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03.02.2012

„haleluia!“ – Albert Einsteins Jubelschrei vom 2. Februar 1912

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Physik — Tags: — Christian John Huber @ 19:01

 

Briefkarte Albert Einstein an Alfred Stern vom 2.Februar 1912 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 1510: 1)

  

Prag 2.II 12

Verehrter Herr Professor und verehrte Frau Professor Stern!

 

Vor zwei Tagen wurde ich (haleluia!) an das Polytechnikum in Zürich berufen und habe hier schon meinen k.k. Abschied angemeldet. Darob bei uns Alten und beiden Bärchen grosse Freude, sodass ich nicht umhin kann, es Ihnen mitzuteilen. Im Sommer wird schon gezügelt.

 

Beste Grüsse an Sie und Ihre Kinder

Auf frohes Wiedersehen

 

Ihr A. Einstein & Frau

 

Sicherlich war der Jubelschrei Ausdruck der Freude Albert Einsteins über die Rückkehr an die Alma Mater. Am Eidgenössischen Polytechnikum (heute ETH Zürich) hatte er 1896 bis 1900 Mathematik und Physik studiert und mit dem Fachlehrerdiplom abgeschlossen. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass seine Berufung zum Ordinarius für theoretische Physik auch Genugtuung bei ihm ausgelöst hat, und der Freudenschrei durchaus eine ironische Note besitzt. Denn Einstein hatte während des Studiums häufig durch Abwesenheit geglänzt, was seinen Lehrern auffiel und sich auch in seinen Abschlussnoten niederschlug. So schrieb er in einem früheren Brief an seinen väterlichen Freund Alfred Stern: „[…] soviel man mir sagte, bin ich bei keinem einzigen meiner früheren Lehrer gut angeschrieben“ (Albert Einstein an Alfred Stern am 3. Mai 1901). Er bekundete nach dem Studium denn auch Mühe eine Stelle zu finden.

 Mit dem Jahr 1905 nahm seine Biographie eine neue Wende. Während seiner Zeit als Patentbeamter in Bern publizierte er vier bahnbrechende Arbeiten, wurde hernach Extraordinarius an der Universität Zürich und dann Ordinarius in Prag, wo er nun seinen „k.k.“ also kaiserlich-königlichen Abschied nahm um mit seinen „beiden Bärchen“, den Söhnen Hans Albert und Eduard sowie seiner Gattin Mileva nach Zürich zurück zu kehren.

 Nicht zuletzt freute sich Albert Einstein jedoch auf das Wiedersehen mit seinem Freund Alfred Stern. Stern, wie Einstein ein deutscher Jude bürgerlicher Herkunft, wurde 1887 zum Ordinarius für Geschichte an das Eidgenössische Polytechnikum in Zürich berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1928 verblieb. Die Freundschaft der beiden hatte bereits während Albert Einsteins Studium begonnen. Einstein verkehrte damals regelmässig im Hause Stern und teilte mit dem Historiker die Leidenschaft für Musik. Über das gemeinsame Musizieren hinaus schwärmte Einstein in seinen Briefen verschiedentlich von der Güte und Heiterkeit, welche in der Familie geherrscht habe. Die herzliche Beziehung Einsteins zur gesamten Familie Stern hielt ein Leben lang.

 

Link

Einstein Online

 

Literatur

Norbert Schmitz. Alfred Stern (1846-1936): Ein europäischer Historiker gegen den Strom der nationalen Geschichtsschreibung. Hannover 2009.

09.12.2011

Leuchtendes Beispiel – 111 Jahre elektrisches Licht in der ETH-Bibliothek

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Ingenieurwissenschaften — Tags: , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

Werbekarte für die Nernst-Expresslampe aus Professor Walter Wysslings Sammlung von Werbeprospekten und Preislisten zur Elektrotechnik (ETH-Bibliothek, Archive, 48291 (Hs):59, Fasc. 22/I e.) 

Der zündende Funke war eine massive Kostenüberschreitung gewesen. Seit 1898 wurde die unter Raumnot leidende Bibliothek des Polytechnikums umgebaut und in der Südwestecke des Hauptgebäudes, am heutigen Standort der Graphischen Sammlung, erweitert. Alte Baumängel in den Räumen strapazierten dabei das Budget derart, dass Schulratspräsident Hermann Bleuler am 17. November 1899 das Eidgenössische Departement des Innern um einen happigen Nachtragskredit anging. Bei der Gelegenheit beantragte er gleich noch einen Extrazuschlag zur Einrichtung einer bisher nicht vorgesehenen elektrischen Beleuchtung.

