Der Schrecken der Frösche und die Geburt des Romans Frankenstein

Luigi Galvanis Forscherdrang fielen wohl tausende Frösche zum Opfer, weil der Anatom beobachtete, wie der Schenkel eines sezierten Frosches wie aus dem Nichts heraus zu zucken begann. Diese Begebenheit trug sich im Jahre 1780 in Bologna zu und führte in der Folge zu einem der wichtigsten Diskurse in der Wissenschaftsgeschichte – und zur Geburt des Romans Frankenstein.

Abb. 1: [Versuchsanordnungen mit Froschschenkeln], Tab. II

Der italienische Arzt und Anatom, L. Galvani (1737-1798), sezierte einige Frösche und trennte die Schenkel vom Rumpf. Plötzlich begannen die Schenkel zu zucken, wenn er die freigelegten Nerven mit einem Messer berührte und zeitgleich eine in der Nähe betriebene Elektrisiermaschine durch Reibung einen Funken schlug. Galvani war derart begeistert von dieser Entdeckung, dass er diese fortan systematisch untersuchte. Neben einer Vielzahl unterschiedlicher Experimente, montierte er zum Beispiel einmal auf dem Dach seines Hauses einen Draht, hängte die Froschschenkel daran und erdete diese mit einem weiteren Draht. Er beobachtete dieselben Muskelkontraktionen, wenn ein Blitz in der Nähe niederging. Doch eines Tages bemerkte er, dass sich die Glieder auch ohne Funken oder Blitzentladungen verkrampften, nämlich dann, wenn diese an einem Messinghaken an seinem Balkongeländer hingen und das eiserne Geländer berührten. Was war passiert? Durch zwei unterschiedliche, miteinander verbundene Metalle und dem Salzwasser im Froschschenkel hatte Galvani, ohne es zu wissen, einen elektrischen Stromkreis erzeugt. Die Ergebnisse seiner Froschschenkel-Experimente publizierte er im Jahr 1792 in seinem Werk De Viribus electricitatis in motu musculari. Galvani sah die Quelle der Zuckungen im Froschschenkel selbst und war überzeugt, die Grundlage der Lebenskraft entdeckt zu haben. Die Metalle würden demnach die im Körper noch gespeicherte Energie aktivieren.

Abb. 2: [Versuchsanordnungen mit Froschschenkeln], Tab. III

Gegen diese Idee der sogenannten «Tierelektrizität» schaltete sich jedoch bald der Physiker Alessandro Volta (1745-1827) in die Debatte ein und stellte Galvanis Theorie in Abrede. Für ihn waren es die unterschiedlichen Metalle, welche den Strom und die Muskelkrämpfe erzeugten. Volta begann im Rahmen dieser intensiv geführten Kontroverse selbst Experimente durchzuführen und entwickelte schliesslich die erste Batterie, die Voltasche Säule im Jahre 1800. Für diese, vielleicht bedeutendste Erfindung, verwendete er Scheiben von zwei unterschiedlichen Metallen (Kupfer und Zink oder Silber und Zinn), die er stapelte und dazwischen eine leitende Flüssigkeit einschloss. Ein Element dieser Säule wird Voltaelement genannt und besteht also aus Kupfer und Zink mit dazwischen eingeschlossenem Elektrolyt (z.B. Salzwasser).

Abb. 3: [Versuchsanordnungen mit Froschschenkeln], Tab. I

Es wurde in der Folge weiter mit dem Einfluss von Elektrizität auf Organismen experimentiert und auch vor dem menschlichen Körper nicht Halt gemacht. Galvanis Neffe, Giovanni Aldini (1762-1834), selbst Physiker, experimentierte unter anderem an einem hingerichteten Verbrecher und erzeugte lebensecht anmutende Muskelkontraktionen im Gesicht. Die mit diesen Experimenten verbundene Fantasie, mittels Elektrizität Menschen wiederzubeleben, soll Mary Shelley als Inspiration für ihr 1818 herausgegebenes Werk «Frankenstein» gedient haben.

 

Quellen

Luigi Galvani, aus: Geschichte der Technik in Graz, ein Projekt von alumniTUGraz 1887, abgerufen unter: http://history.tugraz.at/besonderheiten/groessen_der_technik/galvani.php, Stand: 13.02.2018

Marco Piccolino, Marci Bresadola: Shocking frogs. Galvani, Volta, and the electric origins of neuroscience. Oxford: Oxford University Press, 2013

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