Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

16.12.2011

Vannoccio Biringuccio: Pirotechnia (Venedig, 1540)

Filed under: Alte Drucke,Bergbau,Chemie und Pharmazie — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Holzschnitt aus der Pirotechnia von 1558: Glockenlager

Der italienische Ingenieur, Architekt, Büchsenmacher und Chemiker Vanoccio Biringuccio (1480-1537) war ein Meister des Hüttenwesens und der Schmiedekunst. Er unternahm es, sein Wissen an weite Kreise weiterzugeben und schuf mit Pirotechnia nicht nur das erste Handbuch der Metallurgie, sondern markierte damit in gewisser Weise auch den Anfang der technologischen Literatur überhaupt.

Der Praktiker Biringuccio pflegte einen beinahe „modernen“ Zugang zur Alchemie, denn er wies tunlichst allen Aberglauben und jegliche pseudo-Magie von sich. Als Handwerker war er zudem in der Lage, die Prozesse der frühen angewandten Chemie bis in alle Einzelheiten vollumfänglich zu beschreiben.

Als praktisches Handbuch erfreute sich die Pirotechnia grosser Beliebtheit. In einer Zeitspanne von 138 Jahren wurde sie neun Mal neu aufgelegt. Dennoch stand sie vielleicht wegen des unprätentiösen Schreibstils und der unscheinbaren Aufmachung etwas im Schatten von Georgius de Agricolas späteren prachtvollen De re Metallica (1556).

Links:

Die Erstausgabe von 1540 ist für die Ausleihe gesperrt.

Die dritte Ausgabe von 1558 kann in NEBIS bestellt und im Lesesaal Spezialsammlungen konsultiert werden.

Auch die fünfte Ausgabe von 1678 ist in der Sammlung vorhanden.

Schliesslich besitzt die Bibliothek drei Faksimiles: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002167472 (ab Erstausgabe, Italienisch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002136453 (Deutsch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002175392 (Englisch)

24.12.2010

Domenico Martinelli: Horologi elementari (Venedig, 1669)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Mechanik und Maschinenbau — Roland Lüthi @ 7:00

 

Kupferstich Fig XII, Compositione d’un horologio fatto alla similitudine di quello, che si vede nella famosissima Piazza di Venetia, Ré Magi

1669 schlug der italienische Architekt  Domenico Martinelli (1650-1718) in seinem Buch Horologi Elementari  vor, den Kuckucksruf für die Anzeige der Stunden zu verwenden, und er könnte daher als Erfinder der Kuckucksuhr gelten. Allerdings beschrieb bereits 1650 Athanasius Kircher in seiner Musurgia Universalis  die Verwendung einer mechanischen Kuckucksfigur. Aber auch Kircher kann kaum der Verdienst dieser Erfindung zugesprochen werden. Manche Historien der Zeitmessung schreiben die Erfindung Anton Ketterer aus dem Schwarzwald zu und datieren sie mit 1730.

Martinelli beschreibt die Konstruktion von Uhren und deren Antrieb mittels den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer. Als Architekt richtete er sein Augenmerk auf Uhren für öffentliche Gebäude wie zum Beispiel die oben abgebildete Uhr auf dem Uhrenturm in Venedig. Der Torre del’ Orologio wurde zwischen 1496 und 1499 von Mauro Codussi erbaut. Der Uhrmechanismus  stammt aus dem Jahr 1499 und bewegt mit seiner ausgeklügelten Mechanik sowohl die Zeiger als auch den Rundlauf der Heiligen drei Könige, die sich vor der Madonna verneigen. Der Antrieb bewegt zudem die beiden augenfälligen Mohrenstatuen aus Bronze, welche die Stunden auf den Glocken des Turmes schlagen.

Links:

Horologi elementari (Rar 1639) ist über den Bibliothekskatalog NEBIS bestellbar: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000549514.

Einzelne Bilder aus Horologi elementari können in E-Pics Alte Drucke betrachtet werden: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?id=Rar1639&view=searchresult.

