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27.11.2009

Leopold Ruzickas Autochrome-Bilder (1915-1922)

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Meda Diana Hotea @ 14:15

Ruzicka, Leopold. Zermatt: Kapelle Findellen, Matterhorn. 1920. Autochromplatte, 9 x 12 cm (Dia 248: 53)

Bei Leopold Ruzicka (1887-1976) fällt einem zuerst ein, dass er Chemiker und Nobelpreisträger war. 1939 wurde dem ETH-Professor zusammen mit Adolf Butenandt für seine Arbeiten über Polymethylene und höhere Terpenverbindungen der Nobelpreis für Chemie verliehen. Womit beschäftigte sich der berühmte Forscher aber in seiner Freizeit? Er hatte eine grosse Leidenschaft für holländische Maler und Gartenarbeiten und war auch ein Hobbyfotograf.

Mit seinem Nachlass sind 62 von insgesamt 90 Lumière-Autochromplatten, die zwischen 1915 und 1922 entstanden sind, in die Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek gelangt. Mit Lumière-Autochromplatten bezeichnet man ein frühes Verfahren der Farbfotografie, das 1904 von den Brüdern Lumière entwickelt wurde. Die erhaltenen Autochromplatten von Leopold Ruzicka enthalten überwiegend Landschaftsaufnahmen von Glarner, Bündner und Berner Alpen sowie vom Tessin. Die 62 Aufnahmen wurden digitalisiert und sind im Bildarchiv Online zugänglich gemacht.

Links:

Ein zoombares Bild befindet sich im Bildarchiv Online.

Nachlassverzeichnis Leopold Ruzicka

Informationen über Leben und Werk von Leopold Ruzicka: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=004199257; http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000240133 und http://nobelprize.org/nobel_prizes/chemistry/laureates/1939/ruzicka-bio.html

20.11.2009

Praktische Anleitung zum Kriegshandwerk eingebunden in klösterliches Stundengebet

Filed under: Alte Drucke,Geistes- und Sozialwissenschaften — Tags: — Anna Maria Stuetzle @ 8:00

 

Dieses vollkommen schmucklose Notenblatt diente wohl einst zum täglichen Gebrauch im klösterlichen Stundengebet.

Die 1609 zu Frankfurt am Main gedruckte Schrift Büchsenmeisterey : das ist kurtze doch eigentliche Erklärung deren Dingen, so einem Büchsenmeister fürnemlich zu wissen von Nöthen … erhielt als Einband ein Pergamentblatt mit der Antiphon zum Hochfest „Verkündigung des Herrn an Maria” am 25. März (i.e. neun Monate vor Weihnachten). Ausserdem ertönte dieser Gesang nach altem Brauch in westfälischen Klöstern dreimal zum Magnificat der Vesper.

Die Notation mit sogenannten Hufnagelnoten kam im 15. Jahrhundert im deutschen Sprachraum auf. Ihre Bezeichnung leitet sich vom Bild der quadratischen, leicht geschwungenen Notenköpfen mit breiten Hälsen ab, das durch den charakteristischen Zuschnitt der Feder und ihre Führung entstand. Nur noch knapp erkennbar sind die aus fünf Linien bestehenden Notensysteme.
Der Text und stellenweise auch die Noten sind stark verwischt.

< Haec> est dies qua fecit dominus hodie dominus aff<lictionen>
populi sui respexit et redemptionem misit <ho>die m<ortem quam>
femina intulit femina fugavit hodie deus homo fa<ctus id>
quo fuit permansit et quod non erat assumpsit Ergo exord<ium nost->
rae redemptionis de<vote recolamus et exsultemus dicen->
tes gloria tibi domine Euouae

Satzzeichen wurden offenbar keine geschrieben, da die Melodie den Textfluss genügend strukturiert.
Anschliessend an den vertonten Text folgt ein gesprochenes Gebet. Unter der letzten Notenlinie ist der Anfang „ Ave maria” – ohne Notation – lesbar. Die Fortsetzung steht auf dem aktuellen Buchrücken, ist stark abgegriffen, teilweise verdeckt von einem Signaturschild, und endet mit zwei Zeilen auf dem hinteren Buchdeckel. Der übrige Teil des Blattes blieb unbeschrieben.

