
Tafeln 29 und 30 aus Ruf zum Bauen (Berlin, 1920)
Vier wichtige Publikationen des deutschen Architekten Bruno Taut (1880-1938) aus der Sammlung Alte Drucke stehen ab sofort digital als PDF zur Verfügung. Es handelt sich um Die Stadtkrone (Jena, 1919), Ruf zum Bauen (Berlin, 1920), Der Weltbaumeister (Hagen, 1920) und Die neue Wohnung (Leipzig, 1925).
Bereits digitalisiert aber noch nicht online sind Frühlicht (Magdeburg 1921-1922) und Alpine Architektur (Hagen, 1919). Die beiden Nachzügler werden voraussichtlich im Herbst 2011 im Rahmen von e-rara.ch online gehen. Gemäss Urheberrecht könnten die vergriffenen und deshalb sehr begehrten Bücher Tauts seit 2008 neu aufgelegt werden. Mir sind aber leider bisher keine solchen Projekte bekannt.
Link:
Zu Bruno Taut siehe auch das “Porträt des Monats” vom Mai 2005: http://www.ethbib.ethz.ch/aktuell/galerie/taut/

Tafel 38 aus Variae architecturae formae
Das architektonische Bilderbuch Variae architecturae formae erschien erstmals 1562. Die Neuauflage von 1601 aus der Sammlung Alte Drucke ist ein handliches Bändchen von 20 mal 26 cm im Querformat. Darin enthalten sind neben dem Titelblatt 49 Kupferstiche mit Darstellungen von Häusern, Plätzen, Gärten, Kolonnaden, Arkaden, Brunnen und Ornamenten.
Hans (oder Jan) Vredeman de Vries (ca.1527-1604) war ein holländischer Architekt, Maler und Autor der Renaissance. Neben Variae architecturae formae publizierte Vries ein halbes Dutzend weitere Werke zu Architektur, Perspektive und Ornamentik. Am besten bekannt ist wohl seine Architectura (Erstausgabe 1565). Sein Werk war in Nordeuropa sehr einflussreich, namentlich in Grossbritannien.
Variae architecturae formae wurde im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Institut gta digitalisiert und steht online als PDF (10,4 MB) zur Verfügung. Zwei weitere Drucke von Vries sind online bei der UB Heidelberg.

Schweizer Polytechnikum, Physikgebäude (ohne Datum). Schwarz-weiss Fotoabzug 17,3 x 25,2 cm (Ans 5437: 1 album fol).
Das alte Physikgebäude der ETH Zürich war im Jahre 1905 das vom Hauptgebäude des Eidgenössischen Polytechnikums am weitesten entfernte Institut, wie es in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehens der ETH Zürich heisst. Gebaut wurde es am Abhang des Schmelzbergs in der Gemeinde Fluntern und lag – aus heutiger Sicht bemerkenswert – inmitten von Rebbergen an der Gloriastrasse 35. Das architektonisch bestechende Physikgebäude wurde in den Jahren 1887 bis 1890 nach den Plänen der Professoren der damaligen Bauschule F. Bluntschli und G. Lasius im Auftrag des Bundes und unter dessen Aufsicht erbaut. Die Kosten des Baus betrugen ca. 1‘200‘000 Fr., die Einrichtung der Laboratorien mit Instrumenten 500‘000 Fr.
Das alte Physikgebäude war ein ausserordentlich grosszügig konzipierter Bau mit hohen Räumen, weiten Korridoren, breiten Treppen, grossen Fenstern und dicken Mauern, aber ohne „energieverschlingende Luftkonditionierungsanlage” wie es in der Festschrift zur 125-Jahr-Feier der ETH Zürich heisst. Es war im Jahr 1977 abgebrochen worden, nachdem unzählige Male Um-, An- und Aufbauten ausgeführt worden waren.
Neue Gebäude für die Physik wurden ab 1961 auf der praktisch noch unerschlossenen „Aussenstation” Hönggerberg gebaut. Die Physik erhielt als erstes Institut der ETH Zürich neue Gebäude auf dem Hönggerberg.
Links:
Der abgebildete Fotoabzug ist Teil eines Albums über das Physikgebäude innerhalb der Ansichtensammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Er ist – wie zahlreiche weitere Ansichten von ETH-Gebäuden auch – in digitaler Form über Bildarchiv Online öffentlich zugänglich.
Weitere Artikel zum Bau des alten Physikgebäudes können zum Beispiel in „Die Eisenbahn” im Baugedächtnis Schweiz Online im Volltext abgefragt werden.
Literatur:
Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Eidg. Polytechnikums
Eidgenössische Technische Hochschule 1955-1980: Festschrift zum 125jährigen Bestehen
Der Bronzekopf Ernst Eglis ist das Werk eines unbekannten türkischen Studenten von Rudolf Belling an der Bildhauerabteilung der Akademie der schönen Künste in Istanbul.
