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27.01.2012

100 Jahre Jungfraubahn

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Eisenbahnwesen — Valérie Andres @ 7:00

Tourismus und Legenden am Berg

Die Jungfrauregion, besonders aber das Dreigestirn von Eiger, Mönch und Jungfrau gehören, wie auch das Matterhorn, zu den faszinierendsten Touristenattraktionen der Schweiz. Postkarten und Bilder dieser imposanten Berge und der darunter liegenden Dörfer, locken seit über hundert Jahren verschiedenste Besucher an und tragen zum Bild von der idyllischen und urtümlichen Schweiz bei.

Spätestens durch das Aufkommen des Alpinismus im ausgehenden 18. Jahrhundert mit diversen Erstbesteigungen im hochalpinen Gebiet entstanden zahlreiche dramatische Legenden und später Filme der ebenso schönen wie schroffen und unzugänglichen Bergwelt. Es ist daher gut möglich, dass die Erstbesteigung der Jungfrau (1811) etwa 50 Jahre später den Anstoss gab, diesen Berg durch den Bau einer Bahn auf den Gipfel endgültig zu bezwingen. Als Sinnbild für diese gelungene Eroberung kann man heute die allgemein bekannten Massen an Turnschuhtouristen betrachten, welche aus aller Welt kommen und auf dem Jungfraujoch ganz bequem die Aussicht geniessen, die sich sonst nur erfahrenen Bergsteigern bieten würde.

Diese beiden Bilder vom 10.08.1957 mit dem Titel: „Eigernordwand, Bergdrama“ sind Zeugnis einer Bergrettung. Dank der bereits gebauten Jungfraubahn gelangte das Opfer sicherlich rascher als üblich zurück ins Tal, allerdings wurde die Rettung auch direkt fotografiert und von Unbeteiligten ‘aus der Nähe’ mitverfolgt.

Bildtitel 1: Eigernordwand, Bergdrama     

Bildlegende 1: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Bei der Station Eigergletscher der Jungfraubahn wird der Abstieg über die Westflanke beobachtet. Rechts: Funkhelfer.

                        

Bildtitel 2: Eigernordwand, Bergdrama 

Bildlegende 2: Bergung von Claudio Corti, der mit Stephano Longhi die Eigernordwand bestieg. Kurz vor der Station Eigergletscher der Jungfraubahn.

 Der Bahnbau

1893 reicht Adolf Guyer-Zeller, durch eine Bergwanderung inspiriert, ein Konzessionsgesuch für den Bau einer Bahn zwischen der Kleinen Scheidegg und dem Jungfraugipfel ein. Die Bahn sollte nur bis zur ersten Station oberirdisch verlaufen und danach den grössten Teil des Weges durch Tunnel führen. Jede Station sollte einen speziellen Blickwinkel auf die Bergwelt geben und für sich ein eigenes touristisches Ziel darstellen. Die Strecke der elektrischen Zahnradbahn war von der Kleinen Scheidegg durch Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau geplant.

 

 

Bildtitel 3: Bau der Jungfraubahn, Tunneleingang am Eiger, 1911

 

 Bildtitel 4: Jungfraubahn, Verbindungsstollen zwischen Aussteigperron im Tunnel und Station Eigerwand

Botschaft der Postkarte: Heute nach hier, Berge u. ? grossartig. Herzliche Grüsse Onkel u. Tante Keller. Frau Mugglin, Werner Mugglin.

Poststempel 6.9.1905.

1896 nach der Erteilung der Konzession durch das Parlament wurde mit dem Bau des ersten, zwei Kilometer langen und auf offener Strecke verlaufenden Abschnittes, begonnen. Trotz des Anschlusses an die Wengernalpbahn wurde eine Spurweite von 1000mm anstelle von 800mm für die Jungfraubahn gewählt.

Im Gegensatz zum ersten Streckenabschnitt waren die Arbeiten am Tunnelbau geprägt von Sprengunglücken und finanziellen Problemen. Doch trotz verschärfter Vorschriften ging auch dieser rasch voran so dass 1899 der Durchstich zur Station Rotstock (2530) stattfand. 1903 folgte die inmitten der Nordwand liegende Eigerwand, 1905 die Haltestelle Eismeer und am 21. Februar 1912 der Durchstich zum Jungfraujoch. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie dem Tod von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis hinauf zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde als Endstation das Jungfraujoch beschlossen.

Am 1. August 1912 fuhr der erste Zug mit Gästen die 9.34 Kilometer lange Strecke hinauf auf das Jungfraujoch (3454). Etwas mehr als 7 Kilometer davon liegen im Tunnel und es werden dabei fast 1400 Höhenmeter überwunden.