Die eidgenössischen Räte, die über das Begehren zu befinden hatten, verschoben jedoch vorsichtshalber die Entscheidung auf den Abschluss der Bautätigkeit, wenn die gesamte Kostenüberschreitung bekannt sein würde. Bleuler schrieb daraufhin am 9. Dezember 1899 nochmals nach Bern, ob nicht doch im Hinblick auf den später zu gewährenden Nachtragskredit die elektrische Beleuchtung noch während der laufenden Bauarbeiten installiert werden dürfe:

„Eine neue Einrichtung für Beleuchtung in den Räumen der Bibliothek muss unter allen Umständen ausgeführt werden und wird für Gas nicht weniger kosten als für Elektrizität. […] Wollte man nun […] zu warten, […] würde später die Ausführung einer endgültigen Einrichtung mehr Mühe, Kosten und Ungelegenheiten aller Art verursachen, als wenn jetzt gleich noch mit der Vollendung der neuen Einrichtung der Bibliotheksräume dieselbe vorgenommen werden kann.“

Diese Argumentation leuchtete den vorgesetzten Behörden ein. So kam es, dass die erweiterte Bibliothek bei der Eröffnung am 26. April 1900 mehr als eineinhalb Jahre früher als das gesamte Hauptgebäude in elektrischem Licht erstrahlte mit Strom aus dem soeben in der Nachbarschaft fertiggestellten Maschinenlabor. Die Zürcher Bibliotheksfachleute waren von der „Musterbibliothek“ nicht zuletzt auch wegen der neuartigen Erhellung der Räume begeistert. Hermann Escher, späterer Direktor der Zentralbibliothek, beschloss seine Lobeshymne über den geglückten Erweiterungsbau mit den Worten:

„Die jüngste der drei hiesigen Bibliotheken ist den anderen mit leuchtendem Beispiel vorangegangen.”

Am Polytechnikum war die Freude dagegen etwas gedämpft. Bibliotheksdirektor Ferdinand Rudio beklagte in seinem Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 „unvorhergesehene Ausgaben, zum Teil auch solche, die eigentlich auf das Baubudget hätten gesetzt werden sollen“. Das Loch in der Kasse war vielleicht ein Grund, dass kein Fotograf zur Ablichtung der neuen Räumlichkeiten engagiert wurde. Jedenfalls finden sich in den Beständen der heutigen ETH-Bibliothek keine Bilder von damals.

Ähnliches wiederholte sich nach der Elektrifizierung des gesamten Hauptgebäudes. Die Schulleitung war erleichtert, als Planung und Ausführung nach der Gewährung eines ausserordentlichen Kredits durch die eidgenössischen Räte endlich abgeschlossen waren. Im Jahresbericht 1901 hielt sie fest:

„Die neue Beleuchtung ist nun seit Mitte Dezember im Gange und hat sich bis jetzt gut bewährt und sich gegenüber der bisherigen in den schlecht ventilierten Räumen die Luft verderbenden, blendenden Gasbeleuchtung auch in hygienischer Beziehung als wohltätig erwiesen.“

Auch diesmal blieb anscheinend nichts übrig, um das neu ausgeleuchtete Hauptgebäude zu fotografieren. Dabei wäre in Gestalt von Johannes Barbieri, Titularprofessor für Photographie, sogar ein hauseigener Fachmann zur Verfügung gestanden.  In den Akten fehlen zudem nähere Details zu den gewählten Beleuchtungstypen.

Als Ersatz für zeitgenössische Bilder dient daher die Werbekarte eines Beleuchtungsmittels aus der umfangreichen Dokumentation von Walter Wyssling, Professor für angewandte Elektrotechnik, der damals die Elektrifizierung der Bibliothek und des gesamten Hauptgebäudes geplant hatte. Nernstlampen wurden ab 1897 produziert, waren langlebiger und somit kostengünstiger als Glühlampen mit Kohlefaden, erbrachten aber erst nach Erwärmung des Glühkörpers die volle Leistung. Die abgebildete Expresslampe wurde um das Jahr 1904 entwickelt. Sie kombinierte die Nernstlampe mit der herkömmlichen Kohlefadenlampe zur Erwärmung des Glühkörpers und sorgte damit gleich beim Einschalten noch während der Aufwärmphase für Helligkeit.

