Logo Ethbib Spezialsammlungen Digital

19.02.2010

Disjecta membra: Julius Schusters Faksimileausgabe von Goethes Beiträgen zur Optik (1928)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Physik — Tags: — Roland Lüthi @ 15:26

Erstes Stück, Zweites Stück und Etui mit Karten zu Goethes Beiträgen zur Optik (Faksimile)

 

Grosse Tafel zu Goethes Beiträgen zur Optik (Faksimile)

Die von Goethe 1791/92 erstmals herausgegebenen Beiträge zur Optik wurden 1928 vom Deutschen Wissenschaftshistoriker Julius Schuster (1886-1949) neu aufgelegt. Das Werk besteht aus vier Teilen: zwei gebundenen Büchlein mit dem eigentlichen Text (“Erstes Stück” und “Zweites Stück”), einem Etui mit 27 Karten, sowie einer grossen chromatischen Tafel von 38×35 cm. Hinzu kommen in der Faksimileausgabe noch ein Nachwort des Herausgebers und eine Broschüre mit Ausführungen zur grossen Tafel. Darin äussert sich Schuster über den etwas unglücklichen Umstand, dass die Einzelteile von Text, Spielkarten und chromatischem Tableau von vornherein als einzelne Teile in den Verkauf gelangten, anstatt in einem einheitlichen Behältnis. Das hatte dann auch zur Folge, dass Teile verloren gingen und die grosse Tafel zum Zeitpunkt der Herstellung von Schusters Faksimile kaum mehr auffindbar war. Glücklicherweise konnte in der Landesbibliothek Stuttgart noch ein Exemplar gefunden werden, welches für das Faksimile originalgetreu nachgebildet wurde.

Goethe selbst meinte zu seiner grossen Tafel:

Da ich in dem Wahn stand, denen, die sich mit Naturwissenschaften abgeben, sei es um die Phänomene zu tun, so gesellte ich wie zum ersten Stücke meiner Beiträge ein Paket Karten, so zum zweiten eine Folio-Tafel, auf welcher alle Fälle von hellen, dunklen und farbigen Flächen und Bildern dergestalt angebracht waren, dass man sie nur vor sich hinstellen, durch ein Prisma betrachten durfte, um alles wovon in dem Hefte die Rede war, sogleich gewahr zu werden. Allein diese Vorsorge war gerade der Sache hinderlich [...] denn diese Tafel, vielmehr noch als die Karten, war unbequem zu packen und zu versenden, so dass selbst einige aufmerksam gewordene Liebhaber sich beklagten, die Beiträge nebst dem Apparat durch den Buchhandel nicht erhalten zu können.

Offenkundig befand sich Goethe in einem Dilemma. Um seine sinnesorientierte Farbtheorie zu stützen, wollte er ein Instrumentarium mitliefern, das die Theorie für den Leser erfahrbar machte. Fehlten einzelne Teile daraus, war seine Theorie jedoch nicht mehr nachvollziehbar.

Link:

Goethes Beiträge zur Optik im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002295866

 

12.02.2010

Sebastian Münster, Cosmographia (Basel, 1544)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten — Tags: — Meda Diana Hotea @ 7:00

Tafel 8: Die erst tafel des Rheinstroms/ in der vergriffen wirt die Eidgenossenschaft/das Elsass und Brisgoew

Sebastian Münster (1488-1552), der deutsche Theologe und Humanist veröffentliche 1544 nach 18jähriger Arbeit  mit seiner Cosmographia ein monumentales Renaissance-Werk. Er hatte dazu die verschiedensten Quellen benutzt; einerseits waren dies griechische und lateinische Autoren wie Herodot, Strabo und Titus Livius, anderseits italienische, deutsche und Schweizer Historiker wie Marcantonio Sabellico, Beatus Rhenanus, und Aegidius Tschudi. Ebenso holte Münster seine Informationen vor Ort ein und sammelte Augenzeugenberichte, die er wie historische Tatsachen behandelte.