 

 

Bildtitel 5: Jungfraubahn, Station Eismeer, 3161 m

Poststempel 16.10.1926

 

 

 

Bildtitel 6: Jungfraubahn 3457 m, Die Schweizerfahne auf dem Jungfraujoch

Poststempel 11.10.1933

 

 Bildtitel 7: Kleine Scheidegg, Jungfraubahn, Eiger 3975, Mönch 4105

Botschaft der Postkarte: Von einer Offiziers-Tanzerei im Hôtél Bellevue Scheidegg herzl. Grüsse! Ernst. Poststempel 11.8.1912

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

20.01.2012

Skikarten aus den Anfängen des Skisports

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 8:00

 

Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923 

 Ausschnitt aus der Winter-Relief-Karte der Braunwaldberge, 1923 

 Hofer’s Winter-Relief-Karte der Schwyzer Skiberge, 1927 

 Skitourenkarte Oberengadin und Bernina, ca. 1923 

Skitouren-Karte von Davos und Umgebung, ca. 1920

 

Der heute sehr beliebte alpine Wintersport etablierte sich in der Schweiz erst vor gut 100 Jahren. Davor erfreuten sich die Ferien- und Kurgäste fast ausschliesslich in den Sommermonaten des gesunden Höhenklimas und der fantastischen Landschaft in den Bergen.

Zu den ersten Wintersportorten zählten St. Moritz und Davos. Gäste aus Skandinavien, wo Skier in der Winterzeit zu den üblichen Fortbewegungsmitteln gehörten, brachten die ersten Bretter bereits in den 1870er Jahren nach Davos. Nach und nach breitete sich der Wintertourismus in weiteren alpinen Regionen aus, so auch in der Zentralschweiz, wie einem „Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz“ von 1921/22* zu entnehmen ist:  „Wer luxuriösen Komfort und fashionable Gesellschaft aufsucht, der kommt auch im Gebiete der Zentralschweiz, und besonders in Engelberg, vollkommen auf seine Rechnung.“

In den Anfängen des Wintertourismus vergnügten sich die Gäste noch mehrheitlich auf dem Eis oder beim Schlitteln. Gefördert durch den Bau von Bergbahnen und Skiliften erlebte der alpine Skisport in den 1920er und 1930er Jahren einen kräftigen Aufschwung und entwickelte sich zum Breitensport.

Mit zunehmender Beliebtheit des Tourenskilaufs stieg auch der Bedarf an Ski(touren)karten. Es handelte sich in der Regel um topographische Karten mit rot markierten Routen für die Skitouren. Als Kontrast zu den in gelblicher Farbe gehaltenen Wanderkarten für die Sommersaison erschienen die Skitourenkarten teils in winterlichem Blau.

Die Karten mit den Signaturen  K 888005 (Braunwald), K 691107 (Schwyz), K 680523: 3 (Oberengadin) und K 680523: 1 (Davos) können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen: *Winter in der Schweiz: Führer durch die Wintersportplätze und Winterkurorte der Schweiz. Hrsg. unter dem Patronat der Schweizerischen Verkehrszentrale, 1921/22. Signatur ETH-Bibliothek: 56489

13.01.2012

Die Tücken des Fahrradfahrens

Filed under: Archive und Nachlässe,Bildarchiv — Tags: , , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“

Professor Johannes Barbieri fällt vom Velo. (ETH-Bibliothek, Bildarchiv, Portr_11378-S1 und Portr_11378-S2)

 

„Wärst‘ net aufi gstiegn – Warst net obi gfolln.“ Johannes Barbieri, Professor für Photographie am Eidgenössischen Polytechnikum von 1879 bis 1895, demonstriert in Wort und Bild das Prinzip von Ursache und Wirkung. Die Beschriftung ist in der Mundart von Barbieris österreichischer Heimat verfasst. Die zwei Fotografien sind auf die beiden Seiten desselben Kartons montiert, das Missgeschick bildet somit die sprichwörtliche Kehrseite der Medaille.

Die Aufnahmen sind nicht datiert, doch dürften sie frühestens irgendwann nach 1880 entstanden sein. Barbieri präsentiert sich nämlich mit einem erst ab dann sich verbreitenden Radtyp, der im Unterschied zum bisher beliebten, jedoch akrobatisches Geschick erfordernden Hochrad unter dem Namen Sicherheitsniederrad lief. Barbieris fotografischer Scherz kann durchaus als Kommentar zu dieser Bezeichnung betrachtet werden.

Die Idee zur kurzen Bildgeschichte mochte ihm beim Beobachten entsprechender Ereignisse in freier Natur* eingefallen sein oder dann in seinem Atelier, falls die ersten Versuche, standhaft an Ort zu balancieren, fehlgeschlagen waren.

