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26.06.2009

Vom Tunichtgut zum ehrbaren Professor auf Empfehlung von Marie Curie

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Physik — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Abschrift des Briefs von Marie Curie an Pierre Weiss, Physikprofessor an der ETH, Paris, 17. November 1911.

Als Student des Eidgenössischen Polytechnikums an der Abteilung für mathematische und naturwissenschaftliche Fachlehrer war Albert Einstein der Professorenschaft durch Respektlosigkeit aufgefallen, vom Rektor mit einem Verweis wegen Unfleiss ausgezeichnet worden und hatte mit der zweitschlechtesten Abschlussprüfung seines Jahrgangs geglänzt, gerade noch ausreichend für das schlechteste Diplom, unterboten einzig von den Leistungen seiner künftigen Frau Mileva Maric.

Erst ein paar Jahre später verblüffte er die Fachwelt mit einer Folge spektakulärer Arbeiten zur theoretischen Physik, darunter die spezielle Relativitätstheorie. 1911 wurde er daher nach Brüssel an die erste internationale Physik-Konferenz des belgischen Industriellen Solvay eingeladen, wo er die polnisch französische Nobelpreisträgerin Marie Curie kennenlernte. Auf seinem holprigen akademischen Weg war der flatterhafte Querkopf inzwischen mit der stetigen Hilfe treuer Freunde bis auf einen Physiklehrstuhl an der deutschen Universität Prag gelangt. Hier gefiel es ihm allerdings nur kurz. Es traf sich somit günstig, dass die ETH sich gerade neu organisierte und den Unterricht der Grundlagenfächer ausbaute. Einmal mehr konnte Einstein auf seine verlässlichen Zürcher Freunde zählen, die nun mit Umsicht die Rückkehr des verlorenen Sohnes an die ETH einfädelten.

Dafür wurde unter anderem Marie Curie um ihre Einschätzung von Einstein gebeten. Am 17. November 1911 schrieb sie aus Paris, dass man in den noch jungen Forscher grösste Hoffnungen setzen und in ihm einen der führenden Theoretiker der Zukunft sehen könne. Das freundliche Urteil der zweifachen Nobelpreisträgerin trug schliesslich dazu bei, dass der gehörig beeindruckte Schweizer Bundesrat der Berufung Einsteins an die ETH zum ordentlichen Professor für theoretische Physik zustimmte.

Links:

Die Abschrift der Empfehlung von Marie Curie befindet sich in der Einstein-Sammlung des Schriftstellers Carl Seelig in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.

Weitere Dokumente der ETH-Bibliothek von und zu Einstein sind zu sehen in Einstein-online.

Lektüre zu Einsteins Werdegang bietet Albrecht Fölsing, Albert Einstein. Eine Biographie, 1993. Darin steht auf Seite S. 332 eine deutsche Teilübersetzung von Marie Curies Empfehlung.

Zu Marie Curie sei hingewiesen auf Susan Quinn, Marie Curie. Eine Biographie, 1999, weiter auf das Porträt des Monats Juli 2009 der ETH-Bibliothek und auf den gehaltvollen Artikel in der Wikipedia.

23.06.2009

Bilder aus Venedig: Ferdinand Onganias La Basilica di San Marco in Venezia (Venedig, 1881-1888)

Filed under: Alte Drucke,Architektur,Bestände,Kunstgeschichte — Roland Lüthi @ 15:56

La Basilica di San Marco in Venezia, Tafel XVI

La Basilica di San Marco in Venezia, Tafel I

La Basilica di San Marco in Venezia, Tafel C

Der italienische Herausgeber und Publizist Ferdinand Ongania wurde 1842 in Venedig geboren und starb 1911 in St. Moritz. Sein kolossales neunbändiges Werk La Basilica di San Marco in Venezia  (Venedig, 1881-1888) war die erste grosse Zusammenstellung aller wichtigen Details des Bauwerks.

In den 1890er Jahren verlegte Ongania ein weiteres zweibändiges Werk mit dem Titel Calli e Canali in Venezia  mit einhundert Fotogravüren, welche die Stadt Venedig und deren Bewohner zeigen.

Links:

La Basilica di San Marco in Venezia und Calli e Canali in Venezia  sind als Mikrofiches in NEBIS bestellbar (Ansicht im Lesesaal Spezialsammlungen). Die Originaldrucke sind für die Ausleihe gesperrt.

Die Originalbilder zu Onganias La Basilica di San Marco in Venezia  sind ausgestellt im Museo di San Marco in Venedig: http://www.museosanmarco.it/WAI/ita/ongania.bsm

19.06.2009

Nationalatlanten I – Funktion und Bedeutung

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Carol Ribi @ 16:16

Nationalatlanten sind bis heute eine wichtige Informationsquelle

Nationalatlanten haben immer eine Doppelfunktion: sie repräsentieren den Entwicklungsstand der Geographie, Geowissenschaften, Kartographie und Informationstechnologie und sind zugleich immer auch wichtige Nachschlagewerke und Informationsquellen für die Wissenschaft, Lehre sowie Öffentlichkeit. Meistens folgt der Nationalatlas einem standardisierten länderkundlichen Darstellungs-Schema, das verschiedene Fakten aus Geologie, Wirtschaft, Bevölkerung, Raumplanung eines Landes bildlich darzustellen sucht.

