Flugzeuge fürs Vaterland: Schleppender Start der schweizerischen Fliegertruppen im Ersten Weltkrieg

Die Technisierung der Kriegsführung im Ersten Weltkrieg machte auch vor dem Luftraum nicht halt. Die grossen europäischen Militärnationen wie Frankreich, Deutschland, Oesterreich-Ungarn und England hatten schon vor 1914 mit dem Aufbau von Luftwaffen begonnen. Mit Kriegsbeginn setzte auch in dieser jungen Truppengattung ein Wettrüsten ein. Die Rüstungsindustrien lieferten sowohl Luftschiffe als auch immer leistungsfähigere Ein- und Doppeldecker, die als Aufklärungsflugzeuge, Jagdflieger oder Bomber eingesetzt wurden. Die Luftwaffen bildeten parallel dazu immer mehr Piloten, Beobachter, Funker und technisches Personal aus.

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Präsentation des Geschwaders der schweizerischen Fliegertruppen auf dem Flugplatz Dübendorf während des Ersten Weltkriegs, Ende 1915, Anfang 1916 (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Ans_05035-033).

Ein Blick auf die Entwicklung der Schweizer Luftwaffe im Vorfeld und während des Ersten Weltkriegs zeigt ein gemischtes Bild. Einerseits gehörten zahlreiche Schweizer zur kleinen Gruppe enthusiastischer Flugpioniere, die sich vor 1914 international zusammensetzte und bewegte. So erwarb etwa Oskar Bider sein Fliegerbrevet 1912 an der Fliegerschule der Firma Blériot in Frankreich. Der ETH-Absolvent und später erste Kommandant der Schweizerischen Fliegertruppen, Theodor Real, besuchte 1910/11 die Flugschule des deutschen Flugpioniers August Euler. Zudem erfasste vor Kriegsausbruch eine Mischung aus Flugbegeisterung und Nationalstolz die Schweiz. Vergleichbaren Aktionen in Frankreich und Deutschland folgend, rief 1912 die als privater Verein organisierte Schweizerische Offiziersgesellschaft zu einer nationalen Flugspende auf. Die Aktion wurde nicht zuletzt dank zahlreicher Flugtage zu einem grossen Erfolg. Als Beitrag zum Aufbau einer Fliegertruppe wurden 1,7 Millionen Franken gespendet.

Andererseits tat man sich auf staatlicher Ebene und in der Armeeführung unter General Wille schwer mit der neuen Truppengattung. Unter dem Eindruck der nationalen Flugspende wurden zwar bei Kriegsausbruch Ende Juli 1914 in aller Eile die Schweizerischen Fliegertruppen gegründet und im Dezember auf dem Flugplatz Dübendorf stationiert. Die Aufbauphase aber verlief schleppend. Gewissermassen als Vorgeschmack auf die nachfolgenden Debatten um Tiger-, F/A-18- oder mögliche Gripen-Beschaffungen entspann sich sogar in Kriegszeiten eine langwierige Diskussion um den Kauf bzw. Bau von Flugzeugen. Hauptmann Real plädierte mit der einen Seite für privatwirtschaftliche Rüstungsproduktion und setzte sich für den Kauf von Wild-Maschinen ein. Ihre Gegner wollten mit der Beschaffung von Haefeli-Maschinen die staatliche Rüstungsindustrie fördern.

Anfang 1916 erhielten die Fliegertruppen schliesslich eine Serie von sechs Aufklärern des Typs Wild WT-1. Auf der oben gezeigten Aufnahme der Präsentation des Fliegergeschwaders auf dem Flugplatz Dübendorf sind sie in der zweiten Reihe deutlich zu erkennen. Bemerkenswert ist die Aufnahme vor allem aber deshalb, weil sie mit den Stapeln von Bauholz im Vordergrund schon fast überdeutlich zum Ausdruck bringt, wie stark die Fliegertruppen und deren Infrastruktur in Dübendorf noch im Aufbau begriffen waren. Propagandabilder einer wehrhaften Schweiz im Ersten Weltkrieg, die in ihrem Luftraum Präsenz markiert, sehen anders aus. Beispiele dafür hat aus gegebenem Anlass das Schweizerische Bundesarchiv aus seinem Bildbestand der geografisch-archivistischen Sektion des Armeestabes auf Wikimedia Commons veröffentlicht.

Weitere Bildquellen:
Fotografien im Bildarchiv der ETH-Bibliothek aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Literaturhinweise:
– Kreis, Georg. Schweizer Postkarten aus dem Ersten Weltkrieg. Baden, 2013, S. 111-31.
– Urech, Jakob; Hunziker, Emil. Die Flugzeuge der schweizerischen Fliegertruppe seit 1914. 3. Aufl. Stäfa, 1979.
– Renati, Anne-Marie. „Theodor Real (1881-1971)“. In: Schweizer Wegbereiter des Luftverkehrs (Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik Bd.67). Meilen, 1998, S. 8-28.

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