Wissen Sie mehr? Crowdsourcing im Bildarchiv

Der NZZ-Artikel „Wer kennt die Berge, Orte und Fabriken?“ vom 18. Januar 2016 hat bei den NZZ-LeserInnen ein grosses Echo ausgelöst. Beim Bildarchiv der ETH-Bibliothek gingen am selben Tag über 200 Hinweise ein. Innerhalb eines Tages waren neun der zehn Bilder in der NZZ identifiziert, die NZZ hat zwei Tage später darüber berichtet.

Andere Medien haben den NZZ-Artikel ebenfalls aufgenommen: die Tagesschau hat am selben Abend berichtet, Radio SRF 1 zog mit diversen Hinweisen und Aufrufen ebenso nach und diverse lokale Zeitungen haben lokal verortete Bilder publiziert.

Viele freiwillige UserInnen haben in unserer Rubrik „Wissen Sie mehr?“ Bilder ohne Titel und ohne jegliche Hinweise identifiziert. Viele haben sich aber auch selber auf Entdeckungsreise in unserer Bilddatenbank gemacht, indem sie beispielsweise Bilder ihres Wohnorts studiert und uns Präzisierungen oder falsche Bildtitel mitgeteilt haben.

All diese Hinweise sind für das Team des Bildarchivs eine sehr wertvolle Hilfe, da wir nicht alle Bauwerke, Berge oder Ortschaften von oben in der Schweiz kennen können. Hier sind das Wissen der Allgemeinheit bzw. Ihr Wissen im Einzelnen und Ihre Unterstützung unersetzlich!

Wir unterziehen die Hinweise einem Plausibilitätscheck. Meistens schicken die freiwilligen User uns Beweismaterial, sei es in Form eines Links auf Google Maps, eines Bildes oder einer persönlichen Geschichte. Bei einigen Bildern gingen mehrere identische oder gar widersprüchliche Hinweise ein, die jedoch in der Diskussion aufgelöst werden konnten (z. B. ein markanter Flusslauf, LBS_MH01-006949). Dies kann auf BildarchivOnline im Feld Kommentare nachgelesen werden. Die meisten freiwilligen User erlauben nämlich die Veröffentlichung ihrer Kommentare. Schliesslich wurde sogar eines der ältesten Bilder in unserer Sammlung identifiziert (Luzern mit Dampfschiffen, Ans_09918).

Flawil-Gossau, Stausee im Glatt-Tobel bei der Ruine Helfenberg

Mittelholzer, Walter: Flawil-Gossau, Stausee im Glatt-Tobel bei der Ruine Helfenberg, 17.08.1932 (LBS_MH01-006949)

Über diesem Luftbild von Walter Mittelholzer rätselte Herr Aeberli bereits längere Zeit. Durch den Aufruf in der NZZ bekamen wir diverse Vorschläge wie etwa die Rheinschlucht bei Flims, der Saanegraben oder der Sensegraben im Freiburgischen. Herr Aeberli prüfte alle Hinweise und kam zum Schluss, dass die Anzahl Flussschlaufen, das Vorhandensein einer Staumauer und eines Stausees am oberen Bildrand dagegen sprechen. Zudem war Walter Mittelholzer an besagtem Aufnahmetag auf einem Bodenseeflug. Gelöst hat das Rätsel schliesslich Thomas Scheidegger: Zwischen Flawil und Gossau (SG), Stausee im Glatt-Tobel bei der Ruine Helfenberg. Dort ist auch die Salpeterhöhle/St. Kolumbanshöhle.

Luzern, Dampfschiff "St. Gotthard" an der Landungsbrücke beim "

Braun, Adolphe: Luzern, Dampfschiff „St. Gotthard“ an der Landungsbrücke beim „Schwanen“, ca. 1864 (Ans_09918)

Dieses Bild kam erst letzten Sommer in unsere Sammlung, und zwar mit dem lapidaren Titel „Luzern“. Der 84-jährige Luzerner Dampfschiffhistoriker und Buchautor Josef Gwerder hat hier mit Lupe und Adlerauge noch viel mehr entdeckt! Der Bildtitel konnte folgendermassen ausgebaut werden: „Luzern, Dampfschiff ‚St. Gotthard‘ an der Landungsbrücke beim ‚Schwanen‘“. In der Bildbeschreibung steht weiter: „Die Anschrift am Zurgilgenhaus (mit Turm) mit ‚Pension Woerley‘ ist erst 1863 angebracht worden, vorher war es die ‚Pension Aeschmann‘. Das am gegenüberliegenden Ufer vor der Villa Nager-Knörr ist das Dampfschiff ‚Winkelried I‘ (nur unscharf zu erkennen)“. Zudem kann das Bild auf 1864 datiert werden. Es gehört damit zu unseren ältesten Fotografien überhaupt. Wo genau sind die Dampfschiffe? Schauen Sie selber!

Uhwiesen (ZH), Bauernhof „Zur Linde, "Lindenbänkli" und Kirch

Unbekannt: Uhwiesen, Bauernhof „Zur Linde, „Lindenbänkli“ und Kirchgasse, ca. 1925 (Ans_07188)

Dieses relativ unspektakuläre Bild mit dem Titel „Wiesendangen“ ist Fritz Spiess aufgefallen, denn: es zeigt nicht Wiesendangen (ZH), sondern 8248 Uhwiesen (ZH)! Herr Spiess kommentiert das Bild folgendermassen: „Der grosse Baum ist eine Linde und so heisst auch der Bauernhof daneben ‚Zur Linde‘. Die Steinbank unter der Linde ist das ‚Lindenbänkli‘ und war immer der Treffpunkt von uns Jugendlichen. Die zur Kirche ansteigende Strasse nennt sich Kirchgasse. Bin Jahrgang 1942 und im Bauernhof links neben der Kirche (nicht sichtbar) aufgewachsen. Das Bild hat bei mir eine ganze Lawine von Erinnerungen ausgelöst!“.

Das Bildarchiv hat mittlerweile 330‘000 seiner insgesamt 3 Millionen Bilder digitalisiert. Dies damit Forschung und Öffentlichkeit diesen Bilderschatz einfach nutzen kann, aber auch zum Schutz dieser historischen Dokumente. Ein grosser Teil der digitalisierten Bilder kann frei heruntergeladen werden. Wir freuen uns, wenn Sie auf http://ba.e-pics.ethz.ch weiterhin mit uns rätseln!

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