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31.07.2009

Johannes Kepler: Mysterium Cosmographicum (Tübingen, 1596)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:34

Tabula III: Orbium planetarum dimensiones, et distantias per quinque regularia corpora geometrica exhibens

Der deutsche Naturphilosoph, Theologe, Mathematiker, Astronom, Astrologe und Optiker Johannes Kepler (1571-1630) ist am besten bekannt für seine drei Gesetze der Planetenbewegung. Zu seinem astronomischen Erstlingswerk Mysterium Cosmographicum  hier ein Zitat aus der Publikation Buchschätze der ETH-Bibliothek:      

… [in] Mysterium Cosmographicum, das im Jahr 1596 erschien, fragte Kepler auf der Grundlage der Kopernikanischen Lehre nach den Ursachen für die Anzahl der Planeten, für ihre Abstände von der Sonne und die Perioden ihrer Bewegungen. Seiner Meinung nach bildete die Erdbahn das Grundmass für den gesamten Bauplan des Planetensystems. Das von ihm dargestellte “Weltgeheimnis” sollte darin bestehen, dass zwischen den sechs damals bekannten Planeten die fünf regelmässigen oder Platonischen Körper (Dodekaeder, Tetraeder, Hexaeder, Ikosaeder und Oktaeder) so eingelagert werden, dass jeder der fünf Körper von je zwei benachbarten Planetensphären berührt wird.

Die oben abgebildete Tafel 3 zeigt die auf einem Kreis beruhenden äussere Sphäre des Saturn und darin die Sphäre des Jupiter. Darin folgen dann wiederum die inneren Planeten Merkur, Venus, Erde und Mars. Kepler fertigte zwei Prototypen des Modells aus farbigem Papier an und plante, es in Silber ausführen zu lassen. Die silbrige Ausführung sollte auch als Pokal für verschiedene Getränke dienen.

Das von einer gehörigen Portion Mystizismus geprägte Modell erwies sich schliesslich als mangelhaft, da die daraus resultierenden interplanetaren Distanzen ungenau waren. Dennoch konnte Kepler in den nachfolgenden Jahrzehnten mit der Annahme elliptischer Planetenbahnen das Weltbild von Kopernikus entscheidend verbessern und dessen heliozentrische Hypothese stützen.

Links:

Mysterium Cosmographicum  im Bibliothekskatalog NEBIS

Online bei e-rara.ch

Bilder aus Mysterium Cosmographicum  in E-Pics Alte Drucke

Publikation Buchschätze der ETH-Bibliothek

24.07.2009

Kautschukfabrik in Sumatra (ca. 1928-1932)

Filed under: Bestände,Bildarchiv,Botanik — Nicole Graf @ 16:47

 Kautschuk. Verarbeitung. Inneres einer Kautschukfabrik. Walzen und Zurechtschneiden des Kautschuks, Java-B. Ca. 1928-1932. Schwarz-weiss Dia 8,5 x 10 cm (Dia 249: Ka 112). 

Albert Frey-Wyssling (1900-1988) war seit 1938 Professor für allgemeine Botanik an der ETH Zürich und amtierte von 1957-1961 als deren Rektor. Von 1928 bis 1932 arbeitete er als Pflanzenphysiologe an der holländischen Kautschuk-Versuchsanstalt in Medan/Sumatra, die bestrebt war, mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden die Ertragskraft von Kautschuk zu steigern. Frey-Wyssling untersuchte die physiologischen Vorgänge, die sich beim Zapfen in der Rinde des Kautschukbaumes abspielen. Eine seiner Entdeckungen ist in der Fachliteratur als “Frey-Wyssling complex” bekannt. Frey-Wyssling wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten über den Feinbau von Zellwänden noch vor der Einführung der Elektronenmikroskopie 1938 auf den Lehrstuhl für “Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie” an der ETH Zürich berufen.

Seine umfangreiche Diasammlung befindet sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek, sein wissenschaftlicher Nachlass bei den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.

17.07.2009

Nationalatlanten II – Ukraine und Armenien

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Kartensammlung — Carol Ribi @ 15:55

 

Nationalatlanten im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek

Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich aus den ehemaligen Teilrepubliken eigenständige Staaten mit starkem Nationalbewusstsein gebildet. Diese Entwicklung in Osteuropa hat sich auch auf die Atlaskartographie ausgewirkt. Die meisten Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion haben eigenständige und innovative Länderatlanten herausgebracht, die durch ihre Themenvielfalt und fundierte Karteninformationen hervorstechen.

Die dabei eindrücklichsten Atlaswerke sind die Nationalatlanten der Ukraine (2007) und Armenien (2007-), die im Lesesaal der Spezialsammlungen der ETH-Bibliothek zu finden sind.

Sprache und Schrift entsprechen der jeweiligen Nationalsprache. Der ukrainische Atlas verfügt aber auch über ein englisches Inhaltsverzeichnis, wohingegen der armenische Atlas ausschliesslich die armenische Sprache benutzt und somit leider schwer zugänglich ist.