Anmerkungen

Kopien der Schreiben von Schulratspräsident Bleuler an das eidgenössische Departement des Innern 17. November und 9. Dezember 1899 in den Missiven (ETH-Bibliothek, Archive, SR1: 1899, Nr. 481 und Nr. 516)  

Theodor Vetter, Eine Musterbibliothek, in: Züricher Post, No. 105, Sonntag 6. Mai 1900, Frontseite

Hermann Escher, Die neuen Bibliotheksräume im Polytechnikum, Beilage zu Neue Zürcher Zeitung, Nr. 128, Mittwoch 9. Mai 1900

Ferdinand Rudio, Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1901 No. 38)

Entwurf “Bericht des Eidgenössischen Polytechnikums über das Jahr 1901″, S. 21/22 in: ETH-Bibliothek Archive, SR2 Schulratsprotokolle 1902, Sitzung Nr. 2 vom 27.02.1902, Traktandum 42, S. 33/34

Literatur

BLÄTTERN & BROWSEN – 150 Jahre ETH-Bibliothek, Hrsg. ETH-Bibliothek Zürich, 2005 

18.11.2011

„Sie hatte es natürlich planmässig auf meine Verführung abgesehen…“ – C.G. Jung an Sigmund Freud über Sabina Spielrein

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Psychologie — Tags: — Michael Gasser @ 7:00

Erste Seite des Briefes C.G. Jungs an Sigmund Freud vom 4. Juni 1909 (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1056:30985, Copyright Stiftung der Werke von C.G. Jung – mit freundlicher Genehmigung)

Wenn Keira Knightley als Sabina Spielrein, Michael Fassbender als C.G. Jung und Viggo Mortensen als Sigmund Freud im Film „A Dangerous Method“ die wohl berühmteste Liebesaffäre in der Geschichte der Psychoanalyse und deren Auswirkung auf die Freundschaft zwischen Jung und Freud auf die Leinwand bringen, geht es Regisseur David Cronenberg nur bedingt um historische Detailgenauigkeit. Entsprechend frei interpretiert Cronenberg in seiner fiktionalisierten Version der Geschichte denn auch das vorhandenene Quellenmaterial.

Quellenmässig blieb die Innensicht von Sabina Spielrein (1885-1942), deren bewegtes Leben als erste Analysandin Jungs, praktizierende Psychoanalytikerin, Angehörige der Wiener Psychoanlytischen Vereinigung und Begründerin der Psychoanalyse in Russland tragisch in einem Judenpogrom deutscher Truppen in Rostow endete, längere Zeit im Dunkeln. Erst in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren wurden ihre Tagebücher sowie Teile ihrer Korrespondenz mit Sigmund Freud und C.G. Jung in Genf entdeckt und schrittweise ediert.

Der Einfluss Spielreins auf die Freundschaft zwischen Jung und Freud spiegelt sich dagegen in der Korrespondenz zwischen den beiden Psychoanalytikern, die heute zu den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek zählt. Die Briefe zeigen, wie schwer es Jung fällt, Freud gegenüber seine Arzt-Patientin-Liebesaffäre und damit sein grobes Fehlverhalten innerhalb der psychotherapeutischen Behandlungsmethode einzugestehen. Am 7. März 1909 schreibt er an Freud noch verklausuliert: „Ich bin immer in den Grenzen des Gentleman ihr [Sabina Spielrein] gegenüber geblieben, aber vor meinem etwas zu empfindsamen Gewissen fühle ich mich doch nicht sauber, und das schmerzt am meisten, denn meine Absichten waren immer rein gewesen.“ Erst als Sabina Spielrein sich ebenfalls an Freud wendet, wird Jung deutlicher, wirbt aber gleichzeitig um Freuds Verständnis für seine Grenzüberschreibung, indem er ihm gegenüber in einem Brief vom 4. Juni 1909 die Verführungskünste Spielreins betont:

Da ich aus Erfahrung wusste, dass sie [Sabina Spielrein] sofort rückfällig wurde, wenn ich ihr meinen Beistand versage, zog sich die Beziehung über Jahre hin, und ich hielt mich schliesslich quasi für moralisch verpflichtet, ihr meine Freundschaft weitgehend zu vertrauen, solange bis ich sah, dass dadurch ein unbeabsichtigtes Rad ins Rollen geriet, weshalb ich schliesslich abbrach. Sie hatte es natürlich planmässig auf meine Verführung abgesehen, was ich für inopportun hielt. Nun sorgt sie für Rache.

Zwei Wochen später, am 21. Juni 1909, gesteht Jung Freud schliesslich seinen „Wahn [...], quasi das Opfer der sexuellen Nachstellungen meiner Patientin“ geworden zu sein und fügt hinzu: „Ich bitte Sie nun vielmal um Entschuldigung, dass meine Dummheit Sie mit in diese Sache hineingezogen hat.“ Freud nimmt diese Entschuldigung nicht nur bereitwillig an, sondern setzt sich bei Sabina Spielrein sogar für Jung ein, so dass dieser am 10. Juli 1909 nach Wien schreiben kann: „Ich möchte Ihnen zu allererst herzlich danken für Ihre freundliche Hilfe in der Spielrein-Angelegenheit, die sich ja jetzt so günstig erledigt hat.“

Quelleneditionen:
Spielrein, Sabina. Tagebuch und Briefe: die Frau zwischen Jung und Freud. Herausgegeben von Traute Hensch. Giessen, 2003.
Freud, Sigmund und C.G. Jung. Briefwechsel. Herausgegeben von William McGuire und Wolfgang Sauerländer. Zürich, 1976.

