Die Postkartensammlung von Adolf Feller
Glacier de Fiesch. Fieschergletscher. Gelaufen am 25.7.1921. Neuchâtel (Fel_000620-AL-RE)
Die Postkartensammlung von Adolf Feller (1876-1931), Fabrikant elektrischer Apparate aus Horgen, umfasst knapp 54’000 Postkarten aus aller Welt. Nach Adolf Fellers Tod 1931 führte seine Tochter Elisabeth Feller die Sammlung bis in die 1970er-Jahre weiter. Die Mehrzahl der Postkarten wurden verschickt, insbesondere zwischen 1889 und 1954.
Die Postkartensammlung wurde komplett digitalisiert und ist nun im Bildarchiv Online frei zugänglich. Für Forschung, Lehre und privaten Gebrauch werden die Bilder in Bildschirmauflösung unter einer Creative Commons License kostenfrei zur Verfügung gestellt und können über Google Bilder recherchiert werden.
Für die Digitalisierung wurden die Postkarten beidseitig fotografiert und die Grussbotschaften transkribiert – so lädt die Sammlung ebenso zum Stöbern wie zum Forschen ein und bildet eine einzigartige kulturgeschichtliche Quellensammlung. So bilden sie die Blütezeit der alpinen Grand Hotels während der Belle Époque ab und bereichern damit die aktuelle Diskussion um neue Grossprojekte und die Landschaftsentwertung in den Alpen. Sie bezeugen einen Wandel von Sehenswürdigkeiten im Lauf der Zeit und portraitieren Baustile. Sie sind Zeitdokumente, auch in Inhalt und Sprache der Grussbotschaften. Mehr noch als Fotos transportieren sie in den miterzählten Bildinhalten einen Zeitgeist mit der jeweiligen Orientierung am Schönen: aktuelle Automodelle, Moden in Bekleidung und Inneneinrichtung.
Dass die Mehrzahl der Postkarten tatsächlich verschickt wurde – 35 000 davon an den Sammler selber, öffnet eine weitere Forschungsdimension: auch die Briefmarken lassen ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden und bieten Philatelisten umfangreiches Studienmaterial. Die rund 30’000 Postkarten mit Schweizer Motiven wurden nach landschaftsplanerischen Kriterien katalogisiert und dokumentieren die Schweizer Siedlungs- und Landschaftsentwicklung.
Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online, das niedrigaufgelöste Bild mit einer Creative-Commons-Lizenz befindet sich in Google Bilder.

Wie kommt denn die scannende Institution darauf, dass sie hier irgendwelche Bildrechte vergeben kann?
Die Urheberrechte der Fotografien/Zeichnungen und auch der Grußtexte dürften teils noch nicht abgelaufen sein, dann gehören die Rechte aber den Fotografen/Autoren bzw. deren Erben, nicht dem Eigentümer der Karten oder des Scanners. Dass die ETH den tausenden von Urheber-Erben die entsprechenden Rechte für 35.000 Karten abgekauft hat, nehme ich mal getrost als höchst unwahrscheinlich und nicht durchführbar an. Die Karten werden also mit kalkulierter Rechtsverletzung ins Netz gestellt. Das ist grundsätzlich sympathisch (es wird sich erfahrungsgemäß ohnehin kaum jemand mit solchen Rechten melden oder gar Löschung und/oder Honorierung verlangen), durch die in der CC-BY-Lizenz enthaltene angebliche Urheberschaft der ETH wird daraus aber eine moralisch unredliche und zudem illegale Anmaßung. Man soll gewzungen werden, eine Karte als “by ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv” zu bezeichnen, was sie schlicht und ergreifend nicht ist.
Für die vielen Karten, deren Urheberrechte als anonyme Werke (nicht genannter und auch nicht auffindbarer Urheber) oder vor 1940 verstorbener Urheber schon gemeinfrei sind, ist das Problem letztlich gleich: die Anmaßung von Rechten durch Besitzer und Scanner ist illegal und nichtig. Und das ist auch gut so.
Die Lizenz lässt sich daher getrost übergehen, die Bilder können selbstverständlich auch ohne diese kleingeistigen Unfug genutzt werden, und zwar privat wie kommerziell.
Comment by AndreasP — 08.02.2010 @ 20:10