Büste Ernst Egli (1893-1974) © Foto: ETH Zürich Sammlung der Kulturgüter
Die Regierung der 1923 gegründeten türkischen Republik holte in den den folgenden Jahren gezielt ausländische Fachkräfte aus Wissenschaft und Kultur ins Land, um es von einem religiös geprägten Sultanat in einen säkularen europäischen Staat umzuformen. So wurde der in Wien aufgewachsene und ausgebildete Schweizer Ernst Egli als Chefarchitekt des türkischen Unterrichtsministeriums nach Ankara berufen zum Bau moderner Schulen und Unitversitäten. Zusätzlich reorganisierte er von 1930-35 als Leiter und Professor der Architekturfakultät an der Akademie der schönen Künste in Istanbul die Architekturausbildung. Damit wurde er zu einem der Begründer moderner türkischer Staatsarchitektur.
Der abstrakte Berliner Bildhauer Rudolf Belling (1886-1972) emigrierte aus Nazideutschland nach Istanbul, wo er ab 1937 an der Akademie der schönen Künste das Studium der Bildhauerei auf klassischer antiker Grundlage neu einrichtete und eine Generation von Bildhauern für den staatlichen Repräsentationsbedarf heranzog.
Gemäss den unpublizierten Erinnerungen Eglis lernten Architekt und Bildhauer sich im Zeitraum 1938 bis 1940 kennen. Die Erinnerungen erwähnen Belling später nicht mehr. Da Belling im April 1940 eine Ausstellung der Arbeiten seiner Schüler in Istanbul präsentierte und Egli im Herbst desselben Jahres in die Schweiz übersiedelte, ist die Porträtplastik wohl entsprechend dem bellingschen Lehrplan im dritten Studienjahr des ersten Ausbildungszyklus entstanden, etwa 1939/40. Die Skulptur gelangte zusammen mit dem wissenschaftlichen Nachlass Eglis, der an der ETH Zürich Städtebau gelehrt und sowohl in der Schweiz als auch erneut im vorderen Orient als Stadtplaner gewirkt hatte, 1975 in die ETH-Bibliothek.
Link:
Die Porträtplastik und der Nachlass Ernst Eglis befinden sich in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek Zürich.

Ausschnitt aus: Malerischer Plan der Stadt Zürich und ihrer Umgebungen / dessiné par F. Schmid ; gravé par Appert. Zürich : Matthieu, 1979. Originalausgabe: Zürich, Leuthold [1846].
Die Kunsthandlung Hans Felix Leuthold gab 1846 den von Franz Schmid gezeichneten “malerischen Plan der Stadt Zürich und ihrer Umgebungen” heraus. Schmid (1796-1851) stammte aus Schwyz und war einer der bedeutendsten Panoramenzeichner seiner Epoche. Nach einer Lehre als Landschaftszeichner in Neuchâtel machte er sich als begabter Künstler einen Namen. Zu seinen Hauptwerken zählen ein 360° Rundpanorama von Zürich (1825/26) sowie eine Panorama-Ansicht der Stadt Zürich vom Hotel Baur (1839), die als Werbeprospekt des Hotels unter dem Titel “Panorama du lac de Zurich dessiné depuis l’Hôtel Baur” veröffentlicht wurde.
Die Ansicht von Zürich zeigt eine Stadt im Umbruch. Die alten Festungswerke und Schanzen sind verschwunden. Bereits sind die aufgeschütteten Quais auf der rechten Limmatseite zu sehen oder der 1840 fertig erstellte Hafen. Auch neuere öffentliche Gebäude, wie das Kantonsspital, das Pfrundhaus St. Leonhard, die Blinden- und Taubstummenanstalt oder die Kantonsschule sind zu sehen. Der Hauptbahnhof der Schweizerischen Nordbahngesellschaft wurde noch im letzten Moment – er wurde erst 1847 fertig gebaut – in die Kupferplatte eingefügt. Auf dem gezeigten Ausschnitt fällt jedoch besonders auf, dass die Anhöhe Rämi-Tanne-Strasse noch weitgehend unbebaut ist. Hier, also im Grünen über der Innenstadt, sollte dann 15 Jahre später das Hauptgebäude des Polytechnikums erbaut werden. Bei der Gründung 1855 war das Polytechnikum noch in der Hochschule am Fröschengraben (heute: Bahnhofstrasse) untergebracht.
Ein Nachdruck des Plans ist 1979 im Verlag Mathieu herausgegeben worden und befindet sich unter der Signatur Signatur: K 801009 in der Kartensammlung. Er kann via NEBIS http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000467126 bestellt werden.
Ansicht von Zürich von der Eidgenössischen Sternwarte aus gesehen .