Lektüre:
Kerr, John. Eine höchst gefährliche Methode: Freud, Jung und Sabina Spielrein. München, 1994.

11.11.2011

Der Schuss aus dem Chemiegebäude – Mysteriöser Kriminalfall am Eidgenössischen Polytechnikum

 

 

Brief von Rudolf Wolf an Hermann Bleuler, Sternwarte Zürich, 12. Oktober 1891

(ETH-Bibliothek, Archive, SR3 1891, Nr. 470)

Als Professor Rudolf Wolf am zweiten Oktoberwochenende 1891 an die Sempersche Sternwarte heimkehrte, wo er ab 1864 zunächst mit Mutter und Schwester in der direktorialen Dienstwohnung im gesamten ersten Obergeschoss des Hauptbaus residiert hatte und seit dem Tod der Schwester vor zehn Jahren alleine hauste, erwartete ihn im Wohnzimmer eine üble Überraschung. Nachdem er sich wieder gefasst, die Situation analysiert, das weitere Vorgehen überdacht hatte, griff er zur Feder und schrieb an Hermann Bleuler, Präsident des Schweizerischen Schulrates:

Hochgeehrter Herr Präsident. 

So eben nach Zürich zurückgekehrt, erfahre ich dass letzten Freitag auf Samstag in ein Fenster meines Wohnzimmers geschossen wurde. Das Vorfenster zeigt ein kleines, das innere Fenster ein grosses Loch, und die durch die beiden Löcher bestimmte Schussrichtung weist unzweifelhaft auf das oberste Stockwerk des Chemie-Gebäudes als Absende-Ort.

Glücklicher Weise befand sich Niemand in dem Zimmer, sonst hätte leicht eine Verwundung eintreten können, da die Glassplitter durch das ganze Zimmer zerstreut wurden.

Da ich mir denken muss, es wäre Ihnen unangenehm eine gewissermassen im Innern des Polytechnikums, durch Angestellte desselben oder deren Familien-Angehörige, verübte, strafbare Handlung an die Öffentlichkeit gebracht zu sehen, so glaube ich von einer Anzeige an die Polizei Umgang nehmen zu sollen, und ersuche Sie diesen Vorfall in Ihnen geeignet scheinender Weise untersuchen zu lassen, – den Thäter aber jedenfalls gehörig ins Gebet zu nehmen.

Die Fenster werde ich vorerst nicht reparieren lassen, damit Sie die wünschbare Controle vornehmen lassen können, das kleine Geschoss kann ebenfalls vorgewiesen werden.

 Ihr Hochachtungsvollst Ergebenster

 Sternwarte Zürich 1891 X 12.                 Prof. R. Wolf

Für Professor Wolf, Astronom, Mathematiker und Geodät, der die angehenden Ingenieure in Vermessungskunde unterrichtete, und in seiner anderen Funktion als Oberbibliothekar den Bücherschatz der Mathematisch-Militärischen Gesellschaft Zürichs inklusive Werke zur Ballistik und Artillerie anno 1880 ans Polytechnikum geholt hatte, war es ein leichtes, Einschusswinkel und Herkunftsort des Geschosses zu bestimmen.

  

Abbildung 1: Zürich, Stadtansicht mit Hochschulviertel. Links die Sternwarte mit Kuppelturm, rechts das Chemiegebäude mit hohem Kamin, um 1890 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00331-F)

Im obersten Stockwerk des Chemiegebäudes, in Sicht- und offenbar auch Schussweite der Sternwarte und umgekehrt (Abbildung 1), war in der Mitte die technologisch-chemische Sammlung untergebracht, „ein stets zur öffentlichen Benutzung, insbesondere natürlich zum Studium der Schüler dienendes […] Museum“ ohne permanente „Bedienung und Überwachung“.  An beiden Schmalseiten befanden sich Wohnungen für die Hauswarte und deren Familien.

