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25.06.2010

Die 64er-Unruhen an der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Wirtschaft, Recht und Politik — Tags: — Christian John Huber @ 9:00

ETH-Bibliothek, Archive, SR2: 1864. Offizieller Bericht des Schweizerischen Schulrathes an das Schweizerische Departement des Innern über die Vorfälle am Eidgenössischen Polytechnikum vom 1. August 1864, S. 53.

 

Vom Anschlagbrett heruntergerissene Hausordnungen, mutmasslich beschädigte Inneneinrichtungen, gegen die Obrigkeit gerichtete Graffitis, Studentenversammlungen, Sit-ins während Vorlesungen, kollektiver inszenierter Massen-Austritt von Studierenden. Was nach Studentenrevolte 1968 klingt, sind in Wirklichkeit Vorgänge am Eidgenössischen Polytechnikum (heute ETH Zürich) aus dem Jahre 1864.

In jenem Jahr zogen die Schüler des 1855 gegründeten Polytechnikums in das neue Sempergebäude. Zuvor waren sie in über die Stadt verteilten provisorischen Hörsälen unterrichtet worden. Die Überwachungsmöglichkeiten durch Schulleitung und Lehrerschaft stiegen schlagartig an. Zudem wurde der eine Flügel des Gebäudes von der Universität Zürich genutzt, deren Studenten von den Schülern des Poly um ihre akademischen Freiheiten beneidet wurden.

Auslöser der Eskalation war ein Aushang des Direktors, Pompejus Alexander Bolley, mit dem er die Studentenschaft nach zahlreicher Beschädigungen an der neuen Einrichtung zur Ordnung gemahnte. Der Aushang wurde abgerissen. Danach platzierte Bolley den Aushang im Glaskasten, aber auch dieser wurde bei einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Glaskasten entfernt. Verhandlungen mit einer Studentendelegation wurden aufgenommen und wieder abgebrochen. Der Direktor des Polytechnikums drohte den Studierenden mit Ausschluss. Endlich erkannte der Schulratspräsident die Notwendigkeit eine Gesamtkonferenz der Professorenschaft einzuberufen. Die Unruhen gipfelten in der Drohung rund der Hälfte der Studenten, sie würden aus der Schule austreten, falls Bolley nicht von seinem Direktorenamt zurücktrete. Der Schulrat konterte mit dem Argument, ein Kollektivaustritt werde nicht anerkannt und auch der individuelle Austritt bedürfe der Zustimmung der Eltern. Dennoch reichten laut der Online-Festschrift ETHistory 325 Studenten ihre Exmatrikulation ein und feierten sie mit einem Auszug aus Zürich per Schiff nach Rapperswil.

Der Schweizerische Schulrat sah sich gezwungen, die Lage in einem “Bericht an das schweizerische Departement des Innern über die Vorfälle am Eidgenössischen Polytechnikum” zu erklären.

Links:

Andrea Westermann. Berufliche Sicherheit oder Persönlichkeitsbildung? „Studienfreiheit” im 19. Jahrhundert: http://www.ethistory.ethz.ch/besichtigungen/touren/vitrinen/studieren/vitrine32

Schulratsprotokolle online: http://www.sr.ethbib.ethz.ch/digbib/view?did=c1:18855&p=54

18.06.2010

Port Elizabeth: Das zweite Spiel für die Schweiz

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Tags: — Carol Ribi @ 8:05

Ausschnitt aus der Karte “Port Elizabeth Streetplan 1:21 000″ (1991)

Port Elizabeth ist eine am Indischen Ozean gelegene Stadt Südafrikas. Sie befindet sich 770 Kilometer östlich von Kapstadt. Bekannt ist die Stadt vor allem für ihre weitläufigen weissen Sandstrände, den grossen Handels-Hafen und die prosperierende Autoindustrie.

Das neue Wahrzeichen der Stadt ist das architektonisch herausragende Fussballstadion Nelson-Mandela-Bay, welches anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika erbaut wurde. Das Architektenbüro Gerkan-Marg aus Hamburg hat das Stadion konzipiert. Es befindet sich am North End Lake inmitten des Prince Alfreds Park und beherbergte das Spiel Schweiz-gegen-Chile am 21. Juni.

Auf der obigen Karte sieht man die Stadtansicht noch vor dem Bau des Stadions. Der Prince Alfreds Park neben dem North End Lake ist noch unbebaut. Die grau eingefärbten Siedlungen markieren das Industriegebiet von Port Elizabeth: Im Norden befinden sich viele Fabrikanlagen und Hafendepots.

Die Karte gibt ausserdem Auskunft über verschiedene touristische Sehenswürdigkeiten sowie wichtige öffentliche Einrichtungen. Auf der Kartenrückseite befindet sich ein Strassen- und Vorstatdverzeichnis. Herausgegeben wurde die Karte 1991 vom Map Studio Johannesburg. In der Kartensammlung der ETH-Bibliothek ist sie unter der Signatur K 610 827 zu finden.

