Mehr als ein Stadion: Der Sportpark Luschniki

Am 15. Juli 2018 wird der Final der Fussballweltmeisterschaft im Moskauer Luschniki-Stadion ausgetragen. Das 1956 eröffnete Stadion ist ein Teil eines grösseren Komplexes, in dem sich sowjetische Sport-, Bau- und Stadtplanungsgeschichte verdichten.

Comet Photo AG: Moskau, Olympiastadion Luschniki (Grosse Sportarena) an der Moskwa, 1979, (Com_LC0046-0000-0010) 

Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es mehrere Pläne für ein «Rotes Stadion» als zentrale Sportstätte der Sowjetunion in Moskau, die aber allesamt nicht realisiert wurden. Ein Grund dafür waren die intensiven ideologischen Debatten darüber, ob dem Breiten- oder dem Leistungssport, dem Massen- oder dem Zuschauersport der Vorrang gebühre. Erst 1954 beschloss die Partei den Bau eines «Sportparks» in Luschniki – eine Gesamtanlage, die neben dem modernen multifunktionalen Stadion weitere Wettkampfarenen und Trainingsplätze sowie einen Kulturpalast in eine ausgedehnte Park- und Erholungslandschaft für die Moskauer Bevölkerung einbettete.

Comet Photo AG: Moskau, Blick stadtwärts von der Lomonossow-Universität, Stadion Luschniki, 1961, (Com_L10-0297-0016-0008)

Das zentrale Stadion war der erste grosse Repräsentationsbau des «Tauwetters» nach dem Tode Stalins und sollte auch architektonisch den Bruch mit der Stalinzeit darstellen. Die Absicht der Planer war es, mit dem Sportpark Luschniki einen modernisierten und menschlicheren Sozialismus zu symbolisieren.

Literatur:

Alexandra Köhring: Die Stadt als Stadion. Fussball, Sportkultur und Stadtplanung in Moskau-Lužniki. In: Stephan Krause/Christian Lübke/Dirk Suckow (Hg.): Der Osten ist eine Kugel. Fussball in Kultur und Geschichte des östlichen Europa. Göttingen 2018, S. 105-117.

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