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31.10.2011

Bilderwelten – die neue Buchreihe des Bildarchivs der ETH-Bibliothek

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geistes- und Sozialwissenschaften — Tags: , — Nicole Graf @ 18:03

Bildpostkarten stellten im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Aufsehen erregendes neues Kommunikationsmittel dar: Touristisch geschönte Werbebilder, Fotos von Unfällen und Naturkatastrophen oder idyllische Fiktionen von exotischen Lebensverhältnissen wurden von den handlichen Bildträgern übermittelt. Die Postkartensammlung Adolf Feller bildet ein einzigartiges Zeugnis der damaligen Ansichtskartenbegeisterung.

Die heute im Besitz des Bildarchivs der ETH Zürich befindliche Bildersammlung umfasst rund 54‘000 Bildpostkarten aus den Jahren 1889 bis 1980 und geht auf die Sammlungstätigkeit des Schweizer Unternehmers Adolf Feller und seiner Tochter Elisabeth Feller zurück. Ansichten von Orten und Landschaften bilden den thematischen Schwerpunkt, rund 15‘000 Motive stammen aus der Schweiz, auf den übrigen Karten sind Sujets aus über 140 Ländern vertreten.

Mit dem Bildband „Die Welt im Taschenformat“ von Monika Burri wird die neu geschaffene Publikationsreihe „Bilderwelten. Fotografien aus dem Bildarchiv der ETH-Bibliothek“ eröffnet, das Buch vermittelt einen ebenso anschaulichen wie kulturwissenschaftlich informierten Rundgang durch die Bildtraditionen, Geschmacksvorlieben und Wahrnehmungsprägungen des beliebten Massenmediums.

Das Buch können Sie im Lesesaal Spezialsammlungen für CHF 59.- oder im Buchhandel kaufen.

Weitere Postkarten sind im Wissensportal oder im Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

21.10.2011

Wenn die Chemie stimmt – Zur Abendführung an der ETH-Bibliothek am 1.11.11

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Chemie und Pharmazie,Geschichte — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

 

Reibereien, Streitigkeiten, Kriegsstimmung. Typoskriptfragment von Albert Frey-Wyssling, Lehre und Forschung. Autobiographische Erinnerungen, 1984 (ETH-Bibliothek, Archive, Hs 443a: 38, Nachträge)

 

Ätzende Konflikte, heftige Reaktionen mit nachhaltigen Folgen: die Chemie an der ETH stimmte nicht immer. Knapp und klar berichtet Albert Frey-Wyssling, Professor für Botanik, in seinen Erinnerungen ab Seite 100 über die Abteilung für Chemie zwischen den ausgehenden 1920er und den späten 1950er Jahren:

„Ruzicka baute ein sehr erfolgreiches Forscherteam mit zahlreichen Professoren auf, für welche er Räumlichkeiten beschaffte und Lehrplanumgestaltungen durchsetzte. Diese Aktivität führte zu Reibereien bis hin zu Streitigkeiten in der Abteilung für Chemie. Die anorganische Chemie wurde nicht entsprechend gefördert, und mit der technischen Chemie kam es zeitweilig zu kriegerischer Spannung. Die Auseinandersetzungen führten zur Aufspaltung in zwei getrennte Studienpläne: einerseits wie bisher für Chemieingenieure mit technischer Chemie und andererseits für Absolventen in ‚reiner Chemie‘. Das Ergebnis dieser Massnahmen war ein Zerwürfnis mit zahlreichen Kollegen, zum Beispiel mit Paul Niggli und namentlich mit dem Farbstoffchemiker Hans Eduard Fierz (1882-1953). Nicht alle Mitglieder des Lehrkörpers der ETH billigten Ruzicka zu, dass ein grosses Licht auch starke Schatten werfen würde [im abgebildetenTyposkriptfragment: dürfe].

Hoch im Kurs stand unser Kollege dagegen bei der chemischen Industrie der pharmazeutischen Richtung, die auf komplizierte Neusynthesen, wie sie die Schule Ruzicka pflegt, angewiesen ist. Sie stiftete beim Rücktritt des draufgängerischen Kämpfers den geschätzten Ruzicka-Preis für erfolgreiche junge Chemiker.“

In der ursprünglichen maschinenschriftlichen Fassung wird der Draufgänger gar als rücksichtsloser Kämpfer bezeichnet.

