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28.01.2011

100 Jahre Schweizer Weltatlas

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Hofacker @ 8:00

Schweizer Weltatlas Erstausgabe 1910, S. 14-15 und Schweizer Weltatlas 2010, S.  5

Umschlag des “Atlas für Schweizerische Mittelschulen”, 1910 / Umschlag des “Schweizer Weltatlas”, 2010

„Der Atlas möge für den geographischen Unterricht im Schweizerlande reiche Anregung und Förderung bringen.“ Mit diesen hoffnungsvollen Wünschen gab die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren 1910 die erste Ausgabe des “Atlas für Schweizerische Mittelschulen” heraus. Damit begann eine bisher 100-jährige Erfolgsgeschichte.

Inhaltlich konzentrierte sich das neue Lehrmittel  weitgehend auf die physische Beschreibung der Erdoberfläche, was dem damaligen Verständnis von Geographie entsprach. Der Atlas umfasste Karten zu sämtliche Regionen der Erde. Ein spezieller Fokus lag auf der Schweiz und auf Staaten, die für die schweizerischen Beziehungen besonders wichtig waren.

Ab 1928 übernahm Eduard Imhof die Bearbeitung weiterer Auflagen und veröffentlichte 1962 eine völlig neu bearbeitete Ausgabe unter dem Titel „Schweizerischer Mittelschulatlas“. Darin wurden alle topographischen Karten in der von ihm entwickelten Methode naturnaher Farbgebung und mit  schattenplastischen Reliefs dargestellt, wie wir sie heute noch kennen.

1981 erfuhr der „Schweizer Weltatlas“ unter Ernst Spiess eine grundlegende Neuerung. Die Thematisierung des menschlichen Einflusses auf die Umwelt gewann immer mehr an Bedeutung und wurde im Atlas integriert. So sind auch in der neusten Jubiläumsausgabe von 2010 mit Lorenz Hurni als Chefredaktor die humangeographischen Aspekte, wie z.B. die Stadtentwicklung und insbesondere die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten auf die Umwelt stark vertreten.

Komplett neu ist der Zugang des „Schweizer Weltatlas interaktiv“ über das Internet. Der Web-Atlas enthält ausgesuchte Karten aus der Schweiz sowie aus europäischen und aussereuropäischen Ländern. Zudem wurden kartenverwandte, animierte und interaktive Darstellungen beigefügt. Ergänzend zur gedruckten Ausgabe bietet der Web-Atlas somit neue Möglichkeiten für den Geografieunterricht.

Die Erstausgabe von 1910 mit der Signatur KA 210365 Ed. 1910, die neuste Ausgabe mit der Signatur KA 010 WELT 2010 sowie weitere Ausgaben können in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Schweizer Weltatlas interaktiv: http://www.schweizerweltatlas.ch/

20.01.2011

Schweizer Wintersportort als jährlicher Treffpunkt der Wirtschafts- und Politikelite

Filed under: Bildarchiv,Wirtschaft, Recht und Politik — Tags: — Nicole Graf @ 19:13

Davos-Platz, Luftbild, April 1982, Dia 9,5 x 12 cm (Com_FC09-7270-019)

Wyss, Max A.: Davos, Kongresshaus, 1988, Dia 36 mm (Com_LC923-2-2-2)

 

Ehrenbold, M.: Davos, Parsennbahn, vor 1935, Postkarte (Fel_006661-AL-RE)

Vom 26. bis 30. Januar 2011 findet das 41. World Economic Forum (WEF) in Davos statt. Das WEF wurde 1971 von Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab gegründet. Bei den jährlichen Treffen in Davos kommen international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Journalisten zusammen, um über die dringlichsten Fragen der Welt wie Wirtschafts-, Gesundheits- und Umweltfragen zu diskutieren. Seit Ende der 1990er-Jahre gerieten das WEF, der G8-Gipfel, die Weltbank, die WTO und der IWF unter die massive Kritik von Globalisierungsgegnern, deren Meinung nach Kapitalismus und Globalisierung die Armut verstärken und die Umwelt zerstören.