   

Abbildung 2: ETH Zürich, Chemiegebäude, rechts im Hintergrund die Sternwarte, um 1889 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00382) 

Wolfs Wohnzimmer im ersten Obergeschoss der Sternwarte lag exakt südlich dem Kuppelturm gegenüber mit je einem Fenster auf drei Seiten, eines davon sichtbar vom Chemiegebäude her. Über dem Wohnzimmer lag ein Rechnungssaal für die Auswertung astronomischer Messungen zusammen mit dem Büro der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt. Bei genauer Betrachtung von Abbildung 2 mit dem Chemiegebäude in der Mitte und der Sternwarte rechts daneben im Hintergrund ist ersichtlich (Vergrösserungsmöglichkeit  hier), dass vor den Fenstern der Sternwarte teilweise die Storen geschlossen sind zum Schutz vor der Nachmittagssonne.

Möglicherweise hatten Wolf oder seine Mitarbeiter im Stockwerk darüber vor dem Verlassen der Sternwarte an besagtem Wochenende keinen Anlass zum Herunterkurbeln der Sonnenstoren gehabt. Wenn irgendwann danach die Sonne in die Fenster schien, wurden vielleicht Personen im Chemiegebäude geblendet. Es ist daher denkbar, dass dann der „Thäter“ dem Spuk mit einem Schuss in die Richtung des grellen Scheins ein Ende bereiten wollte. Es sei denn, er (oder sie?) habe wirklich aus welchem Anlass auch immer in die dunkle Nacht hinausgeschossen, wie Wolfs zeitliche Annahme von „Freitag auf Samstag“ nahelegt.

Leider wurde die Angelegenheit tatsächlich diskret behandelt. Weder in den Verwaltungsakten der ETH, noch in überlieferten privaten Unterlagen der Beteiligten konnten bisher weitere Hinweise auf den Fall aufgespürt werden.

Anmerkungen

Zitate zum Chemiegebäude auf Seiten 31/32 in: Die chemischen Laboratorien des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, Hgg. F. Bluntschli, G. Lasius, G. Lunge, Zürich 1889

Zur Sternwarte Seite 360 in: Gottfried Semper 1803-1879. Architektur und Wissenschaft, Hgg. Winfried Nerdinger, Werner Oechslin, Zürich 2003

31.10.2011

Bilderwelten – die neue Buchreihe des Bildarchivs der ETH-Bibliothek

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geistes- und Sozialwissenschaften — Tags: , — Nicole Graf @ 18:03

Bildpostkarten stellten im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Aufsehen erregendes neues Kommunikationsmittel dar: Touristisch geschönte Werbebilder, Fotos von Unfällen und Naturkatastrophen oder idyllische Fiktionen von exotischen Lebensverhältnissen wurden von den handlichen Bildträgern übermittelt. Die Postkartensammlung Adolf Feller bildet ein einzigartiges Zeugnis der damaligen Ansichtskartenbegeisterung.

Die heute im Besitz des Bildarchivs der ETH Zürich befindliche Bildersammlung umfasst rund 54‘000 Bildpostkarten aus den Jahren 1889 bis 1980 und geht auf die Sammlungstätigkeit des Schweizer Unternehmers Adolf Feller und seiner Tochter Elisabeth Feller zurück. Ansichten von Orten und Landschaften bilden den thematischen Schwerpunkt, rund 15‘000 Motive stammen aus der Schweiz, auf den übrigen Karten sind Sujets aus über 140 Ländern vertreten.

Mit dem Bildband „Die Welt im Taschenformat“ von Monika Burri wird die neu geschaffene Publikationsreihe „Bilderwelten. Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek“ eröffnet, das Buch vermittelt einen ebenso anschaulichen wie kulturwissenschaftlich informierten Rundgang durch die Bildtraditionen, Geschmacksvorlieben und Wahrnehmungsprägungen des beliebten Massenmediums.

Das Buch können Sie im Lesesaal Spezialsammlungen für CHF 59.- oder im Buchhandel kaufen.

Weitere Postkarten sind im Wissensportal oder im Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

21.10.2011

Wenn die Chemie stimmt – Zur Abendführung an der ETH-Bibliothek am 1.11.11

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Chemie und Pharmazie,Geschichte — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

Reibereien, Streitigkeiten, Kriegsstimmung. Typoskriptfragment von Albert Frey-Wyssling, Lehre und Forschung. Autobiographische Erinnerungen, 1984 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 443a: 38, Nachträge)

 

Ätzende Konflikte, heftige Reaktionen mit nachhaltigen Folgen: die Chemie an der ETH stimmte nicht immer. Knapp und klar berichtet Albert Frey-Wyssling, Professor für Botanik, in seinen Erinnerungen ab Seite 100 über die Abteilung für Chemie zwischen den ausgehenden 1920er und den späten 1950er Jahren:

