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31.07.2010

Kazimierz Siemienowicz: Artis Magnae Artilleriae (Amsterdam, 1650)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Militärwissenschaften — Tags: — Roland Lüthi @ 12:00

Kupferstich Tafel H

Kupferstich Tafel L

Kupferstich Tafel N

Kupferstich Tafel R

Kupferstich Tafel S

Über den belarusischen Raketenpionier Kazimierz Siemienowicz (ca. 1600-ca. 1651) ist sehr wenig bekannt. Es ist überliefert, dass er seit Kindheit von der Artillerie fasziniert war, und fleissig Mathematik, Mechanik, Hydraulik, Architektur, Optik und Taktik studierte. Von 1632 bis 1634 nahm er am Russisch-Polnischen Krieg und der Belagerung von Biala unter Mikołaj Abramowicz teil. Möglicherweise war er 1644 an der Schlacht von Ochmatów beteiligt. Dann verbrachte er einige Zeit in den Niederlanden, wo er unter Friedrich Heinrich von Oranien im Krieg gegen Spanien focht. 1646 nach seiner Rückkehr nach Polen diente er unter König Wladyslaw IV als Experte für Artillerie und Raketentechnik in der königlichen Artillerie. 1648 kehrte Siemienowicz auf Anraten des neuen Königs Johann II. Kasimir Wasa in die Niederlande zurück, um dort seine Studien zu veröffentlichen.

Artis Magnae Artilleriae pars prima erschien 1650 kurz vor Siemienowicz‘s Tod in Amsterdam. Gerüchte besagen, dass die Gilde der Metallurgen, Waffenschmiede und Pyrotechniker für sein Ableben verantwortlich waren. Sie wollten angeblich nicht, dass ihre Geheimnisse ausgeplaudert wurden, und verhinderten mit dem Mord das Erscheinen des zweiten Teils der Artilleriae. Dennoch wurde das Buch für über zwei Jahrhunderte zum Standardwerk über Artillerie in Europa. Es enthält Standardpläne für die Anfertigung von Raketen, Feuerkugeln und anderem pyrotechnischen Gerät.

Links:

Die Tafeln aus Artis Magnae Artilleriae pars prima sind online bei der Othmer Library of Chemical History

Artis Magnae Artilleriae im Bibliothekskatalog NEBIS

23.07.2010

Abheben wie ein Pelikan? Die Startschwierigkeiten des Flugzeugs SB-2 Pelikan

Die SB-2 Pelikan der Pilatus Flugzeugwerke mit dem Pelikan-Symbol vorne am Bug
(ETH-Bibliothek, Archive, Akz. 2002-2)

Im Zweiten Weltkrieg spannte die Schweizer Landesregierung die ETH aktiv in ihre Pläne zur Förderung einer selbständigen nationalen Flugzeugindustrie in der Schweiz ein. Das Eidgenössische Luftamt (heute Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL) beauftragte den frisch auf den Lehrstuhl für Flugzeugstatik und Flugzeugbau berufenen Professor Eduard Amstutz mit der Entwicklung eines Spezialflugzeugs, das speziell auf die Schweizer Berglandschaft zugeschnitten sein sollte. Am Lehrstuhl wurde daraufhin ein Studienbüro eingerichtet, das vom ETH-Ingenieur Hans Belart geleitet wurde. Er war es auch, der den Entwurf des SB-2 genannten Kleinverkehrsflugzeuges handhabte, Windkanalversuche durchführte und alle mathematischen Berechnungen vornahm. Das Studienbüro wurde 1943 dem Schweizerischen Flugtechnischen Verein angegliedert, der als Bindeglied zwischen ETH-Institut, Bundesbehörden und Industrie diente.

Da die ETH-Mitarbeiter vielfach Aktivdienst leisten mussten, verzögerte sich die Konstruktion des Flugzeuges erheblich. Schliesslich konnte der Entwurf aber doch für 180.000 Fr. an die Pilatus Flugzeugwerke in Stans verkauft werden, die den Bau der SB-2 ausführten. Als Immatrikulation hatte das Eidgenössische Luftamt die Buchstaben HB AEP gewählt, die als Symbol für die Zusammenarbeit zwischen der ETH und der Industrie gedeutet werden können: Hans Belart, Amstutz Eduard, Pilatus.