Die Themenvielfalt wird durch eine fundierte Datensammlung aufgewertet. Beide legen Wert auf eine historische Übersicht ihrer eigenen Geschichte. Die kulturellen Wurzeln werden dabei bis in die Urzeit zurückverfolgt. Beim ukrainischen Atlas sind die neuzeitlichen historischen Daten von erstaunlicher Detailtreue. So werden zum Beispiel Kriegsereignisse, politische Bewegungen, ethnische Säuberungen des 19. und 20. Jahrhunderts dargestellt, oder Statistiken zu Bildung, Bevölkerung, Ökologie sowie Ökonomie aufgeführt.

Nicht nur Ökologie und die kritische historische Aufarbeitung der Vergangenheit sind neue Akzente, sondern auch die Perspektive ist neu, dass diese Länder als souveräne Bestandteile in die globale Staatengemeinschaft eingegliedert werden.

Beide Atlanten sind offizielle staatliche Veröffentlichungen und von renommierten wissenschaftlichen Instituten wie zum Beispiel dem ukrainischen Akademieinstitut für Geographie herausgegeben worden. Die fundierte und innovative wissenschaftliche Arbeit erbringen somit immer noch alte Institutionen. Sie leisten aber mit ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag am Prozess der politischen und wirtschaftlichen Festigung des jungen Staates Ukraine. Der Nationalatlas der Ukraine wurde vom Parlament zum Bildungsatlas und Referenzatlas für Politik und Wirtschaft erklärt.

Die Atlanten befinden sich in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und können unter der Signatur KA 03 UKRA 01 und KA 03 ARME 01 eingesehen werden.

Teile des ukrainischen Atlas sind im Internet zu finden unter: http://wdc.org.ua/en/node/304

14.07.2009

Beschreibung eines erprobten Instruments wodurch ein Dieb er mag durchs Fenster einsteigen, oder durch eine Wand brechen, allemal entdeckt, wenigstens aber sicher verscheucht wird

Filed under: Alte Drucke,Ingenieurwissenschaften — Tags: — Roland Lüthi @ 8:39

Kupferstich auf Falttafel

“Was helfen aber Schiessgewehre; was helfen Degen und Dolche, wenn der Mensch im ersten Schlafe liegt, und also unfähig ist, sich ihrer zur Gegenwehr zu bedienen.” So sinniert der Herzoglich Mecklenburgisch Schwerinsche Bau-Inspector Ernst Christian August Behrens zu Beginn seines Traktats über eine der ersten Alarmanlagen überhaupt. “Dieses Instrument [...] leistet alles, was man nur von einem Instrumente dieser Art erwarten kann. Es ist für den Dieb äusserst schreckhaft, so wie für die Bewohner eines Hauses desto beruhigender, da es auf die Annärung des Diebes schnell ein Licht anzündet; den Schlafenden nicht allein hiedurch, sondern auch durch eine nahe beim Bette angebrachte Glocke und starken Knall aufwecket, und durch diese unerwaretet Vorkommenheit den beim einsteigen begriffenen Dieb verscheucht”.

Diese 1798 von Joseph Kottnauer in Prag gedruckte Ausgabe wurde nicht wieder aufgelegt und ist äusserst selten: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000345259 .

10.07.2009

Le Pylone de 300 Mètres. Maurice Koechlins Konstruktionsidee des Eiffelturms

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Ingenieurwissenschaften — Michael Gasser @ 7:00

Maurice Koechlin und Emile Nougier skizzierten die erste Konstruktionsidee des späteren Eiffelturms im Juni 1884. (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1092)

Maurice Koechlin (1856-1946), Spross einer grossbürgerlichen elsässischen Familie, kam 1873 für sein Studium der Ingenieurswissenschaften ans damalige Polytechnikum nach Zürich. Einer seiner Professoren war Karl Culmann, der die angehenden Ingenieure anhand der von ihm entwickelten Konstruktionsmethode der grafischen Statik im Eisenbahn-, Strassen- und Brückenbau unterrichtete. Gerade in dieser Disziplin leisteten die Ingenieurswissenschaften zentrale Beiträge zum damals rasant vorangetriebenen Aufbau einer modernen Infrastruktur. Spektakulären Brückenkonstruktionen aus Stahl waren die sichtbaren Zeichen dieser Entwicklung.
Koechlins hervorragender Studienabschluss und zwei Jahre Berufserfahrung als Ingenieur bei den “Chemin de Fer de l’Est” ermöglichten ihm 1879 den Eintritt in das renommierte und international tätige Ingenieurbüro Gustav Eiffel. Als einer von Eiffels Ingenieuren war Koechlin für den Bau des Garabit-Viadukts mitverantwortlich, der für die Bahn eine 120 Meter tiefe Schlucht überspannte. Als nächstes erfolgreiches Projekt entwarf Koechlin für das Büro Eiffel das tragende eiserne Gerüst im Innern der New Yorker Freiheitsstatue.
Als im Vorfeld der Paris Weltausstellung von 1889 über die Errichtung eines Turms als öffentliches Wahrzeichen diskutiert wurde, nahm Koechlin die Anregung auf. Zusammen mit Eiffels langjährigem Mitarbeiter Emile Nougier entwickelte er 1884 die Idee, einen Fachwerkmast von 300 Meter Höhe zu bauen. Auf der Skizze ist klar erkennbar, wie wichtig die Höhe des angestrebten Bauwerks war: Als höchstes Gebäude der Welt sollte es Notre-Dame de Paris, die Freiheitsstatue, dreimal die Säule der Place Vendôme, den Triumphbogen und ein sechsstöckiges Gebäude überragen.
Der Entwurf des “Pylone de 300 mètres” basiert auf den Prinzipien angewandter grafischer Statik und ist ganz auf die Demonstration von Ingenieurbaukunst ausgelegt. Entsprechend markierte er den Beginn einer breiten Diskussion zwischen Befürwortern und Gegnern eines eisernen Symbols der Industrie inmitten der Stadt Paris. Es war schliesslich Eiffel, der mit seiner Finanzkraft und seinem Ansehen für den Bau des Turms und dessen Erhaltung nach der Weltausstellung sorgte.

