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11.11.2011

Der Schuss aus dem Chemiegebäude – Mysteriöser Kriminalfall am Eidgenössischen Polytechnikum

 

 

Brief von Rudolf Wolf an Hermann Bleuler, Sternwarte Zürich, 12. Oktober 1891

(ETH-Bibliothek, Archive, SR3 1891, Nr. 470)

Als Professor Rudolf Wolf am zweiten Oktoberwochenende 1891 an die Sempersche Sternwarte heimkehrte, wo er ab 1864 zunächst mit Mutter und Schwester in der direktorialen Dienstwohnung im gesamten ersten Obergeschoss des Hauptbaus residiert hatte und seit dem Tod der Schwester vor zehn Jahren alleine hauste, erwartete ihn im Wohnzimmer eine üble Überraschung. Nachdem er sich wieder gefasst, die Situation analysiert, das weitere Vorgehen überdacht hatte, griff er zur Feder und schrieb an Hermann Bleuler, Präsident des Schweizerischen Schulrates:

Hochgeehrter Herr Präsident. 

So eben nach Zürich zurückgekehrt, erfahre ich dass letzten Freitag auf Samstag in ein Fenster meines Wohnzimmers geschossen wurde. Das Vorfenster zeigt ein kleines, das innere Fenster ein grosses Loch, und die durch die beiden Löcher bestimmte Schussrichtung weist unzweifelhaft auf das oberste Stockwerk des Chemie-Gebäudes als Absende-Ort.

Glücklicher Weise befand sich Niemand in dem Zimmer, sonst hätte leicht eine Verwundung eintreten können, da die Glassplitter durch das ganze Zimmer zerstreut wurden.

Da ich mir denken muss, es wäre Ihnen unangenehm eine gewissermassen im Innern des Polytechnikums, durch Angestellte desselben oder deren Familien-Angehörige, verübte, strafbare Handlung an die Öffentlichkeit gebracht zu sehen, so glaube ich von einer Anzeige an die Polizei Umgang nehmen zu sollen, und ersuche Sie diesen Vorfall in Ihnen geeignet scheinender Weise untersuchen zu lassen, – den Thäter aber jedenfalls gehörig ins Gebet zu nehmen.

Die Fenster werde ich vorerst nicht reparieren lassen, damit Sie die wünschbare Controle vornehmen lassen können, das kleine Geschoss kann ebenfalls vorgewiesen werden.

 Ihr Hochachtungsvollst Ergebenster

 Sternwarte Zürich 1891 X 12.                 Prof. R. Wolf

Für Professor Wolf, Astronom, Mathematiker und Geodät, der die angehenden Ingenieure in Vermessungskunde unterrichtete, und in seiner anderen Funktion als Oberbibliothekar den Bücherschatz der Mathematisch-Militärischen Gesellschaft Zürichs inklusive Werke zur Ballistik und Artillerie anno 1880 ans Polytechnikum geholt hatte, war es ein leichtes, Einschusswinkel und Herkunftsort des Geschosses zu bestimmen.

  

Abbildung 1: Zürich, Stadtansicht mit Hochschulviertel. Links die Sternwarte mit Kuppelturm, rechts das Chemiegebäude mit hohem Kamin, um 1890 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00331-F)

Im obersten Stockwerk des Chemiegebäudes, in Sicht- und offenbar auch Schussweite der Sternwarte und umgekehrt (Abbildung 1), war in der Mitte die technologisch-chemische Sammlung untergebracht, „ein stets zur öffentlichen Benutzung, insbesondere natürlich zum Studium der Schüler dienendes […] Museum“ ohne permanente „Bedienung und Überwachung“.  An beiden Schmalseiten befanden sich Wohnungen für die Hauswarte und deren Familien.