Grund genug für das Bildarchiv, einige Ansichten vom verschneiten Davos vorzustellen, das sich je nach Fokus als Winterparadies präsentiert, wenn es um Wintertourismus und -sport geht, oder als Kongressstadt, wenn es um Anlässe wie das WEF geht.

Die Bilder sind Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo und der Postkartensammlung Feller. Sie sind in digitaler Form über das Wissensportal oder das Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

14.01.2011

Jean-Baptiste Tavernier: Reisen in die Türkei, Persien und Indien (Genf, 1681)

Filed under: Alte Drucke,Geographie und Karten — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Kupferstich auf Frontispiz: Tavernier beim Diamantenhandel mit Ureinwohnern

Kupferstich Seite 143: Vorstellung der 20 besten Diamanten [...] die Herr Tavernier bey seiner letzten Rückkunft aus Indien [...] dem König verkauft

Der französische Handelsreisende Jean-Baptiste Tavernier (1605-1689) unternahm zwischen 1638 und 1668 sechs Reisen, die ihn auf dem Landweg über die Türkei, den Iran, die Mongolei und Indien bis an die Grenzen Chinas und Japans führten. Er reiste als wohlhabender Händler von Edelsteinen und verkehrte mit den reichen Monarchen des Orients. In seiner Heimat brachten ihm die Reisen Ruhm und Bewunderung ein. Zwischen 1676 und 1679 publizierte er in Paris seine Reiseerfahrungen unter dem Titel Les Six Voyages de J.B. Tavernier. Darin beschrieb er nicht nur die Reiserouten, sondern auch die Sitten und Gebräuche der durchquerten Länder. Sein Augenmerk lag dabei auf den Eigenheiten des orientalischen Handels und der Mannigfaltigkeit der wertvollen Edelsteine und Perlen.

Einer der berühmtesten und sagenumwobensten Diamanten, der dank Tavernier nach Europa gelangte, ist der “Blaue Tavernier”, später “Hope-Diamant” oder “Blue Hope” genannt. Einer Legende zufolge gehörte der 45,5 Karat schwere blaue Diamant zum Auge einer Statue der indischen Göttin Sita. Diese soll wegen des Verlustes den künftigen Eigentümern Unglück prophezeit haben. Allerdings wird diese Hypothese des Fluchs heute in Frage gestellt und als Erfindung abgetan, welche den Wert des Steins in die Höhe treiben sollte.

1669 verkaufte Tavernier den blauen Diamanten zusammen mit ungefähr tausend weiteren an König Louis XIV für 220’000 Livres, was damals einem Gegenwert von 147 kg Gold entsprach. Heute wird der Wert des blauen Diamanten auf etwa 200 bis 250 Millionen Dollar geschätzt. Er befindet sich in der Smithsonian Institution.

Links:

Taverniers Reisebericht im Bibliothekskatalog NEBIS

Ein E-Text der englischen Ausgabe von London 1925 ist online bei der Columbia University New York.

10.01.2011

Astronomie-rara

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 9:45

Titelblatt aus Apianus, Astronomicum Caesareum (Ingolstadt, 1540). Exemplar des Deutschen Museums, München

In einem Gemeinschaftsprojekt der ETH-Bibliothek Zürich und des Deutschen Museums in München wurden 2009 und 2010 rund 180 alte Drucke aus dem Fachgebiet Astronomie digitalisiert und ins Netz gestellt. Auf der Webseite von ASTRONOMIE-rara  kann nun ein ausgewählter, wissenschaftlich wertvoller Bestand an astronomischen Werken aus dem Zeitraum von den Anfängen des Buchdrucks bis 1900 entdeckt und genutzt werden. Zu den älteren Drucken gehören zum Beispiel der Erstdruck von Regiomontanus‘ Epitome in Ptolemei Almagestum (1496), das prachtvolle Astronomicum Caesareum von Petrus Apianus (1540) und die zeitgleich erschienene, äusserlich bescheidene Schrift Narratio prima des Kopernikusschülers Georg Joachim Rheticus, in der das neue heliozentrische Weltbild sozusagen als „Preprint“ erstmals veröffentlicht wird. Auch Kopernikus‘ eigene Publikation De revolutionibus orbium coelestium (1543) darf natürlich in dieser Auswahl nicht fehlen. Andere bedeutende Namen und Titel sind etwa Astronomia Nova von Johannes Kepler (1609), Rosa Ursina von Christoph Scheiner (1630), Selenographia von Johannes Hevelius (1647) und Harmonia Macrocosmica von Andreas Cellarius (1708). Aus jüngerer Zeit sind unter anderem Texte von William Herschel, Johann Elert Bode, Carl Friedrich Gauss, Joseph Johann von Littrow, Friedrich Wilhelm Bessel, Angelo Secchi und Henri Poincaré zu finden.

