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29.01.2010

Pilanesberg: Ein südafrikanisches Reservat der geologischen und menschlichen Frühgeschichte

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Geologie,Kartensammlung — Carol Ribi @ 7:35

 Geological Map of the Union of South Africa 1:148 752, Bl. 12, Pretoria (1907)

Nördlich der berühmten Vergnügungsstätte Südafrikas „Sun City” liegt von drei niederen Bergketten umschlossen der Nationalpark Pilanesberg - eine wahre Schatzgrube der Natur und menschlichen Kultur! Grasland, Felsen wechseln sich mit Feuchtgebieten und Seen ab. Die Landschaft ist durch verschlungene Felsschluchten, sanft geschwungene Hügel und in der Mitte durch einen gewaltigen See namens Mankwe geprägt. Dank der biotopischen Abgeschlossenheit der Landschaft haben sich eine Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten erhalten können.

Nicht nur für Biologen, sondern auch für Geologen und Archeologen ist dieser 1300 Millionen Jahre alte und mittlerweile erloschene Vulkankomplex hoch interessant. Er stellt geradezu eine Ausnahmeerscheinung dar: Spuren der geologischen sowie menschlichen Frühgeschichte sind hier erhalten geblieben. Seltene Mineralien und Gesteine sowie archeologische Fundgegenstände aus der Steinzeit zeigen wie wertvoll dieses Reservat ist.

Das oben gezeigte Bild ist ein Ausschnitt aus der Geologischen Karte der Südafrikanischen Union 1:148 752 aus dem Jahre 1907, Blatt Pilandsberg. Die Herausgeberschaft war das damalige „Department of mines and industries”. Es ist nicht von ungefähr, dass sich gerade die Fachstelle für Bergbau und Industrie für die geologische Beschreibung des Geländes interessierte. Geologische Karten sind immer auch wichtige Instrumente zur Auffindung von Rohstofflagern in den Gesteinsschichten.

Die Karte ist unter der Signatur: K P 207 076: 12 in der Kartensammlung zu finden und kann im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.

22.01.2010

Die Postkartensammlung von Adolf Feller

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Geographie und Karten — Nicole Graf @ 8:00

Glacier de Fiesch. Fieschergletscher. Gelaufen am 25.7.1921. Neuchâtel (Fel_000620-AL-RE)

Die Postkartensammlung von Adolf Feller (1876-1931), Fabrikant elektrischer Apparate aus Horgen, umfasst knapp 54’000 Postkarten aus aller Welt. Nach Adolf Fellers Tod 1931 führte seine Tochter Elisabeth Feller die Sammlung bis in die 1970er-Jahre weiter. Die Mehrzahl der Postkarten wurden verschickt, insbesondere zwischen 1889 und 1954.

Die Postkartensammlung wurde komplett digitalisiert und ist nun im Bildarchiv Online frei zugänglich. Für Forschung, Lehre und privaten Gebrauch werden die Bilder in Bildschirmauflösung unter einer Creative Commons License kostenfrei zur Verfügung gestellt und können über Google Bilder recherchiert werden.

Für die Digitalisierung wurden die Postkarten beidseitig fotografiert und die Grussbotschaften transkribiert – so lädt die Sammlung ebenso zum Stöbern wie zum Forschen ein und bildet eine einzigartige kulturgeschichtliche Quellensammlung. So bilden sie die Blütezeit der alpinen Grand Hotels während der Belle Époque ab und bereichern damit die aktuelle Diskussion um neue Grossprojekte und die Landschaftsentwertung in den Alpen. Sie bezeugen einen Wandel von Sehenswürdigkeiten im Lauf der Zeit und portraitieren Baustile. Sie sind Zeitdokumente, auch in Inhalt und Sprache der Grussbotschaften. Mehr noch als Fotos transportieren sie in den miterzählten Bildinhalten einen Zeitgeist mit der jeweiligen Orientierung am Schönen: aktuelle Automodelle, Moden in Bekleidung und Inneneinrichtung.

Dass die Mehrzahl der Postkarten tatsächlich verschickt wurde – 35 000 davon an den Sammler selber, öffnet eine weitere Forschungsdimension: auch die Briefmarken lassen ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden und bieten Philatelisten umfangreiches Studienmaterial. Die rund 30’000 Postkarten mit Schweizer Motiven wurden nach landschaftsplanerischen Kriterien katalogisiert und dokumentieren die Schweizer Siedlungs- und Landschaftsentwicklung.

Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online, das niedrigaufgelöste Bild mit einer Creative-Commons-Lizenz befindet sich in Google Bilder.

