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27.05.2011

Aller guten Dinge sind drei: Die aktuelle Silbermedaille der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Kunstgeschichte — Tags: — Marion Wullschleger @ 8:30

Nachdem sich die Entstehungsgeschichten der ersten Silbermedaille der ETH Zürich (1869) und der zweiten Silbermedaille (1955) in die Länge gezogen hatten, verlief die Geburt der dritten Silbermedaille geradezu rasant.

Im Vorfeld des 125-Jahr-Jubiläums wollte der damalige Präsident der ETH Zürich Prof. Heinrich Ursprung die alte, ihm unzeitgemäss erscheinende Preismedaille ablösen und wandte sich mit diesem Auftrag 1979 direkt an den Schweizer Kunstmaler und Bildhauer Hans Erni. Die Medaille sollte thematisch zum Motto des Jubiläumsjahrs 1980 passen: „Technik wozu und wohin?“ 

 

 

Signatur: ETH-Bibliothek, Archive, Med. 203, Silbermedaille der ETH Zürich von 1980

Die von Erni gestaltete Medaille ist nicht ganz kreisrund und zeigt auf der einen Seite als Allegorie auf die Kreativität einen Mann, der die Befruchtung einer Eizelle durch Spermien verfolgt. Ganz unten sieht man die Signatur Hans Ernis mit der Jahreszahl  `80.

 

Auf der anderen Seite findet sich der Schriftzug „ETH Zürich“ über einem Schweizer Kreuz, das in eine abstrakte Topographie der Alpen eingebettet ist. Auf dieser Seite wird der Name des Preisträgers oder der Preisträgerin eingraviert.

Die erste Verleihung der neuen Medaille fand am ETH-Tag (28. November) 1980 statt. Noch heute werden herausragende Diplom-, Master- und Doktorarbeiten mit dieser Medaille prämiert.

Die Medaillensammlung der Archive & Nachlässe der ETH-Bibliothek ist durchsuchbar im Wissensportal der ETH-Bibliothek sowie in der Archivdatenbank online

 

20.05.2011

Strassen am Gotthard

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Markus Appenzeller @ 9:00

Landeskarte 1:25 000                                                                     2011 swisstopo (JD100042)

Landeskarte 1:50 000                                                            2011 swisstopo (JD100042)

 

Landeskarte 1:100 000                                                       2011 swisstopo (JD100042)

Am 5. Mai machte ich eine Velofahrt über den St.Gotthardpass, der nach einem schneearmen Winter ungewöhnlich früh für den Verkehr geöffnet wurde. Eigentlich wäre ich lieber kurz vor der Aufhebung der Wintersperre gefahren, wenn die Strassenarbeiter die Strasse schon freigefräst haben aber immer noch mit Unterhaltsarbeiten beschäftigt sind.

Vor dem Start informierte ich mich über die Streckenführung anhand  der Landeskarten der Swisstopo.  Was ich auf der Karte sah, machte mich nicht glücklich: Zwischen der Passhöhe und Airolo gibt es einen richtigen Strassensalat. Auf der Landeskarte 1:50 000 und vor allem auf der Landeskarte 1:100 000 sieht man vor lauter Strassen die Landschaft nicht mehr. Auf der Landeskarte 1:25 000 ist es deutlich besser, die vorhandenen Zwischenräume zwischen den grossen Strassen, hat man allerdings wieder mit Nebenstrassen gefüllt, also noch mehr Strassen, die in den Karten 1:50 000 und 1:100 000 auf Platzgründen nicht eingezeichnet  sind. Korrekterweise müssten die eingezeichneten Strassen  auch in ihrer Breite massstabsgetreu eingezeichnet werden. Bei der 1:25 000 ist dies noch einigermassen möglich: Eine Strassenbreite von ungefähr 0,7 mm (von mir gemessen) ergibt in der Wirklichkeit eine Strassenbreite von ca. 17.5 m, was ungefähr auf die Nationalstrassen in diesem Gebiet (auf der 1:50 000 und 1:100 000 in roter Farbe auf der 1:25 000 ohne Farbe eingezeichnet) zutrifft. Bei der 1:100 000 messe ich ebenfalls eine Strassenbreite von ungefähr 0.7 mm, was aber eine wirkliche Strassenbreite von ca. 70 m ergäbe. Meine Folgerung:  auf der Landeskarte 1:100 000 sind die Strassen zu breit eingezeichnet, deshalb sieht es so aus, als sei der ganze Berghang oberhalb Airolo flächendeckend unter Strassen begraben.

