Wie Autofahrverbote Kartenbibliothekaren helfen

Vom Pestalozzianum hat die Kartensammlung der ETH-Bibliothek einen grösseren Bestand alter Karten bekommen, die von uns katalogisiert werden. Eine Strassenkarte von Kümmerly & Frey, die das Gebiet zwischen der Schweiz, Frankreich und Norditalien darstellt, zeigt die wichtigsten Stassen in roter Farbe mit Distanzangaben. Mit verschiedenen Pfeilen auf der Karte wird darauf hingewiesen, wie steil die Strassen sind.

Abb. 1: Kartenausschnitt Strassenkarte

Leider ist kein Erscheinungsjahr auf der Karte angegeben. Aus dem Karteninhalt muss ich den ungefähren Zeitraum des Erscheinens der Karte herauslesen:

Der Simplon-Eisenbahntunnel ist auf der Karte eingezeichnet. Dessen erste Röhre wurde 1906 dem Betrieb übergeben. Also vermute ich, dass die Karte 1906 oder später erschienen ist.

Aus der Kartenlegende entnehme ich, dass es auch Strassen hat, die mit einem Fahrverbot für Autos belegt sind. Diese Strassen sind auf der Karte in grüner Farbe eingezeichnet.

Abb. 2: Legende Strassenkarte

Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass es Strassen mit Autofahrverbot im Kanton Graubünden gibt. In diesem Kanton herrschte von 1900 bis 1925 ein Fahrverbot für Automobile. Also vermute ich, dass die Karte nicht nach 1925 erschienen ist.

Auf der Rückseite finde ich Verordnungen über den Strassenverkehr, datiert vom 7. April 1914. Also vermute ich, dass die Karte 1914 oder später erschienen ist.

In der Katalogaufnahme gebe ich an, gestützt auf die Hinweise aus der Karte, dass die Karte zwischen 1914 und 1925 erschienen ist.

Einige Wochen nach dem Katalogisieren schaue ich mir die Karte nochmals an und finde ganz versteckt und klein in der linken unteren Kartenecke die Zahl 21.

Abb. 3: Hinweis Erscheinungsjahr

Kartenverlage hatten die schlechte Angewohnheit, Erscheinungsjahre nicht oder in abgekürzter oder gar in verschlüsselter Form, ganz klein auf der Karte zu verstecken. Das Erscheinungsjahr ist also 1921. Meine Vermutung, dass die Karte zwischen 1914 und 1925 erschienen ist, war richtig.

Die Karte kann zur Ansicht im Lesesaal Sammlungen und Archive bestellt werden.

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