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10.02.2012

Schweizer Skitourenkarten

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Markus Appenzeller @ 10:00

Ausschnitt Skitourenkarte

Ausschnitt Skitourenkarte Safiental

Skitourenbeschreibung

Ausschnitt Skitourenführer Nordbünden

Im Beitrag vom 20.1.2011 wurde über  Skikarten aus den Anfängen des Skisports berichtet. In den letzten Jahren hat das Skitourenfahren in der Schweiz einen richtigen Boom erlebt. In früheren Jahren wurden vor allem im Frühjahr, wenn die Schneedecke verfestigt und die Lawinengefahr am Vormittag klein war, die hohen Berge mit Skis bestiegen. Dank modernem Material und verbesserter Skitechnik sind Skitourenfahrer und Schneeschuhläufer heute auch im Früh- und Hochwinter im lockeren Pulverschnee (oder häufig leider auch im „Bruchharscht“) unterwegs. Mit den Skitourenkarten 1:50 000, den Landeskarten 1:25 000, beide vom Bundesamt für Landestopografie, den Skitourenführern vom Schweizer Alpen-Club (SAC) , dem Lawinenbulletin, das übers Internet (www.slf.ch) abgerufen werden kann,  sowie mit den aktuellen Wetterprognosen, können die Skitouren gut vorbereitet werden.

Im gezeigten Ausschnitt der aktuellen Skitourenkarte (Nr. 275 S, Safiental) sind die vorgeschlagenen Routen rot eingezeichnet. Sie stellen eine Auswahl dar und zeigen nur den ungefähren Routenverlauf. Die Nummer neben der Route verweist auf eine detaillierte Beschreibung im Skitourenführer (Skitouren Nordbünden:  Prätigau, Surselva, Rheinwald  von Vital Eggenberger, Bern 2008). Wenn sich die Tour auch für Snowboarder eignet, erscheint ein kleines Symbol neben der Routennummer. Routenabschnitte, die gepunktet sind, können nur zu Fuss begangen werden. Steilhänge mit Hangneigungen ab 30° sind rot eingefärbt. In diesen Gebieten herrscht bei ungünstigen Verhältnissen erhöhte Gefahr von Schneebrettlawinen. Unser Kartenausschnitt aus dem Safiental zeigt sanft geneigte Hänge Richtung Südost, die ausgezeichnet fürs Skitourenfahren geeignet sind, sowie steil abfallende rot gefärbte Hänge gegen Nordwest, die nur bei sicheren Verhältnissen befahren werden sollten. Gebiete, die im Winter nicht oder nur entlang den eingezeichneten Routen betreten werden dürfen, sind gelb umrandet. Es handelt sich um Schutzgebiete, in die sich Wildtiere im Winter zurückziehen. Änderungen an bestehenden oder neue Schutzgebiete, die in der Skitourenkarte noch nicht eingezeichnet werden konnten, sind im Webportal  www.respektiere-deine-grenzen.ch  oder www.wildruhezonen.ch einsehbar.
Für Skitourenfahrer, die mit dem öffentlichen Verkehr anreisen, sind die gelb eingezeichnete n Postautorouten mit den roten Punkten für die Haltestellen nützlich.

Auf der Rückseite der Skitourenkarten hat es weitere Informationen: Zeichenerklärung, Zeit- und Schwierigkeitsangaben zu den Routen, Informationen über Anreise, Schutzgebiete und Wildtiere, Lawinen, Gebirgsrettung, Checkliste, nützliche Telefonnummern und Internetadressen sowie themenbezogene Literatur.

Die Skitourenkarten decken praktisch das gesamte schweizerische Alpengebiet ab und werden auch aktualisiert. Eine Lücke im Grenzgebiet zu Italien wurde in diesem Winter mit dem Blatt Valle Antigorio Nr. 275 S geschlossen.

Sämtliche aktuellen Skitourenkarten der Schweiz mit den dazugehörigen Skitourenführern sowie die Landeskarten 1:25 000 für die Detailplanung sind im Lesesaal Spezialsammlungen in der Freihandbibliothek der Kartensammlung aufgestellt. Sie sind nicht ausleihbar, Ausschnitte von Karten  und Tourenführer dürfen  für Privatzwecke kopiert  werden.

