Schweizerische Obstsorten – eine Erhebung von 1872 mit wissenschaftlichen Zeichnungen von Salomon Bühlmeier

Zwischen 1863 und 1872 wurden im Auftrag des Schweizerisch-landwirtschaftlichen Vereins 200 in der Schweiz verbreitete Apfel- und Birnensorten wissenschaftlich gezeichnet und beschrieben. Die Zeichnungen in natürlicher Grösse schuf der Schweizer Kunstmaler Salomon Bühlmeier, der sich in den folgenden Jahren in akribischer Arbeit der Darstellung von Früchten und Zweigen widmete.

Apfelsorte Fraurothacher (Pomme Châtaigne): Seitenansichten, Längsschnitt und Zweig.
Naturgetreu dargestellt von Salomon Bühlmeier, zwischen 1863 und 1872, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 262:16, doi: 10.7891/e-manuscripta-15533

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Apfelsorte Nägeli- oder Palm-Apfel: Seitenansichten und Längsschnitt. Naturgetreu dargestellt von Salomon Bühlmeier, zwischen 1863 und 1872, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 262:59, doi: 10.7891/e-manuscripta-15443

Birnensorte Wildling von Sargans (Sarganser Wildling): Seitenansichten und Längsschnitt. Naturgetreu dargestellt von Salomon Bühlmeier, zwischen 1863 und 1872, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 262:172, doi: 10.7891/e-manuscripta-15473

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Birnensorte Esperen’s Bergamotte (Bergamotte d’Espéren): Seitenansichten und Längsschnitt. Naturgetreu dargestellt von Salomon Bühlmeier,ca. 1872, ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 262:186, doi: 10.7891/e-manuscripta-15516

Salomon Bühlmeier wurde 1814 in Trogen geboren. Nach dem Besuch des Toblerschen Instituts resp. der Kantonsschule in Trogen bildete er sich auf den Akademien in München und Augsburg zum Kunstmaler und Radierer aus. Bühlmeier war Zeichenlehrer in St. Gallen und immer auch selbständig tätig. Er stattete als Radierer Werke des St. Galler Theologen und Lehrers Johann Jakob Bernet aus. 1863 wurde er durch Vermittlung des Tribelhornschen lithographischen Ateliers als Kunstmaler für das nationale Projekt “Schweizerische Obstsorten” des Schweizerisch-landwirtschaftlichen Vereins verpflichtet. Er zeichnete die wissenschaftlichen Ansichten und Schnitte der Äpfel- und Birnensorten, die die pomologische Kommission des Vereins aufgrund ihrer Eignung und Verbreitung in der Schweiz auswählte. Dazu kamen im Druck für jeden Apfel und jede Birne Kommentare zu Namen und Synonymen, Abstammung und Verbreitung, Baumeigenschaften, Fruchtbeschreibung, Nutzung und Zubereitung.

Die Abbildungen und Beschreibungen erschienen ab 1863 bis 1872 in herausragender Farbendrucktechnik und gelangten in 10 Lieferungen mit jeweils 5 Äpfelsorten und 5 Birnensorten an die Käuferschaft. Die schweizerische Obsterhebung scheint die erste Pomologie überhaupt zu sein, die mit Farblithographien versehen war. Beigegeben war einerseits ein Verzeichnis nach Heftenfolge und andererseits ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis, das die Einordnung im später gebundenen Werk definierte, wobei Band 1 für die Äpfel und Band 2 für die Birnen vorgesehen waren. 1872 wurde die Erhebung abgeschlossen. Im Schlusswort von Dezember 1872 wird erwähnt, dass die originalen Zeichnungen dem Schweizerischen Polytechnikum als Eigentum übergeben wurden.

An der eidgenössischen landwirtschaftlichen Ausstellung von 1873 wurde dem Werk – den Originalbildern und den Farbendruckbildern – das Ehrendiplom mit silberner Medaille, die höchste Auszeichnung, zuerkannt. Salomon Bühlmeier starb 1876 während der Arbeit an Originaltafeln, deren Werkzugehörigkeit aufgrund des Nachrufs im St. Galler Tagblatt vom 15.11.1876 nicht eindeutig bestimmt werden kann.

Die Originalzeichnungen von Salomon Bühlmeier für die Erhebung von 1863 bis 1872 sind 2013 vom Hochschularchiv digitalisiert worden. Sie sind im Internet veröffentlicht: e-manuscripta.ch.

Der Druck der Schweizerischen Obstsorten ist ebenfalls greifbar, hier sogar als PDF: http://pomologie.ub.tu-berlin.de/Schweizerische_Obstsorten_1863_-_1872.pdf.

 

One thought on “Schweizerische Obstsorten – eine Erhebung von 1872 mit wissenschaftlichen Zeichnungen von Salomon Bühlmeier

  • Mittwoch, der 14. Dezember 2016 at 00:22
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    Sehr geehrte Damen und Herren,
    Zufällig entdeckte ich heute Ihre Webseite mit den Bildern der Schweizer Obstsorten. Einige Zeit vor der Digitalisierung der Bilder im Jahr 2013 hatte ich über den Maler Salomon Bühlmeier und seine Familie publiziert. Die Tochter war nicht nur eine der ersten Fotografinnen der Schweiz, sondern wohl auch die erste Notenfälscherin… Der Text erschien am 15.3.2001 im deutschen „Rundbrief Fotografie“ (N.F. 29). Falls Sie den Artikel wünschen, ist er per e-mail verfügbar.
    Mit freundlichen Grüssen
    Markus Kaiser

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