Link: Übersetzung der Antiphon zum 25. März

13.11.2009

Wissenschaftskongress mit Frauenbeteiligung oder nur mit Damenprogramm? Ein Blick zurück ins Jahr 1897

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Mathematik — Tags: — Evelyn Boesch Trüeb @ 15:51


Brief von Charlotte Angas Scott an Wilhelm Fiedler, 4.7.1897 (ETH Bibliothek, Archive und Nachlässe
Hs 87:1182)

Im Juli 1897 erreichte den Mathematiker Wilhelm Fiedler, Professor am Polytechnikum in Zürich, ein Brief der Mathematikerin Charlotte Angas Scott, Professorin am Bryn Mawr College in Pennsylvania. Sie erkundigte sich bei ihm nach der Zulassung von Frauen zum angekündigten Mathematikerkongress. „Can you kindly tell me whether ladies will be welcome – as mathematicians, of course?”

Charlotte Angas Scott, 1858 in England geboren, hatte 1885 in London in Mathematik promoviert und war noch im selben Jahr auf Empfehlung des Mathematikers Arthur Cayley Vorsteherin der mathematischen Abteilung am neugegründeten amerikanischen Frauencollege Bryn Mawr geworden. Sie gehörte dem Komitee an, das 1895 die New York Mathematical Society in die American Mathematical Society umstrukturierte, 1905 wurde sie Vizepräsidentin der Gesellschaft. Als Frau hatte sie auf ihrem pionierhaften Weg zu wissenschaftlicher Bildung die Ausgrenzung aufgrund ihres Geschlechts schon in jungen Jahren erleben müssen, als sie am Hitchin College der Cambridge University nicht offiziell zu den Abschlussprüfungen zugelassen war. Als Mathematikerin und mitten im Berufsleben stehend erkundigte sie sich von ihrem momentanen Aufenthalt bei ihrer Familie in England aus trotz persönlicher Erfolge wohlweislich nach den geltenden Zulassungsbedingungen.

Wilhelm Fiedler reagierte umgehend auf ihr Schreiben und sandte Scott die Unterlagen zum Kongress. In seiner Antwort, die als Briefkonzept überliefert ist, heisst es: „Die Berechtigung der Damen steht ausser Zweifel”.

Auch in Zürich war ursprünglich die Frage der Zulassung von Frauen zum Studium alles andere als unumstritten. Die befürwortende Einstellung gewann aber schliesslich die Oberhand. In Zürich waren Frauen seit den 1860er Jahren zum Studium und zum Abschluss zugelassen. Die positive Einstellung der Zürcher Professorenschaft in der Frage der Zulassung von Studentinnen hatte 1897 offenbar soweit Spuren hinterlassen, dass ein Professor, der nicht zum Organisationskomitee des Kongresses gehörte, die Frage Scotts von sich aus beantworten konnte. Diese Haltung war aber vor dem Hintergrund der Debatten und der Verbote in anderen Ländern nicht selbstverständlich, was sich in der Anfrage der Mathematikerin spiegelte.

Laut gedruckter Teilnehmerliste (ETH Bibliothek, Archive und Nachlässe Hs 637:1) war „Miss Prof. Dr. C.A. Scott” unter den Kongressteilnehmenden, die vom 9. bis 11. August 1897 ein reichhaltiges Programm besuchten. Dieses bot mit Vorträgen und Sektionssitzungen einen Überblick über den Stand in verschiedenen Gebieten der mathematischen Wissenschaften und war umrahmt von Tonhallebankett, Dampfschifffahrt und Ausflug auf den Uetliberg.

Links:

Die Verhandlungen der Tagung erschienen 1898:
http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=004011667

Einzelne Schriften von Charlotte Angas Scott: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002417685

Angaben zum Leben von Charlotte Angas Scott u.a.:
http://womenshistory.about.com/od/sciencemath1/a/charlotte_scott.htm

Woldemar Kaden: Das Schweizerland. Eine Sommerfahrt durch Gebirg und Thal (Stuttgart, 1875-1877)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten — Tags: — Meda Diana Hotea @ 9:22

 

Rathhausquai in Zürich

Der deutsche Volkskundler, Theologe und Verfasser von Reiseliteratur Woldemar Kaden (1838 -1907) leitete im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Deutsche Schule in Neapel und war Professor für deutsche Sprache am dortigen Lyceum und Gymnasium.

