Palma – Von der Römersiedlung zur Touristendestination

Palma und Massentourismus. Ist dies auch Ihre erste Assoziation? Auf den zweiten Blick hat Palma, die Hauptstadt Mallorcas, eine 2000-jährige bewegte Geschichte aufzuweisen, in der der Massentourismus, wie wir ihn heute kennen, lediglich etwa die letzten 50 Jahre umfasst.

Plano de Palma y su ensanche, erste Hälfte 20. Jahrhundert

Palma de Mallorca, in: Gran Atlas de Espana, 1989, Band 3, S. 504

123 v. Chr. eroberten die Römer unter Quintus Caecilius Metellus Mallorca und gründeten an der südlich gelegenen weiten Bucht das nach der Siegespalme benannte Palmeria. Von hier aus wurden Oliven transportiert, durch deren Kultivierung  Mallorca einen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr. Nach dem Zerfall des römischen Reiches im dritten Jahrhundert n. Chr. eroberten die Vandalen die Insel und zerstörten zahlreiche römische Siedlungen. Erst unter der Herrschaft der Mauren ab 902 erlebte Palma unter dem damaligen Namen Medina Mayurqa eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit, die 1229 ein jähes Ende fand, als der aragonische König Jaume I. im Zuge der Reconquista die Insel eroberte. Von den Plünderungen und Zerstörungen blieb auch Palma nicht verschont. Die Stadt entwickelte sich dennoch schnell zu einem der wichtigsten Handelsplätze im östlichen Mittelmeer. La Llotja, ein wichtiges gotisches Denkmal aus dieser Epoche, war der Sitz der damaligen Seehandelsbörse, die den Handel regulierte und den Hafen von Palma instand hielt.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts spitzte sich  die sanitäre und soziale Situation in Palma zu. Die Mauer, die zum Schutz der Stadt errichtet wurde, behinderte nun deren Wachstum. 1897 wurde ein Wettbewerb für die Erweiterung der Stadt ausgeschrieben, den der Architekt B. Calvet gewann. Seine vorgeschlagene Erweiterung, wie sie auf dem Plano de Palma y su ensanche ersichtlich ist, wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts realisiert. Ab 1960 boomte der Massentourismus in Palma und die Stadt erfuhr seither sowohl  eine enorme Bevölkerungszunahme als auch ein starkes bauliches Wachstum, das – sowie alle vorangegangenen Phasen des Wachstums – der Stadtplan aus dem Gran Atlas de España illustriert.

Der Plano de Palma y su ensanche mit der Signatur K 670811 und der Gran Atlas de España mit der Signatur KA 160 SPAN 01 können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

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