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30.09.2009

Jorge Juan und Antoine de Ulloa: Voyage Historique De L’Amérique Méridionale (Amsterdam, 1752)

Filed under: Alte Drucke,Bestände,Geographie und Karten,Physik — Tags: — Roland Lüthi @ 11:25

Band 1, Planche XV, Fig. 1: Schneeberg Cotopaxi [...] als er sich im Jahre 1743 spaltete; Fig. 2: Lufterscheinung von den drey Regenbogen; Fig. 3: Lufterscheinung von dem Kreise um den Mond

Im Jahr 1735 startete im Auftrag von König Philip V von Anjou eine Expedition in die Paramos-Region in Südamerika. Mit von der Partie waren die beiden Wissenschaftler Jorge Juan (1713 – 1773) und Antoine de Ulloa (1716-1795). Sie hatten in erster Linie den Auftrag, die Länge eines Breitengrades in der Peruanischen Äquatorialregion zu bestimmen. Ihr  zweibändiger Reisebericht enthält dementsprechend astronomische und geografische Beobachtungen. Im zweiten Band steht die Kultur der Inkas im Vordergrund.

Von den Anhöhen des Pampamarca herab beobachteten die Forscher verschiedene Naturphänomene, die in einem aussergewöhnlichen Kupferstich dargestellt sind. Es handelt sich um den Ausbruch des Vulkans Cotopaxi, die Erscheinung dreier Regenbogen und eine weitere bis dahin unbekannte atmosphärische Lichterscheinung. Obwohl die drei Phänomene wohl kaum gleichzeitig wahrgenommen werden konnten, wurden sie (wohl um Kosten zu sparen?) auf einer einzigen Platte nebeneinander dargestellt. Diese Gleichzeitigkeit vermag wohl die Faszination auszumachen, die von dieser Abbildung ausgeht.

Links:

Der Druck wurde von Google digitalisiert. Leider sind die zahlreichen Falttafeln nicht ausgefaltet, was das Digitalisat praktisch wertlos macht: http://books.google.ch/books?id=ai8VAAAAQAAJ

Eine detaillierte Untersuchung der oben dargestellten Phänomene: http://www.hep.princeton.edu/~mcdonald/examples/optics/lynch_ao_30_3538_91.pdf

Die obige Abbildung kann in E-Pics näher betrachtet werden: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?&id=Rar4031-B1_Fig1.tif&view=preview

25.09.2009

Johann Gabriel Doppelmayr: Atlas novus coelestis (Nürnberg, 1742)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Roland Lüthi @ 7:07

Frontispiz zum Atlas novus coelestis: Ptolemäus, Kopernikus, Kepler und Brahe

Der Atlas novus coelestis ist das bekannteste Werk des deutschen Astronomen Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) und wurde erstmals 1742 bei Homann Erben in Nürnberg gedruckt. In diesem Atlas versammelte Doppelmayr seine astronomischen Karten, die er über Jahre hinweg für Johann Baptist Homann hergestellt hatte, und die in mehreren früheren Atlanten bereits erschienen waren.

Der Atlas enthält 30 handkolorierte Tafeln mit Sternkarten, einer Mondkarte und Diagrammen des Planetensystems nach Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe und Giovanni Riccioli. Weiter finden sich Illustrationen zu den Theorien von Johannes Kepler, Ismael Boulliau, Seth Ward, Nicolas Mercator, Jeremia Horrocks, Isaac Newton und Edmond Halley.

Links:

Nachweis des Atlas novus coelestis im Bibliothekskatalog NEBIS. Das Werk gehört zu den äusserst wertvollen Beständen und ist deshalb für die Ausleihe gesperrt.

Der Frontispiz kann in E-Pics Alte Drucke näher betrachtet werden.

Der Atlas novus coelestis  ist online bei Gallica, bei der Sammlung Ryhiner und  bei der Universität Utrecht.

18.09.2009

Die Aufnahme Wilhelm Conrad Röntgens an das Eidgenössische Polytechnikum

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Sammlung — Tags: — Ursula Steinhauser @ 7:21

Brief in der Matrikel von Wilhelm Conrad Röntgen bezüglich der Aufnahme Röntgens an das Eidgenössische Polytechnikum (ETH Bibliothek, Archive und Nachlässe).