Seine Impressionen der Reisen durch Italien und die Schweiz veröffentlichte er unter anderen in: Wandertage in Italien (1874), Skizzen und Kulturbilder aus Italien (1889), Die Gotthardbahn und ihr Gebiet (1889) oder Durch’s  Schweizerland (1895). Die Bände sind grosszügig illustriert mit Stichen, die als historische Dokumente gewertet werden dürfen. Auch Das Schweizerland gehört in diese Kategorie. Einer unter vielen verschiedenen Illustratoren ist Gustav Bauernfeind. Hier seien besonders seine Zürcher Stadtansichten (z. B. Partie aus Zürich und Rathausquai in Zürich) erwähnt, welche zu seinen Hauptwerken zählen.

Gustav Bauernfeind (1848-1904), ein bekannter jüdischer Maler, studierte erst am Polytechnikum in Stuttgart, gab aber dann sein Studium zugunsten der Malerei auf. Ganz im Banne des orientalischen Zaubers liess er sich 1898 nach mehreren Orientreisen schliesslich mit seiner Familie in Jerusalem nieder. Trotz einer Pestepidemie und der herrschenden Fremdenfeindlichkeit hatte er es 1887 unternommen, einen Stadtteil von Jaffa (heute in Tel Aviv gelegen) zu malen und mit diesem Bild Berühmtheit erlangt.

Bauernfeind pflegt gleichzeitig einen sehr präzisen, wie auch einen sehr freien Stil. Architektonische Darstellungen oder Stadtansichten sind in hohem Masse wirklichkeitsgetreu. Frei gestaltet dagegen sind seine romantischen Landschaftsmalereien. Mit grossem Können fängt er in den Illustrationen zu Das Schweizerland  Episoden des zürcherischen Alltagslebens im 19. Jahrhundert ein. Mit ihrer romantischen Sichtweise verleihen die Bilder dem Werk besonderen Reiz.

Link:

Woldemar Kaden’s Das Schweizerland im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=002339433

06.11.2009

Kunst an der Landi: Otto Charles Bänninger

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Kunstgeschichte — Meda Diana Hotea @ 11:34

Gaberell, Jean. Otto Charles Bänninger, Knabe mit Pferd. 1939. Postkarte schwarz-weiss, 10,5 x 15 cm (Ans 3342).

Der Fokus der Schweizerischen Landesausstellung („Landi”) in Zürich im Jahr 1939, während der 2. Weltkrieg begann, lag auf dem ideellen Aspekt der so genannten geistigen Landesverteidigung. Die Ausstellung wurde ein grosser Erfolg: 10,5 Millionen Eintritte belohnten die Bemühungen der Organisatoren, nachdem die Ausstellung bereits mehrere Male verschoben worden war (geplant für 1933 erstmals verschoben auf 1936, danach verschoben auf 1938 und schliesslich die Austragung in 1939). Verschiedene Künstler trugen zur Landesausstellung bei, indem sie speziell dafür Kunstwerke schufen. Einer davon war Otto Bänninger, der die Gipsskulptur „Knabe mit Pferd” ausstellte. Diese Skulptur erfuhr ein interessantes Schicksal: heute existieren nur mehr Fotografien; der Pferdekörper wurde zerstört, ein Modell davon besass der Künstler selber, der Knabe ist im Besitz der Stadt Zürich.

Otto Charles Bänninger (1897-1973), Zürcher Künstler, war bei Emile Antoine Bourdelle (1861-1929) Student und arbeitete von 1920-1931 in Paris. Im Jahr 1932 ging er nach Zürich zurück und blieb dort bis zu seinem Tod (1939 ging er nochmals für 10 Monate nach Paris). Er stellte seine Kunstwerke in Paris am Salon des Tuileries und am Salon d’Automne sowie in Genf, Basel und Zürich aus. Die meisten seiner Skulpturen sind im Musée des Beaux Arts in Lausanne und im Kunsthaus in Zürich aufbewahrt. Zu Bänningers Werken gehören u.a.: Samariter-Gruppe am Zürcher Limmathaus-Brunnen (1931), Bullinger-Denkmal am Grossmünster (1939-40) oder das Reiterstandbild Henri Guisans in Lausanne (1967). Otto Charles Bänninger ist einer der bekanntesten Schweizer Bildhauer der Zwischen- und Nachkriegszeit.