02.12.2011

Le grand avantage des méthodes graphiques – der erste thematische Weltatlas

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung,Naturwissenschaften — Tags: , — Susanne Zollinger @ 15:44


Isothermenkarte, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849
(Durch mehrfaches Anklicken werden die Karten vergrössert angezeigt)

Physikalische Karte vom Indischen Meere, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849

Berghaus’ physikalischer Atlas erschien als erster thematischer Weltatlas 1852 in zweiter Auflage im auf wissenschaftliche Geografie und Kartografie spezialisierten Verlag von Justus Perthes in Gotha. Im Vorwort zitiert der Kartograf  Henrich Berghaus den von ihm verehrten Zeitgenossen und Freund, den Naturforscher und Mitbegründer der empirischen Geografie Alexander von Humboldt:

„C’est le grand avantage des méthodes graphiques appliquées aux différents objets de la philosophie naturelle, de porter dans l’esprit cette conviction intime qui accompagne toujours les notions, que nous recevons immédiatement par les sens. “ (Alexandre de Humboldt, 1825)

„In den Worten des grossen Naturforschers, welche als Wahlspruch an die Spitze dieser Umrisse gestellt worden sind, ist der Standpunkt angedeütet, auf dem der Nutzen und das Bedürfniss beurtheilt wurden, als vor beinhah‘ einem Vierteljahrhundert der Grundgedanke für die Bearbeitung und Herausgabe einer Sammlung graphischer Darstellungen zur Erlaüterung der physikalischen Erdkunde in Anregung kam […]“

Berghaus innovatives Werk trägt den Untertitel „Eine, unter der fördernden Anregung Alexander’s von Humboldt verfasste Sammlung von 93 Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind.“  Es umfasst die Abteilungen Meteorologie und Klimatographie, Hydrologie und Hydrographie, Geologie, Tellurischer Magnetismus, Pflanzengeographie, Thiergeographie, Anthropographie und Ethnographie und soll Alexander von Humboldts Kosmos illustrieren.

Für den Atlas fasste Berghaus zeitgenössische Kartendarstellungen zusammen und ergänzte das Werk mit eigenen kunstvoll ausgeführten Darstellungen.  Die Zusammenstellung enthält aber auch Tabellen, Diagramme und ausführliche Angaben zu Art und Herkunft der verwendeten physikalischen Daten.

Der wunderschöne Atlas mit Linien- und Flächenkolorit umfasst zwei Bände und trägt die Signatur KA 500098. Der “Kosmos” von Alexander von Humboldt hat die Signatur RA 2620. Beide Werke können als Originale im Lesesaal der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

04.11.2011

Stralegg

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Markus Appenzeller @ 10:16

Brief von Egli an Gutersohn

Brief von Egli and Gutersohn

Manuskriptkarte Strahlegg

Manuskriptkarte von Egli

Kartenausschnitte

links: Siegfriedkarte 1955 – rechts: Landeskarte 2009

Kürzlich hat die Kartensammlung der ETH-Bibliothek ein Dokument bekommen, das ursprünglich dem Geographischen Institut der ETH gehörte. Es handelt sich um 6 ganz einfache, sehr sorgfältig von Hand gezeichnete Kartenskizzen, welche abgelegene Siedlungen im Tössbergland, Kanton Zürich darstellen. Ein Begleitbrief gibt Aufschluss zur Entstehungsgeschichte dieser Fleissarbeit: Hans Egli, Lehrer in Rüti, Kanton Zürich, hat die Manuskriptkarten auf Wunsch von  Heinrich Gutersohn, Professor am Geographischen Institut der ETH  Zürich gezeichnet. Als Grundlage für die Zeichnungen, diente Egli die Siegfriedkarte aus dem Jahre 1944. Neben den Höhenangaben finden sich auf den Zeichnungen noch Angaben zu den Siedlungen und ihren Bewohnern.

