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31.03.2009

Jahr der Astronomie 2009: Alte Drucke zur Astronomie

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:43

  Christoph Scheiner: Rosa Ursina (Bracciano, 1630); Kupferstich Seite 150 (Ausschnitt): Christoph Scheiner (sitzend) und ein Kollege bei der Beobachtung von Sonnenflecken

Im Rahmen der Astronomieausstellung des Instituts für Astronomie der ETH Zürich in Science City Hönggerberg zeigt die Sammlung Alte Drucke am 4. und 5. April 11 Originalwerke berühmter Astronomen. Zu sehen sind folgende Drucke:

Ptolemäus: Almagestum (Venedig, 1515)
Nikolaus Kopernikus: De revolutionibus orbium coelestium (Nürnberg, 1543)
Christoph Clavius: In sphaeram … Sacrobosco (Rom,1581)
Johannes Kepler: Mysterium cosmographicum (Tübingen,1596)
Tycho Brahe: Astronomiae instauratae mechanica (Nürnberg,1602)
Johann Bayer: Uranometria (Augsburg, 1603)
Galileo Galilei: Sidereus Nuncius (Venedig, 1610)
Christoph Scheiner: Rosa Ursina (Bracciano, 1630)
Galileo Galilei: Dialogo (Florenz, 1632)
Jan Hevelius: Prodomus astronomiae (Gdansk, 1690)
Johann Gabriel Doppelmayr: Atlas novus coelestis (Nürnberg, 1742)

Einige Autoren sind im Rahmen dieses Weblogs bereits vorgestellt worden, die restlichen werden bis Ende Jahr noch folgen.

Die Öffnungszeiten des Physikgebäudes HPH am Hönggerberg sind Samstag 4. April von 16.00-23.00 und Sonntag 5. April von 11.00-16.00. Es finden zahlreiche Vorträge und weitere Aktivitäten zum Thema Astronomie statt. Informationen dazu sind auf der Website www.astro.ethz.ch zu finden.

 

27.03.2009

Die Weltgeschichte gespiegelt in der geologischen Karte Finnlands 1:400 000 (1900-1984)

Filed under: Bestände,Geographie und Karten,Geologie,Kartensammlung — Carol Ribi @ 17:50

General Geological Map of Finland 1:400 000, Blatt Nyslott/Savolinna Nr. D 2 (1907)

General Geological Map of Finland 1:400 000, Blatt Nyslott/Savolinna Nr. D 2 (1984)

Die beiden Kartenbilder zeigen das gleiche Gebiet in Süd-Finnland beim Ladogasee zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlichen historischen Kontexten. Je nach territorialen Machtverhältnissen sieht die finnische Grenze zu Russland anders aus.

Die Karte oben ist aus dem Jahr 1907. Finnland ist zu dieser Zeit ein Grossfürstentum des russischen Zarenreichs. Die Grenzen verlaufen durch den Ladogasee. – Das Bild unten zeigt einen Faksimiledruck aus dem Jahr 1984. Die verwendeten Karteninformationen beruhen zwar auf der geologischen Karte von 1930, die Landesgrenzen aber verlaufen im Bild nach der Grenzziehung, die 1947 durch die Pariser Friedensverträge festgelegt wurde und bis heute gilt. Das bedeutet, dass die Grenzen auf der Karte von 1984 nachträglich angepasst wurden und es sich nicht um einen echten Faksimiledruck handelt.

Interessant sind also zwei Aspekte:

Im geologischen Kartenwerk Finnland 1:400 000, das seit 1900 kontinuierlich weitergeführt wird, spiegeln sich historische Ereignisse wider: Die Landesgrenzen von 1907 und 1984 entsprechen den jeweiligen territorialen Machtverhältnissen wie die beiden Karten oben deutlich zeigen.

Beim Faksimiledruck von 1984 (Bild unten) wurde der Grenzverlauf nachträglich angepasst. Die im Faksimiledruck verwendete Grundkarte von 1930 müsste eigentlich den gleichen Grenzverlauf wie die Karte von 1907 (Bild oben) aufweisen. Denn Finnlands Grenzen entsprechen 1930 immer noch denjenigen des alten Grossfürstentums, obwohl Finnland zu diesem Zeitpunkt bereits 13 Jahre lang eine unabhängige Republik ist. Der Grenzverlauf verändert sich erst während des Zweiten Weltkrieges in den sogenannten Winterkriegen (1939-1944). Finnland verliert an der Seite von Deutschland den Zweiten Weltkrieg und muss nach 1945 u.a. Teile Südfinnlands (West-Karelien) an die Sowjetunion abtreten. Demnach handelt es sich nicht um ein echtes Faksimile bei der Karte von 1984 (Bild unten), sondern um eine nachträgliche Anpassung an die Grenzverhältnisse von 1984.

