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24.09.2010

Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied: Reise nach Brasilien in den Jahren 1815-17 (Frankfurt, 1820-1821)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Zoologie — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Kupferstich Band1, S. 217: Eyerlegende Schildkröte an der Seeküste

Der deutsche Entdecker, Ethnologe, Zoologe und Naturforscher Maximilian zu Wied-Neuwied (1782-1867) ist nicht so bekannt wie sein Zeitgenosse Alexander von Humboldt, spielte aber eine wesentliche Rolle in der wissenschaftlichen Erschliessung des amerikanischen Kontinents. In den Jahren 1815 bis 1817 bereiste der Forscher die Ostküste der damaligen portugiesischen Kolonie Brasilien. Sein Reisebericht ist laut Siegfried Schmidts biographischen Notizen “…insgesamt enzyklopädisch angelegt; das was dem Prinzen an Eindrücken bemerkenswert erschien, wird fachübergreifend, unsystematisch und chronologisch in erzählender Weise dem Leser dargeboten.”

Das Werk ist mit sehr schönen Stichen illustriert, die nach Originalzeichnungen des Autors angefertigt wurden. Maximilian zu Wied bemerkt dazu im Anhang des ersten Bandes:

“Den Stich der Platten haben verschiedene Kupferstecher besorgt; aller angewandten Mühe ungeachtet haben sich aber dennoch einige Unrichtigkeiten eingeschlichen. Unter diesen nenne ich auf der Vignette des VIII. Abschnitts die Zeichnung der grossen Schildkröte, welche in den naturhistorischen Cabinetten nicht selten gefunden wird [...]“

Selbst wenn einzelne Stiche mit Hilfe einer “Camera Lucida” gestochen wurden, ergab sich offenbar eine gewisse Abweichung von der erlebten “Realität”. Als Konsequenz dieser zeichnerischen Unzulänglichkeit nahm Wied auf seine zweite Entdeckungsreise nach Nordamerika (1832-1834) den jungen Schweizer Landschaftsmaler Carl Bodmer mit auf die Reise. Daraus entstand dann die reich illustrierte Reise in das innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834 (Koblenz, 1839-41).

Links:

Wied-Neuwieds Reise nach Brasilien im Bibliothekskatalog NEBIS

In der Zentralbibliothek Zürich ist ein Reprint der Erstausgabe vorhanden.

Literatur:

Siegfried Schmidt: Die Büchersammlung des Prinzen Maximilian zu Wied; Entstehung, Bestandesaufnahme und Schicksal einer naturwissenschaftlichen Privatbibliothek des 19. Jahrhunderts (Bonn, 1985)

17.09.2010

Die peinliche Befragung – Prüfungen an der ETH

 

“Prüefigsfrage” aus: V.OCT.MCMLXIII.,

Hg. Mitarbeitende des Institutes für Spezielle Botanik ETH Zürich,

in: Ernst Gäumann, Biographische Sammlung. Archive und Nachlässe ETH-Bibliothek Zürich

 

 

Vor rund zwei Wochen – die sommerliche Prüfungssaison kaum zu Ende, die Resultate noch nicht bekannt, knapp vor dem neuen Herbstsemester – war in der Presse zum Schrecken der Geprüften und der erwartungsvollen Neulinge zu lesen, dass an der ETH Zürich ein Drittel der Studierenden das erste Jahr nicht überstehe. Diesmal wurde die Meldung im Zusammenhang mit dem Ansturm schwacher Bachelorabsolventen und -absolventinnen aus dem Ausland auf Schweizer Universitäten verbreitet. Doch waren Abschreckung und strenge Examen seit jeher bewährte Mittel, um die Studierenden auf das gewünschte Leistungsniveau aus- und abzurichten zur Sicherung von Ausbildungsqualität und Ansehen der Lehranstalt.

 

Gefürchtet waren beispielsweise die Prüfungen bei Ernst Gäumann (1893-1963), Professor für Botanik, über den eine kleine Erinnerungsschrift zum 70. Geburtstag berichtet: “Auf Exkursionen ist er flott, doch im Examen – Gnad uns Gott!”. Was Prüflingen bei ihm blühen konnte, hält das abgebildete Gedicht aus der humoristischen Zeitung fest, die seine Institutsangehörigen ihm zur Geburtstagsfeier schrieben. Für Lesende, die der Berner Mundart – Gäumanns Muttersprache – nicht mächtig sind, eine Übersetzung in die Schriftsprache:

 

Prüfungsfragen

 

Wann haben die alten Eidgenossen

das erste Bündnis geschlossen?