17.12.2010

William Derham: The artificial clock-maker (London, 1734)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Mechanik und Maschinenbau,Physik — Roland Lüthi @ 7:00

Stereometric Diagram of a Clock Interior

Der britische Theologe und Naturforscher William Derham (1657-1735) verfasste neben Arbeiten aus dem Bereich Physik auch solche zu Biologie, Meteorologie, Astronomie, Geologie und Medizin. The artificial clock-maker  war seine erste Publikation (Erstausgabe 1696) und wurde mehrfach neu aufgelegt. Derham zeigt darin den Aufbau und die Mechanik verschiedenster Uhren, sowie einen geschichtlichen Abriss über die Uhrmacherkunst. Er war ein Vertreter der so genannten Uhrmacher-Analogie, die bereits von René Descartes und Robert Boyle ins Feld geführt wurde. Die Analogie besagt, dass die komplexe Konstruktion eines Uhrwerks einen intelligenten Konstrukteur erfordert. Daraus wird gefolgert, dass Naturphänomene wie beispielsweise das Weltall einen Schöpfergott implizieren.

1702 wurde Derham zum Fellow der Royal Society gewählt und publizierte diverse Arbeiten in den Transactions oft the Royal Society. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das eigentliche Vermächtnis Derhams weniger in seinen zahlreichen eigenen Arbeiten zu sehen, sondern vielmehr in der posthumen Herausgabe der Werke seines grossen Zeitgenossen Robert Hooke, den Philosophical experiments and observations, London 1726.

Links:

The artificial clock-maker (Rar 2002) im Bibliothekskatalog NEBIS

Tafel aus The artificial clock-maker in E-Pics Alte Drucke

Faksimile der Erstausgabe von Derhams Philosophical experiments and observations of the late Robert Hooke im Bibliothekskatalog NEBIS

23.07.2010

Abheben wie ein Pelikan? Die Startschwierigkeiten des Flugzeugs SB-2 Pelikan

Die SB-2 Pelikan der Pilatus Flugzeugwerke mit dem Pelikan-Symbol vorne am Bug
(ETH-Bibliothek, Archive, Akz. 2002-2)

Im Zweiten Weltkrieg spannte die Schweizer Landesregierung die ETH aktiv in ihre Pläne zur Förderung einer selbständigen nationalen Flugzeugindustrie in der Schweiz ein. Das Eidgenössische Luftamt (heute Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL) beauftragte den frisch auf den Lehrstuhl für Flugzeugstatik und Flugzeugbau berufenen Professor Eduard Amstutz mit der Entwicklung eines Spezialflugzeugs, das speziell auf die Schweizer Berglandschaft zugeschnitten sein sollte. Am Lehrstuhl wurde daraufhin ein Studienbüro eingerichtet, das vom ETH-Ingenieur Hans Belart geleitet wurde. Er war es auch, der den Entwurf des SB-2 genannten Kleinverkehrsflugzeuges handhabte, Windkanalversuche durchführte und alle mathematischen Berechnungen vornahm. Das Studienbüro wurde 1943 dem Schweizerischen Flugtechnischen Verein angegliedert, der als Bindeglied zwischen ETH-Institut, Bundesbehörden und Industrie diente.

Da die ETH-Mitarbeiter vielfach Aktivdienst leisten mussten, verzögerte sich die Konstruktion des Flugzeuges erheblich. Schliesslich konnte der Entwurf aber doch für 180.000 Fr. an die Pilatus Flugzeugwerke in Stans verkauft werden, die den Bau der SB-2 ausführten. Als Immatrikulation hatte das Eidgenössische Luftamt die Buchstaben HB AEP gewählt, die als Symbol für die Zusammenarbeit zwischen der ETH und der Industrie gedeutet werden können: Hans Belart, Amstutz Eduard, Pilatus.

Die SB-2 verfügte über Langsamflug-Eigenschaften, eine hohe Steigleistung und war als STOL-Flugzeug (Short Take-Off and Landing) gut geeignet für Berggebiete, in denen nur kurze Start- und Landebahnen zur Verfügung standen. Damit konnten Personen- und Frachttransporte sowie Einsätze in der Landwirtschaft durchgeführt werden.

Zeichnungen für 5-Plätzer und 7-Plätzer auf dem Datenblatt der SB-2 Pelikan
(ETH-Bibliothek, Archive, Akz. 2002-2)

Am 30. Mai 1944 fand der erfolgreiche Erstflug statt, die SB-2 erhielt den Namen „Pelikan” (wohl in Anlehnung an den Fieseler Fi  156 „Storch”). Zu einer Serienproduktion kam es jedoch nie, da die Pilatus Flugzeugwerke durch den Bau der P-2 bereits ausgelastet waren. Als die „Pelikan” bei einer Flugschau in Kirchberg bei Bern am 13. Juni 1948 beim Start an einer Rinne hängenblieb und sich überschlug, konnte das Flugzeug nicht mehr repariert werden, Totalschaden.

