Im Land der Pyramiden und Moscheen. Der Schweizer Bauingenieur Charles Andreae in Ägypten

Nachdem das Königreich Ägypten 1922 formell die staatliche Unabhängigkeit erlangt hatte, versuchte die ägyptische Regierung, den britischen Einfluss im Land zurückzudrängen. Im Zuge dieser Bemühungen gelangte die ägyptische Regierung 1928 mit der Bitte an den Schweizerischen Bundesrat, einen ETH-Professor nach Kairo zu entsenden, der die Ingenieur-Ausbildung an der Technischen Hochschule in Gizeh übernehmen und die Regierungsbehörden bei wichtigen Bauprojekten beraten sollte. Die Wahl fiel schliesslich auf den Bauingenieur Charles Andreae, der sich beim Bau des Lötschberg- und Simplontunnels bereits einen Namen gemacht hatte, bevor er als Professor an die ETH zurückkehrte und dort auch einige Jahre als Rektor fungierte.

 

Die Muhammad Ali Moschee in Kairo während des Umbaus, Aufnahme vom 2. April 1935
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs:1002-0010-023)

Während seiner Tätigkeit in Ägypten war Andreae massgeblich am Umbau der Muhammad Ali Moschee (auch genannt Alabastermosche) auf der Zitadelle von Kairo beteiligt.

   

Die Muhammad Ali Moschee nach dem Umbau im Jahr 1936, ganz hinten links die Pyramiden von Gizeh
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv Hs:1002-0010-093)

Bei diesem zwischen 1931 und 1936 ausgeführten Umbau wurden nur gerade die Aussenmauern und die beiden Minarette der Moschee stehen gelassen, alles andere wurde abgebrochen und aus Eisenbeton neu gebaut. Ausgeführt wurden die Umbauarbeiten von einer Reihe von Schweizer Firmen, darunter Rothpletz & Lienhard (Aarau), Schindler (Schlieren) und Oehler (Aarau) – Firmen, die von ehemaligen ETH-Studenten geführt wurden.

   

Auf der Baustelle der Muhammad Ali Moschee am 12. Dezember 1936.
Charles Andreae abgebildet als zweiter von rechts, Ferdinand Rothpletz als vierter von links.
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv Hs:1002-0010-059)

Als Direktor der Technischen Hochschule Gizeh versuchte Andreae, in der Ausbildung den Praxisbezug zu verstärken und die Qualität des Lehrkörpers durch Forschungsaufenthalte in Europa zu fördern. Zudem sollten die Studierenden zum selbständigen Denken angeregt werden, statt wie bisher den Lernstoff bloss auswendig zu lernen. Bei seinen Aufgaben unterstützte ihn ein „kleiner Generalstab“ aus Schweizer Mitarbeitern.

 

Das Gebäude der Technischen Hochschule Gizeh im Jahr 1932
(ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Hs:1002-009-217)

Als die Technische Hochschule Gizeh im Jahr 1935 ihre Unabhängigkeit verlor und der Universität Kairo als Technische Fakultät angegliedert wurde, geriet Andreae in Konflikt mit der Universitätsleitung. Da Ausländer in leitenden Positionen immer weniger erwünscht waren, legte man Andreae den Rücktritt nahe. 1938 kehrte er in die Schweiz zurück. Die Bitterkeit über seinen Abgang überwand Andreae erst 1950, als ihm die Universität Kairo für seine Verdienste die Ehrendoktorwürde verlieh.

 

Ausschnitt aus dem Manuskript der Lebenserinnerungen von Charles Andreae
(ETH-Bibliothek, Archive & Nachlässe, Hs 1002:5)

Quellen

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