Die SB-2 verfügte über Langsamflug-Eigenschaften, eine hohe Steigleistung und war als STOL-Flugzeug (Short Take-Off and Landing) gut geeignet für Berggebiete, in denen nur kurze Start- und Landebahnen zur Verfügung standen. Damit konnten Personen- und Frachttransporte sowie Einsätze in der Landwirtschaft durchgeführt werden.

Zeichnungen für 5-Plätzer und 7-Plätzer auf dem Datenblatt der SB-2 Pelikan
(ETH-Bibliothek, Archive, Akz. 2002-2)

Am 30. Mai 1944 fand der erfolgreiche Erstflug statt, die SB-2 erhielt den Namen „Pelikan” (wohl in Anlehnung an den Fieseler Fi  156 „Storch”). Zu einer Serienproduktion kam es jedoch nie, da die Pilatus Flugzeugwerke durch den Bau der P-2 bereits ausgelastet waren. Als die „Pelikan” bei einer Flugschau in Kirchberg bei Bern am 13. Juni 1948 beim Start an einer Rinne hängenblieb und sich überschlug, konnte das Flugzeug nicht mehr repariert werden, Totalschaden.

Das ETH-Institut für Flugzeugstatik und Flugzeugbau arbeitete auch bei anderen Projekten mit der Schweizer Flugzeugindustrie zusammen, so bei der Konstruktion des Pilatus Porter PC-6, den Schulflugzeugen P-2 und P-3, sowie bei den Flugzeugen „Elfe”, „Diamant”, „Bravo” und dem Segelflugzeug B4.

In den Beständen der Archive und Nachlässe der ETH Zürich finden sich Unterlagen des ehemaligen Instituts für Flugzeugstatik und Flugzeugbau und des Schweizerischen Flugtechnischen Vereins, darunter Typenbücher, Konstruktionszeichnungen, Ergebnisse von Windkanal- und Belastungsversuchen, Fotos der Bauphasen und Flugversuche.

Links:

Protokolle der Sitzungen des Schweizerischen Schulrates online zum Thema Schweizerischer Flugtechnischer Verein: http://www.sr.ethbib.ethz.ch/digbib/view?did=c1:180992&p=340

Monika Burri: Die ETH als aerodynamische Denkfabrik.  http://www.ethistory.ethz.ch/besichtigungen/touren/vitrinen/forschungspfade/vitrine52

 

16.07.2010

Panorama vom Piz Mundaun

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Susanne Zollinger @ 17:16

Ausschnitt Panorama vom Piz Mundaun bei Ilanz im Bündner Oberland / Chur: Hitz, 1861

Um 1861 zeichnet der Bündner Maler Michel Caderas vom Piz Mundaun aus ein zauberhaftes Panorama – wohl ein touristisches Souvenir – das den Blick über die Surselva und das Val Lumnezia schweifen lässt. Die „nach der Natur gezeichnete” Ansicht zeigt mit grosser Detailtreue kleine Bauerndörfer, Wiesen, Wälder und die tief eingeschnittenen Schluchten des Vorderrheins und des Glenners in einer majestätischen Gebirgslandschaft.

Der Vermerk „topographisch verificirt” verweist auf die exakte Wiedergabe der Topografie. Durch die hohe Genauigkeit in der Darstellung des Raumes liefern Panoramen des 19. Jahrhunderts wertvolle Informationen zur Veränderung der Landschaft.

Das wunderschöne 15×100 cm grosse Panorama hat die Signatur K 690285 und kann in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek eingesehen werden.

09.07.2010

Fussball – das Spiel, das Massen begeistert

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Naturwissenschaften — Heike Hartmann @ 8:00

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt einige schöne Bilder zum Themenbereich Sport, die aus dem Archiv der Fotoagentur Comet Photo AG stammen. Aus aktuellem Anlass, der Fussball-WM in Südafrika, werden hier zwei historische Bilder aus den 1950er-Jahren vorgestellt.