Ob Heinrich Gutersohn, der Autor des Standardwerks „Geographie der Schweiz“ (in 3 Bänden, erschienen 1958-69 bei Kümmerly  & Frey in Bern), die Information aus den 6 Kärtchen für sein Werk nutzte, wissen wir nicht. Im Band 3 (Mittelland), 2. Teil,  befasst er sich auf S. 222 ff. ausführlich mit dem Tössbergland.  S. 227: „Die den Naturgegebenheiten und den übrigen Umständen angepassten zweckmässigsten Siedlungsformen waren im Boden des Haupttals und auf den Höhen der Tafelberge das Dorf und der Weiler, im Gebiet der Eggen und Tobel der Einzelhof und der Kleinweiler. Das Tössbergland ist ein charakteristisches Einzelhofgebiet, gleicht also auch in dieser Hinsicht durchaus dem ihm verwandten Napfbergland. Die Reliefgestaltung erlaubt allerdings keine zu weit gehende Rodungen, Steilhalden mussten zum vorneherein bewaldet bleiben, …“

Unsere beiden kleinen Kartenausschnitte von der Stralegg (links Siegfriedkarte aus dem Jahr 1944, rechts Landeskarte 2009) zeigen deutlich und bestätigen die Aussage von Gutersohn: Das Verhältnis von Wald zu offenem Weideland hat sich innert der letzten 60 Jahren kaum verändert. Verändert haben sich allerdings die Beschriftungen auf den beiden Karten: Flurnamen haben sich verändert, sind verschwunden oder neu hinzugekommen, Höhenangaben sind genauer geworden.

Auf Seite 231 schreibt Gutersohn: „Trotz der Verminderung der Einzelhöfe konnte die im Bereich dieses Staatswaldes gelegene Schule Stralegg (1054 m), die höchstgelegene Schule des Kantons Zürich, zum Teil für die Kinder der Waldarbeiter beibehalten werden. Immerhin sank die Schülerzahl vom 58 im Jahre 1830 auf 15 im Jahre 1967.“

Die Schule auf der Stralegg gibt es heute noch.  In einem Artikel von Daniel Hess im Tages-Anzeiger  vom Dienstag  1. November 2011 (Titel: „Wo die Schüler den Lehrer duzen“) wird erwähnt, dass noch 16 Kinder in einer Klasse unterrichtet werden.

Bibliothekssignatur für die 6 Manuskriptkarten von Hans Egli: K 686460

Katalogaufnahme für die Manuskriptkarten: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=006669742

Katalogaufnahme für „Geographie der Schweiz“ von H. Gutersohn: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=003893669

 

09.09.2011

Die Basler Rheinhäfen um 1920


Abb. 1: Uebersichtskarte von Basel mit den bestehenden & projektierten Hafen & Bahnanlagen
, 1917
(alle Karten und Fotos  können per Mausklick vergrössert werden)


Abb. 2a: Übersichtsplan der Basler Rheinhafenanlagen, 1924,  linker Teil


Abb. 2b: Übersichtsplan der Basler Rheinhafenanlagen, 1924,  rechter Teil


Abb. 3: Foto Rheinhafen St. Johann (Ans_05521-008-AL ), Alfred Kugler, 1919


Abb. 4: Ausschnitt aus Postkarte Rheinhafen Kleinhüningen (Fel_004412-RE ), Poststempel 4.9.1924

Über die drei Rheinhäfen der Stadt und Region  Basel werden heute ca. 10 Prozent des gesamten mengenmässigen Aussenhandels der Schweiz abgewickelt. Rund 30 bis 40 Prozent des Mineralöls gelangt über die Rheinhäfen in die Schweiz (Wikipedia, 2011). Die vorgestellten Karten, Pläne, Fotos und Postkarten dokumentieren den Zeitraum von 1917 bis 1926, während dem in Basel Hafenanlagen genutzt, projektiert, erbaut und erweitert wurden.

