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24.12.2010

Domenico Martinelli: Horologi elementari (Venedig, 1669)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Mechanik und Maschinenbau — Roland Lüthi @ 7:00

 

Kupferstich Fig XII, Compositione d’un horologio fatto alla similitudine di quello, che si vede nella famosissima Piazza di Venetia, Ré Magi

1669 schlug der italienische Architekt  Domenico Martinelli (1650-1718) in seinem Buch Horologi Elementari  vor, den Kuckucksruf für die Anzeige der Stunden zu verwenden, und er könnte daher als Erfinder der Kuckucksuhr gelten. Allerdings beschrieb bereits 1650 Athanasius Kircher in seiner Musurgia Universalis  die Verwendung einer mechanischen Kuckucksfigur. Aber auch Kircher kann kaum der Verdienst dieser Erfindung zugesprochen werden. Manche Historien der Zeitmessung schreiben die Erfindung Anton Ketterer aus dem Schwarzwald zu und datieren sie mit 1730.

Martinelli beschreibt die Konstruktion von Uhren und deren Antrieb mittels den vier Elementen Wasser, Erde, Luft und Feuer. Als Architekt richtete er sein Augenmerk auf Uhren für öffentliche Gebäude wie zum Beispiel die oben abgebildete Uhr auf dem Uhrenturm in Venedig. Der Torre del’ Orologio wurde zwischen 1496 und 1499 von Mauro Codussi erbaut. Der Uhrmechanismus  stammt aus dem Jahr 1499 und bewegt mit seiner ausgeklügelten Mechanik sowohl die Zeiger als auch den Rundlauf der Heiligen drei Könige, die sich vor der Madonna verneigen. Der Antrieb bewegt zudem die beiden augenfälligen Mohrenstatuen aus Bronze, welche die Stunden auf den Glocken des Turmes schlagen.

Links:

Horologi elementari (Rar 1639) ist über den Bibliothekskatalog NEBIS bestellbar: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000549514.

Einzelne Bilder aus Horologi elementari können in E-Pics Alte Drucke betrachtet werden: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?id=Rar1639&view=searchresult.

17.12.2010

William Derham: The artificial clock-maker (London, 1734)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Mechanik und Maschinenbau,Physik — Roland Lüthi @ 7:00

Stereometric Diagram of a Clock Interior

Der britische Theologe und Naturforscher William Derham (1657-1735) verfasste neben Arbeiten aus dem Bereich Physik auch solche zu Biologie, Meteorologie, Astronomie, Geologie und Medizin. The artificial clock-maker  war seine erste Publikation (Erstausgabe 1696) und wurde mehrfach neu aufgelegt. Derham zeigt darin den Aufbau und die Mechanik verschiedenster Uhren, sowie einen geschichtlichen Abriss über die Uhrmacherkunst. Er war ein Vertreter der so genannten Uhrmacher-Analogie, die bereits von René Descartes und Robert Boyle ins Feld geführt wurde. Die Analogie besagt, dass die komplexe Konstruktion eines Uhrwerks einen intelligenten Konstrukteur erfordert. Daraus wird gefolgert, dass Naturphänomene wie beispielsweise das Weltall einen Schöpfergott implizieren.

1702 wurde Derham zum Fellow der Royal Society gewählt und publizierte diverse Arbeiten in den Transactions oft the Royal Society. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das eigentliche Vermächtnis Derhams weniger in seinen zahlreichen eigenen Arbeiten zu sehen, sondern vielmehr in der posthumen Herausgabe der Werke seines grossen Zeitgenossen Robert Hooke, den Philosophical experiments and observations, London 1726.

Links:

The artificial clock-maker (Rar 2002) im Bibliothekskatalog NEBIS

Tafel aus The artificial clock-maker in E-Pics Alte Drucke

Faksimile der Erstausgabe von Derhams Philosophical experiments and observations of the late Robert Hooke im Bibliothekskatalog NEBIS

10.12.2010

Siegerehrung ohne Gold: Die erste Silbermedaille der ETH Zürich

Filed under: Architektur,Archive und Nachlässe,Kunstgeschichte — Tags: — Marion Wullschleger @ 8:11

Jedes Jahr zeichnet die ETH Zürich besonders bemerkenswerte Dissertationen und Masterarbeiten mit ihrer Silbermedaille aus. In Vergessenheit geraten ist, dass ursprünglich auch die Verleihung von Goldmedaillen vorgesehen war.

Signatur: ETH-Bibliothek, Archive, Med. 204

Goldmedaille des Eidgenössischen Polytechnikums von 1869 mit Westfassade des ETH-Hauptgebäudes. In die leere Kartusche konnte der Name des Preisträgers nachträglich eingraviert werden.

Avers: In der Mitte das Schweizerwappen umringt von 22 Sternen, die die Schweizer Kantone symbolisieren, eingerahmt von zwei weiblichen Allegorien (vermutlich Freiheit und Amtsgewalt). Die lateinische Inschrift STUDIO und LABORI bezog sich auf den Eifer und die Arbeit der Preisträger. Ganz unten findet sich der Name des Graveurs Antoine Bovy, sc. = sculpsit (gestochen) im Jahr 1869.

