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27.08.2010

Jean Claude Richard de Saint-Non: Voyage pittoresque, ou description des royaumes de Naples et de Sicile (Paris, 1781-1786)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten,Geschichte — Tags: , — Roland Lüthi @ 7:00

Band 1, Seite 208: Ausbruch des Vesuvs vom 8. August 1779

Der Pariser Theologe und Jurist Jean Claude Richard Saint-Non (1727-1791) ist vor allem als als Zeichner, Radierer, Kupfer- und Aquatintastecher bekannt. Nachdem er in den Jahren 1759-1761 mit den Malern Jean-Honoré Fragonard und Hubert Robert fast ganz Italien bereist hatte, entstand sein monumentales Hauptwerk Voyage pittoresque, ou description des royaumes de Naples et de Sicile. Das fünfbändige Werk im Folioformat enthält neben einem aufwändigen Titelkupfer für Königin Marie-Antoinette 299 Tafeln und 111 Vignetten, 6 Karten und einen Plan. Es gilt als Meisterleistung der französischen Buchkunst des 18. Jahrhunderts.

Saint-Non präsentiert eine politische und soziale Geschichte der Königreiche Neapel und Sizilien und Texte über die neuesten archäologischen Funde in Herculaneum und Pompeii. Auch die Geologie des Vesuvs und der Campi Flegrei und deren Fauna und Flora werden eingehend beschrieben. Das späte 18. Jahrhundert war eine fruchtbare Zeit für Bücher über Süditalien.Voyage pittoresque war bei weitem nicht die einzige, gilt aber als eine der besten. Bis weit ins 19. Jahrhundert setzte es einen sehr hohen Standard in der Verständlichkeit und in der Qualität der Bilder und wurde zum viel konsultierten Standardwerk für Enthusiasten der Grand Tour.

Voyage pittoresque ist im Programm der Abendführung vom 7. September vorgesehen. Unter dem Titel Reisen in Büchern – Bücher auf Reisen werden unter anderem auch Autoren wie Homer, Pausanias, Josias Simmler, Thomaso Porcacchi, Antoine de Ulloa, George Juan und William Hamilton vorgestellt. Treffpunkt: 18:15 ETH-Bibliothek, Ausleihschalter. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

Links:

Voyage pittoresque im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002331347

Die Erstausgabe ist online bei der UB Heidelberg.

20.08.2010

Vom Duell mit der Waffe zum Duell mit der Feder. Georg Herwegh im Streit mit dem Schulratspräsidenten

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Ingenieurwissenschaften — Michael Gasser @ 8:00

Matrikel Horace Herwegh, Ausschnitt

Der Stein des Anstosses: Georg Herweghs Sohn Horace wird Ende 1863 “wegen Duell und Unfleiss” mit schlechtem Quartalszeugnis von der Hochschule verwiesen. (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, EZ-REK 1/1/647, Ausschnitt)

Kurz vor Weihnachten 1864 wurde der Ingenieurstudent Horace Herwegh vom Eidgenössischen Polytechnikum (heute ETH Zürich) verwiesen. Der Ausschluss erfolgte in zwei Schritten: Im Sommer 1863 hatte sich Herwegh duelliert und damit gegen das Duellverbot der Hochschule verstossen. Angesichts der guten Leistungen des Studenten liess es der Schulratspräsident Johann Karl Kappeler vorerst bei einer strengen Ermahnung bewenden. Als Herwegh dann aber im letzten Quartal 1864 gleich von mehreren Professoren schlechte Noten für Leistung und Betragen erhielt, wurde der sofortige Schulverweis Tatsache.

Das rief den Vater des Studenten, den bekannten sozialistisch-revolutionären deutschen Dichter Georg Herwegh auf den Plan, der 1839 Zuflucht in der Schweiz gefunden hatte. Seine pointierten Beschwerdebriefe an den Schulratspräsidenten wurden kürzlich im Band 6 der kritischen und kommentierten Gesamtausgabe “Georg Herwegh: Werke und Briefe” (hrsg. von Ingrid Pepperle) veröffentlicht.

Interessanterweise protestierte Herwegh nicht gegen den Verweis seines Sohnes wegen Übertretung des Duellverbots. Was er mit spitzer Feder anprangerte, war der Vorwurf des “Unfleisses” und die schlechten Quartalsnoten, hinter denen er ein Racheakt dafür vermutete, dass sein Sohn dem Schuldirektor Pompeius Alexander Bolley nie verriet, mit wem er sich duelliert hatte. Für Herwegh beruhte das Zeugnis auf Unwahrheiten und war Ausdruck eines Machtmissbrauchs:”[…] der Eidg. Schulrat hatte nur die Macht, u. nicht das Recht, alle Grundsätze der Humanität so mit Füssen zu treten, wie er gethan, u. einen Studirenden, der fünfjährige gute Zeugnisse aufzuweisen hat, mit einer solchen Nachrede […] aus der Anstalt zu entlassen.”