Der erste Nationalatlas, der diese thematische Vielfalt berücksichtigte, war der 1899 erschienene “Atlas de Finlande“. Er diente zur politischen Selbstdarstellung oder anders gesagt zur “Repräsentation des Landes gegen aussen”. Dieser Atlas unterschied sich deutlich von den ersten deutschen Atlanten wie zum Beispiel dem “Administrativ-statistischen Atlas vom Preussischen Staate” (1828) oder dem “Atlas von Sachsen” (1821-1860), in denen ausschliesslich administrative, statistische sowie topographische Daten dargestellt wurden. Finnland war zu dieser Zeit ein autonomes Grossfürstentum des zaristischen Russlands und genoss bis 1899 eine liberale Förderkultur der eigenen Sprache und Kultur. Die nationalistischen Anliegen, welche damals in ganz Europa spriessten, wurden mit dem “Atlas de Finlande” unterstrichen.

Der Nationalatlas hat mit Sicherheit seine historischen Wurzeln in den “Nationalismus-Bewegungen” des 19. Jahrhunderts, auch wenn er sich nach dem Zweiten Weltkrieg in eine mehr wissenschaftliche und enzyklopädische Richtung entwickelte. In den 1960er-Jahren war das Ziel eines Nationalatlas, möglichst alle natur-geographischen und raumplanerischen Themen umfassend darzustellen. Dazu seien hier erwähnt “Atlas Nacional do Brasil” (1966, 1972) und “Atlas of Hungary” (1967).

Neuere Nationalatlanten orientieren sich heute stärker am Zustand der Gesellschaft und der Umwelt, an Lebensverhältnissen der Bevölkerung und verzichten bewusst auf Vollständigkeit des Themenspektrums. Neue Darstellungsmöglichkeiten wie Fotos, Luft- und Satellitenbilder, 3D-Modelle prägen die heutigen Atlanten. Nicht selten werden Nationalatlanten durch elektronische Daten-Speicher wie CD-Rom, DVD oder das Internet ergänzt. Noch hat aber kein Anbieter vollständig auf die elektronische Ausgabe gesetzt. Die Tradition des gedruckten und repräsentierenden Nationalatlas scheint immer noch sehr stark zu sein wie auch die neusten Nationalatlanten aus den ehemaligen sowjetischen Republiken zeigen (Fortsetzung folgt).

Die meisten der oben erwähnten Nationalatlanten sind in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek zu finden und können im Lesesaal der Spezialsammlungen benutzt werden.

Links:

“Atlas de Finlande”: http://lazarus.elte.hu/hun/tantort/2002/finn-atlasz/fogelberg.htm

“Administrativ-statistischer Atlas vom Preussischen Staate”: http://www.geog.fu-berlin.de/2bik/Kap6/kap6_1-03.php3

“Atlas von Sachsen”: http://www.deutschefotothek.de/obj70302462.html#top

17.06.2009

Von der Kunst farbige Bilder zu drucken

Filed under: Alte Drucke,Kunstgeschichte — Tags: , — Roland Lüthi @ 10:59

Première Planche (S. 137): Palette chargée de couleurs pour peindre selon la pratique méchanique de Le Blon.

Der Maler und Kupferstecher Jacques Christophe Le Blon (geboren am 21.5.1667 in Frankfurt am Main, gestorben am 16.5.1741 in Paris) gilt als Erfinder des Vierfarbendrucks. Sein Handwerk lernte er bei Conrad Meyer in Zürich und bei Carlo Maratti in Rom. Von dort nahm ihn der Maler Bonaventura von Overbeck mit nach Amsterdam, wo Le Blon mit Versuchen des Dreiplattendruckes (Blau, Gelb und Rot) begann, um ölbildähnliche Wirkungen zu erzielen. Er liess das Verfahren mehrfach patentieren und entwickelte es weiter, indem er zu den drei Farbplatten eine schwarze Platte hinzufügte. 1738 erhielt er von Ludwig XV das exklusive Recht zur Herstellung farbiger Reproduktionsdrucke.

1741, nach dem Tod Le Blons beanspruchte sein ehemaliger Mitarbeiter Jacques-Fabien Gautier d’Agoty (1711-1785) das königliche Privileg und noch dazu den Titel als Erfinder des Farbdrucks. Gautier und seine fünf Söhne dominierten danach die Pariser Farbdruckindustrie in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Neben Reproduktionen von Gemälden und historischen oder wissenschaftlichen Serien, stellte das Atelier von Gautier auch Farbdrucke für Zeitschriften her, darunter Observations physiques (1750-1753), Observations sur histoire naturelle, sur la physique et sur la peinture (1752-1756), Observations sur la peinture (1753-1754), und Journal de Monsieur (1776-1777).

