Le Pylone de 300 Mètres. Maurice Koechlins Konstruktionsidee des Eiffelturms

Maurice Koechlin (1856-1946), Spross einer grossbürgerlichen elsässischen Familie, kam 1873 für sein Studium der Ingenieurswissenschaften ans damalige Polytechnikum nach Zürich. Einer seiner Professoren war Karl Culmann, der die angehenden Ingenieure anhand der von ihm entwickelten Konstruktionsmethode der grafischen Statik im Eisenbahn-, Strassen- und Brückenbau unterrichtete. Gerade in dieser Disziplin leisteten die Ingenieurswissenschaften zentrale Beiträge zum damals rasant vorangetriebenen Aufbau einer modernen Infrastruktur. Spektakulären Brückenkonstruktionen aus Stahl waren die sichtbaren Zeichen dieser Entwicklung.

Maurice Koechlin und Emile Nougier skizzierten die erste Konstruktionsidee des späteren Eiffelturms im Juni 1884. (ETH-Bibliothek, Hochschularchiv, Hs 1092, http://dx.doi.org/10.7891/e-manuscripta-5218)

Koechlins hervorragender Studienabschluss und zwei Jahre Berufserfahrung als Ingenieur bei den „Chemin de Fer de l’Est“ ermöglichten ihm 1879 den Eintritt in das renommierte und international tätige Ingenieurbüro Gustav Eiffel. Als einer von Eiffels Ingenieuren war Koechlin für den Bau des Garabit-Viadukts mitverantwortlich, der für die Bahn eine 120 Meter tiefe Schlucht überspannte. Als nächstes erfolgreiches Projekt entwarf Koechlin für das Büro Eiffel das tragende eiserne Gerüst im Innern der New Yorker Freiheitsstatue.
Als im Vorfeld der Paris Weltausstellung von 1889 über die Errichtung eines Turms als öffentliches Wahrzeichen diskutiert wurde, nahm Koechlin die Anregung auf. Zusammen mit Eiffels langjährigem Mitarbeiter Emile Nougier entwickelte er 1884 die Idee, einen Fachwerkmast von 300 Meter Höhe zu bauen. Auf der Skizze ist klar erkennbar, wie wichtig die Höhe des angestrebten Bauwerks war: Als höchstes Gebäude der Welt sollte es Notre-Dame de Paris, die Freiheitsstatue, dreimal die Säule der Place Vendôme, den Triumphbogen und ein sechsstöckiges Gebäude überragen.
Der Entwurf des „Pylone de 300 mètres“ basiert auf den Prinzipien angewandter grafischer Statik und ist ganz auf die Demonstration von Ingenieurbaukunst ausgelegt. Entsprechend markierte er den Beginn einer breiten Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern eines eisernen Symbols der Industrie inmitten der Stadt Paris. Es war schliesslich Eiffel, der mit seiner Finanzkraft und seinem Ansehen für den Bau des Turms und dessen Erhaltung nach der Weltausstellung sorgte.

Ausstellungshinweis: Der erste Entwurf des Eiffelturms von Koechlin und Nougier ist Teil der sehenswerten Ausstellung „Gustav Eiffel – Le Magicien du Fer“, Hôtel de Ville, Paris, 7. Mai bis 30. September 2009.

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