Die Cosmographia war ein grosser Erfolg. Die erste Übersetzung in die lateinische Sprache von 1550 gilt als die vollständigste und hat heute grossen Seltenheitswert. Von 1552 bis 1558 folgten Übersetzungen ins Französische, Englische, Tschechische und Italienische. Das Werk galt als die modernste und vollständigste enzyklopädische Abhandlung der Zeit und erreichte in den folgenden 84 Jahren noch über 35 Auflagen.

Ungefähr die Hälfte der Cosmographia ist germanischen Völkern gewidmet, unter denen die Schweizer einen besonderen Platz einnehmen. Sebastian Münster befasste sich speziell mit der lokalen Geographie und Geschichte, bezog aber auch volkskundliche und anthropologische Aspekte mit ein.

Die Biographen bezeichnen Münster als Pionier auf dem Gebiet der Anthropologie, denn er beschrieb Sitten und Bräuche, Kleidung, Ernährungs- und Verhaltensweisen, sowie die Charaktere der Einwohner verschiedener Länder und verglich diese miteinander.

In der Cosmographia bezieht sich Münster eher beiläufig auf die Alpen, deren Grösse ihn nach einer Reise in den Kanton Wallis und einer Bergwanderung sehr beeindruckt hatte. Münster arbeitet einen Zusammenhang zwischen der Natur  und dem Charakter der Bergbevölkerung heraus. So schildert er die Schweizer dem steilen, kalten und beinahe vegetationslosen Gebirge entsprechend als ernsthaftes, mutiges Volk, welches um seine Rechte und Freiheiten kämpft. Diese Sicht kommt auch in der Beschreibung der Geburt der Eidgenossenschaft zum Ausdruck, wo Münster aufzeigt, wie sich die  Schweizer ihre Unabhängigkeit vom „Römischen Reich Deutscher Nationen” erkämpft hatten.

Links:

Die obige Karte kann in E-Pics Alte Drucke näher betrachtet werden: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?&id=Rar5716_TAF8.tif&view=preview

Münsters Cosmographia im online-Katalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=002318818

Literatur zu Sebastian Münsters Leben und Werk: 

Matthew McLean, The Cosmographia of Sebastian Münster: describing the world in the Reformation

Jean Bergevin, Déterminisme et géographie: Hérodote, Strabon, Albert le Grand et Sebastian Münster

Rudolf Mumenthaler, Wolfram Neubauer, Margit Unser: Die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, Buchschätze der ETH-Bibliothek aus vier Jahrhunderten

05.02.2010

Johann Georg Gichtel: Von den drei Prinzipien und Welten im Menschen (S.I., 1736)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Philosophie, Theologie — Tags: — Roland Lüthi @ 7:00

Tafel 1, Theosophia Practica

Der deutsche Advokat, Mystiker und Spiritualist Johann Georg Gichtel (1638-1710) ist in erster Linie als Herausgeber der Werke Jakob Böhmes bekannt. Seine eigene Position ging dann aber weit über diejenige Böhmes hinaus, indem sich Gichtel der “völligen Ertödtung des Fleisches” und des Kampfs gegen Satan verschrieb. Zentral für Gichtel war die Forderung nach strikter Ehelosigkeit und seine wenigen Anhänger wurden deshalb nach Matthäus 22,30 auch “Engelsbrüder” genannt (“In der Auferstehung werden sie weder freien noch sich freien lassen, sondern sie sind wie die Engel Gottes im Himmel”). Anstelle der Ehe trat für die Gichtelianer die geistliche Ehe mit der himmlischen Jungfrau Sophia.

Gichtels Energiezentren des religiösen Menschen in der obigen Abbildung entsprechen weitgehend den sieben Chakras, die vor allem in Indien und bei den Hopis und Mayas bekannt sind. Ganz im Sinne seiner Lehre des sündhaften Fleisches belegt Gichtel die tieferliegenden Chakren mit negativen Bedeutungen: Das Wurzelchakra und das Sexualchakra fallen zusammen in einen Bereich der finsteren Welt, der dunklen Hölle der Triebe.

Links:

Zwei Tafeln aus dem Buch können in E-Pics näher betrachtet werden: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?&id=Rar8204_Taf1-2.tif&view=preview.

Gichtels Drei Prinzipien und Welten im Menschen im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002672447

Powered by WordPress