Braun, mit Bart und riesigen Backen – Arnold Heim und die Orang Utans

Im asiatischen Raum beginnt am 8. Februar 2016 das Jahr des Affen. Aus diesem Anlass begab ich mich auf die Suche nach Primaten im Bildbestand. Zum Vorschein kam dabei ein undatiertes Bild, das vermutlich auf Arnold Heims Sumatra-Reise im Jahr 1928 aufgenommen wurde:

Arnold Heim mit Orang-Utan Baby auf dem Arm, ca. 1928 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_06300)

Im Reisetagebuch Heims findet sich dazu folgende Schilderung einer Begegnung mit Orang Utans:

Arnold Heim, Hs 494, Tagebuch Sumatra 1, 1928, Seite 37

8. Jan. 28. Abreise [von Medan nach Siantar]

6 Uhr auf und noch schnell Monica geschrieben. 8 Uhr ist unser Chines mit dem Studebaker–Wagen schon bereit, aber Dr. Schneeberger ist mit seiner Arbeit ([?-] abrechnungen etc.) noch nicht durch. Das fatale ist, dass wir in Medan noch Besorgungen haben und die Geschäfte von 12-14 Uhr geschlossen sind. Erst halb 11 Uhr fahren wir los. Schwer hängen die Koffern am Hintergestell. Doch das Auto ist ausgezeichnet und fährt unbegreiflich ruhig. Unterwegs begegnen wir einem Lastauto mit zwei riesigen Kisten. Es weicht nach links aus und unser Chauffeur, ein Malaie, will vorfahren. Da giebts einen Zusammenstoss, der den kl. Lastwagen beinahe zum Kippen gebracht hätte. Der andere Chauffeur behauptet, das Tuten nicht gehört zu haben. Glücklicherweise hat keiner Schaden gelitten. Was ist in den Kisten: Orang utans! In der Einen ein Riesenmann, braun, mit Bart und riesigen Backen, in der anderen eine Mutter, vom Kind umschlungen. Die unschuldigen werden im Gefängnis abgeführt und werden wohl bald in Europa an Tuberculose sterben. Ich komme nicht vom Gedanken los, wie diese wunderbaren, dem Menschen Nächstverwandten, brutal & unerbittlich, der Ausrottung entgegengehen müssen. Der Ausdruck des ungerecht Gefangenen, der gerne mit den Menschen Freund sein wollte, aber sich aufbäumt, wenn man ihn der Freiheit beraubt, der niemand etwas zuleide tat – werde ich nicht los, und Dr. Schn. [eeberger] geht es ebenso. Auch unser Chef ist ein grosser Jäger. Einzig Nashörner habe er noch nicht geschossen. Bildung, Civilisation! (Arnold Heim, Hs 494, Tagebuch Sumatra 1, 1928, Seite 37)

Es ist möglich, dass unser Bild unmittelbar nach diesem dramatischen Vorfall entstand. Zärtlich hält Arnold Heim das kleine Äffchen als wäre es ein Menschenbaby. Seine grosse Empathie zur Tierwelt ist sowohl in der Fotografie als auch im Tagebuchtext lebendig und präsent.

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