   

Abbildung 2: ETH Zürich, Chemiegebäude, rechts im Hintergrund die Sternwarte, um 1889 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_00382) 

Wolfs Wohnzimmer im ersten Obergeschoss der Sternwarte lag exakt südlich dem Kuppelturm gegenüber mit je einem Fenster auf drei Seiten, eines davon sichtbar vom Chemiegebäude her. Über dem Wohnzimmer lag ein Rechnungssaal für die Auswertung astronomischer Messungen zusammen mit dem Büro der Schweizerischen Meteorologischen Centralanstalt. Bei genauer Betrachtung von Abbildung 2 mit dem Chemiegebäude in der Mitte und der Sternwarte rechts daneben im Hintergrund ist ersichtlich (Vergrösserungsmöglichkeit  hier), dass vor den Fenstern der Sternwarte teilweise die Storen geschlossen sind zum Schutz vor der Nachmittagssonne.

Möglicherweise hatten Wolf oder seine Mitarbeiter im Stockwerk darüber vor dem Verlassen der Sternwarte an besagtem Wochenende keinen Anlass zum Herunterkurbeln der Sonnenstoren gehabt. Wenn irgendwann danach die Sonne in die Fenster schien, wurden vielleicht Personen im Chemiegebäude geblendet. Es ist daher denkbar, dass dann der „Thäter“ dem Spuk mit einem Schuss in die Richtung des grellen Scheins ein Ende bereiten wollte. Es sei denn, er (oder sie?) habe wirklich aus welchem Anlass auch immer in die dunkle Nacht hinausgeschossen, wie Wolfs zeitliche Annahme von „Freitag auf Samstag“ nahelegt.

Leider wurde die Angelegenheit tatsächlich diskret behandelt. Weder in den Verwaltungsakten der ETH, noch in überlieferten privaten Unterlagen der Beteiligten konnten bisher weitere Hinweise auf den Fall aufgespürt werden.

Anmerkungen

Zitate zum Chemiegebäude auf Seiten 31/32 in: Die chemischen Laboratorien des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich, Hgg. F. Bluntschli, G. Lasius, G. Lunge, Zürich 1889

Zur Sternwarte Seite 360 in: Gottfried Semper 1803-1879. Architektur und Wissenschaft, Hgg. Winfried Nerdinger, Werner Oechslin, Zürich 2003

10.01.2011

Astronomie-rara

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 9:45

Titelblatt aus Apianus, Astronomicum Caesareum (Ingolstadt, 1540). Exemplar des Deutschen Museums, München

In einem Gemeinschaftsprojekt der ETH-Bibliothek Zürich und des Deutschen Museums in München wurden 2009 und 2010 rund 180 alte Drucke aus dem Fachgebiet Astronomie digitalisiert und ins Netz gestellt. Auf der Webseite von ASTRONOMIE-rara  kann nun ein ausgewählter, wissenschaftlich wertvoller Bestand an astronomischen Werken aus dem Zeitraum von den Anfängen des Buchdrucks bis 1900 entdeckt und genutzt werden. Zu den älteren Drucken gehören zum Beispiel der Erstdruck von Regiomontanus‘ Epitome in Ptolemei Almagestum (1496), das prachtvolle Astronomicum Caesareum von Petrus Apianus (1540) und die zeitgleich erschienene, äusserlich bescheidene Schrift Narratio prima des Kopernikusschülers Georg Joachim Rheticus, in der das neue heliozentrische Weltbild sozusagen als „Preprint“ erstmals veröffentlicht wird. Auch Kopernikus‘ eigene Publikation De revolutionibus orbium coelestium (1543) darf natürlich in dieser Auswahl nicht fehlen. Andere bedeutende Namen und Titel sind etwa Astronomia Nova von Johannes Kepler (1609), Rosa Ursina von Christoph Scheiner (1630), Selenographia von Johannes Hevelius (1647) und Harmonia Macrocosmica von Andreas Cellarius (1708). Aus jüngerer Zeit sind unter anderem Texte von William Herschel, Johann Elert Bode, Carl Friedrich Gauss, Joseph Johann von Littrow, Friedrich Wilhelm Bessel, Angelo Secchi und Henri Poincaré zu finden.

