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28.08.2009

Tycho Brahe: Astronomiae instauratae mechanica (Nürnberg, 1602)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:48

Schloss Uraniborg

Der dänische Astronom Tycho Brahe (1546-1601) baute 1576 mit finanzieller Unterstützung von König Frederik II. das damals grösste astronomische Forschungszentrum Europas: Schloss Uraniborg auf der Insel Hven im Öresund.

In seiner 1598 erstmals erschienenen Mechanica  beschreibt Brahe die wichtigsten in Uraniborg benutzten Instrumente: Quadranten unterschiedlicher Grösse und Ausstattung, Sextanten und einen grossen Himmelsglobus. Ferner enthält das Buch Schilderungen, Ansichten und Pläne von Schloss und Sternwarte, sowie Berichte über den Bau der Instrumente und astronomische Arbeitsmethoden. 

Die Erstausgabe wurde vom Hamburger Drucker Philip von Ohrs in einer sehr kleinen Auflage für Tycho Brahe privat gedruckt und teilweise von Hand koloriert. Nach dem Tod Brahes im Jahr 1601 verkauften die Erben die Druckplatten an den Nürnberger Drucker Levinus Hulsius. Dieser druckte 1602 eine Ausgabe, die im Gegensatz zur Erstausgabe für den Buchhandel bestimmt war, und so eine weite Verbreitung finden konnte.

Links:

Die Mechanica  von 1602 im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000904734 (keine Ausleihe)

Eine englische Übersetzung der ursprünglich lateinischen Mechanica  erschien 1946 in Kopenhagen unter dem TitelTycho Brahe’s description of his instruments and scientific work, übersetzt und herausgegeben von Hans Raeder, Elis Strömgren und Bengt Strömgren: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=002303068.

Die Mechanica  von 1602 ist online bei Astronomie-rara: http://astronomie-rara.ethbib.ethz.ch/demusmu/doi/10.5079/dmm-23, der Rare-Book Collection bei der Vienna Observatory Library: http://www.univie.ac.at/hwastro/, beim Institute and Museum of the History of Science in Florenz: http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en, und bei ADS Digital Library (NASA): http://ads.harvard.edu/books/1602tbam.book/. Eine sehr schöne handkolorierte Erstausgabe ist bei der SLUB Dresden zu finden: http://digital.slub-dresden.de/ppn276703979 .

20.08.2009

Studentendossiers der ETH Zürich

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Sammlung — Susanne Grulich Zier @ 15:27

Titelblatt der Matrikel von Nadina Smetzky, der ersten Frau, die sich zum Studium am Eidgenössischen Polytechnikum in Zürich eingeschrieben hat (ETH Bibliothek, Archive und Nachlässe)

Die Studentendossiers der ETH Zürich geben wichtige Informationen zu allen Studenten und Studentinnen, die einmal an der ETH Zürich immatrikuliert waren. Für jeden Studenten und jede Studentin lässt sich aus dem Studentendossier eine Vielzahl von Details wie Heimatort, Studienjahre, Fachrichtung, Art des Abschlussen u.a.m. herauslesen. Diese Dossiers stellen somit eine bedeutende Quelle für die Hochschulgeschichte und die Personenforschung dar. Die Studentendossiers der Jahre 1856 bis 1965 sind im Archiv der ETH Zürich zu finden.

An der ETH Zürich besteht ein Studentendossier anfänglich aus einem siebenseitigen Formular, auf dem sich unter der Überschrift „Matrikel“ auf der ersten Seite neben dem vollständigen Namen, Geburtsdatum und Heimatort auch die Adresse und die Namen der Eltern finden. Dann ist die Abteilung angegeben, in welcher der Student sein Studium aufgenommen hat, sowie das Schuljahr und die „deponirten Zeugnisse“ und Noten der Aufnahmeprüfung, die den Studienbeginn ermöglichten. Schliesslich sind auch noch der Aufnahme- und Austrittstermin angegeben. Auf den folgenden Seiten informieren die Einträge über besuchte Vorkurse, Fächer mit Angabe der Lehrer sowie Noten und besuchte nichtobligatorische Fächer. Auf der Seite 7 stehen schliesslich die Fächer und Noten des Abgangs-Zeugnisses. Vielen Matrikeln liegen ebenfalls die von den Studenten und Studentinnen ausgefüllten Anmeldeformulare zur Aufnahme in das „Eidgenössische Polytechnikum“ bei.

Die äussere Erscheinungsform der Matrikel hat sich im Laufe der Jahre geändert. So sind später zum Beispiel die Fotos der Studenten und Studentinnen dazugekommen, die auf das Aufnahmeformular geklebt wurden.

Die Abbildung oben zeigt das Titelblatt der Matrikel der Russin Nadina Smetzky (geboren 17. Oktober 1849), der ersten Frau am Eidgenössischen Polytechnikum. (Häufig wird in der Literatur der Name „Nadezda Smeckaja“ als erster Studentin genannt. Diese Schreibweise kann aufgrund der Matrikel und des Studentenverzeichnisses des Eidgenössischen Polytechnikums Zürich nicht bestätigt werden.) Bevor sie an die ETH kam, studierte Nadina Smetzky Medizin an der Universität Zürich (in den Matrikeln der Universität Zürich mit dem Vornamenzusatz „Nadezda Nikolaevna“). Dann schrieb sie sich in der Abteilung III (Chemisch-Technische Abteilung) des Eidgenössischen Polytechnikums ein. Dort besuchte sie die Jahreskurse 1871/72 und 1872/73.

