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30.10.2009

“Die Neue Seidenstrasse”: Transportwege für Öl und Gas nach Europa

Ausschnitt aus der Karte: ”Oil and Gas Map of Western, Central and Eastern Europe”. Herausgegeben von Petroleum Economist, London 2002. (K 685407)

Eduard Schewardnadse, ehemaliger Aussenminister der Sowjetunion und erster Präsident Georgiens, brachte die Idee einer Eurasischen Brücke alias “Neue Seidenstrasse” 1990 an der Ost-West-Konferenz in Wladiwostock erstmals vor.  Die nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig gewordenen Republiken im Kaukasus und Asien sollten an das westliche Wirtschafts- und Verkehrssystem angeschlossen werden.

Bei dem Projekt der “Neuen Seidenstrasse” ging es nicht um eine Wiederbelebung des historischen Fernhandels zwischen Europa und Asien, sondern primär um die Anbindung der mittelasiatischen Erdöl- und Erdgasfelder an Westeuropa und China (siehe Karte). 1993 riefen tatsächlich acht Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammen mit der EU das Projekt “Transport Corridor Europe Central Asia” (TRACECA) ins Leben. Das Projekt sieht Strassen, Häfen und Bahnlinien vor, die die Staaten im Kaukasus und Zentralasien von den bestehenden Transportwegen in Russland und dem Iran unabhängig machen sollen. Ende 1990er-Jahre traten dem Projekt weitere Länder bei, wie zum Beispiel die Ukraine, die Mongolei, Bulgarien, Rumänien und die Türkei. Mit EU-Hilfe und internationalem Kapital wird laufend die Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur der TRACECA-Länder ausgebaut.

Das Projekt “Neue Seidenstrasse” ist also der Übername für viele Teilprojekte der TRACECA. Die EU und auch die USA investieren jährlich Millionen in technische Hilfe und neue Bauprojekte für Bahnen, Häfen und Strassen. Der Nutzen einer solchen neuen Handelsstrecke für die Europäische Union ist bedeutend. Einerseits verringert sich die Transport-Strecke um 2000 km, andererseits verkleinert es die europäische Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl.

Die Verhandlungen für neue Handelswege südlich von Russland sind aber nicht ohne Hindernisse. Russland ist immer noch der Haupthandelspartner für die ehemaligen sowjetischen Republiken, dominiert den Eisenbahnsektor und kontrolliert durch das Abkommen der gegenseitigen Sicherheitsgarantie die Republiken militärisch. Das Projekt der ”Neuen Seidenstrasse” kann somit nur unter Einbeziehung Russlands in die weiteren Verhandlungen vorangetrieben werden. 

Die Informationen beruhen weitgehend auf Cornelsens “Aktueller Landkarte” (7/2001), die ebenfalls wie die obige Karte in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek zu finden und im Lesesaal der Spezialsammlungen einsehbar ist.

23.10.2009

Claudius Ptolemaeus: Almagest (Venedig, 1515)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Roland Lüthi @ 7:30

      

Titelblatt des Almagest  von Claudius Ptolemaeus (Venedig, 1515) mit Besitzerstempel der Sternwarte Zürich und des Professors für Astronomie und ersten Bibliothekars der ETH-Bibliothek Rudolf Wolf

Um das Jahr 140  n. Chr. schrieb Claudius Ptolemäus (Ende 1. Jh. bis 1. Hälfte 2. Jh. n. Chr.) sein dreizehnteiliges Werk Megale mathematike syntaxis (grosses mathematisches Handbuch) oder kurz Megiste (das Grösste). 827 wurde es ins Arabische übersetzt und vom 12. Jahrhundert an in lateinischen Übertragungen unter dem Titel Almagest  in Europa verbreitet.

In der Sammlung Alte Drucke befinden sich neben der ersten vollständigen lateinischen Ausgabe (Venedig 1515) auch die erste griechische Ausgabe (Basel 1538). Weitere Übersetzungen des Almagest  in der Sammlung sind lateinisch von Georg von Trapezunt (Köln 1537) und deutsch von Johann Ehlert Bode (Berlin 1795). Im Lesesaal konsultierbar ist lediglich die Ausgabe von 1795. Dafür ist das Online-Angebot sehr umfangreich:

Ausgabe Venedig 1515 bei Astronomie-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/demusmu/doi/10.5079/dmm-25

Die Ausgabe von Venedig 1515 und mehrere weitere Ausgaben sind online bei IMSS (Institute and Museum oft he History of Science) in Florenz: http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en.

Bei der Rare Book Collection in Wien kann die Ausgabe von 1515 in verschiedenen Qualitäten heruntergeladen werden: http://www.univie.ac.at/hwastro/.

16.10.2009

sonnenklar – Astronomie an der ETH

Filed under: Archive und Nachlässe,Astronomie,Bestände,Bildarchiv — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Sonnenflecken beobachtet von Alfred Wolfer am 14. November 1907

Ab 1896, kurze Zeit nach seinem Amtsantritt als neuer Direktor der Eidgenössischen Sternwarte am Zürcher Polytechnikum, erweiterte Professor Alfred Wolfer die traditonelle Himmelsbeobachtung mit Fernrohr durch die von anderen Sternwarten bereits erprobten fotografischen Methoden. Ausser zu Aufnahmen von astronomischen Erscheinungen, die sich erst dank der Fotografie genauer erfassen liessen, nutzte Wolfer die Fotografie insbesondere zur Beobachtung von Sonnenaktivitäten.