Links:

ASTRONOMIE-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/

Webseite des Deutschen Museums mit weiteren Beispielen: http://www.deutsches-museum.de/bibliothek/unsere-schaetze/astronomie/

16.04.2010

Die Porträtsammlung der ETH-Bibliothek

Filed under: Astronomie,Bestände,Bildarchiv — Heike Hartmann @ 8:00

Prof. Dr. A. Wolfer. In: Ingenieur – Schule, Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, 1899-1903 (Portr 2360: 29 album)

In der Porträtsammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek befinden sich Porträts von Professorinnen und Professoren sowie teilweise auch von Studierenden der ETH Zürich, die an der Hochschule seit deren Gründung tätig waren. Ergänzt wird die Sammlung durch Bildnisse von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus aller Welt und aus verschiedenen Epochen. Die Sammlung umfasst rund 16’000 Dokumente, die in unterschiedlichen Formaten vorliegen, wie beispielsweise als Abzüge, in Alben, als Negative, Glasplatten oder als Drucke.

In den rund 90 Alben befinden sich Porträtalben von Abschlussklassen der ETH Zürich (1890er bis Ende 1930er Jahre) sowie Alben von Studentenverbindungen der ETH Zürich (19. Jahrhundert) und private Alben, die als Nachlässe dem Bildarchiv überlassen worden sind.

Beispiele für die Alben sind: Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, Ingenieur-Schule 1899-1903 (71 Fotoabzüge, Portr. 2360 A), Diplom 1914 Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (68 Fotoabzüge, Portr. 7022) oder Geschenkalbum für Herrn Professor Ackeret von seiner Abschiedsvorlesung (14 Fotoabzüge, Portr. 11524).

Das dargestellte Bild von Prof. Dr. A. Wolfer ist aus dem Album „Ingenieur – Schule, Eidgenössisches Polytechnikum Zürich, 1899-1903″. Alfred Wolfer war von 1894-1925 Professor für Astronomie an der ETH Zürich. Ein zoombares Bild befindet sich im BildarchivOnline.

Jeden Monat stellt die ETH-Bibliothek im „Porträt des Monats” eine bekannte Persönlichkeit vor, die eine Verbindung zur ETH Zürich hat. In diesem Monat ist es ein Porträt über Robert Maillart.

23.10.2009

Claudius Ptolemaeus: Almagest (Venedig, 1515)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Roland Lüthi @ 7:30

      

Titelblatt des Almagest  von Claudius Ptolemaeus (Venedig, 1515) mit Besitzerstempel der Sternwarte Zürich und des Professors für Astronomie und ersten Bibliothekars der ETH-Bibliothek Rudolf Wolf

Um das Jahr 140  n. Chr. schrieb Claudius Ptolemäus (Ende 1. Jh. bis 1. Hälfte 2. Jh. n. Chr.) sein dreizehnteiliges Werk Megale mathematike syntaxis (grosses mathematisches Handbuch) oder kurz Megiste (das Grösste). 827 wurde es ins Arabische übersetzt und vom 12. Jahrhundert an in lateinischen Übertragungen unter dem Titel Almagest  in Europa verbreitet.

In der Sammlung Alte Drucke befinden sich neben der ersten vollständigen lateinischen Ausgabe (Venedig 1515) auch die erste griechische Ausgabe (Basel 1538). Weitere Übersetzungen des Almagest  in der Sammlung sind lateinisch von Georg von Trapezunt (Köln 1537) und deutsch von Johann Ehlert Bode (Berlin 1795). Im Lesesaal konsultierbar ist lediglich die Ausgabe von 1795. Dafür ist das Online-Angebot sehr umfangreich:

Ausgabe Venedig 1515 bei Astronomie-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/demusmu/doi/10.5079/dmm-25

Die Ausgabe von Venedig 1515 und mehrere weitere Ausgaben sind online bei IMSS (Institute and Museum oft he History of Science) in Florenz: http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en.

Bei der Rare Book Collection in Wien kann die Ausgabe von 1515 in verschiedenen Qualitäten heruntergeladen werden: http://www.univie.ac.at/hwastro/.

