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18.12.2009

Albert Heim: An die Zeit (1880-1882)

Filed under: Archive und Nachlässe,Geologie,Naturwissenschaften — Tags: , — Yvonne Voegeli @ 7:00

Albert Heim, An die Zeit, undatiert (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 401:730)

Ein früh erwachtes Interesse an der Bergwelt hatte Albert Heim (1849 – 1937), Professor für technische und allgemeine Geologie am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich, in die Naturforschung geführt. Dabei kam ihm seine künstlerische Mehrfachbegabung zugute, das ausgeprägte zeichnerische Talent der graphischen Darstellung seiner Erkenntnisse, das bildnerische Können und handwerkliche Geschick der plastischen Veranschaulichung in Landschaftsreliefs. Über nüchterne Wissenschaftsprosa hinaus gestaltete er als Lyriker sein persönliches Empfinden in Gedichten.

In den nachgelassenen Schriften haben sich auf verschiedenen Notizzetteln, Visiten- und Grusskarten vier Fassungen des Textes An die Zeit aus den Jahren 1880 bis 1882 erhalten. Darin fügt Heim den modernen Wissensstand über Kosmos und Erdgeschichte bis hin zur Evolution des Lebens mit der ihm eigenen Naturverbundenheit zum Welbild eines Freidenkers. Die Abbildung zeigt die undatierte Version des Gedichtes:

An die Zeit

 

Was ist und ward und werden wird,

Dein Werk ist’s, Zeit! -

Krystalle klein in dunklem Fels,

Wie Welten weit.

 

Du schaffst Gesterne, thürmest Berge,

So hoch und heer,

Der Strom er furcht dir seine Thäler,

Es nagt das Meer.

 

Auf einer ersten Zell als Keime

Hast du gebaut,

Bis zum Gedanken, der dich heute

Begeistert schaut.

 

In deinen Händen ist geworden

Die weite Welt,

Und Stern um Stern in deine Hände

Erloschen fällt.

 

Du Zeit bist ewig strömend Leben,

Und bist die Ruh,

Und zwischen gleichen Ewigkeiten

Da wandelst du!

Links:

Biographisches Porträt von Albert Heim

Nachlassverzeichnis Albert Heim

16.12.2009

Marc Theodore Bourrit: Description des Alpes Pennines et Rhetiennes (Genève, 1781)

Filed under: Alte Drucke,Geographie und Karten — Tags: , — Meda Diana Hotea @ 7:24

Tome I. Vue du Lac du Kandel Steig

Tome II. Vue du Lac de Chéde et du Mont Blanc

Der Schweizer Reisende, Schriftsteller und Maler Marc Theodore Bourrit (1739 -1819) war Kantor in der Kirche St. Peter in Genf. Zudem verkehrte er als bekannte Persönlichkeit an den europäischen Königshöfen. So gewährte ihm etwa der französische König Louis XVI eine Rente und Kaiser Joseph II nannte ihn den “Geschichtsschreiber der Alpen”. Als überaus produktiver Schriftsteller verfasste Bourrit vier Bücher über die Alpen und trug damit viel zur Erforschung des Alpenraumes bei. Auch die Kupferstiche liefern wichtige Aufschlüsse über die Geschichte der Region.

Jeder Band seiner Description des Alpes enthält vier Tafeln, die von der Stecherin Rose Angélique Moitte nach Zeichnungen des Autors ausgeführt wurden. Angélique Moitte gehörte zur französischen Künstlerfamilie Moitte, die im 18. und 19. Jahrhundert und damit in der Blütezeit des Kupferdrucks tätig war. Moitte hatte das Handwerk von ihrem Vater Pierre Etienne Moitte (1722-1780) gelernt. Beim Kupferdruck, einer Technik die bis ins 15 Jahrhundert zurückgeht und die ursprünglich in der Goldschmiedekunst Verwendung fand, wird die Zeichnung mittels eines Grabstichels (Bourin) in eine Kupfertafel eingraviert. Danach werden die vertieften Stellen mit Druckerschwärze eingerieben und auf einer Kupferdruckpresse gedruckt, was auf dem Papier schliesslich ein Abbild der Zeichnung ergibt.

Links:

Bourrit’s Description des Alpes Pennines et Rhetiennes im Bibliotheekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=004151174

Informationen zu Pierre Etienne Moitte and Angélique Moitte sind im Allgemeinen Lexikon der bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart zu finden:

Zum Kupferdruck siehe u.a. Jean Laran, L‘Estampe.

11.12.2009

Einband aus Notenblättern mit gotischen Initialen

Filed under: Alte Drucke,Bestände — Tags: — Anna Maria Stuetzle @ 8:55

 

Die Abbildung zeigt den querrechteckigen Band auf dem Rücken stehend;  das Pergamentblatt wurde zum Überziehen des vorderen Buchdeckels um 90 Grad nach rechts gedreht. 

