Spuk in der Kyburg

Der Spuk in der Kyburg ist legendär und gut dokumentiert. Ende 1957 machte die Schweizer Illustrierte Zeitung auf Schloss Kyburg ein Experiment mit dem dort ansässigen Gespenst und fünf Versuchspersonen. Die Frage lautete: Hat die heutige Generation noch Angst vor Gespenstern? Ort des Experiments war die Folterkammer. Dort gab im Inneren einer eisernen Jungfrau ein Tonband geheimnisvolle Wehlaute von sich. Die Versuchsperson sass auf einem Stuhl und musste eine Glocke betätigen, sobald das Gespenst in Erscheinung trat. Dieses liess nicht lange auf sich warten, kam angeschwebt, und machte ein Foto von der jeweiligen Versuchsperson.

Björn Eric Lindroos: Gespenst auf der Kyburg; Im Hitergrund Papa W., 11.12.1957  (Com_L06-0264-0030)

Die Schweizer Illustrierte Zeitung berichtet dazu:

Sonderbar benahm sich eine junge Dame, die sich schon vor den Umrissen des Schlosses gefürchtet hatte, während des Experimentes nicht einmal den Mut aufbrachte zu läuten und dann, als das Gespenst erschien, einen Lachanfall bekam, der nicht mehr enden wollte. Sie war nicht davon abzuhalten, in die eiserne Jungfrau zu klettern und sie beruhigte sich erst wieder, als sie sich gänzlich ausserhalb der angsterregenden Atmosphäre des alten Schlosses befand.

Björn Eric Lindroos: Lachende Dame auf  Schloss Kyburg, 11.12.1957 (Com_L06-0264-0020)

Etwas gelassener war hingegen der ältere Herr, der im ersten Bild im Hintergrund zu sehen ist:

Der 73jährige Papa W., um dessen Reaktion wir am meisten besorgt waren, zeigte überhaupt keine Angst. Er setzte sich lachend auf den Stuhl, liess Geräusche und Erscheinung, ohne mit der Wimper zu zucken über sich ergehen und erklärte, er wäre bereit, in der Folterkammer zu schlafen, wenn man sie etwas heizen würde.

Das Schlussresultat des Tests fällt laut der Illustrierten so aus: „Die Menschen der heutigen Generation haben vor unheimlichen Begebenheiten Angst, so lange diese bevorstehen und in ihrer Phantasie zu unbegrenzten Schrecken auswachsen. Sie stehen aber der Wirklichkeit, auch wenn sie noch so furchterregend ist, verhältnismässig tapfer gegenüber.“

Gut möglich, dass sich dies noch heute so verhält. Testen kann man dies übrigens auf der Kyburg noch immer, wo bis vor kurzem jährlich Gespensterrundgänge stattfanden.

Link:

Webseite Schloss Kyburg: http://www.schlosskyburg.ch/de

Literatur:

Schweizer Illustrierte Nr. 1, 30. Dezember 1957, S. 16-17

Und so sah der Artikel in der Schweizer Illustrierten aus:

JotNot_12.06.2015-page-2

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