Der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen (27.03.1845-10.02.1923) erhielt für die Entdeckung der X-Strahlen den Nobelpreis für Physik. Damit revolutionierte er unter anderem die medizinische Diagnostik und ebnete den Weg für die Entdeckung und die Erforschung der Radioaktivität.

In Lennep (NL) geboren wurde Röntgen in Utrecht aus disziplinarischen Gründen die Matura verwehrt (er weigerte sich, den Urheber einer Karikatur eines Lehrers preiszugeben). Deshalb konnte er in den Niederlanden nur als Hörer die Kurse der Universität besuchen. Am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich hingegen musste man eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Deshalb entschied sich Röntgen wohl auch für ein Studium in Zürich:

Aus den Missiven des Rektorats (Hs 1094:2, Blatt 485) geht hervor, dass sich Röntgen verspätet um die Aufnahme an das Eidgenössische Polytechnikum bemühte. Der Direktor des Polytechnikums, Dr. Gustav Zeuner, eröffnet Röntgen jedoch, dass eine verspätete Aufnahme möglich sei, wenn er sein späteres Eintreffen durch Arztzeugnisse entschuldigen könne.

Offenbar hatte Röntgen zudem um eine prüfungsfreie Zulassung ersucht. Zeuner macht dies in seinem Schreiben vom 4. November 1865 von den Zeugnissen Röntgens abhängig und legt ihm nahe, die Einschreibung möglichst schnell vorzunehmen.

Im oben gezeigten Brief wird gezeigt, dass Röntgen ohne (!) Aufnahmeprüfung an das Eidgenössische Polytechnikum aufgenommen wurde. Moritz Schröter – zu jener Zeit ordentlicher Professor für Maschinenbau und -Konstruktion am Eidgenössischen Polytechnikum - schlägt Gustav Zeuner vor:

Hochgeehrter Herr Director!
Herr Röngten Wilhelm von Apeldorn
in Holland wünscht als Schüler des I Curses der
mechanisch technischen Abtheilung aufgenommen
zu werden; laut beigelegtem ärztlichen Zeugnis
ist er durch ein Magenübel verhindert gewesen
früher zu kommen.
Sein reiferes Alter v[on] 20 Jahren, seine vortreff-
lichen Zeugnisse namentlich in den mathematischen
Fächern der technischen Schule in Utrecht und
sein einjähriger Besuch der Universität daselbst
rechtfertigen wohl vollkommen meinen Vorschlag
denselben als Schüler aufzunehmen und
von der Prüfung zu dispensiren.
Hochachtungsvoll ergeben
M. Schröter 23 Nov 1865

Röntgen schloss sein Studium an der Abteilung III übrigens am 6. August 1868 mit dem Diplom zum Maschinen-Ingenieur ab.

Link:

Eintrag in die Präsidialverfügungen zur nachträglichen Aufnahme von Röntgen: Schulratsprotokolle Online: ETH-Bibliothek, Archive, SR2: Präsidialverfügungen 1865, Präsidialverfügung Nr. 319 vom 25.11.1865.

 

11.09.2009

Marslandschaft: Die Suche nach Erdähnlichem auf unbekanntem Boden

Filed under: Astronomie,Bestände,Geographie und Karten,Geologie,Kartensammlung — Tags: — Carol Ribi @ 7:15

“Geologic Map of the Tempe-Mareotis Region of Mars” (2001)

Die Marsoberfläche ist, ähnlich wie die Mondoberfläche, mit Kratern bedeckt. Die Atmosphäre ist dünn und besteht hauptsächlich aus Kohlendioxyd. So bestehen auch die Polkappen mehrheitlich aus gefrorenem Kohlendioxyd und nicht, wie lange angenommen, aus Wasser. Das sind keine günstigen Voraussetzungen für Leben auf dem Planeten Mars. Und doch wird immer noch intensiv nach Leben geforscht: In den Jahren 2011 und 2016 sollen zwei grosse Rover-Missionen zum Mars starten. Das Mars Science Laboratory der NASA und ExoMars der Europäischen Weltraumbehörde ESA sollen weite Strecken zurücklegen und Untersuchungen in einem grossen Umkreis durchführen. Das  Mars Science Laboratory wird in erster Linie für die geologische Erforschung des Planeten eingesetzt und ExoMars wird nach Spuren von Leben suchen.