16.10.2009

sonnenklar – Astronomie an der ETH

Filed under: Archive und Nachlässe,Astronomie,Bestände,Bildarchiv — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Sonnenflecken beobachtet von Alfred Wolfer am 14. November 1907

Ab 1896, kurze Zeit nach seinem Amtsantritt als neuer Direktor der Eidgenössischen Sternwarte am Zürcher Polytechnikum, erweiterte Professor Alfred Wolfer die traditonelle Himmelsbeobachtung mit Fernrohr durch die von anderen Sternwarten bereits erprobten fotografischen Methoden. Ausser zu Aufnahmen von astronomischen Erscheinungen, die sich erst dank der Fotografie genauer erfassen liessen, nutzte Wolfer die Fotografie insbesondere zur Beobachtung von Sonnenaktivitäten.

Die Beobachtung der Sonne war seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1980 das Rückgrat der astronomischen Forschung an der ETH-Zürich. Die Spezialsammlung Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek zeigt während  ihrer öffentlichen Abendführung “sonnenklar – Astronomie an der ETH” am 20. Oktober 2009 aus ihren Beständen historische Dokumente der ETH-Sternwarte sowie von und zu den drei W, den Astronomen Rudolf Wolf (1816 – 1893), Alfred Wolfer (1854 – 1931), Max Waldmeier (1912 – 2000).

Abendführung:

sonnenklar – Astronomie an der ETH
ETH-Bibliothek/Archive und Nachlässe
Dienstag, 20. Oktober 2009, 18.15 – 19.15 Uhr
Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Lesesaal Spezialsammlungen
Keine Anmeldung erforderlich

Link zu einem Spezialgebiet der Sonnenforschung:
Sonnenfinsternis

02.10.2009

Charles Piazzi Smyth: Teneriffe, an astronomer’s experiment, or, specialities of a residence above the clouds (London, 1858)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Meda Diana Hotea @ 10:21

  Stereoskopie Nummer 12: Alta Vista Observatory, from the Northern Lava Ridge

Der berühmte und reiselustige schottische Astronom Charles Piazzi Smyth (3.01.1819 – 21.02.1900) verband in seiner Arbeit zwei Bereiche, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Astronomie und Fotografie.

Auf seiner Hochzeitsreise nach Teneriffa im Jahr 1856 begab er sich auf die Suche nach einem Standort für ein astronomisches Observatorium. Dabei schrieb  er seine Eindrücke nieder und illustrierte sein Buch mit zwanzig Stereoskopien. Piazzi Smyth begründete damit nicht nur ein neues Verfahren in der fotografischen Kunst, sondern gleichzeitig auch in der Buchillustration.

Bei der Stereoskopie handelt es sich um eine Fototechnik, bei der zwei stereoskopische Halbbilder betrachtet werden, wobei jedes Bild die gleiche Szene darstellt, allerdings aus einem jeweils geringfügig anderen Aufnahmewinkel. Das Ergebnis ist ein Paar gleichzeitig erfasster Einzelbilder, die einen 3D-Eindruck entstehen lassen. Was dabei vom Betrachter lediglich als ein “künstlerischer Trick” wahrgenommen wird, markiert in der Geschichte der Fotografie den Beginn einer neuen Ära. So bekräftigte der Autor im Vorwort zu seinem Buch voller Stolz seine aussergewöhnliche Entdeckung:

“This method of book illustration never having been attempted before, may excuse a word on this part of the subject. By its necessary faithfulness, a photograph of any sort must keep a salutary check on the pencil or ling-bow of the traveller; but it is not perfect; it may be tampered with, and may suffer from accidental faults of the material. These, which might sometimes produce a great alteration of meaning in important parts of a view, may, however, be eliminated, when, as here, we have two distinct portraits of each object”.

Bis zum heutigen Tag verwenden Fotografen die Methode der Stereoskopie.

Links:

Charles Piazzi Smyth’s Teneriffe, an astronomer’s experiment im online-Katalog Nebis: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=004055423

Informationen zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Piazzi_Smyth

25.09.2009

Johann Gabriel Doppelmayr: Atlas novus coelestis (Nürnberg, 1742)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Roland Lüthi @ 7:07

Frontispiz zum Atlas novus coelestis: Ptolemäus, Kopernikus, Kepler und Brahe

Der Atlas novus coelestis ist das bekannteste Werk des deutschen Astronomen Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) und wurde erstmals 1742 bei Homann Erben in Nürnberg gedruckt. In diesem Atlas versammelte Doppelmayr seine astronomischen Karten, die er über Jahre hinweg für Johann Baptist Homann hergestellt hatte, und die in mehreren früheren Atlanten bereits erschienen waren.