Links:

ASTRONOMIE-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/

Webseite des Deutschen Museums mit weiteren Beispielen: http://www.deutsches-museum.de/bibliothek/unsere-schaetze/astronomie/

06.01.2011

Was lange währt, wird endlich gut: Der steinige Weg zur zweiten Silbermedaille der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Geschichte,Kunstgeschichte — Tags: — Marion Wullschleger @ 14:42

Seit 1870 diente die erste Silbermedaille der ETH Zürich über 80 Jahre lang als Auszeichnung für besonders begabte Studierende. Erst 1955 konnte sich ein neues Motiv für die Preismedaille durchsetzen.

 Signatur: ETH-Bibliothek, Archive, Med. 60

Silbermedaille der ETH Zürich von 1955 nach dem Modell von Franz Fischer mit dem Titel „Mass“. Baum mit Ästen und Laub, daneben die lateinische Inschrift STUDIO und LABORI, die wie schon  bei der Vorgängermedaille auf den Eifer und die Arbeit der Preisträger anspielte.

   Ein Unterarm, in dessen Hand ein Zirkel liegt. Rechts unten der Name des Medailleurs F. Fischer. Die lateinische Inschrift UNIVERSITAS POLYTECHNICA HELVETICA brachte die 1911 erfolgte Umbenennung des Eidgenössischen Polytechnikums in Eidgenössische Technische Hochschule zum Ausdruck.

 Die Silbermedaille des Eidgenössischen Polytechnikums wurde 1870 zum ersten Mal verliehen (mehr dazu im Blogbeitrag „Siegerehrung ohne Gold: Die erste Silbermedaille der ETH Zürich“). Die vom Medailleur Antoine Bovy gestaltete alte Silbermedaille war also schon über 60 Jahre in Verwendung, als Schulratspräsident Arthur Rohn in den 1930er Jahren durch die Eidgenössische Kunstkommission einen Wettbewerb für die Schaffung einer neuen Medaille ausschreiben liess, da die alte „in geschmacklicher Hinsicht veraltet“ sei. So fanden in den Jahren 1933 bis 1935 drei Wettbewerbe im Rahmen der „Hilfsaktion für schweizerische Künstler“ statt, doch die ETH Zürich legte gegen die eingereichten Gipsmodelle jedes Mal  ihr Veto ein, kein Entwurf genügte den hohen Ansprüchen. So blieb nichts anderes übrig, als weiterhin die alte Silbermedaille von 1870 zu verwenden.  

Erst 20 Jahre später wagte die ETH Zürich einen neuen Anlauf, um die alte Medaille, die „den Geist der verflossenen Zeit“ atmete und „in ästhetischer Hinsicht nicht mehr den heutigen Anschauungen“ entsprach, abzulösen.  

Wieder schrieb die Eidgenössische Kunstkommission einen Wettbewerb aus, zu dem nun 21 Bildhauer eingeladen wurden. Und wieder konnte sich die Leitung der Hochschule nicht für ein Modell entscheiden. Daraufhin wurde eine Gruppe von Architekturstudierenden der ETH unter Prof. Hans Hofmann  eingeladen, die Medaillenentwürfe zu bewerten. Sie kürten schliesslich den Entwurf von Franz Fischer zum Sieger.