Die Karte befindet sich unter der Signatur K P 209056 in der Kartensammlung der ETH-Bibliothek und kann im Lesesaal der Spezialsammlungen eingesehen werden. In der Kartensammlung befinden sich auch andere Karten zu Finnland.

20.03.2009

Altes Physikgebäude der ETH Zürich, Ansicht von Süden

Filed under: Architektur,Bildarchiv — Tags: — Nicole Graf @ 18:07

 Schweizer Polytechnikum, Physikgebäude (ohne Datum). Schwarz-weiss Fotoabzug 17,3 x 25,2 cm (Ans 5437: 1 album fol).

Das alte Physikgebäude der ETH Zürich war im Jahre 1905 das vom Hauptgebäude des Eidgenössischen Polytechnikums am weitesten entfernte Institut, wie es in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehens der ETH Zürich heisst. Gebaut wurde es am Abhang des Schmelzbergs in der Gemeinde Fluntern und lag – aus heutiger Sicht bemerkenswert – inmitten von Rebbergen an der Gloriastrasse 35. Das architektonisch bestechende Physikgebäude wurde in den Jahren 1887 bis 1890 nach den Plänen der Professoren der damaligen Bauschule F. Bluntschli und G. Lasius im Auftrag des Bundes und unter dessen Aufsicht erbaut. Die Kosten des Baus betrugen ca. 1‘200‘000 Fr., die Einrichtung der Laboratorien mit Instrumenten 500‘000 Fr.

Das alte Physikgebäude war ein ausserordentlich grosszügig konzipierter Bau mit hohen Räumen, weiten Korridoren, breiten Treppen, grossen Fenstern und dicken Mauern, aber ohne „energieverschlingende Luftkonditionierungsanlage” wie es in der Festschrift zur 125-Jahr-Feier der ETH Zürich heisst. Es war im Jahr 1977 abgebrochen worden, nachdem unzählige Male Um-, An- und Aufbauten ausgeführt worden waren.

Neue Gebäude für die Physik wurden ab 1961 auf der praktisch noch unerschlossenen „Aussenstation” Hönggerberg gebaut. Die Physik erhielt als erstes Institut der ETH Zürich neue Gebäude auf dem Hönggerberg.

Links:

Der abgebildete Fotoabzug ist Teil eines Albums über das Physikgebäude innerhalb der Ansichtensammlung des Bildarchivs der ETH-Bibliothek. Er ist – wie zahlreiche weitere Ansichten von ETH-Gebäuden auch – in digitaler Form über Bildarchiv Online öffentlich zugänglich.

Weitere Artikel zum Bau des alten Physikgebäudes können zum Beispiel in „Die Eisenbahn” im Baugedächtnis Schweiz Online im Volltext abgefragt werden.

Literatur:

Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Eidg. Polytechnikums

Eidgenössische Technische Hochschule 1955-1980: Festschrift zum 125jährigen Bestehen

13.03.2009

Christoph Scheiner: Disquisitiones mathematicae (Ingolstadt, 1614)

Filed under: Alte Drucke,Astronomie — Roland Lüthi @ 7:14

  

Kupferstich Seite 47: Geozentrisches (ptolemäisches) Weltsystem [nach Girolamo Fracastoro]

 

Kupferstich Seite 24: Heliozentrisches (kopernikanisches) Weltsystem [nach Nikolaus Kopernikus]

 

Kupferstich Seite 52: Tychonisches Weltsystem [Kompromiss zwischen Geozentrismus und Heliozentrismus nach Tycho Brahe]

Vier Jahre nach dem Erscheinen von Galileo Galileis Sidereus Nuncius veröffentlichte der deutsche Jesuitenpater, Optiker und Astronom Christoph Scheiner (1573-1650) zusammen mit seinem Schüler Stefan Locher das Werk Disquisitiones mathematicae. Die beiden Autoren beschrieben darin das ptolemäische, tychonische und kopernikanische  Weltsystem und brachten zahlreiche Argumente gegen letzteres vor. Im Februar 1615 übersandte Scheiner Galilei ein Exemplar mit der Bitte um Stellungnahme. Die abweisende Antwort Galileis erfolgte erst Jahre später in seinem wissenschaftlichen Hauptwerk Dialogo (Florenz, 1632). Zwischen Galilei und Scheiner entstand eine lange andauernde und erbitterte Rivalität, die bereits 1610 mit dem Streit um die Entdeckung der Sonnenflecken begonnen hatte.