Schon in ihrem ersten Reglement von 1854 legte die ETH Zürich (damals noch Polytechnikum) grossen Wert darauf, den Wettbewerbsgedanken unter ihren Studierenden zu fördern. „Zur Wekung (!) und Beförderung des wissenschaftlichen Lebens der Schüler, sowie zur Aufmunterung ihres Fleisses“ wurden den Schülern jedes Jahr Preisaufgaben gestellt. Die besten schriftlichen Arbeiten wurden jeweils öffentlich prämiert und mit einem Geldpreis belohnt.

Um den Siegern eine bleibende Erinnerung an die Hochschule mitzugeben, regte der damalige Schulratspräsident Johann Karl Kappeler im Jahr 1866 an, eine Preismedaille prägen zu lassen. Bis zur ersten Verleihung der Medaille sollte es jedoch vier Jahre dauern. Immer wieder holte Kappeler bei verschiedenen Experten Gutachten über mögliche Motive und deren Verbesserung ein. Unter anderem arbeitete auch Gottfried Semper, der damalige Architektur-Professor am Polytechnikum an der Medaille mit. Schliesslich zeigte die Rückseite der Medaille die Westfassade des nach seinen Plänen gebauten Hauptgebäudes.

Als Graveur wählte Kappeler den damals schon renommierten – und entsprechend teuren – Antoine Bovy, ein französischer Medailleur mit Schweizer Wurzeln, dessen Darstellung der Helvetia noch heute auf den Schweizer Münzen zu finden ist. Anlässlich der Weltausstellung 1867 reiste auch eine kleine Delegation des Polytechnikums nach Paris und besprach bei dieser Gelegenheit mit Bovy die laufenden Gravurarbeiten.

Erst 1869 war der Schulratspräsident überzeugt davon, eine perfekte Preismedaille vor sich zu haben, die auch den kritischen Blicken der Schweizer Öffentlichkeit standhalten würde.

Die allererste Medaille wurde in Gold hergestellt, alle folgenden in Silber. Die Kartusche der goldenen Preismedaille blieb jedoch leer, bis heute, denn verliehen wurde die Goldmedaille nie – obwohl dies ursprünglich für “in jeder Beziehung vollständige und vorzügliche Preislösungen” vorgesehen war. Ob kein Student je den Ansprüchen des Schulrates genügte?

Die silberne Preismedaille erhielt als erster Preisträger der Maschineningenieur Friedrich von Schulthess-Rechberg im Jahr 1870 für seine Schrift zum Thema Zentrifugalpumpen, inklusive Geldpreis von 130 Fr.

Die Silbermedaille von 1869 sollte fast 100 Jahre in Verwendung bleiben, bis sie durch ein neues Motiv abgelöst wurde, doch dazu ein andermal…

Quellen:

Medaillensammlung der Archive & Nachlässe der ETH-Bibliothek, recherchierbar im Wissensportal der ETH-Bibliothek sowie in der Archivdatenbank online

Protokolle des Schweizerischen Schulrates sowie Präsidialverfügungen, recherchierbar in Schulratsprotokolle online

03.12.2010

Bis hierher kam Capt. Cook – Schauplatz der fünf Theile der Welt

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Susanne Zollinger @ 17:34

Abbildung Weltkarte

Weltkarte aus Schauplatz der fünf Theile der Welt, Reilly, Wien, 1791

Karte Grönlands aus Schauplatz der fünf Theile der Welt, Reilly, Wien, 1791

Zwischen 1791 und 1806 publizierte der Kartograf und Verleger Franz Joseph Johann Reilly in Wien den Weltatlas “Schauplatz der fünf Theile der Welt”. Das mehrbändige Werk  beschreibt auf 830 Karten die räumliche Gestalt Europas  „mit beständiger Rücksicht auf die besten Originalwerke […] zusammengetragen von einer Gesellschaft Geographen“.  Der Atlas wurde zu einem Verkaufserfolg, wohl auch aufgrund des handlichen Formates von 44 x 29 cm, mit dem er sich von anderen zeitgenössischen Kartendarstellungen unterschied.   Ab 1802 verzögerte sich der Arbeitsfortschritt des Vorhabens alle fünf “Theile” oder Kontinente der Welt kartografisch darzustellen  durch die Napoleonischen Kriege. 1806  kam es schliesslich sogar zum Abbruch des Unternehmens. Der dritte Teil des Atlas, der die aussereuropäischen Gebiete beschreiben sollte, erschien nie.

Das faszinierende Werk enthält neben der Darstellung topografischer Elemente auch Notizen zu Landschaft,  Bevölkerung, Gebräuchen und dem geografischen Wissen der damaligen Zeit. So findet man auf einer Weltkarte  auf 70 Grad südlicher Breite die Notiz „Bis hierher kam Capt. Cook im Feb. 1771“.  Die erste Sichtung der antarktischen Landmassen fand im Januar 1820 statt.

Auf dem Blatt  „Grönland, soweit es bekannt ist“ findet man am Kartenrand folgende Notiz: „Ob Grönland […] oben mit Nordamerika zusammen hänge, ist ungewiss, und man weiss also nicht, ob es eine Insel oder eine Halbinsel sey.“ . Vor der Ostküste von Grönland findet sich die Notiz zu „Oertern die wegen der schwimmenden oder festen Eisbergen unschifbar sind“.

Der wunderschöne Atlas in 7 Bänden hat die Signatur KA 500027 und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

Quellen:
Dörflinger, Johannes, „ Reilly, Franz Johann Joseph“, in: Neue Deutsche Biographie21 (2003), S. 334 [Onlinefassung]; http://www.deutsche-biographie.de/artikelNDB_pnd118748017.html, 03. 12.2010


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