Die Beobachtung der Sonne war seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1980 das Rückgrat der astronomischen Forschung an der ETH-Zürich. Die Spezialsammlung Archive und Nachlässe der ETH-Bibliothek zeigt während  ihrer öffentlichen Abendführung “sonnenklar – Astronomie an der ETH” am 20. Oktober 2009 aus ihren Beständen historische Dokumente der ETH-Sternwarte sowie von und zu den drei W, den Astronomen Rudolf Wolf (1816 – 1893), Alfred Wolfer (1854 – 1931), Max Waldmeier (1912 – 2000).

Abendführung:

sonnenklar – Astronomie an der ETH
ETH-Bibliothek/Archive und Nachlässe
Dienstag, 20. Oktober 2009, 18.15 – 19.15 Uhr
Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Lesesaal Spezialsammlungen
Keine Anmeldung erforderlich

Link zu einem Spezialgebiet der Sonnenforschung:
Sonnenfinsternis

13.10.2009

William Coxe: Travels in Switzerland and in the Country of the Grisons in a Series of Letters to William Melmonth, Esq. From William Coxe, 3 vol. (London, 1791)

Filed under: Alte Drucke,Bestände — Tags: — Meda Diana Hotea @ 8:56

Map of Switzerland, marked with the routes of four tours made in the years 1776, 1779, 1785 and 1786 by the Rev. William Coxe

Unter den literarischen und historischen Schriften des englischen Geschichtsschreibers Pastor William Coxe (1747-1828) finden sich Berichte seiner Reisen nach Russland, Schweden, Dänemark und in die Schweiz. Letztere bereiste er mehrmals und veröffentlichte zwei Werke über das Land: Sketches of the Natural, Political and Civil State of Switzerland (London, 1779) und Travels in Switzerland (London, 1789, Ed. 1).

Das zweite Buch ist im Briefstil gehalten. In 91 Briefen des Verfassers an  William Melmonth (1710?-1799), einen englischen Übersetzer und Herausgeber, wird die Schweiz geschildert.

Der 8. Brief, Town and canton of Zuric (sic!), ist eine eigentliche „Mikromonographie”, die in umfassender Weise Zürichs Geschichte, Wirtschaftsleben, Politik und Kultur beschreibt. Pastor Coxe greift Episoden aus dem täglichen Leben heraus und vermeldet augenzwinkernd über die Gewohnheiten der Zürcher:

 …in the afternoon the gentlemen assemble in clubs or small societies, in the town during the winter, and at their respective villas in summer. They frequently smoke, and partake of wine, fruit, cakes, and other refreshments. The women, for the most part employed in their domestic occupations, or devoted to the improvement of their children, are not fond of visiting.

„An den Nachmittagen pflegen sich die Herren in clubs oder kleinen Gesellschaften zu versammeln. Während der Winterzeit treffen sie sich in der Stadt, im Sommer in ihren Landhäusern. Häufig rauchen sie oder geniessen Wein, Früchte, Kuchen oder andere Erfrischungen. Die Frauen, welche hauptsächlich mit häuslichen Pflichten beschäftigt sind oder sich der Erziehung ihrer Kinder widmen, mögen Besuche nicht.”

Link:

William Coxe’s Travels in Switzerland im Bibliothekskatalog NEBIS

02.10.2009

Charles Piazzi Smyth: Teneriffe, an astronomer’s experiment, or, specialities of a residence above the clouds (London, 1858)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Meda Diana Hotea @ 10:21

  Stereoskopie Nummer 12: Alta Vista Observatory, from the Northern Lava Ridge

Der berühmte und reiselustige schottische Astronom Charles Piazzi Smyth (3.01.1819 – 21.02.1900) verband in seiner Arbeit zwei Bereiche, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben: Astronomie und Fotografie.

Auf seiner Hochzeitsreise nach Teneriffa im Jahr 1856 begab er sich auf die Suche nach einem Standort für ein astronomisches Observatorium. Dabei schrieb  er seine Eindrücke nieder und illustrierte sein Buch mit zwanzig Stereoskopien. Piazzi Smyth begründete damit nicht nur ein neues Verfahren in der fotografischen Kunst, sondern gleichzeitig auch in der Buchillustration.

Bei der Stereoskopie handelt es sich um eine Fototechnik, bei der zwei stereoskopische Halbbilder betrachtet werden, wobei jedes Bild die gleiche Szene darstellt, allerdings aus einem jeweils geringfügig anderen Aufnahmewinkel. Das Ergebnis ist ein Paar gleichzeitig erfasster Einzelbilder, die einen 3D-Eindruck entstehen lassen. Was dabei vom Betrachter lediglich als ein “künstlerischer Trick” wahrgenommen wird, markiert in der Geschichte der Fotografie den Beginn einer neuen Ära. So bekräftigte der Autor im Vorwort zu seinem Buch voller Stolz seine aussergewöhnliche Entdeckung:

“This method of book illustration never having been attempted before, may excuse a word on this part of the subject. By its necessary faithfulness, a photograph of any sort must keep a salutary check on the pencil or ling-bow of the traveller; but it is not perfect; it may be tampered with, and may suffer from accidental faults of the material. These, which might sometimes produce a great alteration of meaning in important parts of a view, may, however, be eliminated, when, as here, we have two distinct portraits of each object”.

Bis zum heutigen Tag verwenden Fotografen die Methode der Stereoskopie.

Links:

Charles Piazzi Smyth’s Teneriffe, an astronomer’s experiment im online-Katalog Nebis: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=004055423

Informationen zum Autor: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Piazzi_Smyth

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