Der damalige Schulratspräsident Hans Pallmann konnte zwar keine Begeisterung für den Entwurf mit dem Titel „Mass“ aufbringen, doch fand er ihn immerhin „künstlerisch schön, ohne kühn zu sein“. Kritischere Stimmen fanden das Baummotiv und den Zirkel nicht originell genug und monierten, dass die Inschrift durch den Baum zerschnitten werde. Doch die Entscheidung war gefallen, pünktlich zum 100-Jahr-Jubiläum der ETH Zürich im Jahr 1955 konnte die neue Silbermedaille verliehen werden.

Links:

Medaillensammlung der Archive & Nachlässe der ETH-Bibliothek, recherchierbar im Wissensportal der ETH-Bibliothek sowie in der Archivdatenbank online. Die Medaillensammlung umfasst auch einige der 1933-1935 abgelehnten Gipsmodelle.

Protokolle des Schweizerischen Schulrates, recherchierbar in Schulratsprotokolle online

05.01.2011

Nicolas Flamel: Das Buch der hieroglyphischen Figuren ([S.l.], 1680)

Filed under: Alte Drucke,Chemie und Pharmazie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:54

Nicolas Flamel: Zwey ausserlesene Chymische Büchlein, Titelblatt

Der sagenumwobene Pariser Alchemist  Nicolas Flamel (wahrscheinlich 1330 -1413  oder 1418) war ein erfolgreicher französischer Schreiber, Schriftsteller, Handschriften- und möglicherweise Immobilienhändler.

Das Flamel zugeschriebene Buch der hieroglyphischen Figuren erschien posthum unter dem Titel Livre des Figures Hiéroglyphiques in einer 1612 vermutlich von Arnauld de la Chevalerie edierten Textsammlung. Die vorliegende Ausgabe von 1680 ist eine deutsche Übersetzung mit unbekanntem Druckort. Flamel beschreibt und interpretiert darin vordergründig die Bilder und Inschriften, die er als Schmuck für den Bogen eines von ihm im Jahr 1409 am Beinhaus des Pariser Cimetière des Innocents errichteten Portals in Auftrag gegeben hatte. Auf einer zweiten Ebene dieser Beschreibung ergibt sich angeblich eine für Adepten lesbare Instruktion für die Herstellung des Steins der Weisen.

Wie Nicolas Flamel im Vorwort schreibt, erschien ihm 1357 ein Engel im Traum. Dieser zeigte ihm ein Buch, dessen Inhalt nur Flamel allein zugänglich sein sollte. Dieses geheimnisvolle Buch Abrahams, des Juden, das Flamel dann tatsächlich für zwei Florint erwarb, soll in drei Kapiteln von jeweils sieben Seiten die Stufen der Herstellung des Steins der Weisen in allegorischen Darstellungen enthüllt haben. Da er das Buch mit fremdartigen Bildern nicht entschlüsseln konnte, unternahm er einer Eingebung folgend eine Wallfahrt zum Grab des heiligen Jakob in Santiago de Compostela. Erst auf dem Rückweg der Reise begegnete er einem mysteriösen Meister Conchas, der ihm die notwendige Unterweisung gab. Der Legende nach gelang ihm darauf bei seiner Rückkehr nach Paris gemeinsam mit seiner Frau Perrenelle die Herstellung des Steins der Weisen. Angeblich erlangten die beiden dadurch das ewige Leben.

Die charismatischen Figuren der erfolgreichen Alchemisten Nicolas und Perrenelle Flamel haben ein Weiterleben in zahlreichen literarischen Texten von Victor Hugo (Der Glöckner von Notre Dame) bis hin zu J.K. Rowling (Harry Potter) und Dan Brown (The Da Vinci Code) gefunden.

Links:

Flamels Buch der hieroglyphischen Figuren ist zusammengebunden mit Das warhaffte Buch des gelahrten griechischen Abts Synesii. Der Titel des Sammelbändchens lautet Zwey ausserlesene Chymische Büchlein (Rar 8245).

Titelblatt und erste Seite aus dem Buch der hieroglyphischen Figuren in E-Pics Alte Drucke

Ein weiterer Druck Flamels in der Sammlung ist Le grand éclaircissement de la pierre philosophale (Rar 4792).

Französischer Text des Buchs der hieroglyphischen Figuren online (Private Website mit umfangreichen Informationen und Bildern zu Flamel): http://hdelboy.club.fr/fig_hier.htm

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