Das ETH-Institut für Flugzeugstatik und Flugzeugbau arbeitete auch bei anderen Projekten mit der Schweizer Flugzeugindustrie zusammen, so bei der Konstruktion des Pilatus Porter PC-6, den Schulflugzeugen P-2 und P-3, sowie bei den Flugzeugen „Elfe”, „Diamant”, „Bravo” und dem Segelflugzeug B4.

In den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH Zürich finden sich Unterlagen des ehemaligen Instituts für Flugzeugstatik und Flugzeugbau und des Schweizerischen Flugtechnischen Vereins, darunter Typenbücher, Konstruktionszeichnungen, Ergebnisse von Windkanal- und Belastungsversuchen, Fotos der Bauphasen und Flugversuche.

Links:

Protokolle der Sitzungen des Schweizerischen Schulrates online zum Thema Schweizerischer Flugtechnischer Verein: http://www.sr.ethbib.ethz.ch/digbib/view?did=c1:180992&p=340

Monika Burri: Die ETH als aerodynamische Denkfabrik.  http://www.ethistory.ethz.ch/besichtigungen/touren/vitrinen/forschungspfade/vitrine52

 

05.03.2010

Alexander Paucker alias Francis Chagrin oder wie der Maschineningenieur zum Film kam

Filed under: Archive und Nachlässe,Mechanik und Maschinenbau — Marion Wullschleger @ 17:13

Matura-Zeugnis von Alexander Paucker (Bukarest, 1. September 1924)

Zu finden unter Signatur: EZ-REK 1/1 Schachtel 189: Matrikel Alexander Paucker.

Alexander Paucker wurde als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie am 15. November 1915 in Bukarest geboren. Schon in seiner Kindheit zeigte sich seine Vorliebe für Musik. Seine Eltern aber bestanden darauf, dass er zuerst einmal einen „richtigen Beruf” erlernen solle, damit er einmal den Familienbetrieb übernehmen könne. Im Juni 1924 schloss Alexander das Gymnasium „Gheorghe Lazăr” in seiner Heimatstadt ab.  Seinen Eltern zuliebe reiste er kurz nach der bestandenen Matura nach Zürich, um sich auf ein Ingenieur-Studium vorzubereiten.

In der Schweiz angekommen, besuchte Alexander einen Sommerkurs am Institut Minerva, wo er vor allem naturwissenschaftliche Fächer belegte (Deutsch sprach er bereits). Seiner Anmeldung für das Studium an der ETH musste Alexander auch ein Leumundszeugnis der Stadtpolizei Zürich beilegen, welches bescheinigte, dass „nichts Nachteiliges” über ihn bekannt geworden sei. Sein auf Rumänisch verfasstes Matura-Zeugnis musste er noch durch eine amtliche französische Übersetzung ergänzen.

Der ernste junge Mann mit Brille bestand die Aufnahmeprüfung der ETH im Sommer 1924 mit eher mittelmässigen Noten. Er schrieb sich zum Studium an der Abteilung III (Maschinenbau) ein und  besuchte brav alle obligatorischen Lehrveranstaltungen – wie seinem Einschreibeheft zu entnehmen ist. Alexander konnte zwar an der ETH nebenbei Veranstaltungen zu französischer Geschichte und deutscher Lyrik besuchen, aber das Freifach Musik war leider nicht vorgesehen. Am 21. Dezember 1928 schloss er sein Studium mit einer sehr guten Note ab. Mit dem Diplom als Maschineningenieur in der Tasche kehrte er nach Bukarest zu seiner Familie zurück.

Seine Eltern wollten ihn jedoch immer noch davon abhalten, eine musikalische Karriere einzuschlagen. Um seiner Berufung zu folgen, machte sich Alexander auf nach Paris und änderte seinen Namen in Francis Chagrin. Seine musikalische Karriere sollte ihn von Nachtklubs in Paris, über den Posten als Chef-Komponist der BBC in Frankreich bis hin zu einem eigenen Orchester in London führen. Aus dem ETH-Maschineningenieur wurde ein Komponist, der die Musik von über 200 Filmen und Fernsehsendungen (darunter „Doctor Who”) schrieb.

Alexander Paucker alias Francis Chagrin starb am 10. November 1972 in London.

Powered by WordPress