Zum 140. Geburtstag von Grock

Der Schweizer Clown Grock wurde am 10. Januar 1880 als Charles Adrien Wettach in Loveresse im Berner Jura geboren und könnte heute seinen 140. Geburtstag feiern.

Boog (Comet Photo AG): Grock, 1953 (Com_M02-0203-0005)

Ich habe Grock leider nie erleben können, finde aber, dass die Bilder und Filme seiner Auftritte stets einen Ur-Clown zeigen, den Clown schlechthin. Es erstaunt nicht, dass viele in ihm den König der Clowns oder den grössten Clown aller Zeiten sehen.

Alle, die ihn einmal bewundern konnten, waren von seinem Charme, seiner Grazie, seiner Mimik und seiner Art sich zu bewegen fasziniert. Grock war wirklich ein wahrer Clown, ein Clown für die Armen und die Reichen – vor allem aber auch ein Clown für alle Nationen (Wettach, S. 29).

Erst relativ spät in seinem Leben am 24. März 1951 startete Grock mit seinem eigenen Varieté-Zirkus. Unsere Comet-Bilder stammen von der letzten Schweizer Tournee im Jahr 1953 und wurden vermutlich in Bern aufgenommen. Grock war damals bereits 73 Jahre alt. Im Publikum auf der Berner Allmend sass ein begeisterter 17-jähriger Dimitri, später selbst ein berühmter Clown …

Nach der Pause also der grosse Moment – und ich war ergriffen wie einer, der zum ersten Mal das vergötterte Wesen sieht, von dem er Jahre geträumt hat. Und doch habe ich kaum gelacht, kaum geklatscht, denn ich war vollkommen absorbiert von dem Eindruck und dem Studium, wie dieser Meister es macht, ein begeistertes Publikum während über einer Stunde zu Lach- und Applausstürmen hinzureissen. Besonders war ich verblüfft, wie einfach das schien, was Grock machte […] Er sprach stilisiert, er bewegte sich stilisiert, er stellte die komische Künstlichkeit her. Und doch kann man nicht sagen, was es eigentlich ist, das die Menschen zum Lachen bringt. Es ist ja auch etwas, das man nicht nachahmen kann (Dimitri in Naef, S. 7).

Boog (Comet Photo AG): Grock, 1953 (Com_M02-0203-0004)

Nach der Vorstellung zog sich Grock jeweils um und gab Autogramme. Dazu nochmals Dimitri:

Nach der Vorstellung auf der Berner Allmend in Grocks Zelt mit der drehbaren Manege war ich leider zu scheu, um mein Idol zu begrüssen oder um ein Autogramm zu bitten. […] Grock habe ich nur jenes einzige Mal gesehen und nur beim Auftritt. Trotzdem fühle ich mich […] fast schicksalhaft mit ihm verbunden. Es ist eine innere Verbundenheit, die vielleicht mit der Haltung zum Beruf zu tun hat, mit dieser hundertprozentigen Hingabe. […] Ich bin in gewissem Sinne auch froh, dass ich Grock nicht privat kennengelernt habe. Denn es könnte sein, dass ich mich an seinen schwierigeren Eigenschaften gestossen hätte. Man weiss, […] dass er aufbrausend und arrogant sein konnte. Auch die Problematik seines Verhältnisses zu Hitler und Nazigrössen hätte mein Bild von Grock verzerren können. Aber diese durchaus realen Seiten eines Menschen in seiner Widersprüchlichkeit mögen zwar bestanden haben und können, wenn man sie differenziert betrachtet, auch interessant sein, doch für die Bedeutung, die Grock als Clown hatte, sind sie nicht entscheidend (Naef, S. 8).

Boog (Comet Photo AG): Grock, 1953 (Com_M02-0203-0003)

Über den Comet Fotografen mit dem Nachnamen „Boog“ ist so gut wie gar nichts bekannt. Im Bestand sind etwa 100 Bilder von Boog zu finden, die zwischen ca. 1950 und 1953 entstanden sind.

Literatur:

Walter Wettach: Grock: das verrückte Leben des Adrien Wettach. Luzern: Pro Libro, 2010.

Naef, Raymond, Dimitri, Museum Neuhaus, & Stadthaus Zürich. (2002). Grock: Eine Wiederentdeckung des Clowns. Wabern/Bern: Benteli.

Link:

Hansruedi Lerch: „Grock“, in: Historisches Lexikon der Schweiz.

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