Jedenfalls war die gängige fotografische Technik, von der experimentellen Serienfotografie und dem noch  jungen bewegten Film abgesehen, im ausgehenden 19. Jahrhundert nicht geeignet, unruhige Objekte in gewünschter Bildschärfe festzuhalten. So inszenierte Barbieri sich und das neumodische Sportgerät im Atelier inmitten einer Bühnenkulisse. Vom hohen Stahlross blickt er mit aufgerissenen Augen starr in die leicht nach unten versetzte Kamera herab, um den Lidschlag während der langen Belichtungszeit zu vermeiden. Bei der unsanften Landung auf dem Kulissenwaldboden – oder sollte es dramatischerweise gar in den Fluten eines Bachbettes sein, wie das brückenähnliche Mäuerchen rechts im Bild andeutet? – verhinderte wohl der Pulsschlag oder beginnender Muskelschmerz eine längere reglose Haltung des linken Arms. Immerhin wird hier im unscharfen Detail der jähe Sturz oder der schnelle Griff nach der davonschwimmenden Mütze umso glaubhafter.

Die Bilder gelangten 1981 mit Materialien, die zu einem Teil Hinterlassenschaften von Barbieri enthalten, aus dem ehemaligen Photographischen Institut der ETH an die ETH-Bibliothek.

Anmerkungen

*Ein Beobachtungsbeispiel in freier Natur, das in die Literatur einging, vom französischen Schriftsteller und Regisseur  Marcel Pagnol (1895-1974) aus dessen sechstem Lebensjahr:

„Dort gab es eine uralte schattige Platanenallee, wildwuchernde Sträucher, Wiesen, die einluden darauf herumzutollen […] Dort fanden sich zu jener Zeit auch Leute ein, die radfahren lernten. Mit starrem Blick und angespanntem Kinn verloren sie zum Schrecken ihrer Lehrer manchmal die Herrschaft über ihr Rad, überquerten die Allee, verschwanden in den Büschen und erschienen wieder, ihr Vehikel um den Hals. Dieses Schauspiel war nicht uninteressant, und ich lachte Tränen darüber.“

In: Eine Kindheit in der Provence, München 1969, S. 25.

 Technisches und Historisches zu Fahrrad sowie Fotografie und Film siehe Wikipedia Artikel „Fahrrad“, „Fahrradtypen“, „Hochrad“, „Sicherheitsniederrad“, „Fotografie“, „Film“ etc.

Links

Kurzbiografie von Barbieri

Findmittel zu Unterlagen in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek: Photographisches Institut der ETH/Teilnachlass Johannes Barbieri 

06.01.2012

John Smeaton: A Narrative of the building and a description of the construction of the Edystone Lighthouse (London, 1791)

Filed under: Alte Drucke,Architektur — Roland Lüthi @ 7:00

   

 Titelblatt mit Titelvignette: The Morning after a Storm

  Tafel No. 8: South Elevation of the Stone Lighthouse completetd on the Edystone in 1759

 

 Tafel No. 9: Section of the Edystone Lighthouse upon the E & W Line, as relative to No. 8

Der wohl berühmteste Leuchtturm Grossbritanniens steht auf dem Eddystone Rock, einem kleinen, für Schiffe sehr gefährlichen Felsen ungefähr 20 Kilometer südwestlich von Plymouth. Im Lauf der Zeit wurden hier nacheinander vier Leuchttürme gebaut: Winstanley’s Tower (1698-1703), Rudyerd’s Tower (1709-1755), Smeaton’s Tower (1759-1882) und Douglass’s Tower (1882-heute). Von Smeaton’s Tower steht heute nur noch der Stumpf – der obere Teil wurde abgebaut und auf dem Festland in Plymouth Hoe als Denkmal zu Ehren des Erbauers wieder errichtet.

Der britische Ingenieur John Smeaton (1724-1792) basierte seine Konstruktion auf der Form eines Eichenstammes. Gebaut wurde der Turm aus Stein, wobei für das Fundament und die Verkleidung ein lokaler Granitstein verwendet wurde. Als Mörtel setzte Smeaton einen neuartigen schnell bindenden Zement ein, der den nassen Bedingungen standhielt und noch heute Verwendung findet. Neu war auch eine revolutionäre Technik von Verzahnungen und Steindübeln, mittels denen die Granitblöcke verbunden wurden. Nach drei Jahren Bauzeit und der Inbetriebnahme im Jahr 1759 trotzte der Leuchtturm der rauen See über ein Jahrhundert, bis sich in den 1870er-Jahren Risse im Fels zeigten. Sobald eine hohe Welle den 18 Meter hohen Turm traf, geriet dieser ins Wanken und musste deshalb schliesslich abgebrochen werden. Der untere Teil erwies sich dabei als dermassen solide, dass man ihn stehen liess.   

Links:

The construction of the Edystone Lighthouse (Rar 1788 GF) im Bibliothekskatalog NEBIS

Hochaufgelöste Bilder zu Smeaton’s Tower sind in E-Pics zu finden.

 

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