Die Postkarte ist Teil der Ansichtensammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek und ist in digitaler Form über BildarchivOnline zugänglich.

 Links:

Literatur zu Leben und Werk von Otto Charles Bänninger: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000242695; http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000105344

Literatur zur Landi:

http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=002044203; http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=000356930; http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=ENG&func=find-b&find_code=SYS&request=001659325

04.11.2009

David Brewster: The stereoscope (London, 1856)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Physik — Tags: — Meda Diana Hotea @ 8:28

Fig. 14: Brewsters Stereoskop

Die Londoner Industrieausstellung von 1851 war ein Event mit Symbolcharakter für das Viktorianische Zeitalter und für Grossbritannien als erste Industrienation und führende Grossmacht jener Zeit. Im eigens für die Ausstellung im Hyde Park errichteten Crystal Palace wurden Kunstwerke und Industrieprodukte aus aller Welt gezeigt. Kurz vor der Schliessung des Crystal Palace präsentierte der schottische Physiker Sir David Brewster (1781-1868) seine neuste Erfindung, das Stereoskop – sehr zum Entzücken von Königin Viktoria, welche die Ausstellung bereits mehrere Male besucht hatte.

Brewster hatte zuvor bereits eine neue Version des von den Griechen erfundenen Kaleidoskops vorgelegt und patentieren lassen. Sein Stereoskop war eine Verbesserung des von Sir Charles Wheatstone (1802-1875) entwickelten Apparats. Sowohl Wheatstone wie Brewster beschäftigten sich mit dem binokularen Sehen, und ihre Beiträge auf diesem Gebiet gelten bis heute als Pionierarbeit. Während Wheatstone sein Stereoskop mit Spiegeln konstruierte, verwendete Brewster Linsen. Er experimentierte lange herum und fertigte mehrere Versionen des Instruments an. Das Linsenstereoskop setzte sich schliesslich durch.

Das Stereoskop ist ein optischer Apparat zur Betrachtung von Stereophotographien – paarweisen, leicht seitenversetzten Bildern, die bei Betrachtung mit der geeigneten Vorrichtung einen räumlichen Effekt erzeugen. Aber lassen wir den Autor selber dieses erstaunliche Gerät beschreiben:

The instrument consists of a pyramidal box, …, blackned inside, and having a lid, CD, for the admission of light when required. The top of the box consists oft wo parts, in one of which is the right-eye tube, R, containing the lens G and in the other the left-eye tube, L, containing the lens H. The two parts which hold the lenses, and which form the top oft he box, are often made to slide in grooves, so as to suit different persons whose eyes, placed at R, L, are more or less distant. This adjustment may be made by various pieces of mechanism. The simplest of these is a jointed parallelogram, moved by a screw forming ist longer diagonal, and working in nuts fixed on the top oft he box, so as separate the semi-lenses, which follow the movements of the obtuse angles of the paralleogram. The tubes R, L move up and down, in order to suit eyes of different focal lenghts, but they are prevented from turning round by a bross pin, which runs in a groove cut through the movable tube. Immediatly below the eye-tubes, R, L, there should be a groove, G, for the introduction of convex or concaves lenses, when required for a very long-sighted or short-sighted person, or for coloured glasses and other purposes. If we now put the slide AB, …, into the horizontal opening at S, turning up the sneck above S to prevent it from falling out, and place ourselves behind R, L, we shall see, by looking through R with the right eye and L with the left eye, the two images A, B united in one, and in the same relief as the living person whom they represent.

Bis heute wird Brewsters Apparat von Firmen hergestellt, die auf photographische Geräte spezialisiert sind.

Links:

Brewsters The stereoscope im elektronischen Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002282642

Zur Stereoskopie siehe auch den Beitrag über Charles Piazzi Smith: http://blogs.ethz.ch/digital-collections/2009/10/02/charles-piazzi-smyth-teneriffe-an-astronomers-experiment-or-specialities-of-a-residence-above-the-clouds-london-1858/

Sekundärliteratur zu Brewster und Wheatstone in NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000341987; http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000319395

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