Eine Weltpremiere: die erste Überfliegung des Kilimanjaro durch Walter Mittelholzer (8. Januar 1930)

„Man weiss, dass Mittelholzer auf seinen bedeutsamen Expeditionen stets die Kamera mitzunehmen pflegt; ist das auch bei der ersten Visite des Kilimandscharo der Fall gewesen, wird man ein höchst interessantes Filmdokument erwarten dürfen“ endet der Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung, der bereits am Freitag 10. Januar 1930 in der Abendausgabe publiziert wurde.


Das Basislager befand sich in der Serengetisteppe. Mittelholzer, Walter: Zelte im Schatten der Schirmakazien im Serengeti-Camp. 04.01.-18.02.1930 (LBS_MH02-07-0053)

Walter Mittelholzer vor seinem Zelt im Serengeti-Camp. 04.01.-18.02.1930 (LBS_MH02-07-0048)

 

Mittelholzer, Walter: Tanken in Mongalla. 03.01.1930 (LBS_MH02-07-0130)

Mittelholzer, Walter: Mount Kenya von N. aus 5000 m Höhe. 05.01.1930 (LBS_MH02-07-0087)

Mittelholzer, Walter: Kibo von W. aus 5800 m Höhe. 08.01.1930 (LBS_MH02-07-0114)

Mittelholzer, Walter: Blick ins Kraterloch des Kibo aus 6500 m Höhe. 08.01.1930 (LBS_MH02-07-0119)

Mittelholzers Reise führte über Kairo. Mittelholzer, Walter: Zitadelle von Kairo. 18.-30.12.1929 (LBS_MH02-07-0011)

Mittelholzer, Walter: Fremdenverkehr vor der Sphinx. 18.-30.12.1929 (LBS_MH02-07-0161)

Walter Mittelholzer (1894–1937), der Fotograf, Flugpionier und Swissair-Mitgründer war zusammen mit seinem Begleiter und Pilot Alfred Künzle zwei Tage zuvor um 6.30 Uhr in Nairobi gestartet, um die Flug-Traversierung des Kilimanjaro zu wagen. Mittelholzer hatte erst drei Tage davor den Mount Kenya (5‘199 m) überflogen. Seiner Fokker F. VII b-3m, CH-190 (HB-LAK) „Switzerland“ stellte er daher so gute Flugeigenschaften aus, dass er es wagte, den noch höheren „Eisriesen des Kibo“ (5‘895 m, Teil des Kilimanjaromassiv) als Erster zu überfliegen.

Um jedoch eine maximale Flughöhe zu erreichen, durfte die Maschine „nur so leicht als möglich beladen sein, ohne Reserveteile, ohne Notproviant und ohne Wasser“ wie Mittelholzer in seinem Buch „Kilimandjaro Flug“ (1930: 51) schreibt. Allerdings kam für ihn – wie er weiter berichtet – nicht in Frage, alleine zu fliegen, „weil ich alleine nur wenige photographische Aufnahmen machen könnte. Es erscheint mir wichtiger, soviel gute Bilder und Filme wie möglich nach Hause zu bringen, als bloss die Tatsache einer Erstüberfliegung zu melden.“ So nahm er Alfred Künzle mit – und fünf Foto- und Kinoapparate, die er aufnahmebereit in Reih und Glied aufstellte, „um sie in den Minuten stärksten Erlebens sofort zur Hand zu haben“. (S. 55).

Um 7.45 Uhr sind die beiden bereits auf 5‘600 m gestiegen, die Aussentemperatur mass nur noch Minus 1 Grad Celsius, dank Kabinenheizung war in der Maschine noch „angenehme 20 Grad“ (S. 55). Mittelholzer und Künzle stiegen noch weitere 900 m, und Mittelholzer war sich bewusst, dass „nur dank des Aufwindes an der breiten Nordfront des Berges unser schweres Verkehrsflugzeug eine so abnormale Höhe von 6000 Metern erreichen könne“ (S. 55-56). Auch berichtete er über körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen und erhöhtem Pulsschlag in der grossen Höhe, aber weder er noch Künzle benutzten Sauerstoffapparate, vertrauend auf „meine robuste Gesundheit“! (S. 56). Allerdings musste Mittelholzer eingestehen, dass er nach jeder Aufnahme (Fotografie) und dem Drehen der Kinokurbel, tief Atem schöpfen musste. Um 10.40 Uhr landeten Künzle und Mittelholzer wieder in Nairobi, sie waren insgesamt 625 km geflogen und hatten während einer halben Stunde grosse Kreise um und über den Kibo gezogen.

Zurück zur NZZ: Mittelholzer hatte am Tag seiner sensationellen Erstüberfliegung des Kilimanjaro aus Nairobi ein Telegramm an die Redaktion geschickt, das zusammen mit einem redaktionellen Beitrag abgedruckt wurde. Die NZZ kommentierte Mittelholzers Tat mit „Die Überfliegung des Kilimandscharo ist die zweite fliegerische Grosstat, die Walter Mittelholzer in Afrika vollbringt.“

Die Mittelholzer-Bilder sind Bestandteil des Archivs der Stiftung Luftbild Schweiz. Sie werden kontinuierlich aufgearbeitet und sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Quellen:

Mittelholzer überfliegt den Kilimandscharo. NZZ, 10.01.1930, Abendausgabe.

Mittelholzer, Walter: Kilimandjaro Flug. Zürich; Leipzig: Orell Füssli.

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