Links:

Zur Kontroverse zwischen Galilei und Scheiner siehe auch die virtuelle Ausstellung: Galileo Galilei an der ETH Zürich (1999).

Disquisitiones mathematicae im Bibliothekskatalog NEBIS

Die hier gezeigten Bilder finden sich auch in E-Pics Alte Drucke: http://ad.e-pics.ethz.ch/link.jsp?id=Rar4325&view=searchresult.

Im Rahmen des internationalen Jahres der Astronomie finden and er ETH-Zürich verschiedene Veranstaltungen statt: http://www.astro.ethz.ch/. Am 4. und 5. April zeigt die Sammlung Alte Drucke als Sonderschau der Ausstellung in ScienceCity die einzigartigen Originalbücher von Galileo und Kopernikus, historische Himmelsatlanten und weitere wertvolle Bücher.

05.03.2009

Immanuel Friedländer: Gründungsaufruf für ein Internationales Vulkan-Institut in Neapel (Neapel, Januar 1911)

Filed under: Archive und Nachlässe,Naturwissenschaften — Tags: — Susanne Grulich Zier @ 16:27

Seite 1 (Ausschnitt) des Gründungsaufrufs für ein Internationales Vulkan-Institut in Neapel, Januar 1911; ETH-Bibliothek, Archive und Nachlässe, Hs 400:60

Auf dem Internationalen Geologen-Kongress 1910 in Stockholm hat Immanuel Friedländer (1871-1948) die Gründung eines Internationalen Vulkan-Instituts in Neapel angeregt. Die positiven Reaktionen liessen ihn im Jahr 1911 einen Aufruf zur Gründung eines solchen Instituts veröffentlichen. Die Hauptaufgabe des Instituts sollte darin bestehen, eine dauernde und systematische Untersuchung der vulkanischen Erscheinungen zu ermöglichen sowie die Erdbeben in der Region um den Vesuv zu registrieren.

Dem Gründungsaufruf war eine Zeichnungsliste beigefügt. Den Aufruf zur Gründung unterzeichneten zwar zahlreiche Personen, die tatsächlich zugesagten Beiträge für den Bau und den Betrieb des Instituts fielen allerdings weit geringer aus als Friedländer sich dies erhofft hatte. Zu seiner grossen Enttäuschung stand er mit seinem Engagement allein da.  Er schreibt in der ersten Ausgabe der Zeitschrift für Vulkanologie (Publikationsorgan des Vulkan-Instituts) im Jahr 1914:

„Die Absicht, ein internationales Vulkan-Institut zu gründen, habe ich leider aufgeben müssen. [...] Trotz all dieser moralischen Unterstützung erreichten die Geldzeichnungen nur einen sehr geringen Betrag.”

Doch durch die geringe finanzielle Unterstützung liess Immanuel Friedländer sich nicht aufhalten. Er beschloss, das Institut letztendlich selbst zu finanzieren, natürlich in einem kleineren Rahmen als ursprünglich von ihm geplant.

Im Jahr 1914 ist das Institut im Bau vollendet und die Ausstattung der Laboratorien wurde begonnen. Eine seismologische Station wurde am Institut zwecks Registrierung von Erdbeben in Zusammenhang mit den Vesuvausbrüchen in Betrieb genommen, eine Bibliothek und eine grosse vulkanologische Gesteinssammlung eingerichtet.

Die Geschichte des Vulkaninstituts war wegen der politischen Verhältnisse in der Zeit seines Bestehens ereignisreich. Doch konnte bis 1934 vulkanologisch gearbeitet werden, wenn auch weiterhin auf mehrheitlich privater Basis. Mitte der dreissiger Jahre führte die politische Lage schliesslich zur Einstellung der Tätigkeit am Institut in Neapel. Die Instrumente des Instituts erhielt das Observatorium des Seminario Arcivescovile in Neapel. Aufgrund eines Schenkungsvertrages wurde 1935 die Bibliothek des Vulkan-Instituts, die Foto- und Grafiksammlung sowie die Sammlung vulkanischer Gesteine an die ETH Zürich überführt. Die Fotografien befinden sich im Bildarchiv der ETH-Bibliothek.

Links:

Zeitschrift für Vulkanologie (1914-1938), Herausgeber Immanuel Friedländer:

Bei Archive und Nachlässe gibt es ein Verzeichnis von rund 8’900 Aufnahmen von Immanuel Friedländer aus den Vulkangebieten der Erde (ca. 1900-1935).

Über e-pics können Bilder von Immanuel Friedländer online angesehen werden.

Die Geschichte des Vesuv, Immanuel Friedländer und Giovanni Battista Alfano, 1929

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