Attraktion mit Tradition: Das Kulturerbe der ETH Zürich

Zu den Attraktionen Zürichs zählte der offizielle Führer zur Schweizerischen Landessausstellung 1883 «Limmat-Athen beleuchtet im festlichen Glanze durch den Diamant» ganz selbstverständlich das Polytechnikum. Denn dem Polytechnikum, der damals in demselben Gebäude untergebrachten Universität und den höheren Schulen verdanke Zürich den Namen «Limmat-Athen».

Polytechnikum und Universität teilten sich 1864 bis 1914 den Semper-Bau, «ein mächtiger Bau in dominierender Stellung» und «eine der höchsten Leistungen moderner Renaissance» (Limmat-Athen 1883, S. 102) hoch über der Stadt (ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Guler, Romedo / Ans_05425-01-006-FL / Public Domain Mark). DOI: 10.3932/ethz-a-000097955)

Zu den wärmsten Empfehlungen des «Diamanten» gehörte der Besuch der Sammlungen und Bibliotheken des Polytechnikums. Das vier Stunden wöchentlich geöffnete Kupferstichkabinett sei, erfahren wir, eine «gut gewählte, wohlgeordnete Sammlung» und dessen «ungemein gefälligen Konservatoren» wüssten auch «für Laien … immer ein paar Mappen von allgemeinem Interesse [zu] finden». (S. 108). Die Naturhistorischen Sammlungen (Zoologie, Entomologie, Geologie, Mineralogie) seien «reichhaltig» und «auch für Laien interessant» (S. 108). Aber Achtung: «Das richtige Sehen beim Besuch einer Ausstellung will gelernt sein. Es bedarf dazu einiger Uebung und guter Anleitung» (S. 195). Neben Gastrotipps und einigen nützlichen Hinweisen, wie Besucherinnen und Besucher ihre Aufmerksamkeit länger aufrechterhalten können, steht der erhobene Zeigefinger: «Man darf in den Ausstellungsräumen wohl Notizen machen, aber ohne schriftliche Erlaubniss der Direktion Nichts zeichnen.» (S. 196)

Titelblatt von «Limmat-Athen beleuchtet im festlichen Glanze durch den Diamant» (1883) und Auszug aus dem Kapitel «Von der Kunst, in der Ausstellung spazieren zu gehen» (Limmat-Athen 1883, S. 196)

Am 3. Juni 2018 ist fast alles anders: Die ETH Zürich öffnet ihre Tore weit und lädt zum Hinsehen, Erleben und Mitmachen ein. Sammlungen, Archive und Institute der ETH Zürich zeigen mit Workshops, Führungen, Vorträgen und Gesprächen, wie die Forschung von heute das Kulturerbe von morgen schafft. Nehmen Sie Einblick in Max Frischs unveröffentlichte Notizen oder verorten Sie Luftbilder im dreidimensionalen Raum. Besuchen Sie mit Ihren Kindern den Steinmetz-Workshop und basteln Sie eine Sonnenuhr. Oder hören Sie Forschenden zu, die darüber berichten, wie der Flussbau in der Schweiz früher aussah und was seine Zukunft sein wird.

Nicht nur Zeichnen ist heute erlaubt. Sie können inzwischen auch Hunderttausende digitalisierter Fotos und Dokumente auf den Plattformen der ETH-Bibliothek frei herunterladen und weiterverwenden. Zwei Dinge aber sind gleich geblieben: Die ETH ist aus Zürich nicht wegzudenken und ihre Mitarbeitenden sind noch immer «ungemein gefällig».

Entdecken Sie am 3. Juni neue Facetten der ETH Zürich

Mit der Veranstaltung «Kulturerbe an der ETH – hinsehen, erleben, mitmachen» macht die ETH Zürich am Sonntag 3. Juni 2018 im Rahmen des europäischen Kulturerbejahrs 2018 ihr eigenes Kulturerbe lebendig und erlebbar. Zur Eröffnung des Tages spricht Iso Camartin um 10 Uhr über „Unser Kulturerbe als Bürde und als Chance“.

Stöbern Sie im Programm unter http://www.kulturerbe.ethz.ch.

 

Quelle:

Limmat-Athen beleuchtet im festlichen Glanze durch den Diamant, oder Zürich und die Schweiz. Landes-Ausstellung im Jahre 1883. Zürich: J. A. Preuss, 1883. DOI: 10.3931/e-rara-20617.

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