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31.05.2010

110 Jahre Mammut von Niederweningen

  

Ausschnitt der Falttafel “Der Mammutfund von Niederweningen” in: Arnold Lang, Geschichte der Mammutfunde, Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich auf das Jahr 1892

Im Sommer 1890 beutete die Schweizerische Nordostbahn [...] ein in Niederweningen gelegenes Stück Land als Materialgrube aus. Dieses Stück Land liegt an dem Wege, welcher vom Gasthaus zum Löwen [...] in Niederweningen zum oberen Dorfe, wo die Dorfkirche steht, in sanfter Steigung gegen die Lägern emporsteigt, etwa drei Minuten von dem erwähnten Gasthause entfernt, auf der linken Seite des Weges. Schon Mitte Juli stiessen die Arbeiter bei der Ausbeutung der Materialgrube auf grosse Knochen, und von da an wiederholten sich solche Funde täglich. Sie wurden einstweilen im Gasthof zum Löwen deponirt.

Arnold Lang, Professor für Zoologie am Eidgenössischen Polytechnikum und an der Universität Zürich, von dem die exakte Lagebeschreibung stammt, wurde erst anfangs August telegraphisch über die Knochenfunde informiert und überzeugte sich leicht verspätet vor Ort, dass es sich keineswegs um einen alkoholisierten Scherz der Gasthausgäste handelte. Schon kurz darauf leitete er die nun systematischen Ausgrabungen, die auch im folgenden Jahr andauerten. Als wertvollster Fund wurden Knochen eines jungen Mammuts geborgen nebst zahlreichen Überresten von erwachsenen Tieren. Aus diesen liess Lang in den geologischen Sammlungen des Polytechnikums ein zwar unvollständiges, aber dennoch imposantes Skelett zusammenstellen. Ab 1914 sollte es im Zoologischen Museum des neu erbauten Universitätsgebäudes bis heute das Publikum beeindrucken. 

Zusammen mit seinen Kollegen Albert Heim, Geologieprofessor an beiden Zürcher Hochschulen, der die geologischen Verhältnisse der Grabungsstätte begutachtete, und Carl Schröter, Professor für Botanik am Polytechnikum, der die pflanzlichen Überreste im Torf der Fundschicht bestimmte, präsentierte er die Untersuchungen der sensationellen Endeckung 1892 im Neujahrsblatt der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft.

Für die Druckvorlage der beigebundenen Falttafel zur Veranschaulichung der schriftlichen Ergebnisse zeichnete Lang persönlich die Figuren des rekonstruierten Skelettes, eines Unterkiefers und der Knochen des Jungtieres sowie das mögliche äussere Erscheinungsbild eines Mammuts. Dabei legte er Wert auf die saubere Unterscheidung zwischen originalem Material und zeitgenössischen Ergänzungen: Beim Skelett sind die Knochen naturgetreu und mit plastischen Schattierungen ausgeführt, während die fehlenden ergänzten Teile der Hinterbeine, des Beckens und der Vorderfüsse als hell belassene Umrisse kontrastieren. Grössenangaben komplettieren die wissenschaftliche visuelle Darstellung.

Auf der Originalvorlage, die an der ETH-Bibliothek in den Archiven und Nachlässen aufbewahrt wird, ist als Zeichner der kleinformatigen pflanzlichen Überreste “Schröter” vermerkt. Damit bleibt im Dunkeln, ob Ludwig Schröter, wissenschaftlicher Zeichner und jüngerer Bruder des Botanikprofessors, am Werk war oder ob der ebenfalls talentierte Carl Schröter es sich nicht nehmen liess, bei diesem aufsehenerregenden Fund selber Hand anzulegen.