Seit den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts ist es möglich das Weltall mittels Raumfahrzeugen zu erforschen und seither gibt es immer wieder unbemannte, ferngesteuerte Missionen auf den Mars. Aus diesen Missionen gehen eine Menge Bildmaterial und Daten hervor, die als Grundlage für neue Marskarten dienen.

Die hier vorgeführte geologische Karte des Mars ist 2001 von United States Geological Survey herausgegeben worden. Das Ziel der Karte ist die Untersuchung und Kartierung der vulkanischen Vorkommnisse sowie tektonischen Gegebenheiten auf dem Mars. Es wird angenommen, dass die hier abgebildete Vulkanlandschaft der Basaltebene Snake River Plain (USA) und den Vulkanböden auf Hawaii in der Zusammensetzung entspricht. Diese mögliche Ähnlichkeit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Einteilung der geologischen Zeitalter, die Namen der Gesteinsschichten sowie Gesteinsablagerungen von der Geologie der Erde markant unterscheiden. So ist die Rede von Steinen aus der Noachen, Hesperien oder Amazonien Periode.

Die Karte befindet sich in der Kartensammlung und kann mittels Signatur K P 684504: 1 im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek eingesehen und kopiert werden.

04.09.2009

„Thaumaturgus Mathematicus” mit Einband aus einer romanischen Bibelhandschrift

Filed under: Alte Drucke — Tags: — Anna Maria Stuetzle @ 7:45

 

Einband Caspar Ens, Thaumaturgus mathematicus 

Caspar Ens (1569-ca. 1642), der Herausgeber dieser 1636 in Köln gedruckten Sammlung von Problemen und deren Lösungen aus dem Bereich der Unterhaltungsmathematik ist als Schriftsteller und Übersetzer bekannt, war sein Leben lang auf Reisen und wird als Universalgelehrter bezeichnet. Ein späterer Druck (Venedig, 1706) seines Thaumaturgus mathematicus  befindet sich ebenfalls im Bestand der Alten Drucke und ist online einsehbar.

Das mathematische Rätselbüchlein (Höhe: 16 cm, Breite: 14 cm) ist mit zwei Paar Lederbändern verschliessbar. Sein Einband besteht aus einem Pergamentblatt aus einer Bibel, was jedoch ohne Bezug zum Buchinhalt zu sehen ist. Vielmehr galt das Material als wertvoll genug, um wiederverwendet zu werden. Die Handschrift des 12. Jahrhunderts wurde dazu sorgfältig aufgetrennt. Wir haben ein zweispaltig beschriebenes Doppelblatt vor uns, das um eine Spalte und Teile der Seitenränder beschnitten wurde. Die oberste und die unterste Zeile des Textblocks liegen auf den Kanten der Buchdeckel und im Einschlag. Jede Spalte enthielt 31 Zeilen von 5mm Höhe. Einfache Initialen bezeichnen als Lesemarken wichtige Textabschnitte. Zahlreiche Kürzungen ermöglichten es, den Text zu komprimieren.

Das ursprüngliche Buch, ein kleines handliches Bändchen für den täglichen Gebrauch, war nur wenig grösser als das heute erhaltene aus dem 17. Jahrhundert. Ob es eine Gesamtbibel war, oder nur das Alte Testament enthielt, ist anhand der Textfragmente nicht zu entscheiden. Entzifferbar sind auf dem hinteren Buchdeckel (links im Bild) Verse aus dem 18. Kapitel des ersten Buches Samuel und auf dem vorderen Buchdeckel der Übergang vom 3. zum 4. Kapitel des Buches Ruth. Zudem erkennt man auf dem hinteren Buchdeckel den Falz und die Löcher von der Heftung der Bünde.

