… nützlich unnd lustig zu haben, zu lesen und zu wissen

Konrad von Megenberg (1309 -1374) überträgt um die Mitte des 14. Jahrhunderts das lateinische Buchwissen in vereinfachter Form in die Volkssprache. Einerseits findet sich darin kaum ein Abschnitt, in dem nicht antike und spätantike Autoren wie Plinius, Aristoteles, Solinus oder Isidor von Sevilla zitiert werden, anderseits ist diese „Lehre von der Natur“ von der scholastischen Philosophie geprägt und stark mit der Theologie verbunden.

Das Werk erschien erstmals 1348/50, damals selbstredend als Handschrift. Eine der bekanntesten ist der Cod. Pal. Germ. 300 in Heidelberg.

Es galt als während mehr als 200 Jahren als das Kompendium über die Natur, wurde immer wieder kopiert und später gedruckt. Das Exemplar von 1536 ist mit sehr schönen Holzschnitten ausgestattet, die mehr wie Buchschmuck oder Lesezeichen wirken, als dass sie Pflanzen und Tiere detailgetreu abbilden.

Das Naturbuch gibt Einblick in die mittelalterliche Auffassung der Naturwissenschaften und bietet für den heutigen Leser einen unterhaltsamen Lesestoff.

Ausgehend vom Menschen als „Mass der Dinge“ werden im 1. Kapitel, an dessen Beginn „natürlich“ die biblische Schöpfungsgeschichte steht, sämtliche Organe und Körperteile beschrieben.

Das 2. Kapitel befasst sich mit den 7 Planeten und des himmels wirckung. Darunter sind meteorologische Ereignisse zu verstehen wie etwa Regen, Donner oder Nebel. Auch das „Himmelsbrot“, genannt Manna, zählt dazu. Dieses fällt zwar in unsern landen nit, doch hat es die krafft das es das bluot leutert und reiniget. Ausserdem können die Apotheker daraus das Medikament Cassia fistula gegen Cholera herstellen.

 

Vier Kapitel sind der Fauna gewidmet: Gethier, Vögel, Fische, und Gewürm werden gesondert behandelt. Zu letzterem zählen neben Kröten, Fröschen und Insekten auch die heute besser als Fabeltiere bekannten Drachen und Basilisken.

Die Beschreibung der einzelnen Tierarten kann verschiedenste Aspekte umfassen. Auf fol. XXIII r figuriert der Affe: der aff ausswendig ist dem menschen gleich, doch ist er jm inwendig ungleicher, als jedes andere Tier, als Aristotiles spricht.

 

Als Kostprobe hier die geschilderte Methode für die Affenjagd: Wenn die Jäger vor den Augen der Affen Handschuhe anziehen, sie umgehend wieder ausziehen, und im Wald liegen lassen bevor sie sich auf die Lauer legen, lockt ihr demonstratives Verhalten die von Natur aus eitlen Affen an und animiert sie zur Nachahmung. Durch die Handschuhe sind sie in ihrer Flucht vor den plötzlich hervorbrechenden Jägern gehindert, welche ihrer nun leicht habhaft werden können. (Der Leser mag sich selbst ausmalen zu welchem Zweck …)

Die Pflanzenwelt wird in zwei Kapitel von baumen und von kreutern unterteilt. Viele Pflanzen haben medizinische Wirkungen, aber auch noch ganz andere: barba iovis ist der Name der Hauswurz. Dieses Kraut hat kühlende Eigenschaften, welche gut sind gegen „Überhitzung der Leber“ sowie gegen entzündete Geschwüre.

 

Ausserdem sagen Hexenmeister, die sich der Zauberei befleissigen, dass es Donner und Himmlesblitz verjagt / darum pflanzt man es auf den Häusern. Manche meinen auch, der Hauswurz habe die Eigenschaft, beim Kochen zwei Stücke Fleisch zu einem zusammenwachsen zu lassen.

Das letzte Kapitel widmet sich den Gesteinen, wobei dieser Begriff im mittelalterlichen Naturverständnis sehr weit gefasst ist und auch die Metalle Gold, Silber, Kupfer, Eisen behandelt. Stahl wird als eigene Metallart begriffen, und mit dem Elektron, einer Legierung von Gold und Silber, kann man Gift nachweisen …

 

 

 

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