Veranstaltungshinweis:

Zur bewegten Entwicklung von der chemischen Ausbildung am Eidgenössischen Polytechnikum im 19. Jahrhundert bis hin zur modernen Forschung mit enger Bindung zur Privatindustrie im 20. Jahrhundert zeigen die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek während der öffentlichen Abendführung “Wenn die Chemie stimmt – Chemie an der ETH” am 1. November 2011 aus ihren Beständen historische Unterlagen der ETH und solche von prägenden Persönlichkeiten, wie den Nobelpreisträgern Leopold Ruzicka und Vladimir Prelog sowie anderen.

Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, H-Stock beim Ausleihschalter um 18.15 Uhr. Keine Anmeldung erforderlich. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

 

14.10.2011

Färberwaid, der europäische Indigo vor dem Jeans-Blau

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Botanik — Anna Maria Stuetzle @ 8:00

Der Färberwaid (Isatis tinctoria L.) aus der Familie der Kreuzblütler ist eine zweijährige Pflanze, die in Europa seit der Antike über Jahrhunderte hinweg die Grundlage zum Blaufärben von Textilien lieferte. In den meisten Kräuterbüchern des späten 16. Jahrhunderts wird der Waid behandelt. Stehen bei den meisten anderen Kräutern ihre verschiedenen medizinischen Indikationen im Vordergrund, so wird bei Isatis an erster Stelle die Verwendung als Färberpflanze beschrieben und gleichzeitig seine wirtschaftliche Bedeutung betont.

Der Färberwaid auf Seite 209 recto im Kreuterbuch des hochgelehrten und weitberühmten Herrn Dr. Petri Andreae Matthioli 

Es gibt zwei Arten von Waid; den kultivierten (Isatis) und den wild wachsenden (Isatis silvestris). Den ersten verwenden die Tuchmacher und (vor allem) die Färber. Der Waid breitet seine Blattrosetten auf der Erde aus wie der Wegerich, nur sind sie dicker und von blauschwarzer Farbe. Die Blätter am Stengel dagegen sind länglich, spitz zulaufend und umhüllen diesen ähnlich wie beim Bauernsenf oder dem grossen Besenkraut. Der Stengel wächst etwa zwei Ellen hoch, manchmal etwas höher und treibt oben kleine, zartgelbe Blüten in Dolden. Daraus entwickeln sich die Samen in zungenförmigen Hülsen. Die Wurzel der Pflanze ist weiss und gerade ohne viele Nebenwurzeln. Das ganze Kraut wird auf von Pferden angetriebenen Mühlen zerstossen, dann zusammengeballt und zu kleinen Kugeln geformt. Diese trocknet man in der Sommerhitze und verwendet sie zum Blaufärben. Daraus haben sich bedeutende Handelsgeschäfte entwickelt.

Die wildwachsende Art (Isatis silvestris) wird nicht als Färberpflanze genutzt.

 

Fortsetzung auf Seite 209 verso

Als Medizinalpflanzen sind beide Arten bitter im Geschmack und haben zusammenziehende, trocknende Wirkung. Sie können sowohl innerlich, wie auch äusserlich angewandt werden und helfen bei „Milzsucht“, Geschwülsten und verschiedenen Wunden. 

Zum Schluss folgt die Wiedergabe der Pflanzennamen in anderen Sprachen: Weydt heisst Griechisch unnd Lateinisch Isatis. Spanisch Pastel.  Frantzösisch Pastel de languedoc. Behmisch Wayt. 

Der heute nur noch als Unkraut wachsende Waid enthält, ähnlich wie Indigofera tinctoria L. und viele andere tropische Färberpflanzen, in seinen Blättern eine Vorstufe des Farbstoffes Indigo.  

Für seine Gewinnung waren mehrere Gärungsprozesse notwendig. Ein erster fand unmittelbar nach der Ernte während dem oben beschriebenen Mahlen und Trocknen statt. Die die Bauern verkauften die Waidballen als Rohprodukt auf dem Markt, und die Waidhändler lagerten diese noch bis im Winter. Dann mussten sie zerkleinert, im Wasser zu Ende fermentiert, abgesiebt und wieder eingetrocknet werden. Die Blaufärber erwarben den Farbstoff als Indigopaste oder –Pulver und setzten damit in ihren Küpen mit Wasser und Urin eine gärende, vorerst noch farblose Brühe an. Die darin getränkten Textilien wurden schliesslich beim Trocknen der Luft und dem Sonnenlicht ausgesetzt, damit sich in einem Oxidationsprozess die blaue Farbe entwickeln konnte, während die Färber „Blau machten“, also einen Arbeitsunterbruch genossen.

