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29.10.2010

Die ersten 3‘000 Swissairbilder sind online

 

 

 

Meteorologe bei Wetterbeobachtung, nach 1932 (LBS_SR01-00375)

Der Meterologe steht auf dem Dach des sogenannten Aufnahmegebäudes in Dübendorf, zur Wetterbeobachtung stehen ihm ein Winkelmessinstrument und der Ballon zur Messung der Höhenwinde zur Verfügung.

In Unterlagen des Swissair-Marketings finden sich ausführlichere Beschreibungen zu ausgewählten Bildern und den darauf abgebildeten Tätigkeiten. So lautet die zeitgenössische Bildlegende zu diesem Bild folgendermassen. “Flugwetterwarte: Für die Messung von Windstärke und Windrichtung in den verschiedenen Höhenlagen, welches das Flugzeug auf seiner Reise aufsuchen wird, lässt man einen Ballon mit genau bekannter Steiggeschwindigkeit hochfliegen. In regelmässigen Zeitabständen werden Neigung und Richtung des Theodoliten abgelesen. Diese Messergebnisse dienen zur Errechnung der sogenannten Höhenwinde.”

In der Bilddatenbank Bildarchiv Online sind jetzt die ersten 3‘000 digitalisierten Bilder aus dem Fotoarchiv der Swissair online zugänglich. Sie dokumentieren den Aufbau der Swissair in Dübendorf von 1931 bis 1948 und illustrieren den Flugbetrieb der ehemaligen nationalen Fluggesellschaft. Das Angebot wird sukzessive erweitert und ist auch über das Wissensportal zugänglich. Die Bilder können auch als hochwertige Ausdrucke bestellt werden. Ein zoombares Bild ist im BildarchivOnline verfügbar.

22.10.2010

Spezialsammlungen vorgestern

Filed under: Alte Drucke,Bestände — Tags: — Anna Maria Stuetzle @ 9:38

Beschreibung der Wasserkirche und der Stadtbibliothek auf den Seiten 23 (unten) bis 26 (oben)

Bereits im 17. Jahrhundert, also lange vor der Zeit der ETH-Bibliothek, konnte sich der interessierte Leser und Forscher unter der Aufsicht eines schlüsselgewaltigen Herren Bibliothecarij in den Spezialsammlungen der damaligen Burgerlichen Bibliothek umsehen.

Zu entnehmen ist diese Information einem 1692 in Zürich gedruckten Reiseführer, der gleich in zwei Exemplaren  bei den Alten Drucken in der ETH-Bibliothek erhalten ist. Der 1682 mit vierunddreissig Jahren verstorbene  Maler Hans Erhard Escher beschreibt darin nicht nur landschaftliche und bauliche Merkmale oder die Fauna um den Zürichsee. Neben besonderen Vorkommnissen in der Gegend oder extremen Witterungsverhältnissen aus der jüngsten  Vergangenheit widmet er einen längeren Abschnitt  der Stadtbibliothek. Diese befand sich seit 1628 im Untergeschoss der Ende des 15. Jahrhunderts neu errichteten Wasserkirche. Escher lobt den Bau an zentraler Lage ebenso wie die übersichtliche Aufstellung der Buchbestände. Sie seye eine von den schönsten (Bibliotheken) so weit und breit gesehen wird/… nicht nur allein wegen ihrer fürtrefflichen Situation, und kommlicher Gelegenheit/sondern auch vonwegen der grossen menge … Bücheren/welche in einer schönen Ordnung beschlossen. Ausleihbar waren diese zu offenbar nicht für jedermann erschwinglichen Preisen: ein habender Burger (hat) die Freyheit/ein Buch … in sein Haus zu beschicken. Zu den Rara zählten Handschriften und alte Drucke:  allerhand kostlicher und rarer/theils getrukter/theils auch von hand geschriebner Bücheren, darunter eine alte Bibel mit kostlich illuminierten Figuren, eine von Hand geschribne Hebraische Bibel/so sauber/als wäre sie getruckt, oder gar zwei chinesische Bücher. Im Obergeschoss befanden sich die eigentlichen Spezialsammlungen: ein umfangreiches Tierkabinett samt vielen Antiquiteten - sprich archäologische Funde – inklusive Münzen, eine Portraitsammlung, mathematische und astronomische Instrumente sowie Karten, darunter  Hans Conrad Gygers detaillierte Karte des (heutigen) Kanton Zürich.

