Schweizer Stein als Baumaterial – gestern und heute

Schweizer Naturstein ist heute ein Baustoff unter vielen. Noch vor hundert Jahren war er als Baumaterial von zentraler Bedeutung. Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts wurden die wichtigsten Kommunal- und Geschäftsbauten unter grosszügiger Verwendung von Naturstein errichtet – so auch in Zürich.


Schweizerische Nationalbank, Zürich (Gebrüder Pfister, 1919–1922), Fassade aus Würenloser Muschelkalk, Foto: ETH Zürich, E-Pics, Baugeschichtliches Archiv

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren viele neue Steinbrüche eröffnet worden und die Einführung der Eisenbahn ermöglichte den Transport und die Verwendung des abgebauten Materials über lokale Grenzen hinaus.

Verlad von Maggia-Gneis auf einen Eisenbahnwaggon in einem Steinbruch in Riveo/Maggiatal, Foto: ETH Zürich, E-Pics, Bildarchiv, ETH-Bibliothek, Leo Wehrli

Auf der vierten Schweizer Landesausstellung 1883 in Zürich nahmen die sogenannten natürlichen Bausteine einen grossen Teil der Gruppe der Schweizer Baumaterialien ein: In der Maschinenhalle am Sihlufer gegenüber vom Platzspitz wurde Naturstein in zwei Ausstellungsarchitekturen verbaut präsentiert, darunter auch Sorten, die heute noch gewonnen werden, wie Sandstein aus Bollingen, Rorschach, St. Margrethen und Ostermundigen, Gotthard-Serpentin oder Arzo-Marmor.

Stand der Firma Doret aus Vevey auf der Schweizer Landesausstellung 1883 in Zürich mit den von ihnen abgebauten Steinsorten Arvel, Rouge jaspé und Chable Rouge, Foto: ETH Zürich, E-Pics, Bildarchiv, ETH-Bibliothek, Romedo Guler

Ab den 1950er Jahren verdrängten Glas, Beton und andere damals moderne Baustoffe den Naturstein zunehmend. In Form von vorgehängten Plattenfassaden erlebte dieser allerdings ein Revival.

Deutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main (Mete Arat, Hans-Dieter Kaiser und Gisela Kaiser, 1985–1997), vorgehängte Fassadenplatten aus Vert de Salvan, Foto: Seth Schoen

Die Verwendung von Schweizer Naturstein in einigen geradezu ikonisch gewordenen Architekturen – so zum Beispiel die Therme Vals von Peter Zumthor (Valser Quarzit) oder die Spannbogenbrücke Pùnt da Suransuns in der Viamala von Jürg Conzett (Andeer) – verschaffte manch Schweizer Steinsorte internationale Bekanntheit und begründete regelrechte Steinmoden.

Therme, Vals (Peter Zumthor, 1990–1996), Fassade aus Valser Quarzit, Foto: Materialsammlung ETH Zürich

Aktuell werden hierzulande noch rund fünfzig verschiedene Steinsorten in über 70 Steinbrüchen abgebaut. Sie wurden alle als Muster mit verschiedenen Oberflächenbearbeitungen für die Materialsammlung angeschafft und inhaltlich für die Datenbank des Material-Archivs aufbereitet. Ab Mitte Dezember werden diese Muster im Rahmen der Ausstellung Stein? Ein Schweizer Baumaterial präsentiert und in einen architektonischen Kontext gestellt.

 

Ausstellungsankündigung:

‚Stein? Ein Schweizer Baumaterial’, Materialsammlung der ETH Zürich, Baubibliothek HIL E2, 11. Dezember 2018 bis 28. Februar 2019

 

Literatur:

Meister, U. et al. (Hrsg.): Die Baumaterialien der Schweiz an der Landesausstellung 1883, Zürich 1884.

Stadler, R.: ‚Schweizer Grüne sind beliebt: Andeer-Granit und Vert de Salvan an bedeutenden ausländischen Bauten‘, in: Schweizer Baublatt, 1997, Bd. 108, Nr. 41, S. 2–4.

Zehnder, K. und Kündig. R.: ‚Steinmoden – gestern und heute‘, in: Kunst + Stein, 2010, Nr. 3, S. 4–7.

[s. n.]: ‚Die natürlichen Bausteine an der schweizerischen Landesausstellung 1883‘, in: Schweizerische Bauzeitung, 1883, Bd. 1/2, H. 7, S. 37–38.

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