Das erste Bild zeigt eine Luftaufnahme des Wankdorfstadions in Bern während des Freundschaftsspiels Schweiz gegen Deutschland am Sonntag den 04.10.1959. Um die 50‘000 Zuschauer sahen sich das Spiel im Stadion live an. Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online.

Die zweite schwarz-weiss Aufnahme, zeigt eine Situation vor dem Tor. Der Torwart hält soeben den Ball, der vermutlich von dem Spieler direkt vor dem Tor abgeschossen worden ist. Diese Fotografie ist ebenfalls in den 1950er-Jahren entstanden. Ein zoombares Bild befindt sich im Bildarchiv Online.

 

Fussball Schweiz – Deutschland 0:4, Bern (Com_M08-0275-0002)

 

Fussballspieler in Aktion (Com_M01-0342-0004)

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere historische Bilder aus der Welt des Sports. Das gesamte Archiv der Fotoagentur Comet ist seit dem Jahr 2000 an der ETH-Bibliothek.

Die ETH-Bibliothek hat in Zusammenarbeit mit dem Hebting Labor eine Foto-Edition herausgebracht, die fotographische Schätze rund um das Thema Sport enthält. Die Foto-Edition „Sport der 1950er Jahreumfasst 12 Schwarzweiss-Aufnahmen auf Baryt-Papier aus dem Archiv der Comet-Photo AG. Die Foto-Edition ist limitiert auf 50 Exemplare pro Motiv und können im Bildarchiv gekauft werden. Die Fotografien sind klassische Handabzüge nach Originalnegativen auf Barytpapier, auf der Rückseite gestempelt, nummeriert und signiert. Der Preis pro Originalabzug beträgt im Passepartout SFr. 370.- oder im Halbe-Magnetrahmen SFr. 540.-.

02.07.2010

Georges-Louis Leclerc de Buffon: Histoire Naturelle (Aux Deux-Ponts, 1786-1791)

Filed under: Alte Drucke,Zoologie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

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Le Jocko ou Orang-Outang de la petite espèce, Histoire Naturelle Tome 13, Pl. 1

Der französische Naturforscher und Intendant des königlichen Gartens in Paris Georges-Louis Leclerc de Buffon (1707-1788) publizierte ab 1749 die seinerzeit populärste und umfassendste Enzyklopädie der Naturgeschichte. Er tat dies nicht in erster Linie für die wissenschaftliche Gemeinschaft, sondern für ein breites Publikum. Nicht zuletzt deshalb gilt Buffons Histoire Naturelle als das am weitesten verbreitete Werk des 18. Jahrhunderts.

Für die Beschreibung und Klassifizierung der wilden und exotischen Tierarten hatte Buffon oftmals keine lebenden Tiere zu Hand und war auf die Berichte von Reisenden angewiesen. Dies mag teilweise erklären, weshalb sich manche Darstellungen nicht mit der Vorstellung decken, die wir heute von diesen Tieren haben. Sehr deutlich zeigt sich dies etwa beim obigen “Jocko”, auch “kleiner Orang-Utan” genannt. Das Äffchen sieht sehr menschlich aus, fast so, als hätte sich Buffon nicht getraut, es gänzlich dem Tierreich zuzuordnen.

Buffon differenzierte zwischen dem kleinen Orang Utan (Jocko) und dem grossen Orang Utan (Pongo). Erst der spätere Prozess der Entdeckungen zeigte, dass es insgesamt vier Gattungen von Menschenaffen (Anthropoiden) gibt. Zum einen sind das die zwei in Ostasien heimischen Arten des Gibbon (von Buffon als “Jocko” bezeichnet) und des Orang Utan. Zum anderen gibt es die zwei westafrikanischen Arten Schimpanse und Gorilla. Auch der Mensch gehört bereits seit Linné zur Familie der Menschenaffen.

Links:

Buffons Histoire Naturelle ist online bei Gallica (Ausgabe Paris 1749-1789, leider kein permanenter Link vorhanden).

Einzelne Bilder aus der Histoire Naturelle sind in E-Pics Alte Drucke abrufbar.

Die Histoire Naturelle ist im elektronischen Bibliothekskatalog NEBIS bestellbar und kann im Lesesaal der Spezialsammlungen konsultiert werden.

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