Leider handelt sich bei oben beschriebener Bibliothek nicht um einen direkten Vorfahren der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek! Das Naturalienkabinett ging wahrscheinlich an die 1746 gegründete Naturforschende Gesellschaft, die Münzen sind heute im Landesmuseum aufbewahrt, und der Bücherbestand befindet sich in der Zentralbibliothek, welche im kommenden Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiert.

Link: Das vorgestellte Buch ist bei GOOGLE digitalisiert.

Beschreibung des Zürich Sees : wie auch von Erbauung, Zunemmen, Stand und Wesen loblicher Statt Zürich, von der Lust- und Nutzbarkeit des Sees, von vielen Thieren, so sich in und um denselbigen befinden…, von den Stätten… so an und um disen See gelegen, von Gelehrten… so um disen See gewohnet…

15.10.2010

Tunneldurchstich am Gotthard

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Ingenieurwissenschaften — Tags: — Michael Gasser @ 8:00

Schlicht “Grosser Gotthardtunnel” hiess der 1880 durchstochene Scheiteltunnel zwischen Göschenen und Airolo. Im Unterschied zum neuen Gotthard-Basistunnel lag damit die Betonung auf der Länge des Bauwerks und nicht auf der Streckenführung. (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, 3999:12/31 Hs, Ausschnitt)

Anlässlich des Durchstichs des neuen Gotthard-Basistunnels lohnt sich ein vergleichender Blick auf den Durchstich des Eisenbahntunnels zwischen Göschenen und Airolo vom 29. Februar 1880. Der heutige Gotthard-Basistunnel hat eine lange und bewegte Planungs- und Realisierungsphase hinter sich. Auf politischer Ebene mussten Volksabstimmungen und Budgetdebatten gewonnen werden. Beim Bau galt es, komplexe technische und geologische Probleme erfolgreich zu überwinden. Zu Recht wird deshalb der Durchstich des mit 57 km Länge nunmehr längsten Tunnels der Welt gebührend als herausragende technische Errungenschaft und zentrales Element des nationalen Grossprojekts NEAT gefeiert, das bald die Strecke Luzern – Bellinzona auf Pendlerdistanz verkürzen wird.

Der alte Eisenbahntunnel Göschen-Airolo ist dagegen mit 14,9 km vergleichsweise kurz. Bezüglich Pathos und Elend, die seine Baugeschichte begleiteten und prägten, überragt er aber den neuen Basistunnel deutlich. Einerseits war der Scheiteltunnel als Teil der neuen Nord-Süd-Verbindung mit Anschluss an das deutsche bzw. italienische Eisenbahnnetz eine technische Pioniertat. Nur dank dem Einsatz und der Weiterentwicklung damals modernster Tunnelbaumethoden wie pneumatischen Bohrmaschinen und Sprengungen mittels Dynamit konnte der Tunnel überhaupt in der kurzen Bauzeit von acht Jahren fertig gestellt werden. Andererseits zeigten zahlreiche tödliche Unfälle, ein blutig niedergeschlagener Streik, Untersuchungen über die bedenklichen hygienischen und sozialen Arbeitsbedingungen der überwiegend aus Italien stammenden Mineure, der plötzliche Tod des verantwortlichen Ingenieurs Louis Favre, eine erst in letzter Minute zustande gekommene Zusatzfinanzierung und anhaltender Zwist zwischen Betreiber- und Baugesellschaft immer wieder neue Schattenseiten dieses Grossprojekts auf.

Anlässlich des Durchstichs überwog aber klar die Euphorie. Von einem gewonnen “Krieg und Kampf mit dem Berg” war nun die Rede und von einem eigentlichen Triumph der Ingenieurbaukunst. “Der Glaube vermag keine Berge mehr zu versetzen, aber die Wissenschaft durchbohrt sie”, schrieb etwa die Zürcher Post anlässlich der Feierlichkeiten zum Durchstich. Negativschlagzeilen wurden vermieden und Alfred Escher, der zwar als mächtiger Politiker und reicher Unternehmer den Bau der Gotthardlinie erst ermöglicht hatte, dann aber als Präsident der Gotthardbahngesellschaft in Ungnade fiel, wurde zu den Feierlichkeiten gar nicht erst eingeladen. Da ergeht es nun Bundesrat Moritz Leuenberger besser. Er nutzt die Möglichkeit, den Festakt zum Durchstich des Gotthard-Basistunnels bewusst als Schlusspunkt seiner Regierungszeit zu bestimmen.