Aus dem „Bericht der eidgenössischen polytechnischen Schule über das Jahr 1872“:

„Unter den regelmässigen Schülern figurieren zum ersten Male zwei Damen, die eine an der mechanisch-technischen, die andere an der chemisch-technischen Abtheilung. Dieselben hatten durchaus das gleiche Aufnahmeexamen zu bestehen, wie die Schüler.“

Zum einen meinte man hier Nadina Smetzky, zum anderen Maria Rosenstein, die sich im Schuljahr 1872/73 in der Abt. IV (chemisch-technische Abteilung) einschrieb und vorher ebenfalls an der Universität Zürich war.

Links:

Zulassung von Nadina Smetzky zum Aufnahmeexamen an der mechanischen Abteilung durch den Schweizerischen Schulrat: Protokoll des Schweizerischen Schulrats vom 12.12.1870

14.08.2009

Hydrologischer Atlas der Schweiz

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Susanne Hofacker @ 16:51

Hydrologischer Atlas der Schweiz im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek

Hydrologische Daten bilden eine unentbehrliche Grundlage sowohl zur optimalen Nutzung der Ressource Wasser, zu deren quantitativem und qualitativem Schutz sowie zum Schutz der Bevölkerung vor Schäden. Sie werden je nach Problemstellungen für punktuelle, lokale, regionale oder nationale Bereiche benötigt. Insbesondere auf regionaler und nationaler Ebene fehlten die erforderlichen Grundlagen jedoch oft. Der „hydrologische Atlas der Schweiz” schliesst diese Lücke und stellt für die ganze Schweiz hydrologische Karten (vorwiegend im Massstab 1:500 000) und Informationen zur Verfügung.

Der Inhalt ist thematisch gegliedert in acht Kapitel: Grundlagen, Niederschlag, Schnee und Gletscher, Verdunstung, Fliessgewässer und Seen, Wasserhaushalt, Stoffhaushalt sowie Boden- und Grundwasser. Ein Kapitel umfasst mehrere Elemente, wobei die Karte immer im Mittelpunkt steht. Erläuterungen zum Inhalt, zur Bedeutung und Anwendung der dargestellten Thematik sind auf der Textseite nachzulesen. Anhand von Diagrammen und Tabellen auf der Rückseite der Karte lässt sich der thematische Inhalt weiter vertiefen.

Mit dem Beschluss zur Realisierung einer umfassenden Darstellung des Wissensstandes bezüglich hydrologischer Themen unterstrich der Bundesrat 1988 die Bedeutung dieses Werkes. Der Atlas ist ein Gemeinschaftswerk zahlreicher Fachleute und Institutionen; die Projektleitung liegt bei der Universität Bern. Bereits 1992 lag der Atlas in einer ersten Ausgabe vor, wobei noch nicht alle Kapitel bearbeitet waren. Sukzessive folgten und folgen weitere Kapitel und Überarbeitungen. Das Werk erscheint in zwei Bänden in Form grosser Ringbücher. Dies erlaubt auch in Zukunft eine problemlose Ergänzung, was von Vorteil ist, zumal die Thematik im Zusammenhang mit dem globalen Klimawandel an Bedeutung und Aktualität gewinnen wird.

Der hydrologische Atlas der Schweiz befindet sich in der Kartensammlung und ist in Ringbuchform im Lesesaal der Spezialsammlungen unter der Signatur KA 072 SCHW 02 einsehbar. Ausgewählte Informationen aus dem Atlas liegen in elektronischer Form vor (Excel-Tabellen und Textdateien).

06.08.2009

Erste Luftbilder der Berner Alpen (vor 1920)

Filed under: Bestände,Bildarchiv — Tags: — Nicole Graf @ 18:41

 Ad Astra Aero. Breithorn, Tschingelhorn, Bietschhorn, 5000 m. Ca. 1919-1920. Schwarz-weiss Dia 8 x 10 cm (Dia 280: 168).

Dieses Bild ist eine der ersten Luftbildaufnahmen, die von den Berner Alpen gemacht wurde und kann der Fluggesellschaft Ad Astra Aero und somit dessen Leiter der Fotoabteilung Walter Mittelholzer (1894-1937) zugeschrieben werden. Ad Astra Aero ist eine der ersten Fluggesellschaften, die 1919 durch die beiden Flugpioniere Walter Mittelholzer und Alfred Comte gegründet wurde. In den ersten zwei Betriebsjahren waren Luftbildfotografie und Bedarfsluftverkehr die Hauptschwerpunkte der Betriebstätigkeit, und im Juni 1922 fand der erste Linienflug Genf-Zürich-Nürnberg-Fürth statt. Schliesslich fusionierten am 26. März 1931 die Ad Astra Aero (Zürich) und die Balair (Basel): die Swissair war gegründet.

Walter Mittelholzer blieb zu seiner Zeit als Luftfotograf unerreicht. Sein Wille, ein- und erstmalige Luftaufnahmen vorzeigen zu können, war gross. Er unternahm nicht nur als erster Flüge über die mitteleuropäischen Alpen, sondern auch zahlreichen Pionierflüge in fast alle Erdteile: Teheran (Winter 1923/1924), Kilimandscharo (Winter 1929/30), Tschadsee (Winter 1930/31), Addis Abeba (1934). Im Bildarchiv der ETH-Bibliothek befinden sich in verschiedenen Teilbeständen Luftbilder von Walter Mittelholzer. Ein zoombares Bild befindet sich im BildarchivOnline.

Mit der Übernahme der Luftbild Schweiz und des Archivs der Swissair Mitte 2009 erhält die ETH-Bibliothek einen grossen Bestand der historisch wertvollen Glasplatten-Sammlung mit Mittelholzer In- und Auslandflugbildern. Dieser Bestand wird nun digitalisiert werden. Sobald die Bilder online geschaltet sind, wird in diesem Blog darüber berichtet werden.

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