Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

29.04.2011

Königliche Traditionen

Filed under: Bildarchiv — Nicole Graf @ 15:06

  

Baumann, Hans und Salvisberg, K.: Kronprinz Charles von England macht Skiferien in Schuls-Tarasp, 10./11.1.1963. Kleinbildnegative (Com_L12-0004-0109/0129/0225)

Kronprinz Charles von England verbrachte seine Skiferien im Januar 1963 in Schuls-Tarasp. Damals war er 15 Jahre alt. Das Skifahren in der Schweiz hat in der englischen Königsfamilie Tradition. Während der letzten 30 Jahre verbrachte Prinz Charles die Skiferien mit seiner Familie jeweils in Klosters. Und genau während dieser Skiferien in Klosters, nämlich im Januar 2006, werden Prinz Charles Sohn William und Kate Middleton, die am heutigen Tag in der Westminster Abbey ihre Hochzeit feiern, beim Küssen erstmals fotografiert.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

Im Fotoarchiv der Comet Photo AG Zürich befinden sich nur vereinzelte Reportagen zur englischen Königsfamilie. 

26.04.2011

in regard of the admission … vorsichtige Balance bei der Erleichterung des Studienzugangs zum eidgenössischen Polytechnikum 1911

Filed under: Archive und Nachlässe,Geschichte — Tags: , — Evelyn Boesch Trüeb @ 15:20

 

Vor hundert Jahren kam es an der ETH Zürich zur Prüfung der Frage, ob Reifezeugnisse aus Oxford und Cambridge anerkannt werden sollten (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, SR3:1911/265)

Anfang 1911 sandte das eidgenössische Departement des Innern eine Anregung der britischen Gesandtschaft in Bern an die damalige ETH in Zürich. Dem Bundesrat war die Anfrage vorgelegt worden, ob nicht die in Oxford und Cambridge ausgestellten Zeugnisse über höhere Vorbildung den schweizerischen Maturitätszeugnissen gleich gestellt werden könnten.

Aus England wurde damit Interesse bekundet, den eigenen Absolventen mit Higher Certificate aus Oxford und Cambridge leichter Zugang zum Studium am eidgenössischen Polytechnikum zu ermöglichen, da ohne anerkanntes schweizerisches Maturitätszeugnis Aufnahmeprüfungen abgelegt werden mussten, deren neuste Reglementierung von 1908 stammte.

Der Schweizerische Schulrat prüfte die Eingabe und stattete am 22. April 1911 dem eidgenössischen Departement Bericht ab. In einem detaillierten Vergleich ging er die Fächer hinsichtlich nötiger und erreichter Fertigkeiten durch und stützte sich dabei auf das eigene Aufnahmeregulativ von 1908 und auf die aus England zur Verfügung gestellten Unterlagen. Nicht für jedes Fach kam er zu einem so eindeutigen Schluss wie bei „Natural Philosophy“, der theoretischen Naturwissenschaft, insbesondere Physik. „Genügende Noten… können als vollständiges Äquivalent der Aufnahmeprüfungen … in Physik und Chemie angesehen werden.“

Insgesamt ergebe sich aber, dass die Higher Certificates nicht in allen Fächern ausreichten. Die Kandidaten müssten die Aufnahmeprüfungen in Deutsch, Französisch, Zeichnen (insbesondere technisches Zeichnen) und in darstellender Geometrie absolvieren oder „einen anderweitigen genügenden Ausweis“ vorlegen.

Der Bericht, der im Entwurf von Carl Friedrich Geiser verfasst wurde, schliesst mit Szenarien für die Zukunft. Wie „die grössere Zahl sehr tüchtiger französischer Studierender“ am Polytechnikum, die „seit den Beziehungen, die in den 1880er Jahren mit den französischen Unterrichtsbehörden angeknüpft wurden“, ihren Weg nach Zürich gefunden hatten, ist „das Wertvollste, was man erhoffen darf, dass mit der Zeit eine grössere Anzahl junger, gut vorgebildeter Engländer ihre Studien am eidg. Polytechnikum machen werden“. Und natürlich sollten in Zukunft die Diplome des Polytechnikums den Zugang zum mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht in Oxford und Cambridge ohne Prüfung und ohne formales Hindernis ermöglichen. Die Anerkennung der Maturitätszeugnisse der sogenannten Vertragsschulen des Polytechnikums bei den englischen Partneruniversitäten, und zwar in einem identischen Umfang, wie ihnen aus der Schweiz vorgeschlagen, könnte ebenfalls erstrebenswert sein, war eine letzte Bemerkung.