Die Uebersichtskarte von Basel mit den bestehenden & projektierten Hafen & Bahnanlagen  von 1917 (Abb. 1)  dokumentiert den Planungsprozess für den Bau der Basler Hafenanlagen Kleinhüningen und Birsfelden. Die Karte erschien als Beilage zum Ratschlag Nr. 2081 (Staatsarchiv Basel-Stadt). Die Areale für projektierte Hafenanlagen sind darin mit gelber Farbe markiert.  Auf dem Übersichtsplan der Basler Rheinhafenanlagen  des Schiffahrtsamtes des Kantons Basel-Stadt von 1924 (Abb. 2)  sind die Häfen St. Johann und Kleinhüningen abgebildet. Die detailreiche Karte beinhaltet die Standorte der Hafenkrane, Bahngeleise und Lagerhäuser und gibt Aufschluss über die Art der umgeschlagenen Güter.

Der Basler Hafen St. Johann (Abb. 3) wurde bereits zwischen 1906 und 1911 erbaut. In diesem Hafen wurden vor allem Getreide und Trockengüter umgeschlagen und gelagert. 2010 wurde mit dem  Abbruch des Hafens begonnen, um Platz für den Novartis Campus zu schaffen.

Das Hafenbecken I des Hafens Kleinhüningen (Abb. 4 und 5) wurde 1922  eröffnet und bis 1924 mit Krananlagen und Gebäude für die Reedereien erweitert. Die Botschaft auf der Postkarte (Abb. 4) lautet : “[...] Schon am Rauch siehst Du dass unser Seehafen von grosser Bedeutung ist, denn ohne Rauch kein (Hafen)Feuer. [...]“.

Das Hafenbecken II des Hafens Kleinhüningen wurde von 1936 bis 1939 erstellt. Fast im gleichen Zeitraum, nämlich von 1937 bis 1940, wurde der Rheinhafen Birsfelden, für den bereits im Plan von 1917 eine grosse Fläche ausgeschieden ist, erstellt und danach mehrfach erweitert. Dieser Hafen ist heute auf den Umschlag und die Lagerung von flüssigen Treib- und Brennstoffen und Trockengütern ausgerichtet. In Kleinhüningen werden neben Containern hauptsächlich Trockengüter wie Stahl, Aluminium, Buntmetalle und flüssige Stoffe umgeschlagen

Der Übersichtsplan der Basler Rheinhafenanlagen des Schiffahrtsamtes ist 30 x 93 cm gross und hat die Signatur K 402063. Die Uebersichtskarte von Basel mit den bestehenden & projektierten Hafen & Bahnanlagen  ist 47 x 36 cm gross und hat die Signatur K 481020. Beide Karten gehören zum Bestand der Kartensammlung und  können im Lesesaal  Spezialsammlungen eingesehen werden. Das Foto und die Postkarten sind im Bildarchiv online nachgewiesen.

Quellen:
Staatsarchiv Basel, http://query.staatsarchiv.bs.ch/query/detail.aspx?ID=499302
Schweizerische Rheinhäfen, in: Wikipedia, zitiert 2.9.2011


12.08.2011

Internierungslager in der Schweiz

Filed under: Geographie und Karten,Geschichte,Kartensammlung — Tags: — Markus Appenzeller @ 10:00

Ausschnitt aus Karte Internierungslager Schweiz

Abb.: Kartenausschnitt aus Manuskriptkarte ‘Internierungslager Schweiz’, Bern,  Armeekommando 1940-41

Auf der Flucht vor der deutschen Armee überquerten im Juni 1940 rund  50 000 französische, belgische und polnische Soldaten sowie Zivilflüchtlinge die Schweizer Grenze im Neuenburger Jura. Sie wurden entwaffnet und in Lagern interniert.  Der Kartenausschnitt zeigt die Internierungslager am 3. 7. 1940. Rot markiert die Lagerstandorte der Franzosen, blau der Polen und türkis der Belgier. Insgesamt 8 Karten zu diesem Thema sind im Bestand der Kartensammlung (ein Geschenk aus unbekannter Quelle).  Neben den Nationalität  und Standorten der Internierten zeigen die Karten auch Einteilung und Bestand der Bewachungstruppen (militärdienstleistende Schweizer und Schweizerinnen werden die Symbole  und Abkürzungen verstehen).

Bei den 8 Karten handelt es sich um Manuskriptkarten, alle Informationen zu den Lagern wurden mit Tusche und Schablone eingetragen. Als topographische Grundlage dient die Generalkarte der Schweiz 1:300 000,die von der Armee im zweiten Weltkrieg verwendet wurde.