„Ruzicka baute ein sehr erfolgreiches Forscherteam mit zahlreichen Professoren auf, für welche er Räumlichkeiten beschaffte und Lehrplanumgestaltungen durchsetzte. Diese Aktivität führte zu Reibereien bis hin zu Streitigkeiten in der Abteilung für Chemie. Die anorganische Chemie wurde nicht entsprechend gefördert, und mit der technischen Chemie kam es zeitweilig zu kriegerischer Spannung. Die Auseinandersetzungen führten zur Aufspaltung in zwei getrennte Studienpläne: einerseits wie bisher für Chemieingenieure mit technischer Chemie und andererseits für Absolventen in ‚reiner Chemie‘. Das Ergebnis dieser Massnahmen war ein Zerwürfnis mit zahlreichen Kollegen, zum Beispiel mit Paul Niggli und namentlich mit dem Farbstoffchemiker Hans Eduard Fierz (1882-1953). Nicht alle Mitglieder des Lehrkörpers der ETH billigten Ruzicka zu, dass ein grosses Licht auch starke Schatten werfen würde [im abgebildetenTyposkriptfragment: dürfe].

Hoch im Kurs stand unser Kollege dagegen bei der chemischen Industrie der pharmazeutischen Richtung, die auf komplizierte Neusynthesen, wie sie die Schule Ruzicka pflegt, angewiesen ist. Sie stiftete beim Rücktritt des draufgängerischen Kämpfers den geschätzten Ruzicka-Preis für erfolgreiche junge Chemiker.“

In der ursprünglichen maschinenschriftlichen Fassung wird der Draufgänger gar als rücksichtsloser Kämpfer bezeichnet.

Veranstaltungshinweis:

Zur bewegten Entwicklung von der chemischen Ausbildung am Eidgenössischen Polytechnikum im 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Forschung mit enger Bindung zur Privatindustrie im 20. Jahrhundert zeigen die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek während der öffentlichen Abendführung “Wenn die Chemie stimmt – Chemie an der ETH” am 1. November 2011 aus ihren Beständen historische Unterlagen der ETH und solche von prägenden Persönlichkeiten, wie den Nobelpreisträgern Leopold Ruzicka und Vladimir Prelog sowie anderen.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

30.09.2011

Landschaftsbilder

Erorberte Landschaft mittels Luftbilder: Spelterini, Eduard: Bâle, une prise à 3520-3820 mètres de hauteur, ca. 1895 (Ans_05752)

 

Landschaft als Souvenir und Reiseersatz: A native kraal, South Africa. Durban : publ. by Sallo Epstein & Co., ca. 1905 (Fel_035225-RE)

Nationale Landschaft: Gaberell, Jean: Steinbockgruppe in der Abteilung Jagd. Schweizerische Landesausstellung, 1939, Zürich (Ans_00796)

 Kulturlandschaft: 21. Mai 1891, Photographien vom Bau des neuen Stahlbades in St. Moritz erbaut von A. Bringolf, Architekt, 1891-1892 (Ans_05453-012-AL-PL)

„Die Landschaft“ zu beschreiben ist so unmöglich, wie die vielfältigen Bilder, die wir uns von ihr machen. Landschaft ist immer eine Konstruktion, ein kulturelles Konzept. Je nach Disziplin und Perspektive wird Landschaft interpretiert.

Landschaften repräsentieren den Abwechslungsreichtum natürlicher Bedingungen und zeigen, wie unterschiedlich sich das Verhältnis von Mensch und Natur entwickelt hat. Landschaft umspannt das weite Spektrum von naturnahen Landschaften, Flüssen und Seen, Wäldern und Gärten, hochproduktiven, land-, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Gebieten, über Dorf- und Parklandschaften bis hin zu den dichtbesiedelten Städten mit ihren Industrie- und Gewerbegebieten und den Verkehrsflächen und -wegen.

Die ästhetische Auseinandersetzung mit Landschaft findet seit mehreren Jahrhunderten statt. Die Landschaftsfotografie hat sich rasch von der Landschaftmalerei gelöst, insbesondere weil der Dokumentationswert hohe funktionale (und neue) Ansprüche einlöste. Interessant ist, dass – obwohl das heute so naheliegend ist und Landschaftsfotografie alltäglich ist, dass die Abbildung der Landschaft lange Zeit keine Bedeutung hatte. Interessant war die Landschaft in der Fotografie höchstens als bildgebender Hintergrund.