Der Sammelband vereinigt zwei verschiedene Werke des frühen 17. Jahrhunderts. Im ersten Teil enthält er eine Sammlung perspektivischer Tafeln zum praktischen Gebrauch für Künstler und Handwerker, den zweiten Teil bilden Die fünf Ordnungen der Architektur.

Wie bei den frühen Drucken üblich, nimmt der Einband keinerlei Bezug auf den Inhalt des Buches. Hier besteht er aus zwei dekorativ wirkenden grossformatigen (> 29×35 cm) Notenblättern aus einem (?) Antiphonar.

Die Melodie ist in einem System von vier roten Notenlinien und Quadratnoten festgehalten, in der die meisten Choralhandschriften des 13. und 14. Jahrhunderts geschrieben sind. Unter der Notation steht der zu singende Text, strukturiert durch Zierinitialen unterschiedlicher Grösse.

Als erstes fallen zwei mit filigranen Federzeichnungen ausgefüllte B-Majuskeln ins Auge: Ihre Buchstabenkörper sind in Blau und Rot gehalten, im Zentrum der grösseren sitzt eine blaue Rosette. Fleuronnée-Muster füllen die Binnengründe sowie die quadratischen Hintergrundfolien in der jeweiligen Kontrastfarbe und ziehen sich über die gesamte Höhe des Textblockes. Diese Zierbuchstaben heben Versanfänge heraus: Benedicat nos deus… und Benedictus dominus deus… aus einem gesungenen Abendgebet, in welchem die klösterliche Gemeinschaft Gott um Segen und Schutz während der Nacht bittet. Zwei kleinere Initialen vom Lombard-Typus kennzeichnen nomini sacrae: „Deus (misereatur nostri… )” und die Anrede „Te (semper idem esse vivere et intelligere profitemur)”.

Diese Art des Buchschmuckes ist typisch für die gotische Buchmalerei der Zeit um 1300. Nicht nur Handschriften mit klösterlichen Gesängen, selbst die Textseiten eines so prominenten Werkes wie der sogenannten „Manessischen Handschrift” sind mit ähnlichen Zierinitialen ausgestattet. 

Link: Buchmalerei

04.12.2009

Blütezeit der Geowissenschaften während des Deutschen Kaiserreiches 1871-1918

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Geologie,Kartensammlung — Carol Ribi @ 15:26

 

Geologische Karte von Preussen und benachbarten deutschen Ländern 1:25’000, Blatt Berlin. 1872

Im 19. Jahrhundert blühten in Europa die Wissenschaften für Geografie und Geologie auf. Nicht nur die Erhebung von statistischen Daten, wie im Falle des Administrativ-statistischen Atlas Preussens (1828), sondern auch die Herstellung von topografischen und geologischen Karten wurde immer wichtiger. Die deutschen Monarchen unterstützten gezielt wissenschaftliche Projekte und halfen so, die Entwicklung der Wissenschaften voranzutreiben.

Ein Beweis für die vielfältige und rege Verlegerkultur von geologischen und topografischen Karten im Deutschen Kaiserreich (1871-1918) sind die vielen Fachstellen und Büros, die für die Erhebung und Verlegung von geografischen Daten zuständig waren: Grossherzögliche Badische Geologische Landesanstalt, Mittelrheinischer Geologischer Verein, Verlag Simon Schropp`sche Hof-Landkartenhandlung, Königliche physikalische Gesellschaft in Königsberg, Kartographische Abteilung der Königlichen Preussischen Landesaufnahme, Königliches Württembergisches Statistisches Landesamt, Topographisches Bureau des Königlichen Bayerischen Generalstabes, Topographisches Bureau des Königlichen Sächsischen Generalstabes, Reichsamt für Landesaufnahme und viele mehr.

Das Kartenbeispiel oben ist ein Ausschnitt des Kartenblatts Berlin der Geologischen Specialkarte Preussens 1:25’000 aus dem Jahre 1872. Das Kartenwerk wurde zwischen 1865 und 1935 laufend herausgegeben und aktualisiert. Bis 1918 war der Herausgeber der Königliche Preussische Generalstab. Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde das Kartenwerk von der Preussischen Geologischen Landesanstalt bis 1935 weitergeführt. Das Kartenwerk umfasst mehr als 3’000 Blätter. Als Grundlage dient die topografische Karte 1:25’000. Die Qualität ist erstaunlich hoch und kann mit der Schweizer Siegfriedkarte verglichen werden. Bis in die 1950er-Jahre wurde das Werk als Referenz für neue geologische Kartenwerke hinzugezogen. Die geologische Karte von Niedersachsen (1958ff.) beinhaltet sogar Faksimile-Ausgaben des Geologischen Kartenwerkes von Preussen.

Die Karte ist unter der Signatur: K P 277 001: 45-25 in der Kartensammlung zu finden und kann im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden.

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