Links:

Die 1756 von Antoine Gautier de Montdorge (1700-1768) veröffentlichte  Beschreibung des Verfahrens von Le Blon kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal Spezialsammlungen eingesehen werden: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000241453

The Creation of Color in Eighteenth-Century Europe: http://www.gutenberg-e.org/lowengard/C_Chap14.html

12.06.2009

Nicht alle „Lädeli” sind zum Sterben verurteilt

Filed under: Bildarchiv,Wirtschaft, Recht und Politik — Nicole Graf @ 16:06

Krebs, Hans. Klein-Detaillisten-Händler Blaser, Samuel, Turnerstr. 24, Zch 8008. 2/1974. Schwarz-weiss Fotonegativ 2,4 x 3,6 cm (L 23/112/100)

Das Ladensterben ist seit Mitte der 1960er-Jahre, als die ersten Einkaufszentren entstanden, ein wiederkehrendes Phänomen. Die Comet-Reportage von Werner Catrina (Text) und Hans Krebs (Bilder) zeigt folgende Entwicklungen auf: Zwischen 1970 und 1975 nahm die Zahl der Lebensmittelläden von rund 15‘000 auf ungefähr 11‘000 ab, der Marktanteil der Detailhändler verringerte sich um rund 8 %. Wegen der Eröffnung von grossen Einkaufszentren und Discountgeschäften erhöhte sich in der Zeit die Verkaufsfläche von 3,8 Mio. auf 4,35 Mio. Quadratmeter.

Von 1968 bis 1975 sind in der Schweiz 34 Einkaufszentren mit über 5‘000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstanden. Trotzdem werden dem kleinen Einkaufsladen durchaus Überlebenschancen zugebilligt. Die Vorteile des Detailhändlers – vor 40 Jahren wie auch heute – sind die bessere Kundenbetreuung, das spezielle Sortiment, Hauslieferdienst und anderen Dienstleistungen.

Die Comet-Reportage beleuchtet den Detailladen des Ehepaares Blaser an der Turnerstrasse 24 in Zürich. Samuel Blaser hatte den Laden 1938 für 22‘000 Franken übernommen. Arbeitstage von 18 Stunden waren keine Seltenheit. Der gelernte Käser war 1975 noch einer der letzten Zürcher Milchmänner. Das Ehepaar hatte in den fast 40 Jahren eine Menge Veränderungen miterlebt: Umwandlung vieler Wohnungen in Büros, der Migros-Verkaufswagen oder die Migros-Filiale in unmittelbarer Nähe. Mit der Anpassung des Sortiments konnte beispielsweise das Büropersonal gewonnen werden, das zwar mengenmässig weniger, dafür in der Regel aber teurere Produkte kaufte. Auch die Erweiterung des Wein- und Spirituosen-Angebots stellte sich als grosser Erfolg heraus.

Trotz alledem waren keine Nachfolger für das Geschäft in Sicht, die Zukunft des Ladens war zur Zeit der Reportage ungewiss. Die Reportage schliesst mit folgenden Worten:

“Jedenfalls wird man die beiden [Emmi und Samuel Blaser] vermissen, wenn sie sich einmal aufs Altenteil zurückziehen werden. Der Laden und seine Besitzer gehören seit Jahrzehnten zum Quartier. Die Kundschaft hält dem Geschäft zum Teil bereits in der vierten Generation die Treue. Nicht selten erscheinen längst weggezogene, ehemalige Kunden. So zum Beispiel Swissair-Hostessen, die früher in grösserer Zahl hier wohnten. Samuel Blaser: ‘Sie kaufen meine Fonduemischung und nehmen sie mit nach Amerika.’”

Das Bild ist Bestandteil des Archivs der Fotoagentur Comet Photo des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Es ist – wie andere Bilder der Comet Photo AG – in digitaler Form über Bildarchiv online öffentlich zugänglich.

05.06.2009

Christoph Clavius: Commentarius in sphaeram Joannis de Sacro Bosco (Rom, 1581)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 8:00

Kupferstich Seite 71: Ptolemäisches Weltsystem

Der Kommentar des Jesuitenpaters Christoph Clavius (1537-1612) zum wichtigsten astronomischen Lehrbuch des Spätmittelalters, der Sphaera von Johannes von Sacrobosco (1195-1256) erschien erstmals im Jahr 1570 in Rom. Dass das Werk zu  Lebzeiten von Clavius neunzehn weitere Male veröffentlicht wurde, zeugt nicht nur von der Popularität des Werkes, sondern auch von Clavius’ ernsthafter Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Entwicklung in der Astronomie. Obwohl er zeitlebens das ptolemäische Weltbild vertrat, unterhielt Clavius gute Beziehungen zu den führenden Astronomen und Mathematikern Galileo Galilei, Tycho Brahe und Johannes Kepler.

Links:

Der Commentarius in sphaeram  Joannis de Sacro Bosco (Ausgabe von 1581) kann im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt werden(Ansicht im Lesesaal Spezialsammlungen).

Die Ausgabe von 1585 ist online beim Institute and Museum oft he History of Science in Florenz: http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en.

Die Ausgabe von 1591 ist online bei ECHO: http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/ECHOdocuView/ECHOzogiLib?url=/mpiwg/online/permanent/library/DP9UZA52/pageimg&pn=1&mode=imagepath.

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