Links:

Biografien von Albert Heim ,  Arnold Lang  und Carl Schröter 

Arnold Lang, Geschichte der Mammutfunde – Ein Stück Geschichte der Paläontologie  nebst einem Bericht über den schweizerischen Mammutfund in Niederweningen 1890/1891. Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft auf das Jahr 1892. XCIV, Zürich 1892

28.05.2010

Glow with the flow: William Hamiltons Campi Phlegraei (Neapel 1776-1779)

Filed under: Alte Drucke,Geographie und Karten,Geologie,Geschichte — Tags: , — Roland Lüthi @ 13:47

Karte des Golfs von Neapel mit Campi Phlegraei und Vesuv

Supplement, Tafel 9: Eruption des Vesuvs vom 22. September 1822

Teil 2, Tafel 12: Eruption des Vesuvs vom 23. Dezember 1760

Teil 2, Tafel 53: Vulkangestein, Solfatara

Teil 2, Tafel 54: Vulkangestein, Vesuv

Teil 2, Tafel 37: Eruption des Stromboli

Sir William Hamilton (1730-1803) war als britischer Diplomat am Hof des Königreichs Neapel ideal platziert, um die Vulkane der Region zu studieren. Mehrfach bestieg er den Vesuv und war Zeuge der heftigen und gefährlichen Ausbrüche der Zeit. Um seine Beobachtungen in Bildern festzuhalten, liess er sich auf seinen Exkursionen durch den Neapolitaner Künstler Peter Fabris begleiten. Dieser fertigte Skizzen der Vulkanlandschaften und geologische Studien an. 1776 publizierte Fabris eine erste Reihe von Kupferstichen mit Landschaften, Eruptionen, Vulkangestein und Lavaproben. Drei Jahre später folgte ein Supplement, das den Ausbruch des Vesuvs im August 1779 zeigt. Die Stiche wurden von lokalen Künstlern in leuchtenden Farben handkoloriert. Die Texte schliessen Hamiltons Serie von Briefen an die Royal Society mit ein, in denen er über die Ausbrüche berichtet. Campi Phlegraei ist somit eine prachtvolle Verbindung von Kunst und Wissenschaft.

Links:

Unsere Ausgabe der Campi Phlegraei ist für die Ausleihe gesperrt. Eine weitere Erstausgabe kann jedoch online konsultiert werden bei Claremont Colleges Digital Libraries: http://ccdl.libraries.claremont.edu/collection.php?alias=cpo

Literaturhinweis zu William Hamilton:

Susan Sontag: The Volcano Lover: A Romance

21.05.2010

Das Mississippi-Delta und sein Ökosystem

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Carol Ribi @ 8:04

Ausschnitt aus der Karte “Ecoregions of the Mississippi Alluvial Plain” (2004)

Der Fluss Mississippi ist nicht nur einer der längsten Flüsse der Welt, sondern besitzt auch ein imposantes Mündungs-Delta von 28‘600 km². Der Strom mündet im Süden des Bundesstaates Louisiana in den Golf von Mexiko.

Der  Mississippi River hat über Jahrtausende hinweg die Küstenlandschaft geformt: Mittels Ablagerungen des mitgeführten Sedimentmaterials entstanden Binnenseen, Meeresengen, Inseln, Sumpflandschaften und Feuchtgebiete. Neben natürlichen Kanälen und Flussufern, findet man auch aufgeschüttete Sandufer und künstlich angelegte Kanäle für die Schifffahrt.

Mehr als 80% der Fläche sind Wasser und die restlichen 17% sind festes Land. Sedimentmaterial wird von den Meeresströmungen schneller abgetragen als vom Fluss abgelagert werden kann. Das liegt daran, dass das Delta bis an den Rand des Festlandsockels (Schelfkante) reicht. Die Schelfkante ist ein stark abfallender Kontinentalhang, der die Grenze zwischen Flachmeer und Tiefsee bildet.

