch, und die durch die beiden Löcher bestimmte Schussrichtung weist unzweifelhaft auf das oberste Stockwerk des Chemie-Gebäudes als Absende-Ort.

Glücklicher Weise befand sich Niemand in dem Zimmer, sonst hätte leicht eine Verwundung eintreten können, da die Glassplitter durch das ganze Zimmer zerstreut wurden.

Da ich mir denken muss, es wäre Ihnen unangenehm eine gewissermassen im Innern des Polytechnikums, durch Angestellte desselben oder deren Familien-Angehörige, verübte, strafbare Handlung an die Öffentlichkeit gebracht zu sehen, so glaube ich von einer Anzeige an die Polizei Umgang nehmen zu sollen, und ersuche Sie diesen Vorfall in Ihnen geeignet scheinender Weise untersuchen zu lassen, – den Thäter aber jedenfalls gehörig ins Gebet zu nehmen.

Die Fenster werde ich vorerst nicht reparieren lassen, damit Sie die wünschbare Controle vornehmen lassen können, das kleine Geschoss kann ebenfalls vorgewiesen werden.

 Ihr Hochachtungsvollst Ergebenster

 Sternwarte Zürich 1891 X 12.                 Prof. R. Wolf

Für Professor Wolf, Astronom, Mathematiker und Geodät, der die angehenden Ingenieure in Vermessungskunde unterrichtete, und in seiner anderen Funktion als Oberbibliothekar den Bücherschatz der Mathematisch-Militärischen Gesellschaft Zürichs inklusive Werke zur Ballistik und Artillerie anno 1880 ans Polytechnikum geholt hatte, war es ein leichtes, Einschusswinkel und Herkunftsort des Geschosses zu bestimmen.

  

Abbildung 1: Zürich, Stadtansicht mit Hochschulviertel. Links die Sternwarte mit Kuppelturm, rechts das Chemiegebäude mit hohem Kamin, um 1890 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00331-F)

Im obersten Stockwerk des Chemiegebäudes, in Sicht- und offenbar auch Schussweite der Sternwarte und umgekehrt (Abbildung 1), war in der Mitte die technologisch-chemische Sammlung untergebracht, „ein stets zur öffentlichen Benutzung, insbesondere natürlich zum Studium der Schüler dienendes […] Museum“ ohne permanente „Bedienung und Überwachung“.  An beiden Schmalseiten befanden sich Wohnungen für die Hauswarte und deren Familien.

   

Abbildung 2: ETH Zürich, Chemiegebäude, rechts im Hintergrund die Sternwarte, um 1889 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00382) 

Wolfs Wohnzimmer im ersten Obergeschoss der Sternwarte lag exakt südlich dem Kuppelturm gegenüber mit je einem Fenster auf drei Seiten, eines davon sichtbar vom Chemiegebäude her. Über dem Wohnzimmer lag ein Rechnungssaal für die Auswertung astronomischer Messungen zusammen mit dem Büro der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt. Bei genauer Betrachtung von Abbildung 2 mit dem Chemiegebäude in der Mitte und der Sternwarte rechts daneben im Hintergrund ist ersichtlich (Vergrösserungsmöglichkeit  hier), dass vor den Fenstern der Sternwarte teilweise die Storen geschlossen sind zum Schutz vor der Nachmittagssonne.

Möglicherweise hatten Wolf oder seine Mitarbeiter im Stockwerk darüber vor dem Verlassen der Sternwarte an besagtem Wochenende keinen Anlass zum Herunterkurbeln der Sonnenstoren gehabt. Wenn irgendwann danach die Sonne in die Fenster schien, wurden vielleicht Personen im Chemiegebäude geblendet. Es ist daher denkbar, dass dann der „Thäter“ dem Spuk mit einem Schuss in die Richtung des grellen Scheins ein Ende bereiten wollte. Es sei denn, er (oder sie?) habe wirklich aus welchem Anlass auch immer in die dunkle Nacht hinausgeschossen, wie Wolfs zeitliche Annahme von „Freitag auf Samstag“ nahelegt.

Leider wurde die Angelegenheit tatsächlich diskret behandelt. Weder in den Verwaltungsakten der ETH, noch in überlieferten privaten Unterlagen der Beteiligten konnten bisher weitere Hinweise auf den Fall aufgespürt werden.

Anmerkungen

Zitate zum Chemiegebäude auf Seiten 31/32 in: Die chemischen Laboratorien des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, Hgg. F. Bluntschli, G. Lasius, G. Lunge, Zürich 1889

Zur Sternwarte Seite 360 in: Gottfried Semper 1803-1879. Architektur und Wissenschaft, Hgg. Winfried Nerdinger, Werner Oechslin, Zürich 2003

29.10.2010

Die ersten 3‘000 Swissairbilder sind online

 

 

 

Meteorologe bei Wetterbeobachtung, nach 1932 (LBS_SR01-00375)

Der Meterologe steht auf dem Dach des sogenannten Aufnahmegebäudes in Dübendorf, zur Wetterbeobachtung stehen ihm ein Winkelmessinstrument und der Ballon zur Messung der Höhenwinde zur Verfügung.

In Unterlagen des Swissair-Marketings finden sich ausführlichere Beschreibungen zu ausgewählten Bildern und den darauf abgebildeten Tätigkeiten. So lautet die zeitgenössische Bildlegende zu diesem Bild folgendermassen. “Flugwetterwarte: Für die Messung von Windstärke und Windrichtung in den verschiedenen Höhenlagen, welches das Flugzeug auf seiner Reise aufsuchen wird, lässt man einen Ballon mit genau bekannter Steiggeschwindigkeit hochfliegen. In regelmässigen Zeitabständen werden Neigung und Richtung des Theodoliten abgelesen. Diese Messergebnisse dienen zur Errechnung der sogenannten Höhenwinde.”