Weitere Bilder sind im Wissensportal oder über das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Veranstaltungshinweis:

An der Abendführung des Bildarchivs am 4. Oktober zeigen wir einen vielfältigen Querschnitt durch die Bestände des Bildarchivs unter dem Gesichtspunkt der Landschaftsfotografie. Wir werden Themen wie die eroberte Landschaft, Landschaft als Souvenir und Reiseersatz, die nationale Landschaft und Kulturlandschaft anhand von mannigfaltigem Bildmaterial ausleuchten.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

16.09.2011

„Gekochte noch heisse Milch“ für die Studierenden der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Geschichte,Medizin — Tags: — Christian John Huber @ 18:18

Marie Heim-Vögtlin an den Schweizerischen Schulrat, 21.11.1904 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1904/No.1312)

Jeder Studierende kennt das signalrote SV des Betreibers der meisten Mensen und Cafeterien an der ETH Zürich. Nur wenige wissen jedoch, dass der SV-Service im Herbst 1914 als „Gemeinnütziger Verein für alkoholfreie Verpflegung der Truppen“ gegründet wurde, um die zu Beginn des 1. Weltkriegs mobilisierten Schweizer Soldaten mit gesunder Nahrung zu versorgen. Der bereits im selben Jahr in „Schweizer Verband Soldatenwohl“ umbenannte Verein eröffnete eine Reihe Soldatenstuben, welche von sogenannten Soldatenmüttern unentgeltlich betrieben wurden. Nach dem Krieg übertrug der Schweizer Verband Volksdienst (SVV), wie sich der Verein nun nannte, sein Konzept auf Kantinen und später auch auf Mensen. Die erste Mensa an der ETH Zürich wurde 1930 eröffnet.

Gegründet wurde die Keimzelle des SV-Service 1914 von Vertretern der Zürcher Abstinenzbewegung (Tanner. Fabrikmahlzeit, 1999. S. 276). Dieser Kreis, welcher vornehmlich aus Frauen bürgerlicher Herkunft bestand, hatte sich bereits lange vor der Gründung der ersten Mensa an der ETH Zürich Sorgen um das leibliche Wohl der Studierenden gemacht. 1904 lancierte Marie Heim-Vögtlin, erste praktizierende Ärztin der Schweiz und Gattin des ETH-Professors Albert Heim, im Namen des Vorstandes des Vereins abstinenter Frauen von Zürich, einen Vorstoss zur Gesunderhaltung der Studentenschaft.

“Der unterzeichnete Vorstand der Zürcher Ortsgruppe abstinenter Frauen erlaubt sich, dem hohen Schulrath das Gesuch um die Erlaubniss einzureichen, die Studierenden beider Hochschulen je Vormittags 10 Uhr, Nachmittags 4 Uhr in den Räumen des Polytechnikums warme Milch ausschenken zu dürfen. Die Erfahrungen die an deutschen Universitäten & neuestens an der Züricher Kantonsschule mit dieser Einrichtung gemacht werden, sind derart erfreulich, dass es uns zeitgemäss erscheint, sie auch an unserer Hochschule ins Leben zu rufen.“

Um die absehbare Gegenwehr aus männlich dominierten Kreisen gegen das Gesuch des Vereins abstinenter Frauen schon im Keim zu ersticken, präsentierte Marie Heim dem Schulrat eine bis ins Detail ausgearbeitete Lösung:

„Herr & Frau Hauswart Weerli haben sich bereitwilligst angeboten im Falle Ihrer gütigen Erlaubniss den Milchausschank selbst an die Hand zu nehmen, im Winter in ihren eigenen Wohnräumen, im Sommer in der westlichen Vorhalle des Gebäudes. In diesem Anerbieten  erblicken wir die Garantie dafür, dass jede  eventuelle Ruhestörung & Unordnung vermieden würde. Die Centralmolkerei würde die gekochte noch heisse Milch in verschlossenem Behälter an Frau Weerli abliefern, welche die gefüllten Gläser zu den bestimmten Stunden bereithalten müsste.“

Wie Jakob Tanner in seiner Habilitationsschrift aufzeigt, führte in der Schweiz die “nationalistische Aufladung der Ernährungsfrage zu einer besonders stark verwurzelten Affinität zu Molkereiprodukten“. Das Bild des kerngesunden Alpenbewohners, der sich vornehmlich von Milchprodukten ernährte und dessen kraftstrotzende körperliche Überlegenheit im Erfolg des eidgenössischen Söldners sein pointiertestes Sinnbild fand, hatte sich bereits im Ancien Regime herausgebildet und wurde ab dem 19. Jahrhundert von Medizinern zementiert (Tanner. Fabrikmahlzeit, 1999. S. 107).