In den meeresnahen Gebieten überwiegen Salzsümpfe, die zum Teil von Mangrovenwäldern bewachsen werden. Mangrovenwälder bestehen aus Bäumen und Sträuchern verschiedener Pflanzenfamilien mit fast 70 Arten, die sich an die Lebensbedingungen der Meeresküsten und brackigen Flussmündungen angepasst haben. Mangroven sind eines der produktivsten Ökosysteme der Erde. Sie beherbergen viele verschiedene Arten von Tieren und schützen die Küste vor Erosion und Stürmen.

Das Ölunglück vom 20. April im Golf von Mexiko ereignete sich unweit des Mississippi-Deltas. Derzeit kämpfen Naturschützer und Ingenieure gegen die Ölpest. Es ist mit weitreichenden Folgen für die Region zu rechnen. Das Ökosystem der Mangrovenwälder und der Tiefsee werden sich nur langsam erholen können.

Die Karte ist unter der Signatur K P 174 026: 6 in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek zu finden.

14.05.2010

Biologie an der ETH Zürich

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Botanik — Tags: — Heike Hartmann @ 7:00

Gentiana alpina: Grat zwischen Camoghé und Garzirola, ca. 2050 m (Dia 282: 7411) 

 

Kaffee. Coffea-Arten. [...] Coffea robusta [...] Soerabaja (Dia 249: Gs 235)

 

Java, im Stützwurzelwald der “Waringins” (Ficus benjamin) im bot. Garten v. Buitenzorg mit C.S. [Carl Schröter] (Hs 1360: 1321)

Im Jahr 1866 wurde die Abteilung für Naturwissenschaften an der ETH Zürich gegründet, die anfänglich den Auftrag einer Fachlehrerausbildung hatte. Später, 1932, bestand die Abteilung Naturwissenschaften aus den Bereichen Biologie, Molekularwissenschaften und Umweltphysik sowie Erdwissenschaten. Zu den klassischen Disziplinen der Biologie zählten die Botanik und die Zoologie.

Bis ins Jahr 1937 hatten die ETH Zürich und die Universität Zürich ein Übereinkommen, dass die Zoologie an der Universität gelehrt wird und die Botanik an der ETH.

Nachdem diese Vereinbarung aufgehoben wurde entstand auch ein Institut für Zoologie an der ETH Zürich. Dieses wurde allerdings 1977 wieder aufgehoben, was für die Lehre in den zoologischen Grundlagen gravierende Folgen hatte.

Dahingegen entstanden in den 60er und 70er Jahren zahlreiche biologische Institute na der ETH Zürich, die sich immer wieder anpassten und veränderten. Heute  besteht das Departement Biologie aus  zehn Instituten und Gruppen, darunter auch die Pflanzenwissenschaften.

Zu den bekanntesten Botanikern, aus der Anfangszeit des Bereichs Biologie an der ETH Zürich gehören sicherlich Oswald Heer (1809 -1883), Karl Schröter (1855 – 1939) und Albert Frey-Wyssling (1900 – 1988).

Das  Jahr 2010 wurde von der UNO zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt oder auch Biodiversität ernannt, was den aktuellen Anlass gibt, um einige schöne Pflanzenbilder vorzustellen, die aus Nachlässen von Karl Schröter, Albert Frey-Wyssling und aus dem Geobotanischen Institut / Stiftung Rübel  zum Bildarchiv der ETH-Bibliothek gekommen sind.

Das erste Bild aus dem Bestand des Geobotanischen Institut  / Stiftung Rübel  zeigt ein Alpen-Enzian. Dieses Dia wurde im Juli 1951 im Tessin gemacht. Ein zoombares Bild befindet sich im BildarchivOnline.

Auf dem zweiten Bild, aus dem Bestand von Frey-Wyssling, sieht man eine Kaffeepflanze. Dieses Dia ist handkoloriert und entstand im Zuge einer Reise zwischen 1926 und 1932 von Frey-Wyssling auf Java. Ein zoombares Bild befindet sich im BildarchivOnline.

