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29.05.2009

Starker Tobak: Die Nikotintomate

Filed under: Archive und Nachlässe,Bestände,Botanik — Tags: — Yvonne Voegeli @ 7:00

Skizze aus Albert Frey-Wyssling, Tropische und subtropische Kulturpflanzen I, Vorlesungsnotizen, Sommersemester 1942 (ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 1368:28)

Albert Frey-Wyssling (1900-1988), Botanikprofessor an der ETH Zürich, schätzte den schnellwüchsigen Tabak als Versuchspflanze für seine Forschungen, nicht aber die gesundheitlichen Gefahren des Genussmittels. In seiner Vorlesung über Tropische und subtropische Kulturpflanzen in den 1940er Jahren schildert er drastisch die Auswirkungen der Tabakgifte auf den menschlichen Organismus. Erst darauf präsentiert er die neusten Erkenntnisse über die Bildung des Nikotins in der Pflanze. Die Forschung hatte nämlich das Übel soeben buchstäblich an der Wurzel gepackt. In seinen autobiographischen Erinnerungen schreibt er später darüber: “Wenn man […] Tomatenschösslinge auf Tabakwurzeln pfropft, entstehen nikotinhaltige Tomaten; umgekehrt bleiben die Blätter von auf Tomatenwurzeln gepfropften Tabakpflanzen nikotinfrei.” Weder staatliche Stellen, noch die Lebensmittel- oder Tabakindustrie scheinen während der Kriegszeit und lange danach Interesse an diesem Befund gehabt zu haben. Jedenfalls erwähnt Frey-Wyssling keinerlei Reaktionen aus diesen Kreisen.

Links:
Die erwähnten Vorlesungsnotizen stammen aus dem Nachlass Frey-Wyssling in den Archiven und Nachlässen der ETH-Bibliothek.
Erwähnte Literatur: Albert Frey-Wyssling, Lehre und Forschung. Autobiographische Erinnerungen, 1984.

27.05.2009

Vier Publikationen von Bruno Taut online

Filed under: Alte Drucke,Architektur,Bestände — Roland Lüthi @ 8:39

Tafeln 29 und 30 aus Ruf zum Bauen (Berlin, 1920)

Vier wichtige Publikationen des deutschen Architekten Bruno Taut (1880-1938) aus der Sammlung Alte Drucke stehen ab sofort digital als PDF zur Verfügung. Es handelt sich um Die Stadtkrone (Jena, 1919), Ruf zum Bauen (Berlin, 1920), Der Weltbaumeister (Hagen, 1920) und Die neue Wohnung (Leipzig, 1925).

Bereits digitalisiert aber noch nicht online sind Frühlicht (Magdeburg 1921-1922) und Alpine Architektur (Hagen, 1919). Die beiden Nachzügler werden voraussichtlich im Herbst 2011 im Rahmen von e-rara.ch online gehen. Gemäss Urheberrecht könnten die vergriffenen und deshalb sehr begehrten Bücher Tauts seit 2008 neu aufgelegt werden. Mir sind aber leider bisher keine solchen Projekte bekannt. 

Link:

Zu Bruno Taut siehe auch das “Porträt des Monats” vom Mai 2005: http://www.ethbib.ethz.ch/aktuell/galerie/taut/

22.05.2009

Historische Gewässerkarte des Kantons Zürich 1:25 000 (Zürich, 1991)

Filed under: Geographie und Karten,Kartensammlung — Carol Ribi @ 12:39

Zürich-Nord, Ausschnitt aus der Historischen Gewässerkarte des Kantons Zürich, Blatt 6 (1991)

Viele Bäche und Flüsse im Kanton Zürich wurden begradigt oder verlegt. Dies geschah einerseits im Zusammenhang mit der “Anbauschlacht” während des Zweiten Weltkrieges als in der ganzen Schweiz Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln auf Brachen und in öffentlichen Parks angebaut wurden, um die Selbstversorgung zu sichern. Andererseits waren die umfangreichen Meliorationsprojekte für die Veränderungen verantwortlich. Der Begriff Melioration steht für grundlegende Eingriffe in die Landschaft, zum Beispiel sind dies Be- oder Entwässerungssysteme, Eindeichung von Überschwemmungsgebieten sowie die Urbarmachung von Ödland. Diese Landschaftsveränderungen hängen eng mit dem Wachstum von Bevölkerung, Industrie, Landwirschaft und Verkehr zusammen.

Roland Brändli hat anfangs der 1990er-Jahre 12 Kartenblätter zur Entwicklung der Gewässer im Kanton Zürich erstellt. Die Karten zeigen auf, wie sich Fliessgewässer, Feuchtgebiete und Seen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im Kanton Zürich stark verändert haben. Die Karte oben zeigt den nördlichen Teil der Stadt Zürich. Zu sehen ist der Milchbuck mit seinem Irchelpark, Teile vom Zürichberg sowie Oerlikon und Wipkingen. Die grün gepunkteten Linien zeigen eingedolte Bäche; die grüne Linie verweist auf neu angelegte oder entstandene Gewässer; die roten Linien sind heute verschwundene Gewässer, die entweder versiegt oder umgeleitet wurden; die blauen Linien sind Gewässer, die in ihrem Verlauf seit 1850 unverändert bestehen.