11.06.2010

Gletscher – die Landschaftsbildner

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geologie,Naturwissenschaften — Tags: — Heike Hartmann @ 8:00

Gletschertisch, Glaziologische Kommission der SANW (Hs 1458 GK: B000-0000-04)

Gletscher sind und waren bedeutende Landschaftsformer, was man im Alpenraum mit einem Blick auf die Landkarte noch heute erkennen kann. Sind doch die grössten Seen, wie beispielsweise der Bodensee und der Zürichsee im Alpengebiet durch Gletscher entstanden.

Nicht nur die Seen sind Relikte der längst vergangenen Eiszeiten, sondern auch an dem Verlauf der Täler kann man die Fliessrichtung der eiszeitlichen Gletscher erkennen.

Weitere Vermächtnisse der Gletscher sind Findlinge, die man in ehemaligen Gletschergebieten sehen kann. Ein Beispiel dafür ist der Pflugstein in Herrliberg (ZH).

Ein weiteres Phänomen ist der Gletschertisch, dies ist ein einzelner Steinblock, der einen Eissockel krönt. So ist das Gletschereis an dieser Stelle vor der Sonne geschützt und bleibt länger gefroren. Hat sich die restliche Gletscheroberfläche zurückgezogen bleibt die Steinplatte in der Form eines Tisches stehen.

Ein schönes Bild eines Gletschertisches befindet sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek. Diese malerische Aufnahme ist von der Glaziologischen Kommission der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften (SANW).

Das Bildarchiv der ETH-Bibliothek besitzt weitere faszinierende Landschaftsbilder aus der Schweiz und weltweit.

Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online

04.06.2010

Jean-Baptiste de la Chapelle, Traité de la construction théorique et pratique du scaphandre, ou du bateau de l’homme, Paris 1775

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Physik — Tags: — Meda Diana Hotea @ 6:00

Falttafel mit Details und einigen Beispielen zur praktischen Anwendung des scaphandre

Der Prior Jean-Baptiste de la Chapelle (1710-1792), französischer Mathematiker und begeisterter Erfinder, machte sich in einem ganz speziellen Bereich der Meereswissenschaften einen Namen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wiederholte er Forschungen auf dem Gebiete des Tauchens. Sein berühmtester Vordenker war Leonardo da Vinci mit der Erfindung eines Taucheranzugs. An diesen anknüpfend hatten im 16. Jahrhundert Wissenschaftler wie Everard Digby oder Nicolas Wynman ohne Erfolg versucht, diese Ausrüstung weiter zu entwickeln.

Jean-Baptiste de la Chapelle testete seinen neu konzipierten Taucheranzug erstmals 1765 mit grossem Erfolg in der Seine und teilte dann die Resultate der Londoner Royal Society mit, welcher er seit 1747 angehörte.

Nach seiner Vorstellung sollten mit dieser Ausstattung im oder unter dem Wasser die unterschiedlichsten Tätigkeiten verrichtet werden können:

… permet de faire à la nage toutes sortes de manoeuvres comme de manger, boire, lire, écrire, combattre, charger le fusil ou le pistolet, tirer, chasser, pêcher, se sauver des naufrages, sans jamais pouvoir couler au fond, calfater un vaisseau en pleine mer, ou l’y radouber, faire passer à un corps de troupes, sans ponts, sans bateaux, sans randeaux & surtout sans bruit, les plus grands fleuves et les plus rapides, lui faciliter une descente par mer, sur une côte ou sur une terre…

Die interessanteste Nutzung, die der Erfinder für sein neues Gerät vorsah, war wohl die Verwendung als Badeanzug für Frauen. Diese heute sonderbar anmutende Idee resultiert aus den Sitten der Zeit, als man unbekleidet schwimmen ging, was aus diesem Grunde den Frauen verboten war. Nach La Chapelles Meinung hätte dieser „Schwimmanzug” den Frauen die „natürliche Freiheit” des Badens in öffentlichen Gewässern zurückgegeben.

Selbst die gründlich misslungene zweite Demonstration von 1768 in Anwesenheit des französischen Königs Louis XV entmutigte Jean-Baptiste de la Chapelle nicht, und er publizierte 1775 die erste Auflage seines Traité de la construction théorique et pratique du scaphandre, ou du bateau de l’homme. Seiner technischen Errungenschaft war kein weiterer Grosserfolg beschieden, jedoch gelang dem Erfinder auf dem Gebiet der Etymologie eine neue Wortschöpfung. Der aus den griechischen Wörtern skaphe (Boot, Schiff) und andros (Mann, Mensch) zusammengesetzte Begriff hat bis heute im Französischen (scaphandre) und Italienischen (scafandro) als Bezeichnung für den Taucheranzug überlebt.

Links:

La Chapelle, Traité  in NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=004288317

Informationen zu La Chapelles Leben und Werk in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Baptiste_de_La_Chapelle

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