Übrigens wurden die Internierten auch in der Wirtschaft, Landwirtschaft und vor allem im Strassenbau eingesetzt. In vielen Landesgegenden entstanden so die „Polenwege“, die wir heute als verkehrsarme Velo- und Wanderrouten schätzen.

Die 8 Karten mit der Signatur K 620103 können in Lesesaal Spezialsammlungen eingesehen werden. Link zur Titelaufnahme im Wissensportal: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000420780

29.07.2011

Adam Olearius: Voyages très curieux et très renommez faits en Moscovie, Tartarie et Perse (Amsterdam, 1727)

Filed under: Alte Drucke,Geographie und Karten — Tags: — Roland Lüthi @ 7:30

Kupferstich Seite 40: Die holsteinische Delegation beim russischen Zaren in Moskau, 19. August 1634

Der deutsche Schriftsteller und Diplomat Adam Oehlschlegel (1599-1671) begab sich 1633 als Sekretär einer holsteinischen Delegation auf eine Reise nach Russland und Persien. Im Auftrag des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf sollten die 34 Delegierten eine wirtschaftliche Anbindung Norddeutschlands mit Russland und Persien erreichen. Die Mission dauerte von 1633 bis 1639 und endete ohne Erfolg. Die Gründe für das Scheitern waren vielfältig: Die lange und gefährliche Route, die hohen Zölle, welche die Russen und Schweden verlangten, der Umstand, dass Holländer und Armenier den Seidenhandel in Isfahan bereits kontrollierten, und am schwerwiegendsten die Tatsache, dass Persien nicht genug Seide produzierte, um das Unternehmen profitabel zu machen.

Der Reisebericht von Olearius erschien erstmals 1647 unter dem Titel Die Offt Begehrte Beschreibung der Newen Orientalischen Rejse. Sie vereint eine Beschreibung der Völker Persiens, Informationen über Geografie, Biologie, Linguistik, Geschichte und Naturgeschichte. Der Text gehört dabei zu einem Genre von Reisebericht, der Augenzeugenberichte über eine relativ unbekannte Gegend zu vermitteln sucht. Das Buch wurde schnell zu einem Bestseller und es folgten holländische, englische, französische und italienische Ausgaben.

Link:

Voyages faits en Moscovie, Tartarie et Perse im Bibliothekskatalog NEBIS

Literaturhinweis:

Elio Christoph Brancaforte:Visions of Persia: mapping the travels of Adam Olearius (Cambridge, 2003)

08.07.2011

Mittelholzers Abessinienflug (1934)

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten,Geschichte — Tags: , , — Nicole Graf @ 18:00

 

Links: Mittelholzer, Walter: Mazedonien, 200 km südlich von Belgrad. 07.02.1934 (LBS_MH02-22-0003)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Fokker F. VII b-3m, CH-192 an Tankstelle. 02/1934 (LBS_MH02-22-0907)

 

Links: Mittelholzer, Walter: Männer vor Flugzeug, Ma’an, Transjordanien. 15.02.1934 (LBS_MH02-22-0012)
Rechts: Mittelholzer, Walter: Flugplatz in Addis Abeba. 03/1934 (LBS_MH02-22-0778)

  

Links: Mittelholzer, Walter: Kaiser Haile Selassie I. zu Pferd. 02/1934 (LBS_MH02-22-0382)
Rechts: Übergabe von Schild und Degen an Walter Mittelholzer, durch den Privatsekretär des Kaisers Haile Selassie I. 03/1934 (LBS_MH02-22-0789)

 

Mittelholzer, Walter: Dankali-Mädchen aus der Völkerfamilie der Galla, an der Küste von Französisch Somali-Land. 03/1934 (LBS_MH02-22-0775)

Der Fotograf, Flugpionier und Swissair-Mitgründer Walter Mittelholzer (1894–1937) und seine Crew flogen vom 2. bis 23. Februar 1934 über die Alpen – Athen – Jerusalem – Tel Aviv – Kairo – Assuan mit einem Abstecher nach Petra nach Addis Abeba. Mittelholzer flog 7‘118 km in 46,28h Flugstunden. Ziel des Abessinienflugs war ein Flugzeugtransport an den Hof des äthiopischen Kaisers Haile Selassie. Mittelholzer lieferte also die 3-motorige Fokker (CH 192) per Flug an die Regierung nach Äthiopien. Nebst der Dokumentation des Hinfluges mit vielen Luftbildern fotografierte Mittelholzer den Kaiser Haile Selassie, den Hof und das Militär und besuchte diverse Stämme in Süden Äthiopiens.

