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23.12.2011

Weihnachten steht vor der Tür

Filed under: Bildarchiv — Heike Hartmann @ 7:00

Für unseren heutigen Beitrag haben wir die Bildarchiv Datenbank (http://ba.e-pics.ethz.ch) nach ein paar Fotografien durchsucht, die etwas mit Weihnachten oder zumindest mit der kalten Jahreszeit zu tun haben. Vier unterschiedliche Bilder haben wir herausgesucht, die nun kurz vorgestellt werden sollen. Diese stammen aus drei verschiedenen Beständen und zeigen somit auch die Vielfalt der Bildersammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek.

Das erste Bild ist aus dem Bestand Leo Wehrli. Wehrli lebte von 1870 bis 1954 und war Geologe und Geograph. Von 1893bis 1896 war er Assistent am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich.Auf dem Glasdiapositiv sind verschiedene Schneekristallformen zu sehen. Diese „Schneesterne“ hat Wehrli im Winter 1912 in der Schweiz aufgenommen.

  

Schneekrystalle [Schneekristalle], 1918 (Dia_247-02154)

Das zweite Bild aus der Ansichtensammlung ist eine Fotografie und zeigt die Gondel des Zeppelins LZ 129 mit einem Weihnachtsbaum davor. Dieses Bild stammt aus einem Album mit 155 Bildern. Der Zeppelin LZ129 Hindenburg verunglückte am 6. Mai 1937 bei der Landung in Lakehurst, USA.

 

Führergondel Weihnachten 1935, 1936 (Ans_05512-026-AL)

Aus unserem Bestand Postkartensammlung Adolf Feller haben wir zwei Bilder herausgesucht. Feller war ein Schweizer Unternehmer, der zusammen mit seiner Tochter (sie sammelte nach seinem Tod weiter) über 54‘000 Postkarten zusammen trug. Zum einen zeigen wir eine Postkarte mit geschmücktem Weihnachtsbaum von 1959 und zum anderen Skifahrer im Pulverschnee aus dem Jahr 1956.

 

God Jul = Frohe Weihnachten, 21.12.1959 (Fel_045709-RE)

 

Parsenn-Klosters, Abfahrt im Pulverschnee, 28.12.1956 (Fel_013452-RE)

 

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder.

Zoombare Bilder befinden sich im Bildarchiv Online.

16.12.2011

Vannoccio Biringuccio: Pirotechnia (Venedig, 1540)

Filed under: Alte Drucke,Bergbau,Chemie und Pharmazie — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Holzschnitt aus der Pirotechnia von 1558: Glockenlager

Der italienische Ingenieur, Architekt, Büchsenmacher und Chemiker Vanoccio Biringuccio (1480-1537) war ein Meister des Hüttenwesens und der Schmiedekunst. Er unternahm es, sein Wissen an weite Kreise weiterzugeben und schuf mit Pirotechnia nicht nur das erste Handbuch der Metallurgie, sondern markierte damit in gewisser Weise auch den Anfang der technologischen Literatur überhaupt.

Der Praktiker Biringuccio pflegte einen beinahe „modernen“ Zugang zur Alchemie, denn er wies tunlichst allen Aberglauben und jegliche pseudo-Magie von sich. Als Handwerker war er zudem in der Lage, die Prozesse der frühen angewandten Chemie bis in alle Einzelheiten vollumfänglich zu beschreiben.

Als praktisches Handbuch erfreute sich die Pirotechnia grosser Beliebtheit. In einer Zeitspanne von 138 Jahren wurde sie neun Mal neu aufgelegt. Dennoch stand sie vielleicht wegen des unprätentiösen Schreibstils und der unscheinbaren Aufmachung etwas im Schatten von Georgius de Agricolas späteren prachtvollen De re Metallica (1556).

Links:

Die Erstausgabe von 1540 ist für die Ausleihe gesperrt.

Die dritte Ausgabe von 1558 kann in NEBIS bestellt und im Lesesaal Spezialsammlungen konsultiert werden.

Auch die fünfte Ausgabe von 1678 ist in der Sammlung vorhanden.

Schliesslich besitzt die Bibliothek drei Faksimiles: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002167472 (ab Erstausgabe, Italienisch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002136453 (Deutsch)

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002175392 (Englisch)

09.12.2011

Leuchtendes Beispiel – 111 Jahre elektrisches Licht in der ETH-Bibliothek

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Ingenieurwissenschaften — Tags: , — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

Werbekarte für die Nernst-Expresslampe aus Professor Walter Wysslings Sammlung von Werbeprospekten und Preislisten zur Elektrotechnik (ETH-Bibliothek, Archive, 48291 (Hs):59, Fasc. 22/I e.) 