Für meine Velofahrt entschied ich mich für die gelbe, im oberen Teil des Passes sehr kurvenreiche Strasse durch das Val Tremola (Tal des Zitterns!), die später in die roten und orangen Strassen einmündet. Aber ich hatte Pech: Meine bevorzugte Strasse war noch schneebedeckt. Diese alte Passstrasse, die mit Vorliebe von Velofahrenden und Autofahrenden, die nicht pressiert sind, befahren wird, geniesst bei der Schneeräumung keine Priorität. Wohl oder übel entschied ich mich für die rote Nationalstrasse (zurückfahren nach Norden wollte ich nicht). Nach ca. 1 km mündet die Strasse in eine Galerie (eine Art Halbtunnel, die auf einer Seite offen ist), auf den Karten mit kleinen Querstrichen eingezeichnet  und später in einen echten Tunnel, auf  den Karten mit kleinen Längsstrichen eingezeichnet (nicht zu verwechseln mit Wanderwegen, die eine ähnliche Signatur haben). Die Strasse holt anschliessend weit gegen Westen aus (phantastischer Blick ins Val Bedretto). Nach einer spektakulären Kurve bei Höhenpunkt 1797  m (mit Stützpfeilern, die in der Karte 1:25 000 eingezeichnet sind) geht’s weiter bis zum Höhenpunkt 1631 m, wo ich endlich die Nationalstrasse verlassen kann. Die abzweigende Strasse ist nur auf der 1:25 000 Karte dargestellt, wir sind jetzt im Herzen des Strassensalats, wo es für Nebenstrassen auf den kleinmassstäbigeren Karten keinen Platz mehr hat. Wenn man diese Nebenstrasse genau unter die Lupe nimmt, sieht man, dass sie am Anfang und am Ende mit einer Strassensperre versehen ist (ein kleiner, brauner Querstrich). Also kein Durchkommen? Mit dem Velo kein Problem: Zwischen den riesigen Felsblöcken, die auf der Strasse platziert sind, hat  es genügend breite Durchfahrtsmöglichkeiten. Nach einigen Passagen mit Kopfsteinpflastern  (wahrscheinlich aus Denkmalschutzgründen nicht mit Teer zugedeckt) fahre ich nach kurzer Zeit arg durchgeschüttelt in Airolo ein.

Sämtliche topographischen Karten der Swisstopo, auch ältere Ausgaben,  können in der Kartensammlung eingesehen oder auch ausgeliehen werden: http://www.library.ethz.ch/de/Ressourcen/Geodaten-Karten

Auf der Internetseite http://map.geo.admin.ch/ kann man die Landeskarten blattschnittfrei anschauen, beim Herein zoomen erscheint zuerst die Karten 1:200 000 , dann alle grösseren Masstäbe bis zur Massstab 1:25 000.

Noch eine Frage: Beim Punkt mit den Koordinaten 687 550/155 000 hat es in der Nähe der alten Passstrasse ein schwarzes Dreieck auf der 1:25 000 und 1:50 000 Karte eingezeichnet. Was ist das?

 

12.05.2011

Baustellen in Zürich? Zum Beispiel 1950 im Bereich der Bahnhofbrücke

Filed under: Architektur,Bildarchiv,Eisenbahnwesen,Ingenieurwissenschaften — Nicole Graf @ 10:50

 Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Taucher in Taucheranzug, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193B-0013)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Abbau der Holzbrücke, im Hintergrund: Globus, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 6 x 8 cm (Com_M01-0193B-0111)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke, Abbruch Globus, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193B-0006)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke/Central, Blick vom Hauptbahnhof, ca. 1950. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193A-0019)