 

Ein Doppelblatt war ursprünglich mit je 4 Spalten recto und verso beschrieben. Zwischen den beiden erhaltenen Texten besteht eine grosse Lücke, aus welcher die Stärke einer Lage in einander gelegter Doppelblätter approximativ errechnet werden kann. Die fehlenden zwei Drittel des 4. und letzten Kapitels von Buch Ruth und die ersten 17 Kapitel plus sechs Verse des 18. Kapitels aus dem 1. Buch Samuel enthalten rund 480 Verse. Rechnet man pro Textspalte mit durchschnittlich 10 bis 12 Versen, so wäre der Text in 40 bis 48 Spalten unterzubringen, welche fünf oder sechs Doppelblätter füllten. Die ganze Bibelhandschrift wiederum bestand aus mehreren zusammengehefteten 5er oder 6er-Lagen.

Links:

Caspar Ens, Thaumaturgus mathematicus

Zu Caspar Ens siehe: Deutsche Biographische Ezyklopädie, Bd. 3, S. 93

Zur Handschriftenkunde siehe: Christine Jakobi, Buchmalerei. Ihre Terminologie in der Kunstgeschichte, 1991

http://www.bibelwissenschaft.de/online-bibeln/

01.09.2009

Ausstellungshinweis: Die Stadt. Ihre Erfindung in Büchern und Graphiken

Filed under: Alte Drucke,Architektur — Roland Lüthi @ 7:36

Friedrich Weinbrenner, Architektonisches Lehrbuch (Tübingen, 1810-1825): Tafel 38

Giovanni Battista Piranesi, Della magnificenza ed architettura de’ Romani (Rom, 1761): Tafel 3

Galli Bibiena, Architetture (Paris, ca. 1740): Tafel 26

Berardo Galiani, L’ Architettura di M. Vitruvio Pollione (Neapel, 1738): Tafel 2

Hans Vredeman de Vries, Variae architecturae formae (Antwerpen, 1601): Tafel 31

Daniel Specklin, Architectura von Festungen (Strassburg, 1589): Tafel 2

Die ETH-Bibliothek, das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur (gta) und die Graphische Sammlung realisieren erstmals gemeinsam eine Ausstellung. Eine Auswahl aus den reichen und vielseitig genutzten Sammlungsbeständen umschreibt das Thema der Stadt als unmittelbaren Lebensraum und als kulturelles Projekt.

Die Ausstellung wird vom 22. September bis zum 20. November 2009 imHauptgebäude der ETH Zürich und
in den Räumen der Graphischen Sammlung der ETH Zürich zu sehen sein. 

Einladung zur Vernissage
Montag, 21. September 2009, 18.15 Uhr
Hauptgebäude ETH, Hörsaal E5
Rämistrasse 101, 8092 Zürich
Grusswort
Prof. Dr. Heidi Wunderli-Allenspach,
Rektorin der ETH Zürich
Einführung in die Ausstellung
Dipl. Ing., Mag. phil. Harald R. Stühlinger, ETH Zürich,
Institut gta
Gastvortrag
Prof. Dr. Iso Camartin, Zürich
Die ungebauten Städte. Über Freiräume im Lebensplan
Anschliessend Apéro

Kunst am Montagmittag
In der Ausstellung finden montags von 12.30 bis 13 Uhr
Führungen statt.
Auskunft: 044 632 40 46
28.9. Das Bild der Stadt in der Graphik (Paul Tanner)
5.10. Franz Schmid und das städtische Panorama (Andrea Arnold)
12.10. Strategien zur Stadt (Anne Brandl)
19.10. Rom als Mythos (Britta Hentschel)
26.10. Die befestigte Stadt (Thomas Manetsch)
2.11. G.B.Piranesi’s «Varie vedute di Roma»
(Andrea Arnold)
9.11. Die Stadt der Techniker (Harald R. Stühlinger)

Abendführung
Im Rahmen der Abendführungen der Sammlungen
und Archive der ETH Zürich zeigt Harald R. Stühlinger
zum Thema «Die europäische Stadt im 19. Jahrhundert»
ausgewählte Bücher aus der Sammlung Alte Drucke der
ETH-Bibliothek.
Dienstag, 3.11., 18.15 bis 19.15 Uhr
Treffpunkt: ETH-Bibliothek, Lesesaal Spezialsammlungen;
Tel. 044 632 35 96

Links:

Zur virtuellen Ausstellung auf der Webseite der ETH-Bibliothek 

Pressemitteilung der ETH

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