Von Burgställen und Teufelsburgen

Zugegeben, das Gebiet der Archäologie ist nicht zwingend den naturwissenschaftlichen Schwerpunkten der ETH zuzuordnen, und doch bieten archäologische Karten Einblick in historische Verläufe und können Geschichten erzählen, welche unsere Aufmerksamkeit verdienen. Besonders dann, wenn sich die Geschichten womöglich um den Teufel und adlige Damen in Nöten drehen.

So zeigt die Carte archéologique du Canton de Berne von 1876 Fundorte von Bauten, Wegen und Befestigungsanlagen im Kanton Bern von der Steinzeit bis ins poströmische Zeitalter.

Abb. 1: Ausschnitt der verzeichneten Funde im Kanton Bern aus der Steinzeit (grün), Bronze-/Eisenzeit (schwarz), Römerzeit (rot) und poströmischer Zeit (blau).

Gemäss Karte verlief eine Hauptverkehrsader zur Römerzeit quer durchs Berner Mittelland. Entsprechend dicht besiedelt war das Gebiet, insbesondere nahe des Bielersees, wie die diversen roten Markierungen auf der Karte zeigen.  Auf dieser Hauptachse liegen auch die Siedlungen Büren und Rüti bei Büren, und die Karte verzeichnet bei Letzterem ein „Retranchement“. Diese Verschanzung sind die Überreste der sogenannten „Teufelsburg“.

Abb. 2: Rüti bei Büren, mit Überresten einer römischen Siedlung (roter Punkt) und dem Verweis auf die Verschanzung (blau)

In den Erläuterungen zur Karte wird beim Eintrag zu Rüti die Teufelsburg erwähnt und eine Darstellung der Verwerfungen abgebildet. Ab 1900, also nach Veröffentlichung der vorliegenden Karte, tauchen die Verwerfungen dann auch in den amtlichen Landeskarten auf.

Abb. 3: Ausschnitt aus Blatt 125 des Topographischer Atlas der Schweiz 1:25‘000 (Siegfriedkarte; Ausgabejahr 1901); Geodata © swisstopo

Doch was sind diese Verwerfungen genau, hat an der Stelle wirklich eine Burg gestanden, und wann? Die Gräben sollen ein sogenannter Burgstall sein. Also eine Stelle, an der eine Burg – die Teufelsburg –   gestanden hat, heute aber nicht mal mehr eine Ruine zu sehen ist. Einer Volkssage nach habe hier eine Edeldame gewohnt, welche Burg und Wald im Tausch für einen bequemeren Wohnsitz den umliegenden Gemeinden angeboten hatte. Da sich keine naheliegende Gemeinde zu diesem Tausch bereit erklärte wandte sich die Dame an die Stadt Solothurn, und so kamen Burg und die Bewaldungen, obschon auf Berner Grund, in den Besitz von Solothurn.

Abb. 4: Darstellung der Schutzwälle der Teufelsburg (Erläuterungen zur Karte, Seite 32)

Nur – so haben Nachforschungen ergeben – war bereits zum Zeitpunkt der nachweisbaren Eigentumsübertragung an Solothurn keine Burg mehr vorhanden, und scheinbar hat da auch nie eine wirkliche Burg gestanden. Vielmehr war die Anlage Teil einer Befestigung im Rahmen der Besiedlungen der Alamannen zwischen dem 5. und 10. Jahrhundert, einer sogenannten „Fliehburg“ (oder Refugium) mit Holzwänden sowie Pallisaden und Ringwällen aus Erde. So konnte sich bei Gefahr die Sippe, welche sich in der Nähe niedergelassen hatte, in der Befestigung in Sicherheit bringen.

Abb. 5: Der zentrale Burghügel und die Schutzwälle sind auch heute noch gut im Gelände sichtbar (Abbildung aus swissALTI3D (2018); Geodata © swisstopo).

 

Und wo kommt nun der Teufel ins Spiel? Gar nicht, denn der Name der Befestigung geht vermutlich auf einen Alamannenherzog namens Thuitbold (ca. 8. Jhr) zurück, woraufhin im Volksmund über die Zeit die Teufelsburg entstand.

 

Eine Teufelsburg, eine Edeldame in finanziellen Nöten – genügend Stoff für eine spannende Sage, mit etwas Neugierde zu finden auf der archäologischen Karte des Kantons Bern. Und Sie, welche Geschichten finden Sie auf der Karte?

 

Verweise

Heimatkunde: die Teufelsburg, ein Burgstall, in: Pionier: Organ der schweizerischen permanenten Schulausstellung in Bern,  34 (1913), S. 82 – 105. http://dx.doi.org/10.5169/seals-265655

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