Zürich, Umbau Bahnhofbrücke/Central, Neue Gleisanlage Limmatquai fertiggestellt, neue Gleisanlage Central Bahnhofbrücke im Bau, Globus bereits abgebrochen. Ce 2/2 231 + C 56 der Einsatzlinie E alter VBZ Turmwagen vorne links, ca. 1951. Comet Photo AG, Zürich. Negativ 10 x 12,5 cm (Com_M01-0193A-0006)

Die weitgehende Umgestaltung des Limmatraumes im Bereich der Bahnhofbrücke um 1950 hinterliess auch am Bahnhofquai ihre Spuren. Das Warenhaus Globus an der Bahnhofbrücke und die angrenzende gedeckte Holzbrücke wurden abgerissen. Der einstige und trocken gelegte Limmatarm wurde in die noch heute existierende Strassenunterführung beim Bahnhofquai umfunktioniert. Um diese bauen zu können, verschob man das Tramtrassee während der Bauzeit unmittelbar vor die Gebäudefront des Hauptbahnhofes, und vor der Bahnhofbrücke mussten die Tramgleise auf Hilfsbrücken über die Baugruben gelegt werden.

Eigentlich wollte die Firma Globus auf dem durch den Abriss frei gewordenen Warenhausareal ein neues Warenhaus erbauen. Das Vorhaben gelangte 1951 vor das Zürcher Stimmvolk und wurde abgelehnt. Um dem Warenhaus Globus den Bau eines neuen Warenhauses in aller Ruhe zu ermöglichen, einigte man sich darauf, am bisherigen Standort ein Verkaufsprovisorium zu erstellen. Das bis heute bekannte “Globus-Provisorium” war entstanden und wurde auch bis 1967 durch die Firma Globus benutzt. Spätere Nutzer und Mieter des Gebäudes waren u.a. die Eidgenössische Technische Hochschule und heute das Warenhaus Coop.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

06.05.2011

August Wilhelm Zachariae: Die Elemente der Luftschwimmkunst (Wittenberg, 1807)

Filed under: Alte Drucke,Physik — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Jacob Degens Flugmaschine

August Wilhelm Zachariae (1769-1823) war ein deutscher Aviatiker der ersten Stunde, der heute eher etwas in Vergessenheit geraten ist. Wie der Titel seines Büchleins andeutet, ging Zachariae davon aus, dass Fluggeräte schwingende Flügel haben sollten, um sich in der Luft fortbewegen zu können. Diese sogenannten Ornithopter (Griechisch “ornithos pteron”, Deutsch “Schwingflügel-Flugzeug” und Englisch “wing-flapping craft”) imitieren den Vogelflug, indem die Flügel durch Muskelkraft bewegt werden. Allerdings waren Ornithopter nicht wirklich flugtauglich. Erst spätere Fluggeräte, die anstatt der schwingenden starre Flügel erhielten, hoben erfolgreich ab. Erste bemannte Flüge von Gleitern mit starren Flügeln fanden rund hundert Jahre nach Zachariaes Publikation statt. Es waren dies die Flugpioniere Otto Lilienthal (1891) und Gebrüder Wright (1903).

Die Abbildung von Jacob Degens Ornithopter wurde laut Bibliothekskatalog vermutlich von einem Vorbesitzer in das Buch eingeklebt. Jacob Degen war ein Schweizer Uhrmacher, der um 1800 in Wien lebte. 1809 machte Degen geltend, erfolgreich mit seiner Flugmaschine geflogen zu sein. Allerdings war er bei diesem Versuch an einem grossen Heissluftballon befestigt. Degen benutzte seine Flügel, um gerade soviel Auftrieb zu bekommen, damit er vom Ballon in die Höhe getragen wurde. Zwischen 1806 und 1817 wiederholte er dieselbe Vorführung mehrere Male in Paris und Wien.

Ornithopter haben auch Eingang in die Science-Fiction-Literatur gefunden, so etwa in Frank Herberts Romanzyklus Dune.

Links:

 Die Elemente der Luftschwimmkunst im Bibliothekskatalog NEBIS

 Die Abbildung von Jacob Degens Flugmaschine in E-Pics

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