Die filmische und fotografische Ausbeute bei Mittelholzers Auslandflügen waren damals besonders wertvoll, wurden doch unberührte Gegenden erkundet und erstmals fotografisch festgehalten. Die vielen Pionierflüge (Afrika, Persien, Spitzbergen, Alpen, Kilimandscharo) fanden auch im Ausland stark Beachtung und machten Mittelholzer und die Schweizer Aviatik damals in weiten Kreisen bekannt.

Mittelholzer galt immer als sehr geschäftstüchtig und hat seine Auslandflüge optimal vermarktet: nicht nur hat er viel fotografiert – die Fotografien von rund 50 solcher Auslandflüge sind erhalten und werden seit dem Jahr 2009 im Bildarchiv der ETH-Bibliothek archiviert. Diese kulturhistorisch bedeutende Fotosammlung wird im Bildarchiv inventarisiert, digitalisiert und erschlossen. Der Abessinienflug ist nun der erste dieser Auslandflüge, den das Bildarchiv aufgearbeitet und übers Bildarchiv Online veröffentlicht hat.

Mittelholzer hat zudem oft auch als Regisseur für die Filmproduktionsfirma Praesens-Film, deren Mitbegründer er war, Filme über die Flüge gedreht. Seine Filme hat damals fast jeder Schweizer gesehen, es waren sehr populäre Filme zur grossen Zeit des Schweizer Films. Der Film über den Abessinienflug war Mittelholzers erster Tondokumentarfilm. Das Original ist ebenfalls Teil der Mittelholzer-Sammlung des Bildarchivs und liegt zur Zeit in der Cinemathèque Suisse im Depot. Ausserdem hat Mittelholzer in der Regel parallel zu den Flügen jeweils ein Fotobuch geschrieben. Das Buch zum Abessinienflug ist bereits 1934 erschienen und kann übers Wissensportal bestellt werden.

Die Mittelholzer-Bilder sind Bestandteil des Archivs der Stiftung Luftbild Schweiz. Sie werden kontinuierlich aufgearbeitet und sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

01.07.2011

Ludwig Choris: Voyage pittoresque autour du monde (Paris, 1822)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten — Tags: — Roland Lüthi @ 7:35

Abbildung III: Costumes des Malais de l’ile de Luzon

Abbildung XV (Alaska): Ours marins dans l’île de St. Paul

Der junge ukrainische Künstler Ludwig Choris (1795-1828) wurde 1815 von Kapitän Otto von Kotzebue zu einer Expedition ins Nordpolarmeer eingeladen. Zweck der Reise war die Suche nach der legendären Nordwestpassage durch die Beringstrasse. Unter den 27 Passagieren des russischen Forschungsschiffs Rurik befanden sich neben Choris auch der deutsche Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso (1781-1838).

Wie viele vorgängige und spätere Expeditionen erreichten Kotzebue und seine Gefährten das gesteckte Ziel nicht. Sie konnten jedoch eine zusammenhängende Meeresströmung nachweisen, die der erste wissenschaftliche Beleg für die Existenz der Nordwestpassage war. Ausserdem kartographierte Kotzebue über 400 Inseln in Polynesien und weite Teile der Westküste Alaskas. Während Chamisso zahlreiche neue Pflanzen entdeckte und benannte, fertigte Ludwig Choris eine grosse Anzahl  von Zeichnungen an. Die Publikation, die der Künstler nach seiner Rückkehr in Paris veröffentlichte, ist eines der wertvollsten und fundamentalen Werke über Alaska, Kalifornien und die Hawaiianische Inselwelt. Der Druck erschien zuerst mit allen Tafeln in schwarzweiss, dann mit den naturgeschichtlichen Tafeln in Farbe und schliesslich mit allen Tafeln in Farbe. Die ETH-Bibliothek besitzt die farbige Variante.