Der zündende Funke war eine massive Kostenüberschreitung gewesen. Seit 1898 wurde die unter Raumnot leidende Bibliothek des Polytechnikums umgebaut und in der Südwestecke des Hauptgebäudes, am heutigen Standort der Graphischen Sammlung, erweitert. Alte Baumängel in den Räumen strapazierten dabei das Budget derart, dass Schulratspräsident Hermann Bleuler am 17. November 1899 das Eidgenössische Departement des Innern um einen happigen Nachtragskredit anging. Bei der Gelegenheit beantragte er gleich noch einen Extrazuschlag zur Einrichtung einer bisher nicht vorgesehenen elektrischen Beleuchtung.

Die eidgenössischen Räte, die über das Begehren zu befinden hatten, verschoben jedoch vorsichtshalber die Entscheidung auf den Abschluss der Bautätigkeit, wenn die gesamte Kostenüberschreitung bekannt sein würde. Bleuler schrieb daraufhin am 9. Dezember 1899 nochmals nach Bern, ob nicht doch im Hinblick auf den später zu gewährenden Nachtragskredit die elektrische Beleuchtung noch während der laufenden Bauarbeiten installiert werden dürfe:

„Eine neue Einrichtung für Beleuchtung in den Räumen der Bibliothek muss unter allen Umständen ausgeführt werden und wird für Gas nicht weniger kosten als für Elektrizität. […] Wollte man nun […] zu warten, […] würde später die Ausführung einer endgültigen Einrichtung mehr Mühe, Kosten und Ungelegenheiten aller Art verursachen, als wenn jetzt gleich noch mit der Vollendung der neuen Einrichtung der Bibliotheksräume dieselbe vorgenommen werden kann.“

Diese Argumentation leuchtete den vorgesetzten Behörden ein. So kam es, dass die erweiterte Bibliothek bei der Eröffnung am 26. April 1900 mehr als eineinhalb Jahre früher als das gesamte Hauptgebäude in elektrischem Licht erstrahlte mit Strom aus dem soeben in der Nachbarschaft fertiggestellten Maschinenlabor. Die Zürcher Bibliotheksfachleute waren von der „Musterbibliothek“ nicht zuletzt auch wegen der neuartigen Erhellung der Räume begeistert. Hermann Escher, späterer Direktor der Zentralbibliothek, beschloss seine Lobeshymne über den geglückten Erweiterungsbau mit den Worten:

„Die jüngste der drei hiesigen Bibliotheken ist den anderen mit leuchtendem Beispiel vorangegangen.”

Am Polytechnikum war die Freude dagegen etwas gedämpft. Bibliotheksdirektor Ferdinand Rudio beklagte in seinem Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 „unvorhergesehene Ausgaben, zum Teil auch solche, die eigentlich auf das Baubudget hätten gesetzt werden sollen“. Das Loch in der Kasse war vielleicht ein Grund, dass kein Fotograf zur Ablichtung der neuen Räumlichkeiten engagiert wurde. Jedenfalls finden sich in den Beständen der heutigen ETH-Bibliothek keine Bilder von damals.

Ähnliches wiederholte sich nach der Elektrifizierung des gesamten Hauptgebäudes. Die Schulleitung war erleichtert, als Planung und Ausführung nach der Gewährung eines ausserordentlichen Kredits durch die eidgenössischen Räte endlich abgeschlossen waren. Im Jahresbericht 1901 hielt sie fest:

„Die neue Beleuchtung ist nun seit Mitte Dezember im Gange und hat sich bis jetzt gut bewährt und sich gegenüber der bisherigen in den schlecht ventilierten Räumen die Luft verderbenden, blendenden Gasbeleuchtung auch in hygienischer Beziehung als wohltätig erwiesen.“

Auch diesmal blieb anscheinend nichts übrig, um das neu ausgeleuchtete Hauptgebäude zu fotografieren. Dabei wäre in Gestalt von Johannes Barbieri, Titularprofessor für Photographie, sogar ein hauseigener Fachmann zur Verfügung gestanden.  In den Akten fehlen zudem nähere Details zu den gewählten Beleuchtungstypen.