Der Atlas enthält 30 handkolorierte Tafeln mit Sternkarten, einer Mondkarte und Diagrammen des Planetensystems nach Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe und Giovanni Riccioli. Weiter finden sich Illustrationen zu den Theorien von Johannes Kepler, Ismael Boulliau, Seth Ward, Nicolas Mercator, Jeremia Horrocks, Isaac Newton und Edmond Halley.

Links:

Nachweis des Atlas novus coelestis im Bibliothekskatalog NEBIS. Das Werk gehört zu den äusserst wertvollen Beständen und ist deshalb für die Ausleihe gesperrt.

Der Frontispiz kann in E-Pics Alte Drucke näher betrachtet werden.

Der Atlas novus coelestis  ist online bei Gallica, bei der Sammlung Ryhiner und  bei der Universität Utrecht.

11.09.2009

Marslandschaft: Die Suche nach Erdähnlichem auf unbekanntem Boden

Filed under: Astronomie,Bestände,Geographie und Karten,Geologie,Kartensammlung — Tags: — Carol Ribi @ 7:15

“Geologic Map of the Tempe-Mareotis Region of Mars” (2001)

Die Marsoberfläche ist, ähnlich wie die Mondoberfläche, mit Kratern bedeckt. Die Atmosphäre ist dünn und besteht hauptsächlich aus Kohlendioxyd. So bestehen auch die Polkappen mehrheitlich aus gefrorenem Kohlendioxyd und nicht, wie lange angenommen, aus Wasser. Das sind keine günstigen Voraussetzungen für Leben auf dem Planeten Mars. Und doch wird immer noch intensiv nach Leben geforscht: In den Jahren 2011 und 2016 sollen zwei grosse Rover-Missionen zum Mars starten. Das Mars Science Laboratory der NASA und ExoMars der Europäischen Weltraumbehörde ESA sollen weite Strecken zurücklegen und Untersuchungen in einem grossen Umkreis durchführen. Das  Mars Science Laboratory wird in erster Linie für die geologische Erforschung des Planeten eingesetzt und ExoMars wird nach Spuren von Leben suchen.

Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts ist es möglich das Weltall mittels Raumfahrzeugen zu erforschen und seither gibt es immer wieder unbemannte, ferngesteuerte Missionen auf den Mars. Aus diesen Missionen gehen eine Menge Bildmaterial und Daten hervor, die als Grundlage für neue Marskarten dienen.

Die hier vorgeführte geologische Karte des Mars ist 2001 von United States Geological Survey herausgegeben worden. Das Ziel der Karte ist die Untersuchung und Kartierung der vulkanischen Vorkommnisse sowie tektonischen Gegebenheiten auf dem Mars. Es wird angenommen, dass die hier abgebildete Vulkanlandschaft der Basaltebene Snake River Plain (USA) und den Vulkanböden auf Hawaii in der Zusammensetzung entspricht. Diese mögliche Ähnlichkeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Einteilung der geologischen Zeitalter, die Namen der Gesteinsschichten sowie Gesteinsablagerungen von der Geologie der Erde markant unterscheiden. So ist die Rede von Steinen aus der Noachen, Hesperien oder Amazonien Periode.

Die Karte befindet sich in der Kartensammlung und kann mittels Signatur K P 684504: 1 im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek eingesehen und kopiert werden.

28.08.2009

Tycho Brahe: Astronomiae instauratae mechanica (Nürnberg, 1602)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:48

Schloss Uraniborg

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546-1601) baute 1576 mit finanzieller Unterstützung von König Frederik II. das damals grösste astronomische Forschungszentrum Europas: Schloss Uraniborg auf der Insel Hven im Öresund.

In seiner 1598 erstmals erschienenen Mechanica  beschreibt Brahe die wichtigsten in Uraniborg benutzten Instrumente: Quadranten unterschiedlicher Grösse und Ausstattung, Sextanten und einen grossen Himmelsglobus. Ferner enthält das Buch Schilderungen, Ansichten und Pläne von Schloss und Sternwarte, sowie Berichte über den Bau der Instrumente und astronomische Arbeitsmethoden. 