Eindrücklich sind die statistischen Daten zu den Landschaftsveränderungen, welche Brändli im Begleitheft zu seinen Karten aufführt:

  • Von den 7’989 Hektaren ursprünglicher Riedgebiete im Kanton Zürich wurden seit 1850 rund 75% entwässert. Besonders betroffen sind ehemalige Moore in den Gebieten Zürich-Nord, Zürich-Altstetten, Winterthur, Greifensee, Pfäffikersee, Gebiete rund um den Flughafen Kloten u.a.
  • Weit mehr als 50% der Flüsse erfuhren massive Korrekturen, sind heute eingedolt und grösstenteils Nutzbringer für die Landwirtschaft.
  • Die Aufschüttungen an den Ufern des Zürichsees reichen 20 bis 70 Meter in den See hinaus, in der Stadt Zürich bis 200 Meter. Sie erfolgten vor allem zum Ausbau der beiden Seestrassen und der Eisenbahnlinien.
  • Durch die Verlandung verloren Seen wie der Pfäffiker- oder Greifensee an erheblicher Fläche. Von den etwa 450 Seen und Kleingewässern des 19. Jahrhunderts verschwanden fast zwei Drittel. Künstliche Teiche und Weiher wurden sukzessive neu angelegt, ersetzen aber kaum den ökologischen Wert von natürlichen Kleingewässern.

Dank der Einsicht, dass zu viele Eingriffe in die Natur die Artenvielfalt und den ökologischen Kreislauf gefährden, werden heute immer mehr Projekte unterstützt, welche die früher erfolgten Eingriffe an Fliessgewässern wieder revidieren wollen und den Flüssen ihren natürlichen Lauf zurückgeben. Das Amt für Gewässerschutz und Wasserbau des Kantons Zürich zeigt seit einigen Jahren, wie Fliessgewässer revitalisiert werden können. Die Wiederbelebung der Reppisch oder die Tössabstürze in Rorbas und in Hard-Wülflingen sowie der Nefbach bei Neftenbach seien hier erwähnt. Diese Revitalisierungsprojekte machen wohl bald eine revidierte neue Ausgabe der “Historischen Gewässerkarte” notwendig.

Die Karten von Roland Brändli befinden sich in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und können anhand der Signatur K P 631179 bei uns eingesehen werden.

14.05.2009

Hans Vredeman de Vries: Variae architecturae formae (Antwerpen, 1601)

Filed under: Alte Drucke,Architektur,Bestände — Roland Lüthi @ 8:42

Tafel 38 aus Variae architecturae formae

Das architektonische Bilderbuch Variae architecturae formae erschien erstmals 1562. Die Neuauflage von 1601 aus der Sammlung Alte Drucke ist ein handliches Bändchen von 20 mal 26 cm im Querformat. Darin enthalten sind neben dem Titelblatt 49 Kupferstiche mit Darstellungen von Häusern, Plätzen, Gärten, Kolonnaden, Arkaden, Brunnen und Ornamenten.

Hans (oder Jan) Vredeman de Vries (ca.1527-1604) war ein holländischer Architekt, Maler und Autor der Renaissance. Neben Variae architecturae formae publizierte Vries ein halbes Dutzend weitere Werke zu Architektur, Perspektive und Ornamentik. Am besten bekannt ist wohl seine Architectura (Erstausgabe 1565). Sein Werk war in Nordeuropa sehr einflussreich, namentlich in Grossbritannien.

Variae architecturae formae wurde im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Institut gta digitalisiert und steht online als PDF (10,4 MB) zur Verfügung. Zwei weitere Drucke von Vries sind online bei der UB Heidelberg.

08.05.2009

Galileo Galilei: Dialogo […] dove ne i congressi di quattro giornate si discorre sopra i due massimi sistemi del mondo telemaico e copernicano (Florenz, 1632)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:45

Frontispiz der Ausgabe Strassburg 1635: Aristoteles, Ptolemäus und Kopernikus im Gespräch

Seiner Bedeutung für die Geschichte der Astronomie gemäss ist Galileis Dialogo  gleich vierfach in der Sammlung Alte Drucke vorhanden: Die Erstausgabe von 1632, gedruckt von Giovanni Battista Landini in Florenz, eine mit anderen Werken zusammengebundene Ausgabe gedruckt von David Hautt in Strassburg  (1635) und zwei von Jean Antoine Huguetan in Lyon gedruckte Ausgaben (1641).

Die Ausgaben von 1632 und 1635 zählen zu den äusserst wertvollen Beständen und sind deshalb für die Ausleihe gesperrt. Dafür ist die Ausgabe von 1635 online zugänglich.

Mehrere Ausgaben des Dialogo, darunter die Erstausgabe von 1632, sind online bei IMSS Digital Library (Institute and Museum of the History of Science, Florenz): http://fermi.imss.fi.it/rd/bd?lng=en.

Auch die Suche in Europeana liefert mittlerweile brauchbare Resultate, darunter etwa eine Erstausgabe in der Biblioteca Virtual del Patrimonio Bibliografico: http://bvpb.mcu.es/es/catalogo_imagenes/grupo.cmd?path=11001917.

Die zwei Ausgaben von 1641 können im Bibliothekskatalog NEBIS bestellt und im Lesesaal Spezialsammlungen konsultiert werden: http://opac.nebis.ch/F/?local_base=NEBIS&con_lng=GER&func=find-b&find_code=SYS&request=000188251.

Weitere Informationen zum Dialogo finden sich auf folgender Website der ETH-Bibliothek: http://www.ethbib.ethz.ch/exhibit/galilei/galileoa1.html.

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