Als Ersatz für zeitgenössische Bilder dient daher die Werbekarte eines Beleuchtungsmittels aus der umfangreichen Dokumentation von Walter Wyssling, Professor für angewandte Elektrotechnik, der damals die Elektrifizierung der Bibliothek und des gesamten Hauptgebäudes geplant hatte. Nernstlampen wurden ab 1897 produziert, waren langlebiger und somit kostengünstiger als Glühlampen mit Kohlefaden, erbrachten aber erst nach Erwärmung des Glühkörpers die volle Leistung. Die abgebildete Expresslampe wurde um das Jahr 1904 entwickelt. Sie kombinierte die Nernstlampe mit der herkömmlichen Kohlefadenlampe zur Erwärmung des Glühkörpers und sorgte damit gleich beim Einschalten noch während der Aufwärmphase für Helligkeit.

Anmerkungen

Kopien der Schreiben von Schulratspräsident Bleuler an das eidgenössische Departement des Innern 17. November und 9. Dezember 1899 in den Missiven (ETH-Bibliothek, Archive, SR1: 1899, Nr. 481 und Nr. 516)  

Theodor Vetter, Eine Musterbibliothek, in: Züricher Post, No. 105, Sonntag 6. Mai 1900, Frontseite

Hermann Escher, Die neuen Bibliotheksräume im Polytechnikum, Beilage zu Neue Zürcher Zeitung, Nr. 128, Mittwoch 9. Mai 1900

Ferdinand Rudio, Bibliotheksbericht für das Jahr 1900 (ETH-Bibliothek, Archive, SR3:1901 No. 38)

Entwurf “Bericht des Eidgenössischen Polytechnikums über das Jahr 1901″, S. 21/22 in: ETH-Bibliothek Archive, SR2 Schulratsprotokolle 1902, Sitzung Nr. 2 vom 27.02.1902, Traktandum 42, S. 33/34

Literatur

BLÄTTERN & BROWSEN – 150 Jahre ETH-Bibliothek, Hrsg. ETH-Bibliothek Zürich, 2005 

02.12.2011

Le grand avantage des méthodes graphiques – der erste thematische Weltatlas

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung,Naturwissenschaften — Tags: , — Susanne Zollinger @ 15:44


Isothermenkarte, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849
(Durch mehrfaches Anklicken werden die Karten vergrössert angezeigt)

Physikalische Karte vom Indischen Meere, Berghaus’ Physikalischer Atlas, J. Perthes, Gotha, 1849

Berghaus’ physikalischer Atlas erschien als erster thematischer Weltatlas 1852 in zweiter Auflage im auf wissenschaftliche Geografie und Kartografie spezialisierten Verlag von Justus Perthes in Gotha. Im Vorwort zitiert der Kartograf  Henrich Berghaus den von ihm verehrten Zeitgenossen und Freund, den Naturforscher und Mitbegründer der empirischen Geografie Alexander von Humboldt:

„C’est le grand avantage des méthodes graphiques appliquées aux différents objets de la philosophie naturelle, de porter dans l’esprit cette conviction intime qui accompagne toujours les notions, que nous recevons immédiatement par les sens. “ (Alexandre de Humboldt, 1825)

„In den Worten des grossen Naturforschers, welche als Wahlspruch an die Spitze dieser Umrisse gestellt worden sind, ist der Standpunkt angedeütet, auf dem der Nutzen und das Bedürfniss beurtheilt wurden, als vor beinhah‘ einem Vierteljahrhundert der Grundgedanke für die Bearbeitung und Herausgabe einer Sammlung graphischer Darstellungen zur Erlaüterung der physikalischen Erdkunde in Anregung kam […]“

Berghaus innovatives Werk trägt den Untertitel „Eine, unter der fördernden Anregung Alexander’s von Humboldt verfasste Sammlung von 93 Karten, auf denen die hauptsächlichsten Erscheinungen der anorganischen und organischen Natur nach ihrer geographischen Verbreitung und Vertheilung bildlich dargestellt sind.“  Es umfasst die Abteilungen Meteorologie und Klimatographie, Hydrologie und Hydrographie, Geologie, Tellurischer Magnetismus, Pflanzengeographie, Thiergeographie, Anthropographie und Ethnographie und soll Alexander von Humboldts Kosmos illustrieren.

Für den Atlas fasste Berghaus zeitgenössische Kartendarstellungen zusammen und ergänzte das Werk mit eigenen kunstvoll ausgeführten Darstellungen.  Die Zusammenstellung enthält aber auch Tabellen, Diagramme und ausführliche Angaben zu Art und Herkunft der verwendeten physikalischen Daten.

Der wunderschöne Atlas mit Linien- und Flächenkolorit umfasst zwei Bände und trägt die Signatur KA 500098. Der “Kosmos” von Alexander von Humboldt hat die Signatur RA 2620. Beide Werke können als Originale im Lesesaal der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

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