Die Erstausgabe wurde vom Hamburger Drucker Philip von Ohrs in einer sehr kleinen Auflage für Tycho Brahe privat gedruckt und teilweise von Hand koloriert. Nach dem Tod Brahes im Jahr 1601 verkauften die Erben die Druckplatten an den Nürnberger Drucker Levinus Hulsius. Dieser druckte 1602 eine Ausgabe, die im Gegensatz zur Erstausgabe für den Buchhandel bestimmt war, und so eine weite Verbreitung finden konnte.

Links:

Die Mechanica  von 1602 im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000904734 (keine Ausleihe)

Eine englische Übersetzung der ursprünglich lateinischen Mechanica  erschien 1946 in Kopenhagen unter dem TitelTycho Brahe’s description of his instruments and scientific work, übersetzt und herausgegeben von Hans Raeder, Elis Strömgren und Bengt Strömgren: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002303068.

Die Mechanica  von 1602 ist online bei Astronomie-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/demusmu/doi/10.5079/dmm-23, der Rare-Book Collection bei der Vienna Observatory Library: http://www.univie.ac.at/hwastro/, beim Institute and Museum of the History of Science in Florenz: http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en, und bei ADS Digital Library (NASA): http://ads.harvard.edu/books/1602tbam.book/. Eine sehr schöne handkolorierte Erstausgabe ist bei der SLUB Dresden zu finden: http://digital.slub-dresden.de/ppn276703979 .

31.07.2009

Johannes Kepler: Mysterium Cosmographicum (Tübingen, 1596)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:34

Tabula III: Orbium planetarum dimensiones, et distantias per quinque regularia corpora geometrica exhibens

Der deutsche Naturphilosoph, Theologe, Mathematiker, Astronom, Astrologe und Optiker Johannes Kepler (1571-1630) ist am besten bekannt für seine drei Gesetze der Planetenbewegung. Zu seinem astronomischen Erstlingswerk Mysterium Cosmographicum  hier ein Zitat aus der Publikation Buchschätze der ETH-Bibliothek:      

… [in] Mysterium Cosmographicum, das im Jahr 1596 erschien, fragte Kepler auf der Grundlage der Kopernikanischen Lehre nach den Ursachen für die Anzahl der Planeten, für ihre Abstände von der Sonne und die Perioden ihrer Bewegungen. Seiner Meinung nach bildete die Erdbahn das Grundmass für den gesamten Bauplan des Planetensystems. Das von ihm dargestellte “Weltgeheimnis” sollte darin bestehen, dass zwischen den sechs damals bekannten Planeten die fünf regelmässigen oder Platonischen Körper (Dodekaeder, Tetraeder, Hexaeder, Ikosaeder und Oktaeder) so eingelagert werden, dass jeder der fünf Körper von je zwei benachbarten Planetensphären berührt wird.

Die oben abgebildete Tafel 3 zeigt die auf einem Kreis beruhenden äussere Sphäre des Saturn und darin die Sphäre des Jupiter. Darin folgen dann wiederum die inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars. Kepler fertigte zwei Prototypen des Modells aus farbigem Papier an und plante, es in Silber ausführen zu lassen. Die silbrige Ausführung sollte auch als Pokal für verschiedene Getränke dienen.

Das von einer gehörigen Portion Mystizismus geprägte Modell erwies sich schliesslich als mangelhaft, da die daraus resultierenden interplanetaren Distanzen ungenau waren. Dennoch konnte Kepler in den nachfolgenden Jahrzehnten mit der Annahme elliptischer Planetenbahnen das Weltbild von Kopernikus entscheidend verbessern und dessen heliozentrische Hypothese stützen.

Links:

Mysterium Cosmographicum  im Bibliothekskatalog NEBIS

Online bei e-rara.ch

Bilder aus Mysterium Cosmographicum  in E-Pics Alte Drucke

Publikation Buchschätze der ETH-Bibliothek

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