Ausstellungshinweis: Der erste Entwurf des Eiffelturms von Koechlin und Nougier ist Teil der sehenswerten Ausstellung “Gustav Eiffel – Le Magicien du Fer”, Hôtel de Ville, Paris, 7. Mai bis 30. September 2009.

03.07.2009

Nikolaus Kopernikus: De revolutionibus orbium coelestium (Nürnberg, 1543)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie,Bestände — Roland Lüthi @ 8:00

 

Folio 9, verso: heliozentrisches Planetensystem von Kopernikus

In seinem Hauptwerk De revolutionibus orbium coelestium (Nürnberg, 1543) stellte der berühmte Jurist, Arzt und Astronom Nikolaus Kopernikus (1473-1543) die These auf, dass die Sonne als Zentrum des Planetensystems anzusehen sei. Er war allerdings nicht der erste Wissenschaftler, der ein heliozentrisches System in Betracht zog. Als früher Vertreter derselben Idee gilt Aristarchos von Samos (3. Jh. v. Chr.). Im 15. Jahrhundert sind als Vordenker Nikolaus von Kues (1401-1464) und Regiomontanus (1436-1476) zu nennen.

Da die Theorie von Kopernikus anfangs lediglich als mathematische Hilfskonstruktion zur einfacheren Berechnung der Planetenbahnen angesehen wurde, hatte Kopernikus – anders als Galileo Galilei einige Jahrzehnte später – keine Verfolgung durch die Inquisition zu erleiden. Zu Kopernikus’ Ehren wird das heliozentrische Weltbild auch das “Kopernikanische Weltbild” genannt.  

Links:

De revolutionibus im Bibliothekskatalog NEBIS: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000395638 (keine Ausleihe; online via e-rara.ch: http://www.e-rara.ch/doi/10.3931/e-rara-420).

01.07.2009

Christian Konrad Sprengel: Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen (Berlin, 1793)

Filed under: Alte Drucke,Botanik,Naturwissenschaften,Zoologie — Tags: , — Roland Lüthi @ 8:15

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Titelkupfer

Der deutsche Theologe und Botaniker Christian Konrad Sprengel (1750-1816) begründete mit  ”Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen” einen Zweig der biologischen Wissenschaften, der erst Jahrzehnte später seinen heutigen Namen “Blütenökologie” erhielt. 

Sprengel beschäftigte sich auf Anraten seines Arztes mit Botanik und erforschte von 1787 bis 1792 die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Insekten. Insbesondere ging er der Frage nach, wie der Bau, die Farbgebung, und spezifische Farbzeichnungen von Blumen die verschiedenen Insekten anlocken, um die Bestäubung zu ermöglichen. Der deutsche Botaniker Gerhard Wagenitz fasst die Grundaussage des Buches so zusammen: “Blüten sind zum überwiegenden Teil auf ihre Bestäuber angewiesen, und die Eigentümlichkeiten ihres Baues lassen sich als Anpassungen verstehen, die die Bestäubung sicherstellen. Dabei wird die Selbstbestäubung weitgehend vermieden.”

Der Gedanke der Beförderung der Fremdbefruchtung war wohl das, was Charles Darwin knapp 50 Jahre später an dem Buch von Sprengel beeindruckte. Darwin selbst sah die sexuelle Fortpflanzung als Quelle der Variabilität und publizierte 1862 sein blütenökologisches Hauptwerk On the various contrivances by which British and foreign orchids are fertilised by insects, and on the good effects of intercrossing. “Intercrossing” übersetzt als “Befruchtung durch eine andere Art” impliziert hier bereits auch den Begriff der “Koevolution”, die wechselseitige Anpassung von Pflanze und Tier.

Links:

Das entdeckte Geheimniss der Natur im Bibliothekskatalog NEBIS

Das Titelkupfer in E-Pics Alte Drucke 

Ein deutscher Imker hat das Buch als Faksimile erworben und eingescannt. Er stellt es online als PDF (20 MB) zur Verfügung.

Literatur:

Gerhard Wagenitz: Sprengels „Entdecktes Geheimniss der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“ aus dem Jahre 1793 und seine Wirkung. In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen: 2, Mathematisch-Physikalische Klasse; 1993, 1. Göttingen 1993.  

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