Das dritte Bild zeigt Kar Schröter in einem Stützwurzelwald. Diese Fotografie entstand während seiner Weltreise 1898 – 1899 auf der Insel Java. Ein zoombares Bild befindet sich im BildarchivOnline.

Abendführung:

Flora und Fauna – Biologie an der ETH
ETH-Bibliothek/Archive und Nachlässe
Dienstag, 18. Mai 2010, 18.15 – 19.15 Uhr
Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Lesesaal Spezialsammlungen
Keine Anmeldung erforderlich

07.05.2010

Strahlend blau wie ein Saphir – Der Swimming Pool Reaktor in Würenlingen

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Physik — Tags: , — Christian John Huber @ 9:11

ETH-Bibliothek, Archive, ARK-NA-Zü:1.9. Fotoalbum des Direktors des EIR, Werner Zünti, zum Abschied, 30.03.1973.

„The United States would seek more than the mere reduction or elimination of atomic materials for military purposes. It is not enough to take this weapon out of the hands of the soldiers. It must be put into the hands of those who will know how to strip its military casing and adapt it to the arts of peace.”

Mit seiner Rede “Atoms for Peace” vom 8. Dezember 1953 vor der UN-Vollversammlung hatte der amerikanische Präsident, Dwight D. Eisenhower, die weltweite Verbreitung amerikanischen Wissens über die zivile Nutzung der Atomenergie zum Ziel. Die UN begrüsste den Vorstoss der USA und die Vollversammlung beschloss in Genf eine Veranstaltung durchzuführen, welche unter Eisenhowers Motto stehen sollte.

Die „Atoms for Peace” Konferenz fand vom 8. bis 20. August 1955 statt. Schweizer Industrielle hatten in Zusammenarbeit mit der Forschung im März desselben Jahres die Reaktor AG gegründet. Sie bezweckte in erster Linie den „Bau und Betrieb von Versuchsreaktoren zur Schaffung wissenschaftlicher und technischer Grundlagen für die Konstruktion und den Betrieb industriell verwendbarer Reaktoren, die der Gewinnung von Energie dienen” (ETH-Bibliothek, Archive, ARK-NA-Bo:1.3. Statuten der Reaktor AG, 1.3.1955). Die Schweizer Delegation an der Genfer Konferenz zeigte sich angesichts des hohen technischen Niveaus der Forschung überrascht und musste eingestehen, dass die eigenen Reaktorpläne bereits technisch überholt waren.

Die Hauptattraktion der Genfer Konferenz war ein von den US-Amerikanern eingeflogener und betriebener Versuchsreaktor. Paul Scherrer, der Doyen der schweizerischen Nuklearforschung, und BBC-Präsident Walter Boveri handelten im Geheimen mit den Amerikanern den Kauf des Versuchsreaktors für die Reaktor AG aus. Der Vorschlag kam den US-Wissenschaftlern gerade recht, denn ihnen war nicht klar, wie der nun verseuchte Reaktor wieder sicher zurück in die USA hätte transportiert werden sollen.

Der blau schimmernde Swimming Pool Reaktor erhielt den Namen SAPHIR und kam in der Nähe von Würenlingen zu stehen. Die Reaktor AG ging 1960 an den Bund über und wurde zum EIR (Eidgenössisches Institut für Reaktorforschung) eine Annexanstalt der ETH. 1988 fusionierte das EIR mit dem SIN (Schweizerisches Institut für Nuklearphysik) zum PSI (Paul Scherrer Institut). Der Reaktor SAPHIR wurde im Dezember 1993 abgeschaltet. Das Bild entstammt einem Fotoalbum, das dem scheidenden Direktor des EIR Werner Zünti 1973 zum Abschied geschenkt wurde.

Literatur:

Tobias Wildi. Der Traum vom eigenen Reaktor: Die schweizerische Atomtechnologieentwicklung 1945-1969. Zürich 2003.

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