Und was haben sie in Stans beschlossen?

Und warum den Gessler denn/dann erschossen?

Was vor der Schlacht bei Sempach gegessen?

Hast du die Tiefe der Aare auch schon gemessen?

Wieso hast du das alles schon vergessen?

Kannst du eigentlich auch Pflanzen pressen?

Wer hat den Lötschbergtunnel konstruiert?

Wer hat den Schatz von Karl dem Kühnen abserviert?

Und wer hat das grosse Moos drainiert?

Hast du Cyperales auch studiert?

Wieso geht (fliesst) die Linth in den Walensee?

Hast du schon einmal eine Lilie gesehen?

Wieso weisst du über diese Familie nicht mehr?

Woher stammt eigentlich der Tee?

Warum gehört Aarau nicht mehr zu Bern?

(Das hört er zwar nicht grauslich [sehr] gern)

Was ist ein rechter Morgenstern?

Wieso haben die Zwetschgen keine Kerne?

Wer ist Niklaus von der Flüe?

Was hat es im Berneroberland für Kühe/welche Kühe gibt es im Berneroberland?

Und warum blühen die Anemonen früh?

Macht solch eine Frage dir Mühe?

 

Der vierzeilige Schlusskommentar aus dem Basler Dialekt übersetzt:

 

Hat er dir fast den Nerv ausgerissen?

Du merkst es bald und kriegst ein unruhig Gewissen,

bei Gäu musst du über Pflanzen auch ein bisschen etwas wissen,

doch ohne Schweizergeschichte bist du einfach beschissen.

 

Gäumann pflegte seine Studierenden und Institutsangehörigen zu duzen, was diese in der Regel als Privileg empfanden und worum sie von Aussenstehenden gelegentlich beneidet wurden. Dass er Kandidatinnen und Kanditaten aus der deutschsprachigen Schweiz tatsächlich in Mundart prüfte statt in der deutschen Unterrichtssprache, ist nirgens erwähnt, obschon durchaus denkbar. Dagegen ist verbürgt, dass Gäumann die Studierenden zu selbständigem Denken und Arbeiten anhielt. Entsprechend ungnädig reagierte er, wenn an Prüfungen bloss auswendig gelernte Vorlesungsinhalte  “wiedergekäut” wurden. Dies dürfte neben Gäumanns Patriotismus auch ein Grund gewesen sein, die Kandidatinnen und Kandidaten mit Fragen ausserhalb des eigentlichen Lernstoffes zu traktieren.

 

Literatur:

 

- V.OCT.MCMLXIII., Hg. Mitarbeitende des Institutes für Spezielle Botanik ETH Zürich. Die Geburtstagszeitung mit dem Prüfungsgedicht findet sich im Dossier Ernst Gäumann der Biographischen Sammlungen, einer Dokumentation mit Zeitungsausschnitten, Nachrufen etc. zu Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Technik sowie über ETH Einrichtungen, in der Spezialsammlung “Archive und Nachlässe” der ETH-Bibliothek

 

- Herrn Professor Dr. Ernst Gäumann zum siebzigsten Geburtstag gewidmet von seinen Schülern und Mitarbeitern, Kollegen und Freunden, Wabern-Bern, 1963

 

 

Link:

Ernst Gäumann

 

10.09.2010

Keller’s Zweite Reisekarte der Schweiz

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Hofacker @ 8:00

Ausschnitt aus “Keller’s Zweite Reisekarte der Schweiz”

Ausschnitt aus “Keller’s Zweite Reisekarte der Schweiz”

Der Zürcher Heinrich Keller (1778 – 1862) – genannt „Kartenkeller” -  war ein Amateur-Kartograph, Panoramazeichner, Drucker, Verleger und Buchhändler in einer Person. Von seinen zahlreichen Reisen zu nahen und ferneren Aussichtspunkten zeugen schöne Panoramazeichnungen, so zum Beispiel vom Rigi, vom Uetliberg oder vom Weissenstein, die er als Souvenirs in seiner Buchhandlung an der Unteren Zäune verkaufte. Das einträglichste Geschäft jedoch machte er mit seinen Lehrmitteln, Stadtplänen und Reisekarten.