In der Bilddatenbank Bildarchiv Online sind jetzt die ersten 3‘000 digitalisierten Bilder aus dem Fotoarchiv der Swissair online zugänglich. Sie dokumentieren den Aufbau der Swissair in Dübendorf von 1931 bis 1948 und illustrieren den Flugbetrieb der ehemaligen nationalen Fluggesellschaft. Das Angebot wird sukzessive erweitert und ist auch über das Wissensportal zugänglich. Die Bilder können auch als hochwertige Ausdrucke bestellt werden. Ein zoombares Bild ist im BildarchivOnline verfügbar.

26.01.2009

Seegfrörni 1929 – Schlittschuhläufer im Winter auf zugefrorenem Zürichsee

Filed under: Bildarchiv,Meteorologie, Klimatologie — Nicole Graf @ 13:09

Streiff-Becker, Rudolf. Panorama, Seegfrörni 1929. Schwarz-weiss Abzug 9 x 30 cm (Ans 972).

Vergangenen Montag ist das vorläufige Ende der kleinen Seegfrörni der laufenden Wintersaison eingezogen. Kleinseen wie der Katzensee in Zürich Nord waren genau zwei Tage zur Begehung freigegeben. Die tiefen Temperaturen vom 2. bis 18. Januar 2009 haben die Hoffnung auf ein Zugefrieren geweckt. Auch wenn dies in den ersten Januartagen nicht immer so wahrgenommen wurde, die Winter in den letzten Jahren sind immer wärmer geworden. Die Chancen für das Zufrieren von Seen stehen und standen nicht gut.

Zum letzten Mal gefror der Zürichsee im Winter 1963. Zuvor geschah dies in den Jahren 1829/30, 1880, 1891, 1895, 1907 und 1929. Für das Entstehen einer solchen Seegfrörni braucht es günstige klimatische Bedingungen. So sollte der Prozess der Abkühlung möglichst früh beginnen. Die Seegfrörni wird zudem durch kalte und kräftige Winde und durch klare Nächte gefördert. Ein See muss auf 4 Grad Celsius abkühlen, bevor er gefrieren kann. Erst wenn diese Temperatur über einen längeren Zeitraum erreicht ist, kann der See von oben her zufrieren. Wasser hat dann nämlich seine grösste Dichte und sinkt auf den Grund ab. Während kleinere Seen in kalten Wintern öfters gefrieren, kommt es bei grösseren Seen wie dem Zürichsee nur selten zu einer Seegfrörni. Im Winter 1962/63 war es so kalt, dass sogar der Bodensee gefror.

Das Panoramabild in Schwarz-weiss zeigt Schlittschuhläufer auf dem zugefrorenen Zürichsee während der Seegfrörni von 1929.

Links: Weitere Bilder der Seegfrörni des Zürichsees aus den Jahren 1891, 1929 und 1963 können im BildarchivOnline mit dem Stichwort „Seegfrörni” recherchiert und näher betrachtet werden.

 

31.03.2008

Inlandeis. Windmessung. Grönland 1912.

Filed under: Bildarchiv,Meteorologie, Klimatologie — Tags: , — Rudolf Mumenthaler @ 16:56

de Quervain, Grönlandeis

Alfred de Quervain. Inlandeis. Windmessung. Grönland 1912. Glasdia handkoloriert 8.5 x 10 cm. Dia 297:71.

Das Bild zeigt den Schweizer Meteorologen Alfred de Quervain auf seiner Grönlandexpedition 1912 bei Windmessungen. Aufgenommen wurde es auf dem Inlandeis von einem seiner Begleiter (Roderich Fick, Karl Gaule oder Hans Hössli).

Dem Schweizer Geophysiker und Arktisforscher Alfred de Quervain (1879-1927) gelang im Sommer 1912 die Durchquerung des mittelgrönländischen Inlandeises in west-östlicher Richtung. Er lief mit drei Schweizer Begleitern und mit Einsatz von Hundeschlitten von Ilulissat nach Ammassalik mehr als 500 km über das Eis, eine bedeutend längere Strecke als Fridtjof Nansen 1888 zurückgelegt hatte. Die Reise war auch wissenschaftlich ein Erfolg: Erstmals wurden die grönländischen Gletscher in einem Höhenprofil erfasst.
Die finanzielle Unterstützung der Reise war durch private Sponsoren (u.a. NZZ, Maggi, Hero) erfolgt, nachdem der Bundesrat eine Subventionierung abgelehnt hatte. Zum Abbau des Defizits hielt de Quervain nach erfolgreicher Rückkehr zahlreiche Vorträge. Dafür setzte er Diapositive ein, die von einem Spezialisten in Zürich nach Angaben de Quervains hand­koloriert worden waren. Während der Expedition hatte sein Begleiter Wilhelm Jost aber auch schon Farbfotos, sogenannte Autochrome, gemacht.

Die ETH-Bibliothek zeigt dieses und weitere Bilder von Forschungsreisen in ihrer Ausstellung “Forscher auf Reisen – Fotografien als wissenschaftliches Souvenir” vom 19. Mai bis zum 9. Juni 2008 in der Haupthalle der ETH Zürich.

Mehr Bilder von de Quervains Grönlandexpedition sind in Bildarchiv Online zu sehen: http://ba.e-pics.ethz.ch/link.jsp?id=dia_297&view=searchresult

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