Dieses Anliegen fand in England Gehör. Der Beschluss über die Behandlung der Studierenden mit schweizerischen Maturitätszeugnissen seitens Oxford und Cambridge wurde der Schulleitung in Zürich in zwei freundlichen Schreiben 1912 respektive 1913 mitgeteilt. Die genauen Formulierungen über die Befreiung von Prüfungen je nach Schultypus wurde 1913 direkt ins Protokoll des Schweizerischen Schulrats aufgenommen und die Mitteilung dem Prüfungssekretariat in Oxford verdankt.

Links:

Protokolle des Schweizerischen Schulrates, recherchierbar in Schulratsprotokolle online

Eintrag des Wortlauts in den Schulratsprotokollen 1913: Schulratsprotokolle Online: ETH-Bibliothek, Archive, SR2: SR2: Präsidialverfügungen 1913, Präsidialverfügung Nr. 92 vom 18.03.1913

16.04.2011

150 Jahre Kaufmännischer Verband Zürich

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Wirtschaft, Recht und Politik — Tags: — Nicole Graf @ 15:57

Schau- und Wettfrisieren, 1958. Negativ (Com_M07-0084-0008 und -0014)

Krebs, Hans: Briefmarkenbörse im Kaufleuten Zürich, September 1974. Comet Photo AG, Zürich. Negativ (Com_L23-0681-0724)

 

Krebs, Hans: Landesring Ständetag, mit Ständeratskandidaten v.r.n.l.: Jakob Stucki, Jagmetti und Emilie Lieberherr, 27.09.1979. Comet Photo AG, Zürich. Negativ (Com_L28-0540-0117)

Restaurant Kaufleuten, Innenaufnahmen, 1989. Comet Photo AG, Zürich. Diapositiv (Com_C20-107-007-001)

Der Kaufmännische Verband Zürich (KVZ) wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Der KVZ gilt als Herzstück des KV Schweiz, auch wegen seines Restaurants „Kaufleuten“. Das Haus am Pelikanplatz in Zürich war als Vereinslokal und Schulhaus durch den KVZ im Jahr 1915 gebaut worden. Heute ist der „Kaufleuten“ insbesondere bei Partygängern ein beliebtes Restaurant, Bar und Club. Verschiedene Reportagen aus dem Archiv der Comet Photo AG von 1958-1989 zeigen die unterschiedlichen Nutzungsarten und Ansichten der Säle und des Restaurants des „Kaufleuten“.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo AG. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

08.04.2011

Musaeum hermeticum (Frankfurt, 1678)

Filed under: Alte Drucke,Chemie und Pharmazie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

 

„Ouroboros“ aus Nicholas Barnaud Delphinas; Das Buch Lambsprinck, Figur VI

Das Musaeum hermeticum reformatum et amplificatum wurde 1678 in Latein in Frankfurt herausgegeben. Wie der Titel andeutet, handelt es sich um die überarbeitete Version einer früheren Ausgabe von Lucas Jennis, die 1625 erschienen war und sehr selten ist. Das Musaeum versucht in kompakter Form die jüngeren Alchemisten zu versammeln, die nicht in den grossen hermetischen Werken wie Theatrum Chemicum oder Bibliotheca Chemica Curiosa figurieren. Während viele Autoren in diesem Kompendium anonym bleiben, finden sich bekannte Namen wie Nicolas Flamel, Helvetius, Irenaeus Philalethes, Michael Maier, Michael Sendivogius und Basilius Valentinus.

Auffällig sind die qualitativ hochstehenden Kupferstiche in diesem Buch, darunter auch der oben abgebildete Ouroboros. Laut Wikipedia ist dieser

in der alchemistischen Symbolik […] das Bildsymbol eines in sich geschlossenen und wiederholt ablaufenden Wandlungsprozesses der Materie, der im Erhitzen, Verdampfen, Abkühlen und Kondensieren einer Flüssigkeit zur Verfeinerung von Substanzen dienen soll.

