Flüchtlinge und die ETH Zürich – Abendführung des Hochschularchivs der ETH Zürich

Wie reagierte die ETH Zürich in der Vergangenheit auf Flüchtlingswellen? Welchen Einfluss hatten Flüchtlinge auf die Entwicklung der Hochschule und welche Lebensschicksale verbergen sich hinter den Aufzeichnungen der Hochschulverwaltung?

Politische und Kriegsflüchtlinge haben in der über 160-jährigen Geschichte der ETH Zürich mannigfaltige Spuren hinterlassen. Das Hochschularchiv zeigt in seiner Abendführung „Ein sicherer Hafen – Flüchtlinge und die ETH Zürich“ Dokumente aus Verwaltungsakten und Privatarchiven. Der Fokus liegt auf Phasen politischer und kriegerischer Krisen in Europa zwischen 1848 und 1956.

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Das Plakat zur Abendführung zeigt eine düster wirkende Collage. Den Hintergrund bildet ein künstlich verpixeltes Porträt des polnisch-jüdischen Flüchtlings Josef Anderman, der 1939-1940 an der ETH studierte. Die Verfremdung spielt auf die Anonymität des Flüchtlingbegriffs an.

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Porträtbild aus dem Matura-Zeugnis des Staatsgymnasiums Lwow für Josef Anderman, 1938 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, EZ-REK 1/1/23548).

Im Vordergrund der Collage steht ein ins Negativ verkehrtes, mit Tiefenschärfe fotografiertes Schriftstück, dessen fokussierte Zeile die Wendung „intellektuelle Flüchtlinge“ enthält. Die Zeilen stammen aus einem Brief des Pfarrers Paul Vogt an den Schweizerischen Schulrat vom 23. Februar 1945. Der Leiter der evangelischen Freiplatzaktion für Flüchtlinge in Zürich bittet in diesem Schreiben die ETH, 15 Flüchtlinge mit akademischem Hintergrund zu beschäftigen. Er denkt dabei an die ETH-Bibliothek, die seit Langem einen neuen Sachkatalog benötige.

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Paul Vogt an den Präsidenten des Schweizerischen Schulrats, 23.02.1945 (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, SR3:1945/102, Nr. 951).

Das Begehren wurde mit der Erklärung abgelehnt, die Einteilung des neuen Sachkatalogs könne nur von Fachleuten aufgestellt werden, welche die ETH und deren Bedürfnisse kennen. Auch anderweitige Beschäftigungen an der Hochschule fänden sich nicht, denn es handle sich bei den „intellektuellen Flüchtlingen“ nicht um Studenten, sondern um Altakademiker. Eine grössere Aktion, wie sie Pfarrer Vogt vorschwebe, sei ausserdem aus Platzgründen nicht möglich.

Die Abendführung des Hochschularchivs der ETH Zürich findet am Dienstag, 14. Juni 2016, statt und beginnt um 18.15 Uhr. Treffpunkt: Ausleihschalter der ETH-Bibliothek (ETH-Hauptgebäude, Stockwerk H) .

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