Mag sein, dass Herweghs Bekanntheitsgrad und seine Freundschaft mit Gottfried Semper dazu beitrug, dass der Schulratspräsident Herwegh sehr ausführlich antwortete (Archive und Nachlässe, SR 1, 1864, Missive 4; nicht in oben genannter Ausgabe enthalten). Zwar wies Kappeler die Beschwerde mit Nachdruck zurück, rechtfertigte aber jede einzelne ausgestellte schlechte Zeugnisnote. Auch wenn sich dadurch an dem Quartalszeugnis seines Sohnes nichts ändern liess, verfasste Herwegh ein erneutes Schreiben an den Schulratspräsidenten, das im Stile eines politischen Pamphlets endet. Ehrenhaft sei es von seinem Sohn gewesen, schreibt Herwegh, “seinen Gegner im Duell nicht wie ein feiger Schulknabe seinem Schulpascha zu denunzieren.” Und: “Hoffentlich wird es mein Sohn auch künftig allen Bolleys der Welt gegenüber so halten.”

Die schlechten Noten von 1864 verbauten Horace Herweghs berufliche Laufbahn übrigens nicht. Nach dem Verweis vom Polytechnikum ging er als Ingenieur zunächst in die USA und später nach Paris, wo er 1901 starb.

13.08.2010

Gebirgsansicht von Villars sur Ollon

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Zollinger @ 17:03

Ausschnitt aus: Gebirgsansicht von Villars sur Ollon, Albert Heim, Hofer & Burger, 1885

An einem Sommertag 1885 hielt der Zürcher Geologe Albert Heim die Generalversammlung des SAC Diablerets, die auf einer Alp bei Villars sur Ollon stattfand, in einem wunderschönen Panorama fest. Der Titel des Panoramas informiert über neuen „Schneefall in der Höhe” und tatsächlich zeigen sich die Gipfel und Hügel der Waadtländer Alpen in einem frischen weissen Kleid.

Das Panorama weist einige Besonderheiten auf. In der Zeichnung sind aussergewöhnlich viele Personen abgebildet, während in Panoramen des 19. Jahrhunderts sonst keine oder wenige Personen, meist Wanderer oder Bergsteiger, dargestellt sind, oft um die Grössenverhältnisse zwischen Bergwelt und Mensch darzustellen. Als Kuriosität porträtiert Albert Heim sich selber und bildet den Zigarre rauchenden Panoramazeichner in der linken unteren Ecke des Panoramas ab. Neben Heim liegen Rucksack, Seil und Pickel im Gras. Die Ausrüstung für schwierige Bergtouren in Fels und Eis verweist auf Alberts Heims Leidenschaft für die Berge und seine Mitgliedschaft im SAC. Das Panorama ist der Sektion Diablerets  “in dankbarer Erinnerung” gewidmet.

Albert Heim als Panoramazeichner mit Bergausrüstung

Albert Heim mit Tocher Helene, Fotografie, 1888

Albert Heim war ein fleissiger Panoramenzeichner. Allein im Katalog des NEBIS-Verbundes sind gegen 30 Panoramen des Zürcher Geologen verzeichnet.

Die mehrfarbige Lithographie mit der Signatur K 690126 ist 23 x 80 cm gross und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden. Die Fotografie von Albert Heim ist im BildarchivOnline der ETH-Bibliothek verfügbar.

Links: Portrait von Albert Heim in Wikipedia

06.08.2010

Giorgio Sommers Landschaftsaufnahmen aus den 1880er-Jahren

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Eisenbahnwesen — Tags: — Nicole Graf @ 10:56

Sommer, Giorgio. Gotthardbahn Wassen, 1885. Papierabzug 20,5 x 26 cm (Ans_05568-003-FL)

 

Sommer, Giorgio. Gotthardbahn Giornico, 1885. Papierabzug 20,5 x 26 cm (Ans_05568-004-FL)

Der Fotograf Giorgio Sommer (1834-1914) begab sich während seiner Karriere immer wieder auf ausgedehnte Reisen. Unterwegs war er in Italien, Österreich, Malta oder der Schweiz und erstellte für den aufkeimenden touristischen Markt Ansichten beliebter Ausflugsziele. Sommer war sehr geschäftstüchtig und pries seine Bilder in grossem Stil an, so dass er gar den Unmut des Schweizerischen Photographenverein auf sich zog, da er mit seinen kostengünstigen Bildern den Markt überschwemmte.

Giorgio Sommer produzierte neben Cartes-de-visite vor allem grossformatige Abzüge, aber auch Stereobilder in Auftragsarbeit oder für eigene Projekte. Daneben stellte Sommer diverse Alben mit Bildserien über Aufsehen erregende Ereignisse oder Orte zusammen: das Erdbeben auf Ischia (1883) oder den Ausbruch des Vesuvs (1872). Aus den 1880er-Jahren sind verschiedene Bilder aus der Schweiz erhalten, die auf seinen Reisen an den Lago Maggiore, zum Rhonegletscher, auf den Gemmipass oder – wie hier gezeigt – zur Gotthardbahn entstanden.

Sommer war Mitte der 1850er-Jahre von Deutschland nach Italien gezogen und eröffnete 1857 in Neapel insgesamt vier Fotografie-Geschäfte mit mehreren Angestellten. 

Zoombare Bilder von Wassen und von Giornico sind im BildarchivOnline verfügbar.

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