Sinngemäss lautet denn auch die Beschreibung zum Bild: „Dies ist sicherlich ein grosses Wunder. Dass in einem Drachen die grosse Medizin sei. Das Quecksilber wird ausgefällt oder sublimiert, im eigenen Wasser aufgelöst und wiederum koaguliert.“

Links:

Musaeum hermeticum im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002666748

Ausgabe von 1678 online bei der Biblioteca Complutense Madrid: http://alfama.sim.ucm.es/dioscorides/consulta_libro.asp?ref=b19884941

Ausgabe von 1625 online bei der SLUB Dresden: http://digital.slub-dresden.de/id277285313

01.04.2011

Der Zauberlehrling: Version von Leopold Ruzicka

 

Erste Seite des Briefes 7. Dezember 1906 von Leopold Ruzicka, Chemiestudent an der TU Karlsruhe, später Professor für Chemie an der ETH in Zürich und Nobelpreisträger (ETH-Bibliothek, Archive, Hs prov: Ruzicka)

 

Wozu ein Arbeitskittel? Womöglich weiss, Flecken darauf besonders gut sichtbar, resistent gegen Lauge und Waschbrett. Wer würde den Schmutzfänger reinigen? Welche Arbeit, welche Kosten!  Konnte der Sohn im fernen Karlsruhe nicht achtgeben auf seine Kleidung, statt das karge Studiengeld zu verschwenden für eine Anschaffung von zweifelhafter Zweckmässigkeit?

Im Gegenteil, sogar eine teure Massanfertigung aus bestem Gewebe musste unbedingt her! Der Sohn antwortete nach Hause in die Stadt Ossijek, gelegen im altösterreichischen Kroatien:

Karlsruhe, 7.12.1906

Liebe Mutter!

Geld, Karte erhalten (natürlich dankend). Das Geld habe ich erst den 5. abgeholt. Gib mir acht, dass der arme Franzek – mein seliger Bruder (er möge sich unter Entwicklung von wenigstens 100.000 cal Wärmemenge zu H2O, CO2 usw. zersetzen!) nicht noch vielleicht dienen muss.

Hier ist die Witterung grausslich. Immer Regen. So schöne Herbsttage wie bei uns gibt es hier nicht. Malog furtimaša pozdravi od mene  <grüss den kleinen Anhänger der Klerikalpartei von mir>. Dem Duđić wünsche ich, dass er bald herausskommt.

Einen Arbeitskittel werde ich mir nicht kaufen, sondern die Hausfrau wird mir einen von guten Stoff machen. Ich finde es für lächerlich, wenn Du schreibst, dass es nicht nötig (!) sei, dass ich mich einschmiere, da du doch nicht gesehen hast, wie es in einem Lab. zugeht. Alles ist schmierig, so dass man sich schon so den Anzug ganz ruinieren würde. Und dann erst wenn man was kocht und die Geschichte spritzt usw.

Von den Wiener Kollegen habe ich schon 2 Karten bekommen. Sie haben sicher auch so viel zu lernen als ich, davon bin ich überzeugt, sie lernen vielleicht auch und so müssen sie sich doch ein bischen amüsieren.

Heute haben wir keine “Schule” (da se izrazim onako po srednjoškolski  <um mich wie ein Mittelschüler auszudrücken> ), da der Bruder des Grossherzoges, der Hochselige Prinz Soundso, beerdigt wird. Diese Woche habe wieder jeden Tag eine Analyse gemacht. In der letzten habe gar 9 “Geschichten” gehabt: Chlorid, Schwefelwasserstoff, Sulfid, Polysulfid, Sulfat, Thiosulfat, Natrium, Kalium, Ammonium.

Vorgestern ist mir ein Gemisch von Schwefelkohlenstoff, Jod und konzentrierte Schwefelsäure ins Gesicht explodiert, es war jedoch nicht gefärlich, denn ich habe die Schwefelsäure gleich mit Ammoniak zu Ammoniumsulfat und Wasser reduziert [H2 SO4 + 2N H4OH = (NH4)2 SO4 + 2 H2O].

Vor einigen Wochen wieder bin ich mit starker Natronlauge (Na OH) auf die Zunge gekommen, hätte mir die Zunge aufgefressen, wenn ich sie nicht mit Salzsäure (H Cl) zu Kochsalz und Wasser reduzierte [Na OH + H Cl = Na Cl + H2O]. So macht man mit einer Giftigkeit die andere hin. Übrigens brauchst Dich nicht vielleicht fürchten, dass mir was passieren könnte, denn unser Laborator-Vorstand Steinkopf ist ein Spezialist für Giftigkeiten.

Auch sonst gehts hier sehr “gefärhlich” zu. Im Keller unten studiert einer Sprengstoffe, da krachts den ganzen Tag. Der Mensch wäre in Russland schon längst standrechtlich erschossen worden.