Link:

Ein Teil der Tafeln und Texte sind online bei http://www.americanjourneys.org/aj-087/index.asp .

Literaturhinweis:

Edward Mornin: Through Alien Eyes; the visit of the Russian ship Rurik to San Francisco in 1816 and the men behind the visit, Oxford: P. Lang, 2002

24.06.2011

Sommerzeit – Ferienzeit – Strandurlaub

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten — Tags: — Nicole Graf @ 18:46

 

Badhusen, Marstrand. Marstrand : Imp. Otto Svensson, Poststempel 27.8.1903 (Fel_029392-RE)

Abbazia, Villen am Südstrand. Abbazia : Verlag a. Dietrich ; Dresden-A. : Chromotion von Markert & Sohn, Graph. Kunstanstalt, Poststempel 09.03.1908 (Fel_027337-RE)

 Catania, Hütten am Strand. Poststempel 26.6.1923 (Fel_054041-RE)

Westerland a. Sylt, Strandleben a. Familienbad. Berlin : Verlag J. Wollstein, Poststempel 11.9.1925 (Fel_047222-RE)

Cannes, Promenade de la Croisette. Paris : Lévy & Neurdein Réunis, Poststempel 25.4.1928 (Fel_056586-RE)

Im 19. Jahrhundert ermöglichte die Schleifung von Stadtbefestigungen und die Auslagerung von Hafeneinrichtungen in vielen Städten die Anlage von Promenadenwegen auf den früheren Festungs- und Wallanlagen. Die Sommerfrische und Meereslust begannen sich auszubreiten und vielerorts wurden die Küstenregionen touristisch erschlossen.

Strandkörbe, Strandhütten, Seebäder, Sonnenhüte und sich nach modischem Geschmack ändernde Strandkleider prägen seither das Bild. Aber auch Strand- oder Uferpromenaden wie die Promenade de la Croisette in Cannes nehmen bis heute eine zentrale Rolle im Stadtleben ein und galten bzw. gelten als Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Die Bilder sind Bestandteil der Postkartensammlung von Adolf Feller, die zahlreiche Kartenbeispiele von Strandaufnahmen aus aller Welt enthält. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

22.06.2011

Aussicht von der Weid bei Zürich

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Susanne Zollinger @ 18:28

Panorama von der Weid von Heinrich Keller von 1880

Ausschnitt aus: Südliche Aussicht von der Weid bei Zürich, Heinrich Keller, 1880

Um 1880 zeichnet Heinrich Keller von der Weid aus ein detailgetreues Panorama der Stadt Zürich, das ein ländlich anmutendes, locker bebautes Stadtgebiet zeigt. Bereits sind jedoch auch Zeugen des Fortschrittes sichtbar. So ist in der Ansicht ist ein bereits ansehnliches Eisenbahnnetz abgebildet. Die Strecke der Schweizerischen Nordostbahn  verläuft auf einem mächtigen Damm  und über ein  Viadukt über die Limmat nach Oerlikon und weiter bis nach Romanshorn.  Am Rand der dicht bebauten Zürcher Innenstadt ist das Portal des 1870 fertig gestellen Hauptbahnhofes sichtbar. Industriegebäude mit hohen Kaminen sind über das ganze Stadtgebiet verteilt. In Wipkingen bezieht die  Stadtmühle Elektrizität vom Flusskraftwerk beim Unteren Letten.

Im Hintergrund des Panoramas ist die atemberaubende Bergkulisse des Alpenrandes sichtbar und verweist auf die Bedeutung von Panoramen als touristische Souvenirs. Aus heutiger Sicht ist die Darstellung ein wichtiges Zeugnis der Siedlungs- und Landschaftsentwicklung der Stadt Zürich.

Das wunderschöne 13 x 89 cm grosse Panorama von Heinrich Keller hat die Signatur K 690326 und kann im Lesesaal Spezialsammlungen der ETH Bibliothek eingesehen werden.

Informationen zu Heinrich Keller findet man im Lexikon zur Kunst in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein.

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