Link:
Verzeichnis der Gotthardbahnakten in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek

08.10.2010

Plan des Ausflusses des Wallen Sees und des Laufs der Linth bis in den Zürich See

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: , — Susanne Hofacker @ 8:00

 

Hans Konrad Escher: Plan des Wallen Sees und des Laufs der Linth bis in den Zürich See, 1804

Ausschnitt aus: Hans Konrad Escher: Plan des Wallen Sees und des Laufs der Linth bis in den Zürich See, 1804

Im späten 18. Jahrhundert herrschte “Wassersnot” im unteren Glarnerland, am Walensee und in der Linthebene. Immer häufiger wurden Ortschaften und ganze Landstriche überschwemmt. Ausserordentlich häufige Regenfälle im 18. Jahrhundert verursachten vermehrt Hochwasser, Bergrutsche und höhere Geschiebemengen. Die übermässige Abholzung der Wälder, insbesondere für die ansässige Textilindustrie und den Export, verstärkte die Erosionsprozesse zusätzlich. Der Zustand der Landwege und Wasserstrassen verschlechterte sich zusehends und bereits kultiviertes Land begann zu versumpfen. Malaria und andere Krankheiten erschwerten das Leben der Bevölkerung.

Den Menschen an der Linth konnte geholfen werden, wenn die wilde Glarner Linth in den Walensee umgeleitet würde, um ihr Geröll, Kies und Sand in dessen Tiefe zu deponieren, anstatt es in der Ebene um Ziegelbrücke abzulagern, was zu einem verheerenden Rückstau der Gewässer führte.

So wurde Hans Konrad Escher (1767 – 1823) mit der Leitung der Linthkorrektion betraut und verschaffte sich 1804 mit dem „Plan des Ausflusses des Wallen Sees und des Laufs der Linth bis in den Zürichsee” einen ersten Überblick über die Situation. Nebst des ursprünglichen Verlaufs der Linth und der Maag, dem alten Ausfluss aus dem See sowie der versumpften Gebiete zeigt der Plan mit feinen, unterbrochenen Linien Vorschläge, „die zur Austroknung der Sümpfe dieser Gegend der Eydsgenössischen Tagsazung in Bern Ao. 1804 als Auftrag derselben gemacht wurden.”

Die von 1807 bis 1823 realisierte Linthkorrektion war ein Pionierwerk, sowohl in wasserbautechnischer wie auch in politischer und volkswirtschaftlicher Hinsicht.

Der 19 x 42 cm grosse Plan mit der Signatur K 804043 kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

01.10.2010

Die bewegte Geschichte einer Fabrik

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Nicole Graf @ 18:27

Die Eröffnungsfeier der Roten Fabrik in Zürich am 24. Oktober 1980 (Com_L29-0561-0103)

In diesem Jahr feiert die IG Rote Fabrik ihren dreissigsten Geburtstag. Das bedeutet vor allem dreissig Jahre Vermittlung und Förderung von zeitgenössischer und kritischer Kultur fernab des Mainstreams.

Die Rote Fabrik wurde 1892 vom Architekten Carl-Arnold Séquin-Bronner für die Seidenfirma Henneberg erbaut. Die Besitzerschaft wechselte seither mehrmals, bis 1972 die Stadt Zürich die Fabrik erwarb und plante, das Gebäude abzureissen, um die Seestrasse danach verbreitern zu können. Die Sozialdemokratische Partei (SP) lancierte 1974 eine Volksinitiative für den Erhalt der Roten Fabrik und die Umwandlung in ein Kulturzentrum. 1977 entschied sich das Zürcher Stimmvolk für den Erhalt und die Nutzung als Kultur- und Freizeitzentrum.

Da sich die Stadt Zürich nicht an den vom Stimmvolk erhaltenen Auftrag bezüglich der kulturellen Nutzung hielt, wurde 1980 die Interessengemeinschaft Rote Fabrik (IGRF) gegründet und es fanden illegale Partys in der Roten Fabrik statt. Als am 30. Mai 1980 mit einem Volksfest für einen Kredit in der Höhe von 61 Millionen Franken für das Opernhaus geworben wurde, kam es zu den „Opernhauskrawallen”: gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der so genannten Jugendbewegung, der Stadtregierung und der Polizei. Die Jugendbewegung forderte von der Stadt Räume für alternative Jugendkultur. Das Kulturzentrum Rote Fabrik in Wollishofen oder ein anderes Gebäude für ein Autonomes Jugendzentrum solle von der Stadt zur Verfügung gestellt werden.

Ende Oktober 1980 wurde zwar vorerst provisorisch das Kulturzentrum Rote Fabrik (schweizerdeutsch einfach „Di Roti”) eröffnet.

Das Bild ist Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Es ist – wie andere Bilder der Comet Photo AG – in digitaler Form über Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

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