Fer…nić  <?>  fahrt jetzt nach Hause zu einer Hochzeit. Stefi wird die Karten von ihm bekommen, bis er zurückkehrt (Ende Jänner). Von Benjamin habe ich auch schon 2 Karten bekommen.

Vor Weihnachten werde der Paulitant  <österreichische Ausdrucksweise für Tante Paula>  noch schreiben.

Herzlichen Gruss an Euch alle sowie an alle Bekannte

L.R.

Der Brief gibt nicht nur Einblick in das praktische Chemiestudium  anfangs des 20. Jahrhunderts. Leopold Ruzicka (1887-1976), neunzehnjähriger Studienanfänger an der Technischen Universität Karlsruhe, später Professor an der ETH in Zürich und Nobelpreisträger, war ins Spannungsfeld der unterschiedlichen Wirkungsbereiche und Rollen geraten, welche die bürgerliche Gesellschaft damals den beiden Geschlechtern zuwies:

Einerseits war da die Welt seiner Kindheit im weiblichen Einflussbereich der tüchtigen Hausfrau und fürsorglichen Mutter Amalija Ruzicka-Severt (1860-1815). Früh verwitwet vermochte sie trotz hinterlassenen Schulden ihres Gatten mit Hilfe einer Versicherungssumme, Unterstützung von Verwandten und dank Sparsamkeit ihre zwei Söhne grosszuziehen.

Unbekümmert um Existenzsorgen hatte sich anderseits der junge Leopold Ruzicka in die Welt der erwachsenen Männer aufgemacht, in die der chemischen Wissenschaft voller Abenteuer und Gefahren, die es heldenhaft – mannhaft eben – zu bestehen galt. Das aber gelang nur mit der bestmöglichen Ausrüstung, die ihn zugleich als Mitglied der neuen Welt auswies. Mit unverständlichen Formeln, fremd klingenden Begriffen führte er der Mutter ihre Inkompetenz in dem ihr nicht zustehenden männlichen Wirkungsfeld vor Augen und wies ihre Einmischung zurück. Gleichzeitig blieb er dennoch ganz der kleine Sohn, der damit prahlte, was er schon alles gelernt hatte, und dafür von Mama – ihrer Mutterrolle angemessen –gelobt und bewundert werden wollte. Allerdings konnte die drastische Beschreibung souverän gemeisterter gefährlicher Situationen auch mütterliche Ängste wecken und damit weitere Bevormundungsversuche provozieren. Also gestand er umgehend ein, dass ein Kindermädchen in Gestalt des erfahrenen Praktikumsassistenten Dr. Wilhelm Steinkopf (1879-1949) die Anfänger vor dem Schlimmsten bewahrte.

Damit wird auch die andere Seite der Sohnesrolle sichtbar, nicht nur die egoistische, sondern auch die verständnisvoll um die mütterliche Befindlichkeit bemühte. Obwohl Ruzicka in eine andere Lebenswelt aufgebrochen war, blieb er derjenigen seiner Kindheit verbunden, war er weiterhin interessiert am politischen Geschehen in seiner Heimat und am Alltag seiner Mutter, nahm er Anteil am Schicksal gemeinsamer Bekannter und Verwandter, liess er die Mutter teilhaben an Informationen über seine gleichaltrigen Kollegen und – trotz Abwehr ungebetener Ratschläge – auch an seinem Studienalltag.

Anmerkungen:

Der Brief wurde in der originalen Schreibweise und Grammatik belassen. Die Umschrift besorgten Angela Gastl und Marion Wullschleger, die Übersetzung der kroatischen Textteile in spitzen Klammern Marion Wullschleger, Ivan Macukic und Zwonimir Mitar. Der biographische Hintergrund des Briefes wurde aus Oberkofler 2001 gewonnen.

Literatur:

Kurzbiographie Leopold Ruzicka

Gerhard Oberkofler: Leopold Ruzicka. Schweizer Chemiker und Humanist aus Altösterreich, Innsbruck 2001

Tobias Straumann: Die Schöpfung im Reagenzglas: eine Geschichte der Basler Chemie (1850-1920, Basel etc. 1995

Andra Westermann: Das Chemielabor. Einübung in einen kollektiven Denkstil. In: ETHistory 1855-2005. Sightseeing durch 150 Jahre ETH Zürich, Baden 2005

Powered by WordPress