Trotz der minutiösen Vorbereitung und den Hinweisen auf die Erfolge an deutschen Universitäten wies der Schweizerische Schulrat den Antrag ab mit den Argumenten des Direktors des Eidgenössischen Polytechnikums, Robert Gnehm:

  1. Dass von einem Bedürfniss nach einer derartigen Neuerung bei uns bis jetzt nichts bekannt geworden ist;
  2. Dass ein solches auch schwerlich wird nachgewiesen werden können;
  3. Dass der Betrieb einer Getränke-Wirtschaft im besonderen bei unseren beschränkten Raumverhältnissen Gefahr für den ungestörten Unterrichtsbetrieb in sich birgt;
  4. dass durch die Bewilligung zum Milchausschank ein Präjudiz geschaffen würde, welches zu bedenklichen Konsequenzen führen könnte;

 

 

Literaturhinweise:

Verena E. Müller. Marie Heim Vögtlin – die erste Schweizer Ärztin (1845-1916): Ein Leben zwischen Tradition und Aufbruch. Baden 2007.

Jakob Tanner. Fabrikmahlzeit: Ernährungswissenschaft, Industriearbeit und Volksernährung in der Schweiz 1890-1950. Zürich 1999.

02.09.2011

Start des neuen Semesters

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geschichte — Heike Hartmann @ 8:00

Am 19. September beginnt das Herbstsemester an der ETH Zürich. Aus diesem aktuellen Anlass haben wir im Bildarchiv der ETH-Bibliothek nach historischen Fotografien recherchiert, die Studenten im Labor, in Vorlesungen oder in sonstigen Situationen abbilden.

Das erste Bild zeigt zwei Studenten im Lesesaal und ist von 1957. Auf dem jüngsten Bild von 1986 sieht man Studenten im Computer-Übungsraum im Hauptgebäude der ETH Zürich. Wenn man die Studentenzahl von damals und heute vergleicht haben sich diese mehr als vervierfacht. War die Anzahl der Studenten 1957 noch 3‘384 so waren es 1986 bereits 10‘265 und heute sind es 16‘342 (Zahl von 2010). Die erste Studentin schrieb sich bereits im Wintersemester 1871/72 am Polytechnikum ein. Im Jahr 1917  waren es bereits 31 Studentinnen, die am Polytechnikum studierten . Heute sind es immerhin über 6‘000 Studentinnen, die an der ETH Zürich eingeschrieben sind.

 

Studenten im Lesesaal, 1957 (Ans_00355)

 

Studentenhotel in Altstetten, 1966. Comet Photo AG, Zürich (Com_L15-0469-0120)

 Vogt, Jules: TC Versammlung der ETH Studenten VSS im Chemiesaal ETH Zürich, 1970. Comet Photo AG, Zürich (Com_L19-0312-0223)

 

ETH-Zürich: Pflanzenbau – Studenten, 1971. Comet Photo AG, Zürich (Com_M20-0047-0025)

 

Fluri: Computer Übungsraum für Studenten im HG, 1986. Presseinformationsdienst der ETH Zürich (PID_00008)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder zur Geschichte der ETH Zürich.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

12.08.2011

Internierungslager in der Schweiz

Filed under: Geographie und Karten,Geschichte,Kartensammlung — Tags: — Markus Appenzeller @ 10:00

Ausschnitt aus Karte Internierungslager Schweiz

Abb.: Kartenausschnitt aus Manuskriptkarte ‘Internierungslager Schweiz’, Bern,  Armeekommando 1940-41

Auf der Flucht vor der deutschen Armee überquerten im Juni 1940 rund  50 000 französische, belgische und polnische Soldaten sowie Zivilflüchtlinge die Schweizer Grenze im Neuenburger Jura. Sie wurden entwaffnet und in Lagern interniert.  Der Kartenausschnitt zeigt die Internierungslager am 3. 7. 1940. Rot markiert die Lagerstandorte der Franzosen, blau der Polen und türkis der Belgier. Insgesamt 8 Karten zu diesem Thema sind im Bestand der Kartensammlung (ein Geschenk aus unbekannter Quelle).  Neben den Nationalität  und Standorten der Internierten zeigen die Karten auch Einteilung und Bestand der Bewachungstruppen (militärdienstleistende Schweizer und Schweizerinnen werden die Symbole  und Abkürzungen verstehen).

Bei den 8 Karten handelt es sich um Manuskriptkarten, alle Informationen zu den Lagern wurden mit Tusche und Schablone eingetragen. Als topographische Grundlage dient die Generalkarte der Schweiz 1:300 000,die von der Armee im zweiten Weltkrieg verwendet wurde.

Übrigens wurden die Internierten auch in der Wirtschaft, Landwirtschaft und vor allem im Strassenbau eingesetzt. In vielen Landesgegenden entstanden so die „Polenwege“, die wir heute als verkehrsarme Velo- und Wanderrouten schätzen.

Die 8 Karten mit der Signatur K 620103 können in Lesesaal Spezialsammlungen eingesehen werden. Link zur Titelaufnahme im Wissensportal: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000420780

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