1813 veröffentlichte Keller seine erste Reisekarte der Schweiz im Massstab 1:500‘000, mit der er einen gewaltigen Erfolg verbuchen konnte. Zwanzig Jahre später erschien Keller‘s Zweite Reisekarte der Schweiz, neu bearbeitet und in den Massstab 1:440‘000 vergrössert. Sie wurde bis zu seinem Todesjahr 1862 laufend neu aufgelegt.

Für die Geländedarstellung der Reisekarten wählte Keller bewusst bescheidene Mittel. Die Bergketten waren in einfachen Schraffen in „Raupenmanier” dargestellt, die höchsten Gipfel wurden als runde Buckel hervorgehoben. Im Mittelpunkt des Interesses standen vielmehr alle Informationen, die die Reisenden interessieren könnten. So markierte er – eine kartographische Novität – lohnende Aussichtspunkte mit einem Stern. Die Karten waren zudem sehr reich an Ortsnamen und vielfältigen Signaturen.

In der abgebildeten Ausgabe von 1848 reicht die Palette der Signaturen von religiösen Stätten über allerlei Sehenswürdigkeiten sowie Angeboten für das leibliche Wohl vom „Sauerbrunn” (Quelle) bis hin zu „gutem Wein”. Strassen, Wege und allfällige Weghindernisse wurden bemerkenswert differenziert dargestellt: „Heerstrassen” finden sich genauso wie „Reitwege”, „rauhe Bergpfade” und „Zikzak Wege”.

Legende zur Karte

Für ausländische Reisende wurde der Massstab dreisprachig in „Schweizer Reise Stunden”, in „Geographischen oder Deutschen Meilen” und in „Englischen Meilen” angegeben. Einzeln stehende Zahlen mit bis zu drei Punkten bezeichnen in der Karte die Anzahl Stunden und Viertelstunden bis zur nächsten Berg- oder Passhöhe.

Massstabsangaben zur Karte

Keller’s Reisekarten sind frühe Touristenkarten und somit die Vorgänger heutiger Strassen- und Wanderkarten.

Die kolorierte Karte mit der Signatur K 690071 ist 53 x 66 cm gross und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

03.09.2010

Historische Bilder der Swissair

Filed under: Bildarchiv,Geschichte — Tags: — Heike Hartmann @ 8:00

 

Hostessen mit Kleinkindern vor der DC-2 HB-ITO mit Neutralitätsbemalung (LBS_SR01-02259)

Die ETH-Bibliothek hat 2009 eine grosse Sammlung an historisch bedeutenden Luftaufnahmen sowie das Fotoarchiv der Swissair von der Stiftung Luftbild Schweiz übernommen. Die Bestände werden nun kontinuierlich bis 2013 in das Bildarchiv der ETH-Bibliothek integriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Sammlung enthält Bilder über die Entwicklung der Zivil-Aviatik seit ihren Anfängen bis ins Jet-Zeitalter, umfangreiche Aufnahmen zu sämtlichen Flugzeugtypen der Swissair sowie Fotografien zu unzähligen Arbeitsbereichen rund um den Flugbetrieb vor und hinter den Kulissen, die somit bildlich dokumentiert sind.

Die Fotografie zeigt eine Szene der sogenannten „Keuchhustenflüge”. Diese bildeten eine kleine, aber dennoch willkommene Zusatzeinnahme. Bereits vor dem Krieg von Deutschland aus propagiert, wurden solche Flüge ab 1940 auch in der Schweiz wieder möglich. Man brachte die Kinder in mindestens einstündigen Flügen auf ca. 4‘000 m Höhe „in die reine, kalte und sauerstoffarme Höhenluft”. Je nach Flugzeugtyp wurden, wenn möglich, sogar die Fenster geöffnet.

Auf dem Flugzeug, hinter den Hostessen mit den Kindern, erkennt man den sogenannten Neutralitätsanstrich. In der ersten Hälfte des Jahres 1940 wurden die Streckenflugzeuge der Swissair zwecks besserer Identifikation mit diesem rotweissen Anstrich versehen. (Quelle: Muser Alfred, Die Swissair 1939-1945) BildarchivOnline .

Abendführung:

Swissair – frühe historische Bilder

http://www.library.ethz.ch/de/Dienstleistungen/Schulungen-Tutorials-Fuehrungen
ETH-Bibliothek/Spezialsammlungen / Bildarchiv
Dienstag, 21. September 2010, 18.15 – 19.15 Uhr
Treffpunkt: ETH Zürich, Haupthalle
Keine Anmeldung erforderlich

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