Indischer Indigo war erstmals im 12. Jahrhundert über den Fernosthandel mit dem Zentrum Bagdad und den Umschlagplätzen Venedig und Genua nach Europa gekommen. Eine ernste Konkurrenz erhielt der Waid erst nach der Entdeckung des Seeweges nach Indien, als ab dem 17. Jahrhundert der billigere Indigo in grösseren Mengen importiert wurde. Man versuchte zwar, den neuen Farbstoff mittels polizeilicher Verordnungen zu verbieten, lebten doch ganze Landstriche Deutschlands (z. B. Thüringen oder das Elsass) vom Waidanbau und seiner Verarbeitung. Trotzdem begann der Anbau zurückzugehen. Bevor der Waid ganz verdrängt wurde, setzte man der Küpe oft indischen Indigo zu, um einen satteren Ton zu erhalten, für den die Farbstoffkonzentration im Waid allein nicht ausreichte.

Als dann aber auch die Herstellung von synthetischem Indigo in industriellem Massstab möglich geworden war, fuhr man in Thüringen 1912 endgültig die letzte Waidernte ein.

Links:  

Matthioli: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=001493565

Hieronymus Bock: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=004900797

Tabernaemontanus: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002790418

Zur Geschichte des Indigo: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=006089867

07.10.2011

Karten in der Entwicklungszusammenarbeit

Filed under: Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 11:00

 

 The Pamirs, 2004

Northern Tajikistan, 2009

Southern Tajikistan, 2009

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) feiert 2011 ihr fünfzigjähriges Bestehen. Das Engagement der Schweiz und der ETH Zürich in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit geht jedoch zurück bis in die Nachkriegsjahre und wurde zunächst durch die ETH koordiniert. 1960 schaffte der Bundesrat den „Dienst für technische Hilfe“, der ein Jahr später in „Dienst für technische Zusammenarbeit“ umbenannt wurde und mit dem ersten „Delegierten des Bundesrats für technische Zusammenarbeit“ den Grundstein der heutigen DEZA bildete.

Mit dem Inkrafttreten des „Bundesgesetzes über die internationale Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe“ wurde 1976 aus dem „Dienst für technische Zusammenarbeit“ die „Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe DEH“. Der Name war Programm und beschreibt noch heute gültige Schwerpunkte der DEZA: die humanitäre Hilfe und die Entwicklungszusammenarbeit. Als drittes Standbein kam 1990 die Zusammenarbeit mit Zentral- und Osteuropa hinzu. In den ersten Jahren noch im Eidgenössischen Politischen Departement angesiedelt, wurde das „Büro für die Zusammenarbeit mit Osteuropa“ 1995 in die DEH integriert. 1996 wird die neu benannte „Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA“, die nun alle Tätigkeitsbereiche vereint, zum schweizerischen Kompetenzzentrum für Entwicklungszusammenarbeit. Die Kernaufgabe der DEZA, die Armutsbekämpfung, ist heute so aktuell wie vor 50 Jahren.

In Projekten der Entwicklungszusammenarbeit stellen topographische und thematische Karten eine wichtige Grundlage dar. Oft ist gerade (wissenschaftliches) Kartenmaterial im mittleren bis grösseren Massstabsbereich die Länder des Südens betreffend Mangelware. So kann die Herstellung kartographischer Grundlagen zu einer bestimmten Region Teil eines Entwicklungsprojektes oder der Entwicklungszusammenarbeit sein.

Ein Beispiel dafür sind die drei abgebildeten Karten zu Tajikistan, deren Entstehung die DEZA im Rahmen ihrer Präsenz im Osten massgeblich unterstützt hat. Die Karten decken zusammen das ganze Staatsgebiet Tajikistans, das Pamirgebirge und weite Teile benachbarter Staaten ab. Die Rückseite informiert ausführlich über verschiedene Aspekte der Region und berücksichtigt insbesondere auch den Tourismus. Diese Karten stellen über die Verwendung für touristische Zwecke hinaus auch wertvolle topographische Karten dar, die für diese Region einzigartig in ihrer Genauigkeit und Aktualität sind.

Die Karten mit den Signaturen K 684990 (Pamir), K 686103 und K 686104 (Nord und Süd Tadjikistan) können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen und weitere Informationen:

Die ETH Zürich, die sich bis heute aktiv in der Entwicklungszusammenarbeit engagiert, beleuchtet zum 50 jährigen Jubiläum der DEZA in einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto “Denkplatz Entwicklung” diverse Aspekte der nationalen und internationalen Entwicklungszusammenarbeit:

http://www.northsouth.ethz.ch/news/future_events/denkplatzentwicklung/Oeffentliche_Events

DEZA: http://www.deza.admin.ch/

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