Die Ansicht zeigt das neu errichtete Polytechnikum aus einer ungewohnten Perspektive. Der Zeichner und Aquatintastecher Heinrich Siegfried (31.12.1814-22.7.1889) stammte aus Wipkingen-Zürich. Nach einer Lehre beim Verlag Dickenmann widmete er sich dem Zeichnen nach der Natur und unternahm dafür ausgedehnte Wanderungen. Später verlegte er sich auf die Kupferstecherei und fertigte zahlreiche Platten in Aquatinta an, meist Ansichten aus verschiedenen Teilen der Schweiz. 1860 und 1875 stach er zwei grosse Platten “Zürich von der Weid aus”, die im Verlag H. Appenzeller gedruckt wurden. (Quelle: Schweizerisches Künstler-Lexikon, 3. Band, Frauenfeld 1913, S.153.) Die vorliegende Ansicht dürfte aus derselben Zeit stammen.
Der Stich zeigt im Vordergrund prominent das Gebäude des Polytechnikums. Es wurde 1859-64 nach Plänen von Gottfried Semper durch den Zürcher Kantonsbaumeister Johann Caspar Wolff erbaut. Aufgenommen wurde die Zeichnung von der Eidgenössischen Sternwarte aus, ebenfalls einem Semper-Bau, der 1864 eröffnet worden war. Die ungewohnte Perspektive aus Osten verdeutlicht, dass das Polytechnikum praktisch im Grünen erbaut wurde. Dem Haupttrakt vorgelagert ist das Chemiegebäude. Noch fehlt das Kollegiengebäude der Universität auf dem Bild, das erst 1914 errichtet wurde. Zuvor war die Universität noch im Südflügel des Polytechnikums untergebracht. Der gesamte Ostflügel wurde dann beim Umbau durch Gustav Gull (1915-1924) komplett umgestaltet: das Chemiegebäude wurde entfernt, die heute markante Kuppel und das Auditorium Maximum mit dem neuen Eingangsbereich wurden geschaffen. Zudem wurden zwei Seitenflügel in Richtung Rämistrasse gebaut.
Links:
Die “Vue générale de Zurich prise de l’Observatoire” ist Bestandteil der Ansichtensammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Sie ist – wie zahlreiche weitere Ansichten des ETH-Hauptgebäudes auch – in digitaler Form über Bildarchiv online öffentlich zugänglich.
Die abgebildete kolorierte Version ist unter der Signatur Ans_03501 zu finden. Eine andere, unkolorierte, Version des Stichs ist unter der Signatur Ans_02748 zu finden.
Jean Jacques Moll: Plan d’une Ville de Cent Mille Âmes
Der Genfer Staatstheoretiker Jean Jacques Moll (1743-1828) lebte Ende des 18. und anfangs des 19. Jahrhunderts in Paris. Auf das Geheiss von Napoléon Bonaparte entwarf Moll eine Stadt für 100’000 Einwohner. Damit die Stadt auch wirklich schön würde, und den Bewohnern ein angenehmes Leben böte, müsste sie laut Moll unter anderem mindestens 100’000 Einwohner haben, auf einem flachen Terrain gebaut sein, und viele verschiedene öffentlichen Plätze und Brunnen aufweisen. Des Weiteren sollten die Häuser von majestätischer Höhe und die Strassen und Trottoirs möglichst breit sein. Mit seiner grosszügigen Planung strebte Moll für die Bewohner maximalen Komfort und Fortschrittlichkeit an.
Geometrie und Symmetrie dominieren den Stadtplan. Die grundlegende Figur ist dabei weder ein Kreis, noch ein Quadrat. Moll plant ein Rechteck mit einer grossen offenen elliptischen Fläche im Zentrum: ein Park mit einem grossen rechteckigen Gemeinschaftsgebäude. Weitere öffentliche Gebäude befinden sich angrenzend an das Oval. Die restliche Fläche ist in sechzehn Felder aufgeteilt und in jedem Feld sind zwei oder vier Gruppen von Häusern direkt mit kleinen Gärten verbunden. Der Plan enthält keine präzise Informationen über die Höhe der Gebäude. Um für 100’000 Einwohner Platz zu bieten, müssten die Häuser mindestens drei Stockwerke hoch sein.
Molls Napoléonville wurde nie gebaut und ist somit eine Utopie geblieben. Es gab zwar in Frankreich während dem ersten und zweiten Kaiserreich Städte mit dem Namen Napoléonville, zum Beispiel das heutige Pontivy. Diese Städte wurden jedoch nicht von Napoléon gänzlich neu errichtet, sondern zu militärischen Zentren ausgebaut und mit seinem Namen versehen.
Links:
Jean Jacques Moll: Plan d’une Ville de de Cent Mille Âmes ist bestellbar in NEBIS .
Der Stadtplan kann in E-Pics Alte Drucke betrachtet werden.
Der Druck ist online auf www.e-rara.ch
Website der Stadt Pontivy (ehemals Napoléonville): http://ville.pontivy.fr