15.01.2010

Aegidius Tschudi, Chronicum Helveticum (Basel, 1734-1736)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geschichte — Meda Diana Hotea @ 7:06

Frontispiz des Basler Drucks von 1734-1736; Kupferstich mit allegorischer Darstellung, im Medaillon unten Stauffacher, Fürst und Melchthal beim Rütlischwur

 Titelblatt des Basler Drucks von 1734-1736

Viele Leute verbinden mit dem Gedanken an die Schweiz Wilhelm Tell, der zu einer Symbolfigur des Landes geworden ist. Die heute weltbekannte Sage, deren Entwicklung im 16. Jahrhundert ihren Anfang nahm, erfreute sich vor allem im 19. Jahrhundert grosser Beliebtheit.

Mit dem Chronicum Helveticum verfasste der Glarner Staatsmann und Gelehrte Aegidius Tschudi (1505-1572) eine ausführliche Abhandlung in deutscher Sprache über die Geschichte der Schweiz vom Jahr 1000 bis 1470. Sein zu Lebzeiten als Manuskript vollendetes und erst 1734-1736 im Druck erschienenes Werk machte ihn berühmt und fand grossen Anklang. Tschudi wurde mitunter sogar als der „Schweizer Herodot” bezeichnet. Er stellte die geschichtlichen Ereignisse seiner Zeit entsprechend sehr subjektiv dar, indem er „wenn nötig” historische Dokumente seinen politischen Ansichten entsprechend „anpasste”.  Auf diese Weise erweiterte Tschudi die Tell-Sage zur Gründungsgeschichte der Eidgenossenschaft.

Johann Wolfgang Goethe, der 1775, 1779 und 1797 die Schweiz bereiste, lernte hier die Tell-Sage kennen. Er ermunterte schliesslich seinen Dichterkollegen Friedrich Schiller, ein Stück über den Freiheitskämpfer  zu schreiben. 1804 erschien das Drama Wilhelm Tell, zu dem Schiller vor allem das Chronicum Helveticum als historische Quelle gedient hatte. Das literarische Meisterwerk wurde im Laufe der Zeit in über 30 Sprachen übersetzt und 1829 vom Komponisten Gioachino Rossini (1792-1868) in die gleichnamige Oper umgesetzt.

So fand die Geschichte von Tell und der Entstehung der Schweiz, wie sie Aegidius Tschudi in seinem Chronicum festschrieb, Eingang in Literatur und Musik und lebt bis heute auf der Bühne weiter.

Links:

Chronicon Helveticum: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=002361505

Informationen zu Aegidius Tschudi: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000522334

Informationen zur Sage von Wilhelm Tell: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000563704

08.01.2010

John Ruskin: The stones of Venice (London, 1898)

Filed under: Alte Drucke,Architektur,Bestände,Kunstgeschichte — Roland Lüthi @ 7:30

Band 2, Abbildung 35: The Orders of Venetian Arches

Der britische Schriftsteller, Maler, Kunsthistoriker und Sozialphilosoph John Ruskin (1819-1900) war der Überzeugung, dass man die Dinge am besten verstehen kann, indem man sie zeichnet. 1850 unternahm Ruskin zusammen mit seiner Frau Effie und seinem Assistenten John Hobbes eine Reise nach Venedig. Während Hobbes mit der kürzlich erfundenen Daguerrotypie experimentierte, verbrachte Ruskin viel Zeit damit, architektonische Details zu skizzieren. Diese Zeichnungen wurden zum Ausgangspunkt seines dreibändigen architekturtheoretischen Werks The Stones of Venice (Erstausgabe London 1851). Die Fülle der darin aufgezeichneten Details ist bis in die heutige Zeit für die Forschung relevant. Indem Ruskin die gotische Architektur – insbesondere den Dogenpalast – als Symbol einer idealen Gesellschaft lobte, übte er nicht nur Kritik an der Architektur der späten Renaissance und des Barock, sondern kritisierte auch die Ideale der Industrialisierung im viktorianischen England.

Der dritte Band von The Stones of Venice enthält den berühmten “Venetian Index”, in dem die wichtigen Gebäude in Venedig aufgeführt, beschrieben und bewertet sind. Manche Datierungen von Ruskin haben bis heute ihre Gültigkeit behalten und seine Klassifikation der venezianischen Bögen (siehe obige Abbildung) wird noch immer verwendet.

Links:

The stones of Venice im Bibliothekskatalog NEBIS. Die drei Bände sind online als PDF verfügbar:

Der “Venetian Index” ist hier online zu finden: www.jc-r.net/venezia/ruskin-venetian-index/indexd.html.

Einzelne Zeichnungen von John Ruskin finden sich in E-Pics Alte Drucke: http://ad.e-pics.ethz.ch/.

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